Spannende Renovierungsarbeiten

Großprojekt: Küchenrenovierung

Renovieren soll spannend sein? Ja – wenn man die richtigen Hörbücher dabei hört. Und das habe ich getan – zumindest größtenteils.

Vor 13 Jahren zog ich in meine Wohnung ein. Eine Küche war schon drin. Beige, auch der Fliesenspiegel in beige. Ich fand die Küche zwar sehr praktisch – weil sehr groß und gut durchdacht – aber eben hässlich von der Farbe her. Nun gut. Die Überlegung, eine neue Küche einzubauen, kam überhaupt nicht auf, da sie eben noch top in Schuss war (10 Jahre alt) und auch sehr funktionell.

Jetzt schaute ich mir also 13 Jahre diese Küche in beige an. Hm, sie wurde nicht hübscher… Ende April fasste ich den Entschluss: Die Küche muss anders werden. Eine neue Küche kann ich mir nicht leisten. Also musste ich aus dem Vorhandenen das beste machen. Ich setzte mir ein Limit von 250 €. Damit wollte ich meine Küche aufmöbeln. Geht nicht denkst du? Geht doch 🙂

Das war meine alte Küche:

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Ich schaute im Internet nach – klar. Youtube war da eine gute Anlaufstelle.
Hier sah ich, wie man mit Folie seine Möbel bekleben konnte. Streichen kam ja nicht in Frage, da Kunststoffoberfläche. Hm, folieren? Wie damals mit der hässlichen PVC-Folie? Doch heute sind die Folien anders. Nicht mehr nur hässlich und störrisch, es gibt schöne und gut zu verarbeitende Folien – wie ich herausfand.

Also habe ich zunächst Folie gekauft. Und zwar diese: http://www.amazon.de/gp/product/B00BQFU1HA/ref=oh_details_o05_s00_i00?ie=UTF8&psc=1

Your Design Klebefolie - Oracal 621 - 63cm Rolle - 10m (Laufmeter) - Dunkelrot | Klebefolien für Möbel, 1oracal-621-10m-63cm-06-kl

Ich kaufte sie in dunkelrot und weiß. Denn meine Accessoires sind alle in rot und ich liebe rot. Hell sollte meine Küche aber auch werden. Denn sie hat nur ein kleines Fenster. Eigentlich nur ein Kellerfenster, obwohl ich im Erdgeschoss wohne. Doch direkt vor meiner Nase steht eine Halle – nur ca. 30 cm entfernt. Na, und auf diese Wand will man nun wirklich nicht schauen. Ergo ist das Fenster sehr klein und weit oben in meiner Küche. Licht ist also eher Mangelware. Die beige Einrichtung verbesserte den Eindruck einer „Dunkelkammer“ nicht unbedingt.

Ich fing mit den Schubladen neben dem Backofen an. Denn hier hatte ich die größten Bedenken, ob die Folie auch der Hitze stand halten würde. Nach einigen Tests war ich sicher: Die Folie hält bombenfest, löst sich nicht ab, bleibt wie sie ist. Perfekt. Also bearbeitete ich Abend für Abend nach der Arbeit weitere Fronten. Abschrauben, gründlich reinigen und Folie aufkleben.

Was man dazu braucht:

Die Folie, einen Cutter, einen Verkleberakel mit Filz, ein Lineal, eine Schere und ein gutes Hörbuch auf den Ohren.

Und so wird es gemacht:

Als erstes: Hörbuch einschalten.

Dann: Front abschrauben, Griffe abschrauben, Oberfläche gründlich reinigen und trocknen lassen. Während dessen:

Front abmessen und die Folie zuschneiden. Ich habe an allen Seiten 4 bis 5 cm dazugegeben, da die Folie ja noch um die Kante herumgehen soll und man es nie, wirklich nie schafft, die Folie exakt gerade auf die Oberfläche zu legen. Dann hat man noch etwas Spielraum.

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Die Folie möglichst gerade auf die Oberfläche legen, der Cutter sollte Greifweite sein.

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Jetzt fängt der etwas heiklere Teil an: Die Folie wird von unten nach oben verarbeitet, nicht von links und rechts. D. h. man zieht unten über die gesamte Breite das Papier auf der Rückseite ein kleines Stück ab und befestigt die Folie locker am unteren Ende. Dann schiebt man mit dem Rakel die Folie gleichmäßig über die Breite weiter nach oben. Wieder etwas Papier lösen, weiter mit dem Rakel.

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Das macht man nun über die gesamte Länge, bis die Oberfläche komplett und bläschenfrei foliert ist. Falls sich doch kleine Bläschen bilden, kann man die Folie meist wieder etwas abziehen und mit dem Rakel korrigieren, falls es einem rechtzeitig auffällt.

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Jetzt muss man die Front umdrehen und auf die Folienseite legen. Tipp: Am besten ein Handtuch unterlegen, damit keine Kratzer passieren.
Auf der Rückseite schlitzt man nun die Ecken der Folie diagonal ein.

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 Zuerst verklebt man nun die „Kopf- und Fußseite“ der Front und legt das übrige Dreieck um die Ecke herum. Dann vervollständigt man das Ganze mit der Verklebung der restlichen beiden Seiten.

Jetzt schneidet man mit dem Cutter die überstehende Folie ab.

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Zum Schluss dreht man die Front wieder um, tastet mit dem Finger nach den Löchern für die Griffschrauben und sticht mit dem Cutter zwei kleine Löcher in die Folie. Das ergibt dann eine saubere Verschraubung der Griffe, ohne dass die Schraube „mit Gewalt“ durch die Folie stoßen muss und evtl. eine unschöne Verarbeitung um die Griffe herum entsteht.

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Zugeben, die erste Front ist etwas heikel, aber dann wird es immer leichter. Man erkennt sehr schnell die Kniffe, wie es am besten funktioniert.
Tipp noch zum Schluß: Am besten mit der kleinsten Frontfläche beginnen, falls verschiedene Größen zur Auswahl stehen! Da geht es nämlich am einfachsten.
Und das war es auch schon.

Tag für Tag wurde meine Küche heller und schöner. Ok, es war viel, sehr viel Arbeit – aber mit einem guten Hörbuch auf den Ohren, ist das überhaupt nicht schlimm. Denn spätestens nach der zweiten Front wurde das Folieren zur Routine und ich konnte mich voll und ganz auf die Hörbücher konzentrieren. Herrlich.

Dann war die Küchenfront vollständig foliert. Toll war das Ergebnis! Ich war echt stolz. Was mich aber noch immens störte, war der beige Fliesenspiegel. Der musste weiß werden. Ich überlegte… ok, eine Platte andübeln. Oder aber Fliesen streichen. Doch: Kann man Fliesen streichen? Youtube half auch hier wieder weiter. Es gab da einen Film, der das Fliesen lackieren als total einfach darstellte. Ok, den Lack wollte ich kaufen. Doch als ich bei Amazon die Rezensionen las, wurde ich blass. 130 Euro sollte der Lack kosten und die Verarbeitung war wohl mehr als schwierig und das Ergebnis bei den meisten auch eher mittelprächtig bis schlecht. Hm. Nein, das wollte ich ja nun auch nicht. Wenn schon, dann sollte es schön werden.

Ich suchte also weiter und stieß auf folgenden Fliesenlack von Wilckens: http://www.amazon.de/gp/product/B005IDLKYE/ref=oh_details_o07_s00_i00?ie=UTF8&psc=1

Preis: 22,94 € zzgl. 4,95 Versandkosten

Den Preis fand ich ok, die Rezensionen waren durchweg positiv, ich wurde mutig. Ich bestellte den Lack. Doch leichte Angst hatte ich schon, ob das denn auch wirklich klappen und ich das auch hinbekommen würde. Naja, dachte ich mir – wenn es nix wird, kannst du immer noch eine Paneele andübeln;-)

Zur Vorbereitung auf das Fliesen lackieren, setzte ich den Geiger Anlauger http://www.amazon.de/gp/product/B003G2P770/ref=oh_details_o06_s00_i00?ie=UTF8&psc=1 ein.

Geiger 70 Jahre SE 1 Fett entferner Anlauger mühevolles Anschleifen entfällt 500g

Ich habe gelernt: Fasse niemals nicht in Anlauger ohne Handschuhe! Ok, meine Hand ist wieder gut – viel Bepanthen und Handcreme haben alles wieder gerichtet. 😉

Der Anlauger hat jedenfalls seine Arbeit auch an den Fliesen bestens erledigt. Dann habe ich den Lack auf die beigen Fliesen aufgetragen. Die Fugen habe ich mit dem Pinsel gestrichen, den Rest dann mit einer Rolle verteilt. Immer ca. 50 cm-weise habe ich mich vorgearbeitet. Fugen pinseln, den Rest mit der Rolle verteilen.

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Schon nach dem ersten Durchgang sah meine Küche ganz anders aus! Man sollte den Lack dann 12 Stunden trocknen lassen, dann konnte man ihn ein zweites Mal lackieren. Am nächsten Tag habe ich die Prozedur also wiederholt und das Ergebnis war einfach bombastisch:

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Meine alte und meine „neue“ Küche im Vergleich:

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Die Kosten:

Für das Grobe:

Folie: 93,77 € + Filzrakel: 2,82 € + Cutter: 4,74 €
Alpina Weiß: 58,50 € + Feinkrepp zum Abkleben: 10,50 €
Anlauger: 10,35 €
Fliesenlack: 28,39 €

Für die Accessoires: 

Metall-Lack für die Bilderrahmen: 8,25 €
Passepartout für große Bilderrahmen: 15,05 €
Schränkchen als Ersatz für das Gitter: 43,89 € (-> Belohnung für mich und meine Arbeit, war nicht eingeplant)

Für die Kleinigkeiten: 

Abdeckfolie, Pinsel, Lackier-Set etc: ca. 20 €

D. h. insgesamt hat mich meine neue Küche ca. 300,00 € gekostet. 

Damit habe ich mein geplantes Budget zwar um 50 € überschritten (Schränkchen war ja nicht eingeplant). Aber dafür ist sie auch 100 Mal schöner geworden, als ich es mir in meinen kühnsten Träumen vorgestellt hatte.

Und was hat das mit Hörbüchern zu tun?

Ganz einfach. Mit einem spannenden Thriller oder Krimi oder Roman auf den Ohren lässt es sich ganz mühelos stundenlang arbeiten, ohne dass man die Lust verliert. Man tut einfach, was getan werden muss und wird dabei bestens unterhalten.

Folgende Hörbücher habe ich während des Renovierens gehört:

Das waren 13 Hörbücher, die zusammen ca. 134 Stunden dauerten… Ja, es war viel Arbeit. 

Aber hätte ich diese Bücher gelesen und nicht gehört, wäre meine Küche nach wie vor beige und hässlich. 😉

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2 Gedanken zu “Spannende Renovierungsarbeiten

  1. Sehr beeindruckend, was ihr mit wenig Geld auf die Beine gestellt habt. Kreativität und Geschick ist einfach das Wichtigste. Ja, man braucht schon länger, bis man weiß, was man will. Aber selbst Handanlegen ist einfach das Beste. Wir wollen auch unsere Küche modernisieren. Hätte gerne etwas, wie auf dem zweiten Bild: http://www.zacasa.de/magazin/ideen-fuer-die-kuechenrenovierung-5-kleine-aber-sehr-schoene-essbereiche-als-inspiration-fuer-minikuechen/
    Muss dazu aber noch etwas Zeit in Planung investieren.

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    • Vielen Dank für deinen Kommentar. Ja, Kreativität und Geschick sind durchaus hilfreich bei solch einem Projekt. Die Küchengestaltung, die dir lt. Link vorschwebt, sieht echt sehr gut aus!

      Ich wünsche dir viel Erfolg und vor allem viel Spaß beim Renovieren!

      Liebe Grüße
      Die Ute

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