Rolf Dobelli – Die Kunst des guten Lebens: 52 überraschende Wege zum Glück

Beschreibung
Seit der Antike haben sich Menschen immer wieder die Frage nach dem guten Leben gestellt: Wie soll ich leben? Was macht ein gutes Leben aus? Welche Rolle spielt das Schicksal? Welche Rolle spielt das Geld? Ist das gute Leben eine Sache der Einstellung oder geht es vielmehr um das Erreichen von Lebenszielen? Ist es besser, nach Glück zu streben oder Unglück zu umschiffen? Jede Generation stellt sich diese Fragen neu. Die Antworten sind im Grunde stets enttäuschend. Warum? Weil man immer auf der Suche nach dem einen Prinzip ist, dem einen Grundsatz, der einen Regel. Doch diesen heiligen Gral des einfachen Weges gibt es nicht.

Auf verschiedenen Gebieten fand in den letzten Jahrzehnten eine stille Revolution des Denkens statt. In den Wissenschaften, in der Politik, in der Medizin und in vielen anderen Bereichen hat man erkannt: Die Welt ist viel zu kompliziert, als dass wir sie mit einer großen Idee oder einer Handvoll Prinzipien erfassen könnten. Wir brauchen einen Werkzeugkasten von mentalen Modellen, um die Welt zu verstehen. Es ist an der Zeit, einen solchen Werkzeugkasten auch für das praktische Leben zusammenzustellen. Voilà. Hier finden Sie 52 gedankliche Werkzeuge, die Ihnen ein gutes Leben zwar nicht garantieren, es aber wahrscheinlicher machen.

Sprecher
Frank Stöckle

Länge
6 h 47 m

Meine Meinung
Rolf Dobelli schreibt in diesem Buch: „Es interessiert mich nicht mehr, was meine Leser von meinen Büchern denken oder ob sie ihnen gefallen“. Nun gut, wenn das so ist, muss ich ja auch kein Blatt vor den Mund nehmen. Interessiert ihn ja eh nicht – meine unbedeutende Meinung. Und da wären wir schon beim 1. Kritikpunkt: Immer und immer wieder hämmert er einem ein, dass es völlig unbedeutend ist, was man tut. Denn in 100 Jahen würde das eh keinen mehr interessieren. Letzteres ist sicherlich in den meisten Fällen richtig. Doch vielleicht interessiert es gerade jetzt einen interessierten Hörbuchhörer, der sich überlegt, dieses Hörbuch zu kaufen.

Meine Meinung dazu: Wenn du im Geld schwimmst und dir keinerlei Gedanken um deine Existenzsicherung machen musst, dann nur zu. Dann sind vielleicht die ein oder anderen recht netten Gedanken für dich dabei.

Falls du aber zu der Gesellschaftsschicht zählt, die täglich hart für ihr Geld arbeiten muss und sich nicht immer und zu jeder Zeit alles leisten kann, dann lass dir gesagt sein: Finger weg von diesem Buch! Es macht dich nur wütend und letztendlich ärgerst du dich, dein hart verdientes Geld in solch ein Werk investiert zu haben. Wie du mit solchen Tipps zu einem guten Leben kommen willst, ist mir jedenfalls schleierhaft.

Das fängt schon gleich ungefähr so an: „Ob ein Bier nun 2 Euro mehr oder weniger kostet, interessiert mich nicht mehr. Die Kurse meiner Aktien schwanken täglich wesentlich höher, also ist es unbedeutend.“ Für ihn mag das zutreffen, ich besitze nicht eine einzige Aktie. Mein Fazit: Wie der Aktienkurs schwankt, interessiert mich nicht. Ob das Bier 2 Euro mehr oder weniger kostet hingegen schon.

Eine weitere Aussage von Dobelli: „Geld macht nicht glücklich.“ Doch sein absoluter Guru – Waren Buffet – , den er ständig zitiert und für alle möglichen Gedankengänge her nimmt, scheint sein größtes Vorbild zu sein. Jeder weiß, dass Warren Buffet wirklich ein „armer Schlucker“ ist. Welch ein Zufall.

Dann noch das Beispiel mit den Bewerbern: Aus Unternehmersicht: Wenn du 100 Bewerber hast, interviewe die ersten 37 und notiere dann den Besten aus dieser Gruppe. Dann die nächsten 37 und nochmals. So wirst du den besten Arbeitnehmer finden. Ganz einfach. Da mag ja vielleicht was dran sein – das kann ich nicht beurteilen. Er hat es auch mit einer mathematischen Formel belegt: Anzahl der Bewerber durch e. Doch dann kommt wieder der Gipfel der Abgehobenheit: „Auch Sie als Bewerber schlagen viel zu schnell zu, wenn Ihnen einen Job angeboten wird.“ Seine Aussage in etwa: „Suchen Sie sich unter 10 Jobs den besten aus, lassen Sie sich Zeit bei Ihrer Entscheidung. Überstürzen Sie nichts!“ Aha. Mich würde ja interessieren, wie der Planet heißt, auf dem Herr Dobelli wohnt.

Oder dann seine Aussage: „Allgemeinbildung braucht man heute nicht mehr. Spezialisieren Sie sich auf einem Gebiet, das Sie wirklich gut können und lernen Sie hier immer mehr hinzu. Aber um Gottes willen schauen Sie nicht über den Tellerrand! Das überfordert Ihre geistige Kapazität und bringt Ihnen gar nichts.“ Weiter sagt er: „Sie sind kein Steinzeitmensch mehr, als alle ihre Äxte und Beile selbst herstellten – es keinen Beilhersteller gab, zu dem man ging, um sich ein neues Beil zu kaufen. Die Zeiten sind vorbei. Sie müssen sich spezialisieren auf Teufel komm raus – alles andere ist uninteressant. Dafür gibt es andere Spezialisten“ – man könnte auch sagen: Fachidioten.

Lieber Herr Dobelli, ein Blick über den Tellerrand würde gerade Ihnen nicht schaden. Dann würden Sie vielleicht plötzlich erkennen, dass die Welt um Sie herum anders tickt, als Sie es sich in Ihrem Schreibzimmer vorstellen mögen. Ich mal mir die Welt, wie sie mir gefällt, bei Pipi Langstrumpf geht das durch. Aber hier?

Was mich auch noch furchtbar aufregte war seine Aussage über namhafte Erfinder und deren absolute Entwertung. „Hätte er es nicht erfunden, hätte es ein anderer getan. Unsere Welt sähe heute ganz genauso aus.“ Hier hat er etliche Beispiele aufgeführt. Mit jedem Namen wurde ich entsetzter. Er banalisiert deren Entdeckungen, Erfindungen und Genialitäten zu Unwichtigkeiten, mein Gott, es scheint ihn tatsächlich zu nerven, dass man heute noch die Namen Edison und Einstein kennt. Aber er ist sich ja sicher: In 100 Jahren hat es damit auch ein Ende und keiner kennt mehr diese Namen. Also warum anstrengen? Da sei dann mal die Frage erlaubt, ob Herr Dobelli tatsächlich glaubt, dass es Einstein oder Edison darum ging, dass die Weltbevölkerung auch in 200 Jahren noch ihre Namen kennt?

Nun gut, ich könnte hier noch einige Beispiele anführen, bei denen ich nur kopfschüttelnd zuhörte. Doch eine nette Passage gab es in diesem Buch auch. Sie ist zwar nicht neu, aber etwas nettes möchte ich doch auch schreiben. Also: Zwei Abteilungen in einem Unternehmen sind sich spinnefeind und können schon bald fast nicht mehr zusammen arbeiten, was aber sehr wichtig für das Unternehmen ist. Dann tauscht man die Abteilungsleiter aus, jeder sieht jetzt einmal die Probleme der anderen Abteilung und schon kommt mehr Verständnis auf. Ja, die Schuhe der anderen. Doch auch das ist ja nun keine neue bahnbrechende Erkenntnis, sondern ein uraltes Sprichwort…

Überhaupt sind in diesem Hörbuch kaum eigene Gedankengänge zu verzeichnen. Er erzählt eigentlich nur von diesen und jenen Personen, die diese oder jene Erfahrung gemacht haben, insbesondere natürlich Warren Buffet. Er präsentiert also so gut wie nichts eigenes, alles ist nur aus den verschiedensten Büchern zusammengesucht und vorgetragen.

Wenn man in einer finanziellen Situation ist, dass man ein Ein-Millionen-Euro-Projekt (seine Aussage: er sollte eine Biografie schreiben) ablehnen kann, weil es einem zu anstrengend ist und man aus seinem Kompetenzbereich heraustreten und mal über den Tellerrand hinausschauen müsste, dann freut mich das wirklich für denjenigen. Wenn man aber ein Buch auf den Markt bringt und es nicht kenntlich macht, dass es lediglich für die oberen 10.000 der Bevölkerung vielleicht hier und da ein paar neue Anregungen gibt, dann finde ich das gelinde gesagt unverschämt, anmaßend und egozentrisch. Doch ein Glück interessiert das alles Herrn Dobelli ja nicht mehr. So what?

Mich hingegen interessieren ab nun auch Herrn Dobellis Gedankenergüsse nicht mehr. Ganz sicher werde ich mir kein weiteres Hörbuch von ihm anhören. Ich bin nur froh, dass ich dieses Hörbuch nicht gekauft habe, sondern dass ich es geschenkt bekommen habe. Ich würde sonst um jeden einzelnen vertanen Cent weinen.

Zu dem Sprecher Frank Stöckle möchte ich sagen: Er hat die selbstverherrlichende Überheblichkeit des Autors sehr gut vertont.

Ich kann mich nicht erinnern, jemals solch einen Verriss geschrieben zu haben. Denn einen gewissen Respekt vor den Autoren und deren Mühe sollte man meiner Meinung nach immer haben. Doch da es auch ihm absolut an Respekt vor seiner Hörer-/Leserschaft fehlt, darf man das dann schon mal tun.

Ps.: Seine Aussagen habe ich aus dem Gedächtnis rezitiert, kann also sein, dass das ein oder andere Wort etwas anders lautete.

Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Rolf Dobelli – Die Kunst des guten Lebens: 52 überraschende Wege zum Glück

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