Travis

01.09.1990 – 27.04.2012

Ich vermisse, dass Geräusche in meiner Wohnung sind, dass Trockenfutter lautstark geknabbert wird, dass Krallen auf den Holzdielen Laufgeräusche hinterlassen, dass ein leises Rauschen zeigt, du pieselst gerade.

Dass du mich mit deinen wunderschönen Augen verdutzt anschaust, wenn ich manchmal um 20.00 Uhr auf dem Bett liege und total kaputt bin, dass du dich dann zu mir legst und schnurrst, was das Zeug hält.

Ich vermisse, dass du mich lauthals anmaulst, wenn dir das Essen, das ich dir liebevoll hinstelle, nicht deiner Vorstellung von einem wahrhaft leckeren Menü entspricht, dass du selbstbewusst vor der Wohnungstür sitzt und solange miaust, bis ich dir genehmige, mitten in der Nacht nach draußen zu gehen – obwohl du ein eingefleischter Etagentiger bist, dass ich spätestens 10 Minuten später eine überglückliche Katze in Empfang nehmen kann, die das Abenteuer „Draußen“ mal wieder unterschätzt hatte.

Ich vermisse, dass du dich samstags grundsätzlich genau auf den Artikel in der Zeitung setzt, den ich gerade lesen will, dass du mir klar zeigst: du willst verreisen? Nicht ohne mich –> Koffersitzblockade; dass du am Fenster sitzt und auf meine Rückkehr wartest und dass du mir dann den Allerwertesten zeigst, wenn ich wieder da bin.

Ich vermisse, dass du dich in meinem Bett auf meine Beine legst, damit ich mich auch ja nicht mehr bewege, dass du mich morgens beim Aufwachen anschnurrst, dass du mir Geschichten über Geschichten erzählst und nicht aufhörst zu plappern, dass meine Quasseltante mir immer wieder ihre Träume erzählt!

Ich vermisse, dass ich freudig begrüßt werde, wenn ich nach Hause komme, dass ich dir meine Sorgen erzählen kann und dein weiches Fell kraulen kann.

Dass wir zwei beide eine Katzen-/Mensch-Kommunikation führen, die niemand außer uns verstehen kann, dass du mir sagst: es wird Zeit schlafen zu gehen. Es ist schon verdammt spät, dass du – wenn ich mal wieder uneinsichtig bin – alleine ins Bett gehst und schon mal Heizung spielst.

Ich vermisse, dass du zum kleinen Kampftiger wirst, wenn eine andere Katze dein Reich betritt, dass du meine Blumensträuße ebenso liebst wie ich, dass du sie auch ab und an vor lauter Liebe und Schmusen umwirfst und eine riesen Pfütze verursachst.

Ich vermisse, dass du dich von deinem Platz erhebst und dich auf meinen Bürostuhl setzt, damit du meinen stümperhaften „Klavierspielversuchen“ in Stereo lauschen kannst, dass du mir deutlich zeigst: Mädel, lass mich einfach in Ruhe, ok?! Dass du mir aber auch zeigst: Schmusen? Schmusen wäre toll, oder?! Und zwar sofort, hier und jetzt. Keine Widerrede!

Ich vermisse, dass du – wenn ich meinen Rappel kriege und Musik ganz laut hören will – mich anschaust, als wäre ich komplett bescheuert. Hast wahrscheinlich Recht damit. Dass du der Waldstein-Sonate von Beethoven genauso begeisterst lauschst, wie ich.

Ich vermisse, dass du immer bei mir bist. Bin ich im Wohnzimmer, du bist da. Bin ich im Bad, du bist da. Bin ich in der Küche, du bist da. Bin ich in meinem „Büro“, du bist da.

Doch jetzt, jetzt bist du nicht mehr da.

Ich danke dir für über 21 Jahre bedingungslose Liebe. Ich vermisse dich schrecklich!