Christine Fehér – Dann bin ich eben weg. Geschichte einer Magersucht

Dann bin ich eben wegBeschreibung
Obwohl Sina nicht dick ist, passt sie in die geile Jeans von Melli nicht rein. Als sie eines Tages die Butter aus dem üppig belegten Käsebrot ihrer Mutter hervor quellen sieht, überkommt sie der Totalekel. So dick und frustriert will sie nicht werden! Sina beginnt eine Diät. Bald passt sie in die Jeans – und endlich beachtet sie auch ihr heimlicher Schwarm Fabio. Doch irgendwann kann Sina nicht mehr aufhören mit dem Kalorienzählen. Als die anderen merken, was mit ihr los ist, ist sie schon viel zu dünn…
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Authentische Geschichte, die Mut macht, dem Schlankheitswahn zu trotzen

Seiten
187

Verlag
cbt

Meine Meinung
Magersucht ist eine Krankheit, die man als gesunder Mensch ohne Hintergrundinformationen nur schwer nachvollziehen kann. Den Klappentext fand ich recht interessant und auch, dass es eine authentische Geschichte ist, ließen mich das Buch kaufen.

Heute habe ich damit angefangen, heute habe ich es beendet.

Das Buch hat mich nicht von Anfang an gefesselt. Es war mir zunächst viel zu flach. Das typische Klischee: die eine Freundin ist gertenschlank und wunderhübsch, alle Jungs stehen auf sie und die andere ist auch sehr hübsch, nicht so schlank, aber auch nicht dick – sie fühlt sich eben nur so. Auf einer Familienfeier kommt ihr ihr schwabbeliger Onkel in angetrunkenem Zustand zu nahe – Sina war entsetzt. Klar. Aber das hat mich alles nicht wirklich gepackt – es klang alles so klischeehaft. Trotzdem las ich weiter.

Die Kapitel beginnen immer mit dem aktuellen Gewicht der Protagonistin und was sie an dem Tag gegessen hatte. Die Gewichtsangaben und die Essensmengen wurden immer weniger. Ich wurde immer schockierter! Wie konnte man von so wenig noch Energie haben? Das spitzte sich immer mehr zu bis zu einem Drittel Salzstängchen morgens, einem weiteren Drittel mittags und dem letzten Drittel Salzstängchen abends. Doch wie kann man da noch von Essen sprechen? Und wie konnte man dann noch Sport betreiben? Für mich unvorstellbar, die Protagonistin hat das knallhart durchgezogen.  Eigentlich wollte sie gar nichts mehr essen. Sie ekelte sich richtig vor Essen. Selbst vom Salat wurde sorgfältig das Öl geschabt, bevor sie ein kleines Stück von einem Salatblatt abbiss und das ihr Abendessen darstellte.

Es kam wie es kommen musste, ihr Zustand wurde lebensbedrohlich und sie wurde nach einem Kreislaufkollaps in eine Klinik eingeliefert. Sie schwebte in Lebensgefahr. Von dort ging es in die geschlossene Psychiatrie, wieder zuhause, machte sie mit ihrem Schema wieder weiter – Rückfall. Schließlich kommt sie in eine Wohngemeinschaft, in der ausschließlich Magersüchtige leben – unter psychologischer Betreuung. Erst hier kann ihr wirklich geholfen werden.

Und da liegt in meinen Augen das große Manko an diesem Buch. Es wird nur recht wenig Zeit darauf verwendet, was die wahren Ursachen für ihre Magersucht sind und wie man es therapieren kann. Von den Therapiestunden werden nur 3 Berichte erzählt. Und plötzlich ist Sina sich ihres Lebenswillens wieder bewusst und lebt fortan glücklich und geht Pizza essen! Da hätte ich mir doch weitere mindestens 100  Seiten gewünscht, die sich näher mit der Hilfe, mit der Therapie beschäftigt hätten. So erwuchs der Eindruck, dass wenn man erstmal in die richtige Einrichtung kommt, nach kurzer Zeit alles wieder gut ist. Das wäre zwar wünschenswert, ist aber absolut unrealistisch.

Trotzdem möchte ich dieses Buch nicht verteufeln. Denn es gibt durchaus einen sehr guten Einblick in die Gefühlswelt eines Magersüchtigen. Den Ekel vor Essen, die Angst – ja gar Panik – vor jeder Kalorie, die man zu sich nimmt. Jede Kalorie muss wieder hart abtrainiert werden. Schlimm, unter welchem Druck sie leiden. Von Lebensfreude kann da keine Rede mehr sein. Der einzige Lebensinhalt: am Tag mehr Kalorien zu verbrauchen, als man zu sich nimmt. Ein tödlicher Wettkampf, wenn der Betroffene nicht rechtzeitig qualifizierte Hilfe bekommt.

Somit finde ich das Buch empfehlenswert, um mehr über die Gefühlswelt eines Magersüchtigen zu erfahren. Aber wer sich hier gute Anreize erhofft, wie er einem Magersüchtigen innerhalb der Familie helfen kann, wird hier maßlos enttäuscht werden.

Fazitstars_3