Nina George – Das Lavendelzimmer

Das LavendelzimmerBeschreibung
Er weiß genau, welches Buch welche Krankheit der Seele lindert: Auf seinem Bücherschiff, der „literarischen Apotheke“, verkauft der Pariser Buchhändler Jean Perdu Romane wie Medizin fürs Leben. Nur sich selbst weiß er nicht zu heilen, seit jener Nacht vor 21 Jahren, als die schöne Provenzalin Manon ging, während er schlief. Sie ließ nichts zurück außer einem Brief – den Perdu nie zu lesen wagte. Bis zu diesem Sommer. Dem Sommer, der alles verändert und Monsieur Perdu aus der kleinen Rue Montagnard auf eine Reise in die Erinnerung führt, in das Herz der Provence und zurück ins Leben.

Sprecher
Nina George, Richard Barenberg

Länge
9 h 40 m

Meine Meinung
Dies ist das zweite Buch, das ich von Nina George gehört habe. Ok, es hat es nicht ganz auf meine Bestenliste geschafft, wie „Die Mondspielerin„, aber es erhält die Höchstpunktzahl. Denn auch dieses Buch verzaubert. Nicht zuletzt durch die Liebe zu den Büchern.

Jean Perdu ist ein einsamer Mensch. Er hat ein Schiff. Ein Bücherschiff. In diesem Bücherschiff verkauft er Literatur. Er nennt sein Schiff „Die literarische Apotheke“, denn er verkauft die Bücher als Medizin. Er hat ein sehr gutes Gespür, welches Buch für welchen Menschen, in welcher Lebenssituation genau das richtige ist, um ihn von seinem Seelenleid zu heilen. Wie er das spürt, ist ihm selbst ein Rätsel, aber er hat guten Erfolg damit und die Leser sind im dankbar. Nur, für sein eigenes Seelenleid hat er noch nicht das richtige Buch gefunden. Er lebt einsam und zurückgezogen in seiner Wohnung in einem Mietshaus, hat nur das Minimum an Möbeln. Er besitzt 3 Sätze identischer Kleidung, einzig Bücher stapeln sich überall in seiner Wohnung.

Als dann in der Wohnung gegenüber Catherine einzieht, die nichts außer einen Kleiderkoffer hat, da sie von ihrem Mann nach zig Jahren Ehe einfach vor die Tür gesetzt wurde, bittet die Concierge die Bewohner, ihr doch etwas zu spenden. Jean soll einen Tisch spenden. Ok, denkt er. Ich habe noch einen Tisch. Doch dieser Tisch steht in einem Zimmer in seiner Wohnung, das er seit 21 Jahren nicht mehr betreten hat. Er überlegt kurz, ob er Catherine nicht besser einfach einen Tisch kauft, anstatt dieses Zimmer zu betreten. Doch letztendlich öffnet er den Raum doch, holt den kleinen weißen Tisch heraus und schenkt ihn Catherine. Bzw. stellt ihn vor ihre Türe. Denn sie öffnet ihm nicht. Sie unterhalten sich kurz durch die Tür und Jean ist sofort klar: Diese Frau braucht Bücher zum Weinen. Sie muss noch ganz viel weinen, bevor es ihr wieder besser gehen kann. Er stellt also einen ganzen Stapel als Medizin für Catherine zusammen. Catherine gibt ihm bei dieser Gelegenheit einen ungeöffneten Brief, den sie in der Schublade des weißen Tisches gefunden hat. Jean flippt schier aus. Er will diesen Brief nicht lesen. Sie könne damit machen, was sie wolle, er will ihn jedenfalls nicht. Catherine „zwingt“ ihn auf ihre Art, ihn doch zu lesen und sie verabreden sich zum Essen. Doch er muss bitte seinen eigenen Teller mitbringen, sie hat nur einen. Dabei kommen sich die beiden näher.

Als Jean dann den Brief öffnet, ist er der Verzweiflung nahe. Manon, seine große Liebe, die ihn vor 21 Jahren in einer Nacht-und-Nebel-Aktion einfach wortlos in der Nacht verlassen hat, gesteht ihm, warum sie gegangen ist. Nämlich dass sie todkrank ist und nicht wollte, dass er ihr Leiden mit ansehen muss. Doch jetzt, da sie ohne ihn ist, wisse sie, dass dies keine gute Entscheidung war, sie bittet ihn, doch zu ihr zu kommen.

Jean ist wütend auf sich selbst. Vor lauter Selbstmitleid und Wut und Eitelkeit hat er ihren Brief nie gelesen. Und nun ist sie seit 21 Jahren tot und er hat sie im Stich gelassen. Völlig außer sich, macht er das Bücherschiff fahrbereit und macht sich auf eine Reise zu sich selbst. Mit an Bord ist der junge Schriftsteller Max, der nach einem Sensationsstart mit dem Buch „Die Nacht“, auf der Flucht vor sich, seiner eigenen Courage und seiner Schreibblockade ist.

Diese Reise ist so skurril, so wunderbar, so außergewöhnlich, es ist ein wahrer Genuss, den Geschehnissen zu lauschen. Auf ihrer Reise begegnen sie allerhand völlig verschiedener Menschen, alle sind irgendwie auf der Suche, und natürlich hat diese Suche immer mit der Suche nach sich selbst und der Suche nach dem großen Glück, der Liebe zu tun. Einfach eine wundervolle Reisebeschreibung.

Unterbrochen werden Jeans Erlebnisse durch Reiseberichte, die Manon damals geschrieben hatte, als sie mit Jean zusammen war. So erfährt man Stück für Stück immer mehr über die wirklich wertvolle Liebe, die die beiden verbunden hatte.

Besonders gut haben mir in diesem Buch die vielen Wortkreationen gefunden. Jean war dabei ein Lexikon der Gefühle zu schreiben. Viele, sehr viele wunderschöne neue  Wörter kamen hier zu Tage, die man zwar so noch nicht kennt, die aber treffender nicht sein könnten.

Wie die Geschichte ausgeht, das muss jeder selbst hören. Doch eins kann ich verraten: Es werden äußerst unterhaltsame knappe 10 Stunden, die man so schnell nicht mehr vergessen wird.

Richard Barenberg passte zu Jean Perdu ganz wunderbar. Und Nina George, die Manons Part las, fand ich auch ganz toll.

Ich bin also rundum glücklich mit diesem Buch und habe eine neue Lieblingsschriftstellerin gefunden.

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Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Nina George – Das Lavendelzimmer

Siehe auch:

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