Maria Braig – Nennen wir sie Eugenie

Beschreibung
Die junge Senegalesin Eugenie flüchtet aus ihrer Heimat, da ihr dort wegen ihrer Liebe zu einer Frau Gefängnis, Folter, und möglicherweise auch der Tod drohen. Sie sucht Schutz in Deutschland. Doch das Asylverfahren verläuft nicht wie erwartet. Perspektivlosigkeit, Langeweile und eine sie ständig begleitende Angst vor einer Abschiebung prägen ihren Alltag in der Flüchtlingsunterkunft.

Dieses Hörbuch basiert auf der Grundlage realer Schicksale. Einzelheiten wurden von der Autorin frei hinzugefügt. Eine Geschichte, wie sie heute in vielen Ländern von vielen Menschen durchlebt werden muss.

Sprecher
Birgit Arnold

Länge
3 h 51 m

Meine Meinung
Dieses Hörbuch erzählt die Geschichte einer Senegalesin, die nach Deutschland geflüchtet ist, da sie in ihrem Heimatland nicht länger bleiben kann. Der Grund: Ihre Liebe zu einer anderen Frau und die drohende Zwangsverheiratung mit einem ihr unbekannten Mann. Im Senegal wird homosexuelle Liebe nicht akzeptiert und unter drastische Strafe gestellt. Sehr schnell wenden sich alle ihre Freunde von ihr ab, sind gar bereit, sie an die Polizei zu verraten. Es bleibt ihr nichts anderes übrig, als Hals über Kopf das Land zu verlassen. Völlig planlos kommt sie also in Deutschland an und wird in ein Asylantenheim gesteckt. Die Menschen, die dort leben, könnten unterschiedlicher nicht sein. Kaum einer spricht die Sprache des anderen, somit ist eine Verständigung untereinander äußerst schwierig. Sie haben einzig gemeinsam, dass sie alle geflüchtet sind. Und das aus den verschiedensten Gründen und aus den verschiedensten Ländern. Und sie sind hier alle einsam und perspektivlos.

Eugenie ist äußerst unglücklich, nicht mehr im Senegal bei ihrer Freundin sein zu können. Denn alles was sie wollte, war ein glückliches Leben mit ihr. Sie nahm all die Umstände auf sich, die solch eine heimliche Liebe mit sich brachte, denn das war allemal besser, als nun in Deutschland zu sein und soweit weg von ihr. Doch sie hatte einfach keine andere Chance, als ihr Land zu verlassen, wenn sie nicht für den Rest ihres Lebens im Gefängnis verbringen wollte. Und das nur, weil sie eine Frau anstatt einen Mann liebt.

Ich fand die Erzählung, was Eugenie hier in Deutschland erlebte, wie sie sich bemühte und wie sie versuchte, mit ihrer Verzweiflung umzugehen, sehr zu Herzen gehend. Und ich finde es sehr wichtig, dass man einen Eindruck von eben solchen Erlebnissen erhält. Denn ohne solche persönlich geschilderten Eindrücke bleiben die Flüchtlinge eben einfach nur Flüchtlinge, „die doch froh sein sollten, dass sie hier sind.“  Der Aspekt Mensch mit Ängsten, Gefühlen, Nöten, Wünschen, Träumen etc. wird ja gerne allzu schnell vergessen.

Dieses Hörbuch öffnet einem die Augen, dass es durchaus auch andere lebensbedrohliche Situationen außer Krieg und Armut gibt, die einen Menschen dazu bringen können, seine geliebte Heimat zu verlassen und zu uns zu flüchten. Ich glaube, kaum einer hat die Hoffnung, dass er hier den Himmel auf Erden vorfindet, doch vermutlich hat jeder die Hoffnung, dass er hier zumindest eine reelle Chance aufs Überleben hat. Und das alleine sollte für uns, die wir einfach nur Glück hatten, in Deutschland geboren zu sein (denn nichts anderes ist es als Glück) Grund genug sein, um Flüchtlinge zu akzeptieren, auch wenn sie nicht gerade aus einem aktuell in den Nachrichten gezeigten Kriegsgebiet kommen. Es liegt so einiges im Argen in unserer Welt.

Birgit Arnold als Sprecherin fand ich wieder sehr gut. Ich mag ihre Stimme einfach und ihre Art, sich selbst zurückzuhalten und dem Text die volle Wirkung zu überlassen.

Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar an den Verlag 3.0

Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es z. B. bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Maria Braig – Nennen wir sie Eugenie