Gerard Donovan – Winter in Maine

Beschreibung
Der Winter in den Wäldern von Maine ist kalt und einsam. Bisher hat das Julius Winsome nicht gestört, er lebt schon lange allein, mit dreitausend Büchern und seinem treuen Gefährten, dem Pitbullterrier Hobbes. Als sein Hund eines Nachmittags offenbar absichtlich erschossen wird, bricht Julius‘ Welt zusammen.

Es sind tiefsinnige, melancholische und psychologisch brisante Passagen, es ist die grandiose Sprache, die diesen stillen und ergreifenden Roman zu einem Meisterwerk machen.

Sprecher
Markus Hoffmann

Länge
324 Minuten

Meine Meinung
Eine einsame Hütte im Wald, umgeben von 3000 Büchern, eine traumhaft schöne Vorstellung wie ich meine. Für Julius war das auch sein Leben, anders kannte er es nicht, anders wollte er es auch nicht. Bis eines Tages eine Frau aus dem Wald auftaucht, eine Liebschaft beginnt zwischen den beiden und bald meint die Frau, dass Julius einen Hund bräuchte, damit er nicht immer so alleine in der Hütte sei. Schnell ist ein treuer Gefährte für Julius gefunden. Und dann verschwindet die Frau plötzlich wieder aus seinem Leben. Das ist zwar zunächst schwer für Julius, doch er akzeptiert es und lebt von nun an mit seinem treuen Gefährten, dem Hund Hobbes, in seiner Waldhütte und seinen Büchern.

Kontakt zu Menschen hat er kaum, einzig seine Erinnerungen an seinen Vater und seinen Großvater begleiten ihn durch den Tag und natürlich die 3000 Bücher, davon hauptsächlich Shakespeare. Als Junge musste er täglich 3 Wörter aus dem elisabethanischen Zeitalter lernen – er notierte sie damals fein säuberlich und Julius liest auch immer wieder in seinem Vokabelheft, damit er die Begriffe nicht vergisst.

Doch dann kommt der Tag, an dem der geliebte Hund erschossen wird. Absichtlich hingerichtet – aus nächster Nähe von einem Unbekannten. Und von da an ändert sich Julius. Er versucht zunächst Hinweise über die Tat zu bekommen, indem er ein Plakat in der nächst gelegenen Stadt aufhängt. Als dann Passanten das Plakat mit Sprüchen beschmieren nimmt er es wieder ab. Sehr verärgert. Und dann beginnt sein Rachefeldzug. Da in Maine gerade Jagdsaison ist, sind natürlich sehr viele Jäger in „seinem“ Wald unterwegs. Er schießt auf einen, zeigt ihm das Plakat, fragt: warst du das?, dann ist der Mann tot. Dann den nächsten und den nächsten.

Hier habe ich mich dann gefragt: ist das einfach ein übler Rachefeldzug oder versucht er einzig den Fall aufzuklären? Hin- und hergerissen ist man von den Handlungen und den Überlegungen von Julius und das schlimme ist: ich konnte den Mann sogar verstehen! Ich fand das sehr wohl nachvollziehbar was er tat. Aber ist das ok? Selbstjustiz zu üben? Meine ganz klare Meinung dazu ist: nein, es ist nicht ok. Aber bei den Schilderungen in diesem Buch kam ich echt ins Schwanken und war über mich selbst überrascht, dass ich so viel Sympathie für einen Mörder aufbringen konnte.

Aber nicht nur die Geschichte an sich ist genial. Auch die Sprache hat mich derart begeistert, dass ich mir manche Sätze sogar notiert habe. Sehr philosophisch kommt das ganze Buch daher, selbst als er mordet wird das in einer sehr ruhigen Art beschrieben, manchmal schien mir das ziemlich kontrovers. Man ist „eingelullt“ von der tollen Sprache und lauscht einem Mord. Klasse gemacht.

Allein schon der Sprache wegen ist dieses Buch absolut empfehlenswert. Und dann noch gebündelt mit der wirklich zum Nachdenken anregenden Story ist dieses Hörbuch ein wahres Juwel. Es ist ein zutiefst menschliches Buch. Nicht abgedreht, nicht effekthascherisch, einfach verdammt lebensnah. Ein Beispielsatz: „Nur selten kommt man sich so nahe, dass man merkt, wie fremd man sich ist.“

Markus Hoffmann als Sprecher hätte man nicht treffender auswählen können. Einfach perfekt.

Dieses Hörbuch kommt auf die Liste meiner Lieblinge.

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Weitere Informationen
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