Douglas Coupland – Alle Familien sind verkorkst

Beschreibung
Irgendwie sind die Figuren des 41-jährigen US-amerikanischen Autors Douglas Coupland, der 1994 mit dem Kultbuch Generation X debütierte, alle wie vom anderen Stern: verkorkst, ohne Zukunft, voll auf Droge und mit einer zumeist skurrilen Vergangenheit. Aber wenn man sich Couplands befremdliche Bestandsaufnahmen trostloser Vorstädte, Disneyworlds und Shopping Malls richtig vor Augen führt, dann merkt man schnell, dass seine dann doch wieder glaubwürdigen Helden eben auf dem merkwürdigsten Stern des ganzen Universums — unserer Erde — zu Hause sind.

So ist es auch im neuen, wieder einmal fulminanten Roman des Autors, der zunächst eher als Freak Show denn als Gesellschaftsroman daherkommt: Am Vorabend der Jungfernfahrt ihrer Contergan-geschädigten Tochter Sarah zum Mond hat deren Mutter Janet Drummond alle ihre Familienangehörigen samt ihres bisweilen arg paranoiden Anhangs zusammen getrommelt. Und das Bild, dass diese Gruppe vermittelt, passt so gar nicht zum zahnweißsauberen Astronautenimage, das die US-Presse von ihren Himmelsstürmern und deren Angehörigen so gerne zeigt: Janet, die nicht nur der Internet-Pornografie verfallen ist, hat ihren Tagesrhythmus nach den Zeitpunkten ihrer Tabletteneinnahme ausgerichtet. Sarahs Bruder Wade ist ein abgehalfterter und von Aids gezeichneter Ex-Hockey-Star, der eine prüde Bibelgläubige zur Frau genommen hat. Der jüngere Bruder Bryan wird nur noch von Selbstmordfantasien am Leben gehalten — und von einem Nachwuchswunsch, den seine schwangere, hochgradig cholerische Freundin Shw (Kind der antiautoritären 68er-Generation und benannt nach den Initialen eines zum erleuchteten Märtyrer stilisierten Freiheitskämpfers) nicht befriedigen will: Ihre Leibesfrucht hat sie längst zum Verkauf angeboten. Dass der Familienvater Ted ein sadistischer Bankrotteur ist, versteht sich fast von selbst. Und dann kippt der Plot unversehens um, und die Drummonds sind mitten drin in einer Geschichte rund um Amokläufer, Kinderhändler und Kloning, in deren Licht die Protagonisten ziemlich normal aussehen.

Sarah Drummond mag zum Mond fliegen, aber Coupland startet inmitten der prähistorischen Sumpflandschaft Floridas zur Expedition in die fremden Welten unserer Alltagswirklichkeit. Und das kann er nun mal besser als jeder andere. Alle Familien sind verkorkst ist ein neuer Beweis dafür.
(Beschreibung von Thomas Köster auf Amazon.de)

Sprecher
Sanne Schnapp

Länge
8 CDs

Meine Meinung
9 1/2 Stunden, die echt anstrengend sind. Davon ist man ca. 7 Stunden Zeuge eines nicht enden wollenden Familienstreits. Aber das klingt jetzt doch etwas zu negativ. Denn immerhin hat es mich dann doch so interessiert, dass ich es schließlich zu Ende gehört habe.

Die Story ist wie aus obiger Beschreibung bereits ersichtlich, ziemlich abgedreht, aber auch mit viel Humor, Sarkasmus und Ironie erzählt. Die amerikanische Gesellschaft wird hier herrlich aufs Korn genommen. Jeder Satz ist vollgestopft mit den irrwitzigsten Ausdrücken, Ideen und Phantasien. Das war mir stellenweise zu viel. Aber gut, das scheint Couplands Stil zu sein. Jedoch hat mir das etwas weniger aber auch schon sehr abgedrehte Buch „Eleanor Rigby“ besser gefallen.

Fazit: stars_3 ganz nett

Siehe auch: