Jean-Paul Sartre – Das Spiel ist aus

Das Spiel ist ausBeschreibung
Pierre, der Revolutionär, und Eve, eine Dame der Gesellschaft, sterben zu gleicher Stunde durch Gewalt, begegnen sich in einer Welt der Schatten und verlieben sich leidenschaftlich ineinander: „Ich gäbe meine Seele, wenn ich deinetwillen noch einmal leben dürfte.“ Der Wunsch wird Realität und die Uhr des Schicksals zurückgedreht. Aber die Vergangenheit stellt ihre Forderungen …

Über den Autor (von Amazon)
Geboren am 21.06.1905, wuchs er nach dem frühen Tod seines Vaters im Jahre 1906 bis zur Wiederheirat seiner Mutter im Jahre 1917 bei seinen Großeltern Schweitzer in Paris auf. 1929, vor seiner Agrégation in Philosophie, lernte er seine Lebensgefährtin Simone de Beauvoir kennen, mit der er eine unkonventionelle Bindung einging, die für viele zu einem emanzipatorischen Vorbild wurde. 1931-1937 war er Gymnasiallehrer in Philosophie in Le Havre und Laon und 1937-1944 in Paris. 1933 Stipendiat des Institut Français in Berlin, wo er sich mit der Philosophie Husserls auseinandersetzte. Am 2.9.1939 wurde er eingezogen und geriet 1940 in deutsche Kriegsgefangenschaft, aus der er 1941 mit gefälschten Entlassungspapieren entkam. Noch 1943 wurde unter deutscher Besatzung sein erstes Theaterstück «Die Fliegen» aufgeführt; im selben Jahr erschien sein philosophisches Hauptwerk «Das Sein und das Nichts». Unmittelbar nach dem Krieg wurde Sartres Philosophie unter dem journalistischen Schlagwort «Existenzialismus»zu einem modischen Bezugspunkt der Revolte gegen bürgerliche Lebensformen. 1964 lehnte er die Annahme des Nobelpreises ab. Zahlreiche Reisen führten ihn in die USA, die UdSSR, nach China, Haiti, Kuba, Brasilien, Nordafrika, Schwarzafrika, Israel, Japan und in fast alle Länder Europas. Er traf sich mit Roosevelt, Chruschtschow, Mao Tse-tung, Castro, Che Guevara, Tito, Kubitschek, Nasser, Eschkol. Sartre starb am 15.4.1980 in Paris. Auszeichnungen: Prix du Roman populiste für «Le mur» (1940); Nobelpreis für Literatur (1964, abgelehnt); Ehrendoktor der Universität Jerusalem (1976).

Länge
144 Seiten

Verlag
rororo

Meine Meinung
Zu Lebzeiten nahmen Pierre, der Revolutionär, und Eve, eine Dame der Gesellschaft, keine Notiz voneinander. Erst nach ihrem gewaltsamen Tod begegnen sie sich in der Welt der Toten und verlieben sich ineinander. Diese Welt der Toten stellt sich so dar, dass alle Toten, die jemals an diesem Ort gelebt haben, noch immer dort in ihren jeweiligen Kostümen / Bekleidungen herumwandeln, von den Lebenden aber nicht wahr genommen werden.

Pierre kann also als Toter in Erfahrung bringen, dass die von ihm geplante Revolte dem Militär bekannt ist und dass drastische Abwehrmaßnahmen vorbereitet wurden. Eve erfährt, dass ihr Gatte, der sie umgebracht hat, sich an ihre kleine Schwester heranmachen will, um auch ihre Mitgift zu kassieren.

Derweil wird durch ihr Tanzen und ihre Liebe im Tod dem Totenreich klar, dass hier ein Fehler vorliegen muss. Beide bekommen die Chance, für 24 Stunden zurück ins Leben zu kommen. Und wenn sie es schaffen, sich innerhalb dieser 24 Stunden in vollem Vertrauen und mit aller Kraft zu lieben, dann bleiben sie am Leben.

Die Uhr wird also zurückgedreht und beide sterben nicht bei den jeweiligen Mordanschlägen auf sie. Sie erhalten eine neue Chance.

Doch kann sich eine Liebe wirklich entwickeln, wenn die Vergangenheit noch nicht abgeschlossen ist? Können zwei Menschen, die von völlig verschiedener Herkunft stammen, dies wirklich schaffen? Können sie dank ihres neu erlangten Wissens, die Zukunft ändern? Welchen Einfluss hat die Vergangenheit auf die Zukunft?

„Das Spiel ist aus“ ist als Drehbuch geschrieben. Und gerade dadurch entstehen ganz klare Bilder ohne viel schnörkeliges philosophisches Gerede. Im Gegenteil. Es ist eine wundervoll rasante Geschichte, in der nicht die Philosophie im Vordergrund steht, die aber doch in jedem Satz, in jeder Handlung mitspielt. Das Agieren der Protagonisten ist jederzeit klar nachvollziehbar und man stellt sich immer wieder die Frage: Wie hätte ich reagiert, was hätte ich getan?

Vor über 30 Jahren hatte ich dieses Buch schon einmal gelesen. Doch was mir als Erinnerung blieb, war einzig der Gedanke, dass die Toten sich in den Wohnungen der Lebenden tümmeln, ohne dass man es mitbekommt. Mir war über die Jahre gänzlich entfallen, wie das Buch hieß, vom wem es war und um was es ging. Doch immer wenn meine Katzen einmal wieder etwas in meiner Wohnung anfauchten oder streng ansahen, was ich überhaupt nicht wahrgenommen hatte, kam mir der Gedanke dieser wandelnden Toten. Um so erfreuter war ich, als ich vor kurzem dieses Büchlein von einer lieben Freundin geschenkt bekam und mir schon beim Lesen der ersten Seiten auffiel, dass dies genau das Buch ist, nachdem ich so viele Jahre gesucht hatte.

Danke Carina!

Fazitstars_5 absolut empfehlenswert

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Christine Fehér – Dann bin ich eben weg. Geschichte einer Magersucht

Dann bin ich eben wegBeschreibung
Obwohl Sina nicht dick ist, passt sie in die geile Jeans von Melli nicht rein. Als sie eines Tages die Butter aus dem üppig belegten Käsebrot ihrer Mutter hervor quellen sieht, überkommt sie der Totalekel. So dick und frustriert will sie nicht werden! Sina beginnt eine Diät. Bald passt sie in die Jeans – und endlich beachtet sie auch ihr heimlicher Schwarm Fabio. Doch irgendwann kann Sina nicht mehr aufhören mit dem Kalorienzählen. Als die anderen merken, was mit ihr los ist, ist sie schon viel zu dünn…
.

Authentische Geschichte, die Mut macht, dem Schlankheitswahn zu trotzen

Seiten
187

Verlag
cbt

Meine Meinung
Magersucht ist eine Krankheit, die man als gesunder Mensch ohne Hintergrundinformationen nur schwer nachvollziehen kann. Den Klappentext fand ich recht interessant und auch, dass es eine authentische Geschichte ist, ließen mich das Buch kaufen.

Heute habe ich damit angefangen, heute habe ich es beendet.

Das Buch hat mich nicht von Anfang an gefesselt. Es war mir zunächst viel zu flach. Das typische Klischee: die eine Freundin ist gertenschlank und wunderhübsch, alle Jungs stehen auf sie und die andere ist auch sehr hübsch, nicht so schlank, aber auch nicht dick – sie fühlt sich eben nur so. Auf einer Familienfeier kommt ihr ihr schwabbeliger Onkel in angetrunkenem Zustand zu nahe – Sina war entsetzt. Klar. Aber das hat mich alles nicht wirklich gepackt – es klang alles so klischeehaft. Trotzdem las ich weiter.

Die Kapitel beginnen immer mit dem aktuellen Gewicht der Protagonistin und was sie an dem Tag gegessen hatte. Die Gewichtsangaben und die Essensmengen wurden immer weniger. Ich wurde immer schockierter! Wie konnte man von so wenig noch Energie haben? Das spitzte sich immer mehr zu bis zu einem Drittel Salzstängchen morgens, einem weiteren Drittel mittags und dem letzten Drittel Salzstängchen abends. Doch wie kann man da noch von Essen sprechen? Und wie konnte man dann noch Sport betreiben? Für mich unvorstellbar, die Protagonistin hat das knallhart durchgezogen.  Eigentlich wollte sie gar nichts mehr essen. Sie ekelte sich richtig vor Essen. Selbst vom Salat wurde sorgfältig das Öl geschabt, bevor sie ein kleines Stück von einem Salatblatt abbiss und das ihr Abendessen darstellte.

Es kam wie es kommen musste, ihr Zustand wurde lebensbedrohlich und sie wurde nach einem Kreislaufkollaps in eine Klinik eingeliefert. Sie schwebte in Lebensgefahr. Von dort ging es in die geschlossene Psychiatrie, wieder zuhause, machte sie mit ihrem Schema wieder weiter – Rückfall. Schließlich kommt sie in eine Wohngemeinschaft, in der ausschließlich Magersüchtige leben – unter psychologischer Betreuung. Erst hier kann ihr wirklich geholfen werden.

Und da liegt in meinen Augen das große Manko an diesem Buch. Es wird nur recht wenig Zeit darauf verwendet, was die wahren Ursachen für ihre Magersucht sind und wie man es therapieren kann. Von den Therapiestunden werden nur 3 Berichte erzählt. Und plötzlich ist Sina sich ihres Lebenswillens wieder bewusst und lebt fortan glücklich und geht Pizza essen! Da hätte ich mir doch weitere mindestens 100  Seiten gewünscht, die sich näher mit der Hilfe, mit der Therapie beschäftigt hätten. So erwuchs der Eindruck, dass wenn man erstmal in die richtige Einrichtung kommt, nach kurzer Zeit alles wieder gut ist. Das wäre zwar wünschenswert, ist aber absolut unrealistisch.

Trotzdem möchte ich dieses Buch nicht verteufeln. Denn es gibt durchaus einen sehr guten Einblick in die Gefühlswelt eines Magersüchtigen. Den Ekel vor Essen, die Angst – ja gar Panik – vor jeder Kalorie, die man zu sich nimmt. Jede Kalorie muss wieder hart abtrainiert werden. Schlimm, unter welchem Druck sie leiden. Von Lebensfreude kann da keine Rede mehr sein. Der einzige Lebensinhalt: am Tag mehr Kalorien zu verbrauchen, als man zu sich nimmt. Ein tödlicher Wettkampf, wenn der Betroffene nicht rechtzeitig qualifizierte Hilfe bekommt.

Somit finde ich das Buch empfehlenswert, um mehr über die Gefühlswelt eines Magersüchtigen zu erfahren. Aber wer sich hier gute Anreize erhofft, wie er einem Magersüchtigen innerhalb der Familie helfen kann, wird hier maßlos enttäuscht werden.

Fazitstars_3

Heinz W. Droste – PR Formel: Kommunikation als kreativer Prozess

PR-FormelBeschreibung
Die PR Formel: Die üblichen PR–Patentrezepte und –Checklisten werden der Kreativität heutiger PR-Profis nicht gerecht. Funktionierende PR-Lösungen erfordern einen Rückgriff auf die aktuellen Ergebnisse angewandter Kommunikations- und Netzwerk–Forschung. Empirische Untersuchungen und Daten sind mit Hilfe eines kreativen Verfahrens konsequent in praktische und teamfähige Vorgehensweisen umzuwandeln. Hierfür liefert dieses Buch eine umfassende innovative Kommunikations-Technologie. Leserinnen und Leser erhalten eine wirkungsvolle, unmittelbar einsetzbare »PR Formel« an die Hand. Die PR Formel umfasst – neben einem praxisbewährten Paket von Kommunikations–Tools – eine gründliche, in sieben Schritte strukturierte Einweisung in die Nutzung dieser Werkzeuge darüber hinaus im Einzelnen: – Analyse– und Konzeptions–Werkzeuge – Anleitungen – Checklisten und – Case Stories

Über den Autor
Heinz W. Droste wurde nach seinem Studium der Soziologie, Philosophie und Psychologie vor über 25 Jahren als Kommunikations-Berater und Konzeptioner für Klienten aus Wirtschaft und Politik tätig. Darüber hinaus leitete er Projekte zur Erforschung von Innovations- und Kommunikationsprozessen in Wirtschaftsunternehmen und politischen Institutionen. Droste hat bereits eine Reihe weiterer Veröffentlichungen zur Konzeptionslehre und Kommunikationsberatung vorgelegt.

Seiten
304

Verlag
Pedion Verlag

Meine Meinung
Das Buch PR Formel hat mich sehr fasziniert. Ich musste mich als kompletter Neuling auf diesem Gebiet zwar zunächst in die Begrifflichkeiten einarbeiten, aber da alles sehr gut und leicht verständlich erklärt wird, war das schnell passiert. Mithilfe von vielen Grafiken wird das Gesagte auch bildlich dargestellt, so dass man es sich leicht einprägen kann. Und am Ende von jedem Kapitel wird das zuvor gelernte noch einmal kurz und knapp zusammengefasst.

Durch den klar strukturierten Aufbau wird man Stück für Stück an die PR Formel herangeführt. Denn PR von früher funktioniert heute schon lange nicht mehr. Also musste ein neues Konzept her, wie man heute effektiv kommunizieren und die Öffentlichkeit erreichen kann. Heinz W. Droste hat hier ein Modell erstellt, das logisch ist, das durch die Checklisten und Hilfestellungen leicht abzuarbeiten ist und das sicherlich auch ein hohes Maß an Spaß bei der Umsetzung mit sich bringt.

Ralf D. Brinkmann – Kurt H. Stapf – Innere Kündigung – Wenn der Job zur Fassade wird

Beschreibung (von Amazon)
Angenehm im Umgang, mit Kritik zurückhaltend, Entscheidungen kommentarlos umsetzend – so wünschen sich viele Chefs in großen Betrieben und Verwaltungen den idealen Mitarbeiter. Doch es könnte sein, daß sie einem fundamentalen Irrtum aufsitzen – daß sich hinter der Fassade des unauffälligen Angestellten oder Sachbearbeiters ein aktiv unengagierter Arbeitnehmer verbirgt, der sich von seinem Job innerlich längst distanziert hat und täglich nur auf den Feierabend wartet.
Für die bewußte, aber unauffällige Aufkündigung der Einsatzbereitschaft am Arbeitsplatz hat sich seit einigen Jahren der Terminus „innere Kündigung“ eingebürgert. Die entsprechenden Zahlen sind alarmierend: Laut der jüngsten Gallup-Umfrage empfinden 87 Prozent der deutschen Arbeitnehmer keine echte Verpflichtung gegenüber ihrer Arbeit; gut drei Viertel von ihnen machen lediglich noch „Dienst nach Vorschrift“, während knapp ein Viertel die „innere Kündigung“ bereits vollzogen hat.
Sachlich und informativ erläutern die Autoren Symptome, Ursachen und Hintergründe eines Phänomens, das in jüngster Zeit verstärkt für n sorgt. Zugleich aber zeigen sie praxisorientierte Lösungswege auf, die weit über die Phrase von der Entdeckung der Faulheit am Arbeitsplatz hinausgehen.

Klappentext
„Der Einzige, der in diesem Laden gut aufgelegt ist, ist der Telefonhörer“ – nur ein typischer Angestelltenwitz oder die Wahrheit über den Mythos Motivation in unseren Unternehmen und Amtsstuben? Führungsfehler sind der ausschlaggebende Grund für die innere Kündigung am Arbeitsplatz. Die Psychologen Ralf D. Brinkmann und Kurt H. Stapf liefern dafür eine Fülle aufschlussreicher Fallbeispiele. Ihr Buch enthält organisations- und motivationspsychologische Erklärungsansätze für ein um sich greifendes Phänomen und zeigt funktionierende Auswege auf.

Seiten
219

Meine Meinung
Ein weiteres sehr gutes Buch über die immer erschreckender werdenden Zustände in der heutigen Arbeitswelt. Ob man es nun innere Kündigung oder Boreout nennt. Der Effekt ist der gleiche: der Mitarbeiter hat keine Lust mehr auf seinen Job und macht mehr und mehr Dienst nach Vorschrift. Dass hier größtenteils ein falscher Führungsstil zugrunde liegt, wird in diesem Buch sehr deutlich herausgearbeitet.

Eine sehr empfehlenswerte Ergänzung zu den Büchern über Boreout, die ebenfalls in diesem Blog gepostet sind.

Fazit: absolut empfehlenswert

Siehe auch:

Daniel Beye – Innere Kündigung durch Bore-Out?

Untersuchung des Zusammenhangs von Unterforderung und Leistungsbereitschaft am Arbeitsplatz

Beschreibung
Projektarbeit aus dem Jahr 2008 im Fachbereich Wirtschaft – Personal und Organisation

Note: 1,7

Fachhochschule der Wirtschaft Hannover

20 Quellen im Literaturverzeichnis

Sprache: Deutsch

Anmerkungen: Ergebnisse einer eigenständig durchgeführten Online-Befragung im Anhang

Abstract:
Mitarbeiter stehen in einer äußerst sensiblen und wechselseitigen Beziehung zu ihrem Arbeitgeber. So trägt der einzelne Mitarbeiter einerseits zur Leistungserstellung im Unternehmen durch die Erfüllung der Arbeitsplatzanforderungen bei, ist aber neben seiner Eigenschaft als Arbeitsträger auch motiviertes Individuum und somit Träger von subjektiven Zielen, Wünschen und Bedürfnissen, die sein Leistungsangebot beeinflussen. Der Mitarbeiter gleicht, unbewusst oder bewusst, ständig seine Erwartungen an die Arbeit mit dem tatsächlichen Ist-Zustand der Erfüllung seiner Bedürfnisse ab.
In den vergangen Jahren hat sich dabei der Begriff der ,,inneren Kündigung“, die unter anderem den Verlust der Leistungsbereitschaft des Arbeitnehmers in Folge einer dauerhaften Differenz zwischen Mitarbeitererwartungen und tatsächlichen Stellenanforderungen bezeichnet, als existentes Problem – gleichermaßen für Mitarbeiter und Unternehmen – mit oft nachhaltigen Folgen herauskristallisiert.

Mitte 2007 beherrschte ein neu formuliertes Phänomen die Berichterstattung der Printmedienlandschaft, die sich mit den Themen Gesundheit oder Beruf oder gar beidem befassen das Bore-Out Syndrom. Gemeint ist die Zunahme von Unzufriedenheit bei Arbeitnehmern an deren Arbeitsplatz Unterforderung, Langeweile und Desinteresse vorherrschen. Die Schweizer Unternehmensberater Rothlin und Werder, die ,,Erfinder“ des Phänomens Bore-Out, warnen vor einem Gegentrend zum ebenfalls recht jungen Burn-Out. Ob es sich um eine simple Hypothese oder um ein ernstzunehmendes Problem handelt, das vorrangig weit reichende Auswirkungen auf Mitarbeiter aber schließlich auch auf Unternehmen haben kann, soll diese Projektarbeit klären. Dieser Projektarbeit liegt die Vermutung zu Grunde, dass Unterforderung am Arbeitsplatz negative Auswirkungen auf die Leistungsbereitschaft des Mitarbeiters hat. Die Folge einer dauerhaften Reduzierung des Leistungsangebotes durch den Mitarbeiter, mit der Tendenz ab einem gewissen Zeitpunkt ,,Dienst nach Vorschrift“ zu machen, ist die innere Kündigung, die Mitarbeiter und Unternehmen nachweislich schädigt.

Seiten
64

Verlag
GRIN

Meine Meinung
Diese Projektarbeit basiert hauptsächlich auf der Grundlage des Buches von „Philippe Rothlin/Peter R. Werder – Diagnose Boreout – Warum Unterforderung im Job krank macht„. Es wurde dann eine Online-Umfrage durchgeführt, die durchaus Trends zeigte, die aber nicht alle Altersgruppen, die Dauer der Betriebszugehörigkeit etc. umfasste. Wie der Autor selbst schreibt, müssten hier tiefer gehende Studien durchgeführt werden.

Und er schreibt auch in der Interpretation seiner Untersuchung:

Die Gefahr des Auftretens von Bore-Out scheint gegeben. Allerdings vorrangig durch quantitative und/oder qualitative Unterforderung. Die Elemente Langeweile und Desinteresse spielen keine maßgebliche Rolle. Gegenwärtige Unzufriedenheit durch Unterforderung ist nur bei 8,8 % der Befragten der Fall, somit ist Bore-Out zwar gegenwärtig, aber nicht in einem signifikanten Ausmaß.

Natürlich wurden hier noch jede Menge andere Quellen herangezogen, aber seine Ergebnisse spiegeln auch eher das wieder, was ich für realistisch betrachte.

Bei dem Buch von Rothlin und Werder regte ich mich ja fürchterlich auf – wie man meiner Rezension wohl entnehmen kann -, diese Projektarbeit hingegen traf meiner Meinung nach eher „des Pudels Kern“ .

Sehr interessant ist es auf alle Fälle – aber natürlich nur für Interessierte. Und vor allem: es ist ohne jegliche Emotion geschrieben. Klar, ist eine Projektarbeit, da zählen nur die Fakten, und die werden hier sachlich dargestellt. Finde ich wesentlich besser, als wie es bei Rothlin/Werder gemacht wurde. Sie hatten sich eine fiktive Person namens Alex ausgedacht. Und durch die Schilderungen aus Alex‘ Sicht wurde dieses meiner Meinung nach durchaus ernstzunehmende Thema fast in die Lächerlichkeit gezogen.

Diese Projektarbeit entstand 2008. Mittlerweile haben wir 2011. Vielleicht sollte sich nochmals jemand die Mühe machen, und eine erneute Studie durchführen. Denn ich bin der Meinung, dass auch die Langeweile mittlerweile durchaus eine große Rolle spielt.

Aber ich bin keine Fachfrau 🙂

Fazit: empfehlenswert – aber natürlich nur für Interessierte

Siehe auch:

Philippe Rothlin/Peter R. Werder – Diagnose Boreout – Warum Unterforderung im Job krank macht

Beschreibung
Die schleichende Gefahr – wie Langeweile und Unterforderung bei der Arbeit krank machen. Burnout kennt jeder – aber was ist Boreout? Die Autoren Philippe Rothlin und Peter Werder beschreiben anschaulich das weit verbreitete, aber bisher totgeschwiegene Phänomen: Boreout durch Desinteresse, Langeweile und Unterforderung am Arbeitsplatz. Die Auswirkungen sind eindeutig: Unzufriedenheit, ständige Müdigkeit und Verlust der Lebensfreude. Das Erschreckende dabei: Es kann jeden von uns treffen, der sich im Job unterfordert oder schlicht »fehl am Platze« fühlt. Diagnose Boreout ist ein Buch für alle, die aktiv und offensiv mit dem neuen Phänomen umgehen wollen. Neues Phänomen in der Arbeitswelt: Boreout. Erste Publikation über dieses Thema. Konkrete Ansätze für Betroffene.

Verlag
Redline Verlag

Seiten
131

Meine Meinung
Selten habe ich mich bei der Lektüre eines Sachbuchs so aufgeregt! Denn es ist meiner Meinung nach sehr einseitig beschrieben, man könnte zu dem Schluss kommen: bist doch selbst Schuld an deiner Lage und machst auch noch alles, damit es ja so bleibt! Also so was…

Der unternehmerische Aspekt und auch die Verantwortung seinen Mitarbeitern gegenüber wird hier nur wenig beleuchtet und wenn dann nur mit so dubiosen Aussagen, dass der Chef halt die Sahnestückchen für sich behält und den schundigen Rest auf sein Team verteilt… Und dass es im Team halt immer Leute gibt, die viel arbeiten und andere die wenig arbeiten und dann quasi die Spirale anfängt: die, die viel arbeiten bekommen irgendwann ein Burnout, die, die eh nicht viel arbeiten, bekommen irgendwann ein Boreout. Also jetzt mal so ganz lapidar auf den Punkt gebracht. Tz. Da kann ich mich nur wundern…

Und auf die Möglichkeit, dass man das Thema bei seinem Chef bereits angesprochen hat, er zunächst aber nichts ändern konnte, dann aber, als es möglich war, sofort reagiert hat und wirklich interessante Arbeit an den Mitarbeiter delegiert hat, dieser Mitarbeiter aber immer noch leidlich unterfordert ist, weil die gesamte Arbeitszeit pro Tag vielleicht 2 oder 3 Stunden beträgt, auf solche Varianten sind die beiden Herren Autoren bei ihren Recherchen nicht gestoßen. Oder dass einem der Job Spaß macht, und man wirklich gerne mehr arbeiten würde, aber es die Firmensituation einfach nicht hergibt – nun auch das wurde nicht angesprochen.

Vielmehr wurde über die wirklich ausgeklügelten Strategien, wie man sich als Boreout-Betroffener möglichst jegliche Arbeit vom Hals hält, immer und immer wieder berichtet. Man könnte meinen, „Boreoutler“ seien sie faulsten Menschen, die  überhaupt auf der Welt herumlaufen. Aber halt stopp, nein, Boreoutler sind ja nicht von Natur aus faul, sie wurden ja nur faul gemacht. Also so ein Quatsch. Ok, das mag für den einen oder anderen zutreffen. Aber mit Sicherheit nicht auf alle.

Es wird hier als Quintessenz an die Eigenverantwortung appelliert. Und wenn das auch nicht hilft, wenn man es gar nicht mehr aushalten könne, solle man kündigen. Super Tipp! Und dann? Was soll man bitte tun, wenn man nicht mehr der oder die Jüngste ist? Wenn man seinen Lebensunterhalt komplett alleine erarbeitet und wenn man sich ein Studium oder eine andere Lehre finanziell nicht leisten kann? Tja. Schweigen im Walde – bzw. im Buch.

Mir waren in diesem Buch eindeutig zu viele Schubladen. Wenig Beleuchtung von allen Seiten und schon gar nichts war von den „konkreten Ansätzen für Betroffene“ zu bemerken.

Außerdem haben Werder und Rothlin sich eine fiktive Person namens Alex ausgedacht. Und durch die Schilderungen aus Alex’ Sicht wurde dieses meiner Meinung nach durchaus ernstzunehmende Thema stellenweise fast in die Lächerlichkeit gezogen.

Und die ganzen Tippfehler fand ich auch echt nervig und die ständigen Wiederholungen sowieso… Inhaltlich hätte man das Buch auf geschätzte 70 Seiten bringen können, hätte man die Redundanzen einfach weggelassen.

Fazit: ganz nett

Siehe auch:

(Anmerkung: überarbeitet am 14.07.2011)

Angela Winter – BOREout SchachMATT – Die Kunst der Zerstörung

Beschreibung
Jeden Tag auf der Arbeit die gleichen Aufgaben erfüllen. Ohne hohe Anforderungen und unvorhergesehene Mehrarbeit ist dies für Sie ein paradiesischer Zustand? Ich kannte viele Kollegen in meinem Arbeitsumfeld, die weniger bis gar nichts zu tun hatten und trotzdem Geld dafür bekamen. Das wünschte ich mir auch: Freizeit ohne Ende und Geld aus der Steckdose. Ich möchte Sie gerne einladen, mit meinem Buch BOREout – Die Kunst der Zerstörung eine relativ junge Krankheit zu erfahren also eher zu erleben als in einer wissenschaftlichen Meta-Modellebene vermittelt zu bekommen.

Verlag
BoD

Seiten
73

Meine Meinung
Ein sehr interessanter Einblick in ein (noch) Tabuthema. Angela Winter hat in dieser kurzen Biografie beschrieben, wie es ihr jobtechnisch erging, wie sehr sie darunter litt, Tag für Tag keine Arbeit zu haben und trotzdem anwesend sein zu müssen. Wie sehr ihr Selbstwertgefühl darunter litt und immer mehr Selbstzweifel und auch körperliche Erkrankungen hinzukamen. Erschwerend kam noch anscheinend gezieltes Mobbing von Vorgesetzten hinzu, was sie immer tiefer in die Falle Boreout brachte. Durch viel Kampfgeist, Wille und Mut ist sie heute auf einem anderen, bessern Weg. Ich wünsche ihr weiterhin viel Erfolg und drücke die Daumen, dass sie nie wieder in diese Warteschleife gerät!

Fazit: stars_4 empfehlenswert

Siehe auch:

Jürgen Domian – Extreme Leben

Beschreibung
Der Autor Jürgen Domian moderiert täglich live im WDR-Hörfunkprogramm EINS LIVE und im WDR-Fernsehen eine Sendung, in der Menschen mit Problemen anrufen können, um mit Domian darüber zu reden. In diesem Buch dokumentiert der Autor Gespräche, Anliegen und Probleme, die ihn über die Sendung hinaus intensiv beschäftigten und gibt seine eigenen Gedanken dazu preis.

.
Seiten

131

Verlag
vgs

Meine Meinung
Mit seinen 131 Seiten ist dieses Büchlein natürlich schnell gelesen. Und selbstverständlich kann man dieses Buch, was aus Protokollen und Kommentaren seiner Arbeit besteht, absolut nicht mit den zwei sehr genialen Romanen von Jürgen Domian vergleichen. Interessant fand ich es – also nicht alles – es war einfach sehr menschlich. Denn schließlich waren es Probleme und Gedanken von Mitmenschen, die in der Sendung „Domian“ angesprochen wurden. Manches fand ich äußerst erschütternd, manches lustig und manches – nun – konnte ich gar nicht nachvollziehen.

Fazit: stars_3 ganz nett

Siehe auch:

Jürgen Domian – Der Tag, an dem die Sonne verschwand

Beschreibung
Allein im Universum

»Wenn ich jetzt nicht zu schreiben beginne, werde ich irrsinnig. Heute ist bereits der neunundzwanzigste Tag … Seit knapp einem Monat gibt es keine Sonne mehr, keine Lebewesen, keine Geräusche.«

Ein Mann sitzt Mitte Juli in seiner Altbauwohnung am Fenster und genießt den Jahrhundertsommer. Plötzlich verdunkelt sich der Himmel, es beginnt sintflutartig zu regnen und die Temperatur fällt. Tagelang schneit es. Als der Mann seine Wohnung verlässt, stellt er fest, dass niemand mehr da ist. Er ist der letzte Mensch auf Erden.

Jürgen Domian ist Deutschlands bekanntester Nachttalker, der seit zwölf Jahren auf Radio Eins Live und im WDR Fernsehen seine Kultsendung „Domian“ moderiert.

Seiten
286

Verlag
Heyne

Meine Meinung
Das war mein zweites Buch von Jürgen Domian. Und wie auch schon beim ersten „Der Gedankenleser“ bin ich wieder völlig fasziniert von der Geschichte. Domian versteht es hervorragend, den Leser mit auf eine fantastische Reise zu nehmen und ihn sowohl furchtbar mitleiden aber auch euphorisch mitfreuen zu lassen.

Erzählt wird hier die Geschichte von Lorenz, der anscheinend als letzter Mensch auf der Welt zurückbleibt. Zunächst gibt es mitten im Hochsommer einen wahnsinnigen Sturm, die Temperatur sinkt innerhalb kurzer Zeit rapide auf unter null Grad und es beginnt zu schneien. Als sich der Sturm gelegt hat, ist die Welt stockdunkel und es schneit und schneit und schneit. Zunächst völlig fasziniert von diesem Naturschauspiel beobachtet Lorenz das Geschehen von seiner Dachgeschosswohnung aus. Dann plötzlich meint er, er müsse mit anderen darüber reden und verlässt seine Wohnung. Aber: es gibt keine Menschen mehr! Alle sind wie vom Erdboden verschluckt. Leicht panisch sucht er überall nach Menschen, aber nirgends kann er welche finden. Nur in einem Leichenschauhaus sieht er Menschen, tote Menschen. Diese waren aber schon vor dem Ereignis tot. Dann rennt er in eine Zoohandlung. Keine Fische, keine Kaninchen, überhaupt kein Lebewesen ist mehr da. Und dann die Stille und die Dunkelheit. Lorenz flüchtet zurück in seine Wohnung und versucht zu verstehen, was sich da gerade abspielt. Aber die Tage vergehen, die Temperatur bleibt bei konstant minus 11 Grad, es ist auch tagsüber stockdunkel und man hört keine Geräusche – gar nichts. Nach und nach deckt er sich mit Vorräten ein, man weiß ja schließlich nicht, wie lange dieser Zustand anhalten wird.

Am 29. Tag nach Tag X beginnt Lorenz, seine Gedanken und Erlebnisse aufzuschreiben. Und hier fängt die Reise in die Seele des Lorenz an. Sehr erschütternd, manchmal sehr witzig, aber immer sehr ehrlich mit sich selbst erzählt er sein Leben…

Die Geschichte ist so mitreißend, so rätselhaft, dass man – hat man erst einmal damit angefangen – nicht mehr aufhören kann zu lesen. Lorenz hatte ich direkt in mein Herz geschlossen, auch wenn er nicht immer nett war. Aber wer kann das schon von sich behaupten? Ich habe jedenfalls mit Lorenz mitgehofft, mitgezittert, mich mit ihm gefreut und auch mit ihm geheult. Und ich finde es absolut klasse, wenn eine Geschichte es schafft, einen wirklich teilnehmen zu lassen und sie nicht nur zu „lesen“.

Fazit: stars_5 absolut empfehlenswert

Siehe auch:

Peter Probst – Personenschaden – Schwarz ermittelt

Beschreibung
Nachdem Lokführer Klaus Engler einen jungen Mann überfahren hat, wird er von schweren Schuldgefühlen geplagt. Seit einiger Zeit fühlt er sich von Unbekannten verfolgt und bedroht. Privatermittler Anton Schwarz wird von Engler beauftragt, die Unbekannten zu finden. Doch bereits kurz nachdem Schwarz den Auftrag übernommen hat, springt ein weiterer Selbstmörder vor Englers Zug. Zufall?

Die Spuren führen Anton Schwarz zu einem Mann, der von Hass auf den Lokführer erfüllt ist – und eine grausame Rache inszeniert: In einem Suizidforum im Internet sucht er sich ein williges Opfer, das bereit ist, sich vor einen Zug zu werfen.

Seiten
239 Seiten

Verlag
dtv

Kategorie
Kriminalroman

Meine Meinung
Dieses Buch wurde bei der 4. LitNight vorgestellt und ich fand das Thema auf Anhieb sehr interessant, da ich mir auch schon oft dachte: und wie geht es dem Lokführer nach solch einem Selbstmord? Die Sendung war noch nicht vorüber, da hatte ich das Buch schon bei Amazon bestellt. 2 Tage später war es da und ich begann zu lesen. Am liebsten hätte ich es in einem Rutsch durchgelesen, da die Story wirklich immer spannender wurde, je mehr Details man erfuhr. Der Ermittler Anton Schwarz ist ein wirklich äußerst sympathischer Mann (der würde selbst mir gefallen), der mit Herzblut seinem Job als Privatermittler nachgeht. Und sehr informativ ist das Buch! So erfährt man sehr viel über die Bahn, die Streiks, die Gewerkschaften und zum anderen über Selbstmordforen im Internet. Und das ganze scheint sehr fundiert recherchiert zu sein, denn nichts wirkte hier überzogen oder unglaubwürdig, nur damit die Story passt. Im Gegenteil. Die Geschichte ist derart erschreckend glaubwürdig, dass man keine Minute daran zweifelt, dass so etwas tatsächlich passieren könnte. Man könnte sagen, das Buch nimmt einen mit in die Tiefe der Seele eines Mannes, der von Rachegelüsten völlig aufgefressen wird. Wir du mir so ich dir… mehr wird hier aber nicht verraten 😉

Der Schreibstil von Peter Probst hat mir auch sehr gut gefallen. Klare Sätze, schnell zu lesen und doch mit viel Kraft beschreibt er die einzelnen Charaktere und Orte, die man direkt bildlich vor Augen hat. Auch der hier und da versteckte Witz hat mir sehr gut gefallen.

Das war mein erstes Buch von Peter Probst und es ich fand es klasse. Sicherlich habe ich schon den ein oder anderen Tatort gesehen, bei dem er das Drehbuch geschrieben hat. Da hatte ich aber nie drauf geachtet – das wird sich in Zukunft wohl ändern.

Fazit: stars_5 absolut empfehlenswert

Übrigens:
Die nächste und somit 5. LitNight findet am 14. Juni statt. Mehr Informationen hierzu gibt es z. B. bei Yotta-Player oder auch bei Facebook.