Jan Seghers – Die Braut im Schnee

Beschreibung
„Wenn du mich fragst hat der Täter nicht mehr alle Tassen im Schrank.“ Kommissar Marthaler und sein Team stehen vor einem nie da gewesenen Fall: eine regelrecht „drapierte“, „ausgestellte“ Leiche. Gabriele Hasler, 29 Jahre, sie wurde von ihrem Mörder durch ein Martyrium geschickt. Hochspannung von der ersten Seite an!

Dramatik und Dramaturgie, Lebendigkeit und Profil der Figuren, es ist einfach alles perfekt in diesem Krimi. Eine überzeugende und schlüssige Handlung, ein klug durchdachter Aufbau und: hinterlistiges Spurenlegen für den Leser, denn schon früh sind da Ahnungen, Verdachtsmomente, Gefühle eben und schnell ist man geneigt, sich auf einen mutmaßlichen Täter ‚einzuschießen’. Und dann kommt doch alles ganz anders. Ein Katz-und-Maus-Spiel nicht nur mit dem Opfer, auch mit dem Leser. Gelegentliche Nebenschauplätze gönnen eine Verschnaufpause, ganz nach dem Motto: „Make them wait“.

Als Matthias Altenburg kennt man den Autor schon, aber ein „richtiger Krimiautor“ braucht ein Pseudonym, sagt Seghers. Bekennender Henning-Mankell-Fan ist er und wen wundert’s, dass sein Kommissar Marthaler durchaus verwandtschaftliche Züge mit dem noch prominenteren Kollegen Wallander aufweist: gutes Essen, klassische Musik, Probleme bei Beziehungskisten, kämpferisch, wenn er mit Behörden aneinander gerät und stets, wenn’s brenzlig, wird ein Einzelgänger. Es sind die privaten Momente, die Marthaler aus der Schablone des Kommissars herausholen. Für seine tschechische Freundin, die ihn liebevoll „Meine dicke Honigpferd“ nennen darf, will er sein Leben ändern, weniger Stress und abnehmen. Die frommen Wünsche eines Krimi-Helden!

Auffällig an Seghers neustem Buch: es ist keine ausschließlich an Fakten orientierte Ermittlungsarbeit, sehr temporeich übrigens. Beleuchtet wird daneben auch die psychische Seite der bestialischen Gewalt, die Persönlichkeit eines sadistischen Kriminellen. Und dann geschieht ein weiterer Mord, der Täter „verliert die Kontrolle über sich“, Angst geht um, dass seine ‚Brutalität sich noch steigern wird’. Der Druck auf das Ermittlerteam ist groß. „Es ist exakt die gleiche Scheiße wie schon beim ersten Mal.“
Beschreibung von Barbara Wegmann -> Amazon

Sprecher
Miroslav Nemec

Länge
4 CDs

Meine Meinung
Diesen Krimi fand ich vom Aufbau her etwas einfallslos. Es kam alles schön in zeitlich korrekter Folge und wenn wir eine neue Tote brauchten, dann wurde die kurzerhand so aus dem Nichts erfunden, kurz vorgestellt und auch gleich abgemurkst. Schon haben wir ein neues Opfer…

Aber davon abgesehen war der Krimi recht spannend und er hat mich auch gut unterhalten. Was mich allerdings furchtbar nervte waren zwei wesentliche Punkte:

1. Der Sprecher.
Miroslav Nemec hat dieses Hörbuch derart unmotiviert vorgetragen, das fand ich wirklich grenzwertig. Außerdem passt seine Aussprache ganz und gar nicht zu einem Krimi, der in Frankfurt spielt. Ich wohne in der Nähe von Frankfurt – ich weiß wovon ich rede. Für die Sprecherauswahl und -leistung gibt es einen Stern Abzug.

2. Die Musik
Mal ganz abgesehen davon, dass Musik bei einer Lesung eigentlich nichts verloren hat, so war sie hier völlig daneben. Unpassendere Musik hätte man nicht auswählen können. Das hat mich sowas von genervt! Auch hierfür gibt es einen Stern Abzug.

Wären noch 3 Sternchen übrig für einen eigentlich recht guten Krimi. Denn das Ende fand ich dann doch sehr clever gemacht und es hat mich wieder etwas versöhnt mit den o. g. Kritikpunkten. Insgesamt war dieser Krimi jedenfalls kurzweilig und unterhaltsam. Aber vielleicht sollte man hier besser auf die Buchversion zurückgreifen.

Fazit: ganz nett