Gerhard Loibelsberger – Die Naschmarkt-Morde

Die Naschmarkt-MordeBeschreibung
Wien 1903. Auf dem nächtlichen Naschmarkt, dem größten Viktualien-Markt der Stadt wird die junge Gräfin Hermine von Hainisch Hinterberg brutal ermordet. Die Presse macht viel Lärm um den Naschmarkt-Mord, vor allem der Journalist Leo Goldblatt übt Druck auf die Polizei aus. Und während sich Joseph Maria Nechyba, Inspector des kaiserlich-königlichen Polizeiagenten-instituts und ausgewiesener Gourmet, lieber seinem leiblichen Wohlbefinden als den Ermittlungen widmet, geschieht ein weiterer Mord am Naschmarkt …

Sprecher
Gerhard Loibelsberger (Autorenlesung)

Länge
272 Minuten (4 CDs)

Meine Meinung
In diesem Krimi aus dem alten Wien geht es mörderisch zu. Denn es werden Frauen auf dem Naschmarkt brutal ermordet. Nach dem ersten Mord interessiert es den Inspector  noch nicht so sehr, er fröhnt lieber seiner Leidenschaft dem Essen bzw. dem Kochen und heckt Pläne aus, wie er die Frau seiner Träume beeindrucken könnte.

Doch der Druck auf ihn wird größer, als ein weiterer Mord passiert. Nun muss er wohl doch seiner Aufgabe als Inspector gewissenhafter nachgehen. Es gibt sehr viele Verdächtige und es gibt herrliche Situationskomik. Nicht selten musste ich herzhaft lachen, ob der beschriebenen Geschehnisse. Wenn ich daran denke, muss ich schon wieder schmunzeln.

Die Geschichte ist – abgesehen von den Morden – ein kulinarisches Erlebnis. Es wird sehr genau die Zubereitung verschiedenster Gerichte beschrieben, bei der einem ganz automatisch das Wasser im Mund zusammen läuft. Überhaupt habe ich die Geschichte zunächst weniger als Krimi empfunden. Sie  war über lange Strecken ein Roman über einen Gourmet, der von Beruf zwar Inspector, aber nicht sonderlich engagiert darin ist. Das ändert sich erst im letzten Drittel. Da wird die Story dann wirklich zum Krimi. Und zwar zu einem guten Krimi.

Die Protagonisten fand ich durchweg gut beschrieben, ich hatte sehr schnell von den einzelnen Personen das Aussehen samt Charakter verinnerlicht. Somit kam ich flott in die Geschichte hinein und befand mich mitten im Wien von 1903.

Diesen Eindruck verstärkte natürlich die Autorenlesung. War ich zunächst skeptisch, als ich sah, dass Gerhard Loibelsberger sein Buch selbst liest, so wurde ich recht schnell davon überzeugt, dass er auch das Sprechen seines Textes sehr gut macht. Mit dem wienerisch kam ich erstaunlicherweise sehr gut zurecht. Nach kurzer Eingewöhnung verstand ich den „Dialekt“ sehr gut. Natürlich gab es hier und da Ausdrücke, die mir gar nichts sagten. Doch dafür gibt es im Inlay der CD-Box ein kurzes Glossar der wienerischen Ausdrücke.

Einziger kleiner Kritikpunkt: die Lautstärke ist anfangs stellenweise sehr unterschiedlich. Mal spricht Loibelsberger normal laut, dann schreit er und dann flüstert er – je nach Situation. Diese Betonung ist zwar sicherlich z. B. für die Bühne erforderlich, aber es ist unangenehm, wenn man die Geschichte über Kopfhörer oder im Auto hört. Aber das ist mir wie gesagt nur am Anfang negativ aufgefallen.

Insgesamt hat mich der Krimi „Die Naschmarkt-Morde“ köstlich unterhalten und ich bin schon gespannt, auf weitere kulinarische Geschichten aus Loibelsberger Feder.

Mein herzlicher Dank geht an den Mono-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Fazitstars_5 absolut empfehlenswert (wenn man wienerisch gerne hört)