Herman Melville – Bartleby

Beschreibung
„Ich möchte lieber nicht.“ Mit diesem Satz lehnt der Schreiber Bartleby nach und nach freundlich, aber bestimmt jeden Dienst für seinen Herrn ab. Als dieser ihn endlich auffordert zu gehen, möchte Bartleby auch das „lieber nicht.“ Stattdessen bleibt er untätig an seinem Platz und starrt träumend gegen die Wand. Verzweifelt zieht sein Dienstherr aus…

Sprecher
Christian Brückner

Länge
114 Minuten

Meine Meinung
Dieses Hörbuch habe ich vor zig Jahren schon einmal als Buch gelesen. Damals schon war ich von dem Text einfach nur begeistert. Und natürlich von der Vorstellung, seinem Chef sämtliche Arbeitsaufträge mit den Worten „Ich möchte lieber nicht“ zu verweigern.

Das Buch wurde zu einer Zeit geschrieben (1853 bis 1856), als es noch keine Maschinen gab, die automatisch eine Vielzahl von Kopien anfertigen. Nein, damals war eine Kopie eines Vertrages z. B. noch echte Handarbeit – erledigt von echten Menschen, die Wort für Wort abschrieben. Eine wahrlich stumpfsinnige Arbeit, wenn man als Kopist angestellt ist und von morgens bis abends nichts anderes macht, als Schriftstücke zu kopieren. Und das in einem sehr düsteren Büro, da die Wände der Hausmauern drumherum (die Geschichte spielt ja in der Wall Street), einfach viel zu hoch sind, als dass auch nur ein Lichtstrahl hereinscheinen könnte.

Und in so einer Umgebung mit solch einer Arbeit verweigert Bartleby, der anfangs äußerst fleißig und gewissenhaft seine Aufträge erledigt hatte, nach und nach jeden Auftrag, jede Bitte, etwas zu erledigen. „Ich möchte lieber nicht“ ist die stets gleiche Antwort, die der Chef, ein angesehener und vielbeschäftigter Rechtsanwalt fortan nur noch zu hören bekommt. Dieser Rechtsanwalt ist natürlich zunächst sehr empört über solch eine Antwort, versucht, diesen Menschen näher kennen zu lernen, aber er möchte halt lieber nichts von sich Preis geben. So ist also Bartleby den ganzen Tag da, arbeitet aber nicht mehr, schaut nur noch zum Fenster hinaus uns tut einfach nichts. Zu allem Überfluss stellt der Rechtsanwalt dann auch noch fest, dass Bartleby nicht nur tagsüber anwesend ist, nein er wohnt da! Der Rechtsanwalt ist entsetzt über diese Einsamkeit, die dieser Kopist empfinden muss. Er lebt von fast nichts, hat fast nichts und interessiert sich auch für nichts. Der Rechtsanwalt ist hin- und hergerissen von seinen Gefühlen. Denn einerseits müsste er Bartleby ja kündigen, aber andererseits tut er ihm unendlich leid. Alle Versuche, ein Gespräch mit ihm zu führen scheitern – enden sogleich mit den Worten „Ich möchte lieber nicht“. Als der Rechtsanwalt dann feststellt, dass auch er und seine beiden anderen Kopisten mittlerweile diese Redensart übernommen haben (z. B. „Möchten Sie den Kaffee lieber schwarz oder mit Zucker?“) beschließt er, Bartleby rauszuschmeissen. Aber er möchte lieber nicht. Und bleibt hartnäckig in der Kanzlei. Also kündigt er den Vertrag über die Büroräume und zieht mit seiner Kanzlei um. Bartleby bleibt allein und verlassen zurück.

Der Nachmieter der Räume hat somit Bartleby quasi geerbt. Doch wie es weiter geht mit Bartleby und ob der Nachmieter auch so verständnisvoll mit ihm umgeht, wird an dieser Stelle nicht verraten 😉

Nur so viel sei noch gesagt: wenn man dem Geschehen lauscht, ist man eigentlich die ganze Zeit sprachlos, wie denn so etwas passieren kann. Sehr faszinierend finde ich das. Der Sprachstil ist auch sehr schön, so dass einfach jeder Satz perfekt passt.

Christian Brückner als Sprecher hat mir sehr gut gefallen. Er hat es meiner Meinung nach sehr gefühlvoll und stets passend vorgetragen.

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Weitere Informationen
Eine Hörprobe sowie weitere Informationen gibt es bei Audible.de

Siehe auch: