Pearl S. Buck – Die gute Erde

Beschreibung
Die ewige Sehnsucht nach dem Glück: Der berühmteste Roman der Literaturnobelpreisträgerin Pearl S. Buck gelesen von Ulrich Noethen.
Es ist die ergreifende Geschichte des armen Bauern Wang Lung, der sich mit Fleiß, Sparsamkeit und Verzicht großen Reichtum erwirbt. Weder Hungersnöte noch Überschwemmungen können den Bauern entmutigen, auf seine „gute Erde“ zu vertrauen. Doch die Freude über sein Glück wird ihm zusehends durch seine drei Söhne genommen, die keineswegs in seine Fußstapfen treten wollen.
Ein epischer Roman aus dem China des 20. Jahrhunderts über die Liebe und darüber, was im Leben wirklich zählt. Neu herausgegeben und mit einem Vorwort von Tilman Spengler.

Auszug aus dem Vorwort der Buchausgabe von Tilmann Spengler

Es bleibt auch heute noch ein Rätsel, warum dieser große Roman, warum die wechselvolle Geschichte des armen Bauern Wang Lung und seiner Frau O-Lan auf Anhieb zu einem so spektakulären, preisgekrönten Bucherfolg werden konnte. „Als ging die Sonne im Westen auf“, soll Pearl S. Buck gesagt haben, als ihr Verleger ihr im Herbst 1931 die ersten Reaktionen kabelte. So reagiert eine Amerikanerin mit chinesischem Herz, wenn sich Wunderliches zuträgt.

Tief im ländlichen China spielt die Handlung von „Die gute Erde“, das ist ein Teil des Rätsels. Denn dieses Land galt in jenen Jahren keineswegs als exotischer Traum, als verlockendes Shangrila. Im Gegenteil, das vormalige Reich der Mitte und seine Bewohner standen spätestens seit der Mitte des vorausgegangenen Jahrhunderts als Chiffre für so ziemlich alle Schattenseiten der menschlichen Existenz. Chinamen, wie man damals gern sagte, gehörten kulturell, gesellschaftlich oder wirtschaftlich eindeutig zu den Verlierern der Geschichte und wurden, gerade weil sie die Verlierer waren, noch als eine fatale und mysteriöse Bedrohung empfunden. Vor Chinesen galt es, sich abzuschirmen, das bewiesen überdeutlich viele Gangsterfilme und Schauerromane, in denen Schlitzausgen namenloses Entsetzen verbreiteten.

Ein weiteres Rätsel um den Erfolg des Romas war literarischer, genauer: literaturpolitischer Natur. „Die gute Erde“ erzählt das Schicksal einer wirtschaftlich aufsteigenden und einer anderen, wirtschaftlich niedergehenden Familie. Aber warum musste die Autorin für dieses ja nicht neue Thema ausgerechnet den Schauplatz China wählen?

Soziale Verwerfungen, Missernten, Hungersnot, das waren wichtige Themen, gewiss, sie wren sogar die zentralen Themen jener Zeit, die nach dem Börsenkrach von 1929 als die Jahre der Great Depression in die Geschichtsbücher eingingen. Doch warum musste der Blick dazu nach China schweifen? Schließlich gab es auch die Bücher von John Steinbeck, um auf das Los entwurzelter Farmer aufmerksam zu machen – nicht irgendein entferntes Los, sondern das Grauen direkt vor der Türe, wie etwa in Oklahoma.

Vielleicht war ihr das Geheimnis offenbart worden, auf krummen Zeilen gerade zu schreiben. Ihr literarischer Stil, das gab sie selber zu, mischte auf ungewöhnliche Weise die Erzählform der Bibel mit den eher schlichten Konstruktionen des klassischen chinesischen Romans. Auch so kann man fesselnd erzählen, nur war vor Pearl S. Buck kein Schriftsteller darauf gekommen oder dazu in der Lage. Ihr Roman steckt voller Details, die sonst nur Volkskundler einer Notiz für würdig hielten.

Doch Pearl S. Buck war eine genaue Beobachterin, und ihre Beschreibungen fallen bei allem Fremdgeschmack nie niedlich oder putzig aus, dafür schenkt sie auch den scheinbar trivialen Umständen zu viel Gewicht. Ihr China ist eben keine Vorstellung von „Holiday on Rice“, ist bittere, nie verklärte, ist zu einem großen Teil eben auch miterlebte Realität. Folglich durchschneidet das Ende des Romans jeden einfältigen Traum des Bauern von einer andauernd „guten Erde“. Das Schicksal heißt hier Fortschritt, und der hat auch in China erschreckend viele verschiedene Gesichter.

Tatsächlich ging durch den Erfolg von Pearl S. Bucks „Die gute Erde“ für manchen Chinesen die Sonne im Westen auf. Jedenfalls ein wenig. Zum ersten Mal kam die chinesische Literatur vor einem großen Publikum zur Sprache, als nämlich die Nobelpreisträgerin in ihrer Dankesrede über deren historische Höhepunkte sprach. Die einander überschlagenden Absatzrekorde des Romans sollen nicht unerheblich zu beigetragen haben, dass sich in Amerika und in dem nicht von den Nazis unterworfenen Europa das Feindbild des schurkischen Chinesen verflüchtigte. Mehr darf, mehr kann man von einem Buch nicht erwarten, selbst wenn es sich um einen weltweiten Verkaufsschlager handelt.

Pearl S. Buck (1892 – 1973)
verbrachte 40 Jahre ihres Lebens in China. Für das Buch „Die gute Erde“ bekam sie 1931 den Pulitzerpreis sowie 1938 als erste amerikanische Frau den Nobelpreis. 1934 verließ sie China und lebte bis zu ihrem Tod 1973 in New York und Pennsylvania.

Kritikerstimmen
„Kein anderes Buch hat das Bild des vorrevolutionären Chinas im Westen so sehr geprägt wie „Die gute Erde“.“
getAbstract, Juni 2007

Sprecher
Ulrich Noethen

Länge
368 Minuten

Meine Meinung
Dieses Buch hat mich sehr fasziniert. Es hat mich in eine mir völlig fremde Welt entführt. Nämlich in das China kurz nach dem Börsenkrach. In ärmlichen Verhältnissen wächst der Junge Wang-Lung als Bauernsohn auf. Als er alt genug für eine Hochzeit ist, kann er sich, da sie arm sind, keine Braut aussuchen. Sein Vater „kauft“ ihm eine Dienerin aus reichem Hause. Und diese Dienerin namens O-Lan erweist sich als wahrer Glückgriff. Denn sie schenkt ihm Kinder, bewirtschaftet mit ihm die Felder, bald haben sie es zu etwas gebracht. Doch dann geht die ganze Ernte kaputt und sie stehen vor dem wirtschaftlichen Aus. Was gleichbedeutend mit einer lebensbedrohlichen Situation ist. Denn sie haben nichts mehr zu essen.

Wie das Leben der beiden, das über mehrere Jahrzehnte erzählt wird, weiter geht, werde ich hier nicht erzählen. Nur soviel: „Die gute“ Erde ist ein berauschendes Buch. Pearl S. Buck beschreibt sehr bildhaft und auch gnadenlos die Zustände im damaligen China. Und das kann sie auch sehr gut, hat sie doch selbst 40 Jahre dort gelebt. Dadurch entsteht eine dicht gepackte Story, die voll ist von Details, die aber niemals überflüssig scheinen. Ganz im Gegenteil, durch diese Detailverliebtheit hat man das China, welches sie sah und in welcher die Geschichte von Wang Lung erzählt, bildlich vor Augen.

Ein Buch mit Tiefgang, mit einer tollen Story und mit sehr glaubhaft dargestellten Personen. Diesen Roman sollte man sich nicht entgehen lassen.

Traumhaft gut war auch die Leistung von Ulrich Noethen. Er hat diese Geschichte mit sehr viel Feingefühl vortragen.

Dieses Hörbuch hat es auf meine Bestenliste geschafft.

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Weitere Informationen
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