Eric-Emmanuel Schmitt – Oskar und die Dame in Rosa

Beschreibung
Mit diesem Hörspiel ist ein kleines Kunststück gelungen: Stilsicher, ohne falsche Sentimentalität wird ein schwieriges, nahezu tabuisiertes Thema „philosophisch“ umkreist. Es ist das Sterben von Kindern aus der Sicht eines Kindes, das weiß, dass es nicht mehr lange leben wird. Vielleicht liegt es an der großartigen Gisela Trowe, die als Oma Rosa den kleinen Oskar bis zum Ende begleitet, vielleicht an Jannik Schümann in der Rolle des leukämiekranken Oskar, jedenfalls fühlt man sich am Ende des Hörspiels unerwartet leicht, zuversichtlich und kein bisschen bedrückt. Mehr noch, man hat einen anderen Blick auf den Tod bekommen.

Eingebettet in die Geschichte eines kleinen Jungen, der sterben wird, es weiß und in Briefen an Gott von seinen Erlebnissen erzählt, wird der philosophische Stoff des Todes inszeniert. Denn es ist wichtig, dass darüber gesprochen wird. Am Anfang leidet Oskar zwar unter seinem bevorstehenden Tod, mehr noch macht ihm aber das Verhalten seiner Eltern zu schaffen. Oskar spürt, wie sie sich abwenden, er fühlt ihre Lügen und kann das nur als Liebesentzug verstehen. Zu der unfassbaren, ungerechten Todesverurteilung kommt für ihn noch die Abwendung seiner Eltern.

In diesem verzweifelten Stadium hilft dem krebskranken Oskar Oma Rosa. Sie rät ihm, Briefe an den lieben Gott zu schreiben und sich vorzustellen, ab sofort jeden Tag zehn Jahre älter zu werden. Und Oskar lässt sich darauf ein, er durchlebt im Zeitraffer Pubertät, Liebe und Eifersucht, Midlife-Crisis und das Alter. Er feiert mit Oma Rosa und seinen Eltern noch ein wunderbares Weihnachtsfest und stirbt dann im Einklang mit sich und der Welt.

Eric-Emmanuel Schmitt zählt zu den international erfolgreichsten zeitgenössischen Dramatikern. Nach der inzwischen verfilmten, erfolgreichen Erzählung „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ wurde auch „Oskar und die Dame in Rosa“ ein Bestseller. Der Autor kannte selbst einen todkranken Jungen; seinen Vater, der als Physiotherapeut arbeitete, durfte er oft in die Klinik begleiten. Mit „Oskar und die Dame in Rosa“, im Februar 2002 als Bühnenstück in Paris uraufgeführt, schrieb der ehemalige Philosophiedozent eine wichtige Geschichte über Leben und Tod. Das Buch gehört zur „Trilogie des Unsichtbaren“. „Oskar und die Dame in Rosa“ thematisiert das Christentum, „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ widmet sich dem Sufismus, und „Milarepa“ beschäftigt sich mit dem Buddhismus.

Fazit: Regisseur Sven Stricker hat ein bewegendes Hörspiel geschaffen, ein wichtiges Thema beeindruckend inszeniert. Mit Weisheit, Humor und bar jeglicher Sentimentalität. Eine Produktion des Norddeutschen Rundfunk 2003.

Sprecher
Gisela Trowe (als die Dame in Rosa) und Jannik Schümann (als Oskar, den krebskranken Jungen)

Länge
88 Minuten

Meine Meinung
Was für eine schöne Erzählung! Schon allein der Mut, sich an solch ein Thema heranzuwagen, verdient ein Extrasternchen. Denn es ist wohl so ziemlich das schwierigste Thema überhaupt: wenn Kinder sterben müssen.
Eric-Emmanuel Schmitt hat mit seiner robusten Dame in Rosa eine starke Persönlichkeit erfunden, die Oskar immer wieder mit Rat und Tat beiseite steht und stets gute Tipps für ihn hat, wie er seine Gedanken positiver lenken kann.
So hatte ich hier ein Hörbuch vor mir, dass mit viel Charme, viel Ernsthaftigkeit aber auch mit sehr viel Witz recht leicht erzählt wird, auch wenn es eigentlich verdammt schwere Kost ist.
Selten habe ich gesehen, dass diese Gratwanderung bravouröser gemeistert wurde. Es ist kein bisschen kitschig, es rührt nicht (oder fast nie) zu Tränen und doch schwebt das Thema „Tod eines Kindes“ stets über dem Geschriebenen bzw. Gehörten. Denn einzig darum und wie man mit dem Wissen um den nahen Tod umgehen kann, geht es in diesem Hörspiel.

Die beiden Sprecher waren super! Keine Stimme hätte besser zu „Oma Rosa“ gepasst, keiner hätte den jungen Oskar besser vertonen können. Insgesamt war dieses Hörspiel sehr, sehr gut gemacht. Großes Lob an den Regisseur Sven Stricker.

Fazit: absolut empfehlenswert

Siehe auch: