Verna B. Carleton – Zurück in Berlin

zurueck-in-berlinBeschreibung
1957: Eric Devon führt ein erfolgreiches Leben in London. Einzig seine Frau Nora weiß, dass er eigentlich Erich Dalburg heißt, aus Berlin stammt und als jüdischer Widerständler 1936 ins Exil gehen musste. Zehn Jahre nach Kriegsende stellt er sich endlich seiner verdrängten Vergangenheit und reist mit Nora und einer amerikanischen Journalistin nach Berlin. Kurze Zeit später stehen sie vor seinem Elternhaus. Bewohnt wird es von seiner Tante, der Eric die Mitschuld am Tod seines Vaters gibt. Doch bald muss er sein Bild der Geschehnisse revidieren und sich eigene Fehler eingestehen. Endlich scheint ein Neuanfang möglich, dort, wo er ihn am wenigsten erwartet hätte: in Berlin.

Sprecher
Leslie Malton

Länge
6 h 54 m

Meine Meinung
Wie im Klappentext bereits geschrieben, kehrt Eric Devon, eigentlich Erich Dalburg, im Jahr 1957 in seine Geburtsstadt Berlin auf eine kurze Reise zurück und setzt sich erstmals intensiv mit seiner Vergangenheit und der seiner ganzen Familie und Freunde auseinander. Denn als er Berlin fluchtartig verließ, herrschten die Nazis und hatten ihn, der im Widerstand kämpfte, bereits im Visier. Er flüchtete nach London und bekam einen englischen Pass. Fortan hat er seine deutsche und zugleich jüdische Vergangenheit erfolgreich verdrängt. Doch jetzt – nach all den Jahren – muss er feststellen, dass seine Sicht der Dinge damals nicht ganz der Realität entsprach. Jedoch muss er für diese Einsicht mit vielen Menschen reden, die ihm jeweils ihre Sicht der Dinge erzählen. Dass diese Gespräche nicht gerade einfach sind, kann man sich lebhaft vorstellen und bald scheint Eric daran zu zerbrechen.

Dieser Roman ist absolut keine leichte Kost. Die Nazis, aber auch insbesondere die Deutschen werden hier auf verschiedenste Weise „auseinander gepflückt“ in Hinblick dessen, wie es soweit kommen konnte, was den typischen Deutschen ausmacht  und wie sich der typische Deutsche in der Nachkriegszeit selbst sieht und verhält.

Weiterhin beschäftigt sich die Geschichte sehr intensiv mit der Frage der Langzeitfolgen dieses verheerenden Krieges, wie die Menschen, die den Krieg selbst miterlebten und wie die nachfolgende Generation jeweils damit umgehen.

Sehr geschickt werden hier die ganz verschiedenen Charaktere durch die jeweiligen Verwandten und Freunde verkörpert, so dass ein umfangreiches Bild entsteht.

Dieses Buch erschien erstmals 1962 und wurde jetzt erstmals als Hörbuch vertont. Es hätte kaum einen besseren Zeitpunkt geben können, um diese Geschichte zu reaktivieren. Denn nicht nur einmal wird in diesem Buch erwähnt, dass, wenn die Deutschen alle Hitlers „Mein Kampf“ gelesen hätten, es niemals soweit gekommen wäre. Man könnte hier durchaus Parallelen zur heutigen Situation sehen, in dem auch niemand das Parteiprogramm mancher erstarkenden Partei liest.

Leslie Malton als Sprecherin hat mir sehr gut gefallen. Sie hat ihre ganz eigene Art, Sätze zu betonen, die Satzmelodie ist etwas anders, als bei deutschen Sprechern. Ich fand das gerade für diese Geschichte sehr passend und erfrischend anders.

Ein wichtiges Buch – gerade jetzt.

s5g5

Herzlichen Dank an D>A<V für das Rezensionsexemplar.

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