Richard Russo – Ein Mann der Tat

Beschreibung
Eigentlich sollte das Memorial-Day-Wochende für alle Bewohner von North Bath eine Zeit der Ruhe und Besinnung sein. Aber in diesem Jahr ist es, als hätte jemand ungebeten die Büchse der Pandora geöffnet. Chief Raymer, der Leiter der Polizeidirektion, kollabiert auf einer Beerdigung, fällt ins offene Grab und verliert dabei das einzige Beweisstück dafür, dass seine Frau ihn betrogen hat. Die Wand eines Gebäudes, das der impotente Bauunternehmer Carl errichtet hat, stürzt ein. Sein ehemaliger Kontrahent Sully hat alle Hände voll damit zu tun, eine schwere Krankheit vor den Menschen, die er liebt, zu verheimlichen. Und zu allem Übel ist auch noch eine illegal gehaltene Giftschlange entwichen und irgendwo in den Straßen der Kleinstadt an der Ostküste unterwegs. Chief Raymer, dem es eigentlich am liebsten ist, wenn die Dinge so bleiben, wie sie immer waren, wird aktiv: Er schreitet zur Tat, um wieder Ordnung in das verheerende Chaos zu bringen. Und um dem Mann auf die Schliche zu kommen, der ihn gehörnt hat. Aber auch die anderen Bewohner der Stadt müssen an diesem Wochenende Farbe bekennen und von ihren gewohnten Mustern abweichen …

Sprecher
Stefan Kaminski

Länge
20 h 28 m

Meine Meinung
Zugegeben, ich war etliche Stunden auf der Suche, was mir Richard Russo mit dieser Story denn eigentlich erzählen will. Denn lange, wirklich lange Zeit, passiert in diesem Buch recht wenig. Es wird viel erzählt. Man lernt viele verschiedene Menschen des kleinen Ortes Bath kennen. Es ist ein kleines Kaff irgendwo in den USA, mit ganz normalen Menschen, kaum einer ist ein Überflieger, die meisten sind einfach Menschen wie du und ich, die versuchen, ihr Leben so gut wie es eben in diesem gottverdammten Ort geht, zu leben.

Man braucht anfangs wirklich viel Durchhaltevermögen, um bei dieser Geschichte nicht aufzugeben. Ich für meinen Teil bin froh, dass ich es eigentlich recht gerne mag,  wenn Menschen sehr genau beschrieben werden, wenn man sie so richtig gut kennen lernt. Nicht nur mit ihren Stärken, sondern eben auch – oder gerade – ihren Schwächen. Das ist natürlich Geschmackssache. Mir hat es gefallen. Und je weiter die Story fortschreitet, umso besser hat sie mir gefallen. Und doch, sie wird auch tatsächlich noch richtig interessant. Zumindest wenn man die Menschen, die vorher so detailliert beschrieben wurden, ins Herz geschlossen hat, so wie mir es erging. Ich war dann irgendwann völlig unbemerkt ein Teil des Örtchens Bath geworden und nahm Anteil am Schicksal der verschiedenen Charaktere.

Mir hat hier besonders gut gefallen, dass keiner ein „Superheld“ war. Alle waren ganz normale Menschen, die manchmal – zwar selten – aber eben doch manchmal über sich selbst hinaus wuchsen, wenn es die Situation eben gerade von ihnen verlangte. Und so wurde selbst der Polizeichef, der eigentlich am meisten an sich selbst und an seiner Eignung zweifelte, dann doch im richtigen Augenblick ein echter Mann der Tat wurde. Ich war richtig stolz auf ihn und habe mich sehr für ihn gefreut. Als wäre er ein guter Freund von mir. Hach, ich fand das schön.

Stefan Kaminski hat hier mal wieder ein perfektes Ein-Mann-Hörspiel hingelegt. Unglaublich, wie viele verschiedene stimmliche Charaktere er drauf hat. Das haut mich immer wieder aus den Socken, wie ein einzelner Mensch so dermaßen unterschiedlich klingen kann.

Die volle Punktzahl kann ich diesem Hörbuch wohl nicht geben. Denn dazu ist es am Anfang einfach nicht reizvoll genug. Vermutlich werden viele niemals in den Genuss der ganzen Geschichte kommen, da es wirklich sehr, sehr lange dauert, bis es wirklich interessant wird. Aber tolle 4 Punkte bekommt die Story von mir auf alle Fälle. Denn wie gesagt, mir haben auch die anfangs sehr ausführlichen Charakterbeschreibungen sehr gut gefallen. Und spätestens ab etwa der Hälfte war ich total fasziniert von der  gesamten Story.

Weitere Informationen
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Siehe auch: 

Nino Haratischwili – Das achte Leben (Für Brilka)

Beschreibung
Familienepos, das am Beispiel von sechs Generationen außergewöhnlicher Frauen das ganze pralle 20. Jahrhundert mit all seinen Umbrüchen und Dramen, Katastrophen und Wundern erzählt. Vom Georgien am Vorabend des Ersten Weltkriegs bis ins Deutschland zu Anfang des neuen Millenniums spannt Nino Haratischwili den Bogen.

Georgien, 1900: Stasia wächst in der wohlhabenden Oberschicht auf und heiratet jung den Weißgardisten Simon Jaschi, der am Vorabend der Oktoberrevolution nach Petrograd versetzt wird, weit weg von seiner Frau. Als Stalin an die Macht kommt, sucht Stasia mit ihren beiden Kindern Kitty und Kostja in Tbilissi Schutz bei ihrer Schwester Christine, die bekannt ist für ihre atemberaubende Schönheit. Doch als der Geheimdienstler Lawrenti Beria auf sie aufmerksam wird, hat das fatale Folgen.

Deutschland, 2006: Nach dem Fall der Mauer und der Auflösung der UdSSR herrscht in Georgien Bürgerkrieg. Niza, Stasias hochintelligente Urenkelin, ist nach Berlin ausgewandert. Als ihre zwölfjährige Nichte Brilka nach einer Reise in den Westen nicht mehr nach Tbilissi zurückkehren möchte, spürt Niza sie auf. Ihr wird sie die ganze Geschichte erzählen: von Stasia, die still den Zeiten trotzt, von Christine, die für ihre Schönheit einen hohen Preis zahlt, von Kitty, der alles genommen wird und die doch in London eine Stimme findet, von Kostja, der den Verlockungen der Macht verfällt und die Geschicke seiner Familie lenkt, von Kostjas rebellischer Tochter Elene und deren Töchtern Daria und Niza und von der Heißen Schokolade nach der Geheimrezeptur des Schokoladenfabrikanten, die für sechs Generationen Rettung und Unglück zugleich bereithält.

Sprecher
Julia Nachtmann

Länge
43 h 43 m

Meine Meinung
Grandios! Zumindest als Gesamtkomposition gesehen. Denn fast 44 Stunden sind natürlich lange! Aber sie können auch wirklich verdammt kurz sein, wenn die Gesichte in der Geschichte in der Geschichte… na, jedenfalls fand ich diesen Familienepos größtenteils wirklich äußerst interessant, kurzweilig und vor allem immer wieder überraschend und sehr abwechlungsreich.

Den roten Faden durch die Geschichte bildet die Geheimrezeptur der heißen Schokolade, die nur mit größter Achtsamkeit zubereitet  und getrunken werden darf. Denn sie ist nicht ungefährlich.

Ich will hier gar nicht groß anfangen, diese Geschichte nachzuerzählen, denn das ist völlig sinnlos. Viel zu viel gäbe es hier zu erwähnen. Deshalb meine Empfehlung: Genieße diese Geschichte einfach selbst und gönne dir diese knapp 44 Stunden Familiengeschichte. Durch die eine oder andere Länge sollte man sich tapfer durchkämpfen, denn am Ende lohnt es sich wirklich!

Julia Nachtmann hat mir hier auch sehr gut die Zeit vertrieben. Ihre Stimme ist absolut angenehm anzuhören, auch über solch eine lange Zeit.

Ein Hörbuch für meine Bestenliste.

Weitere Informationen
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Lucinda Riley – Die Sonnenschwester (Die sieben Schwestern 6)

Beschreibung
Elektra d’Aplièse führt als Top-Model ein glamouröses Leben in New York. Doch hinter dem schönen Schein verbirgt sich eine unglückliche junge Frau, die zudem durch den Tod ihres geliebten Vaters tief erschüttert ist. Da erhält sie den Brief einer Fremden, die behauptet, ihre Großmutter zu sein. Die Spur führt nach Ostafrika, und Elektra begibt sich auf die Reise. Dort angekommen stößt sie auf die Lebensgeschichte von Cecily Hunter-Washington, die in den 1940er Jahren auf einer Farm in Kenia gelebt hat. Elektra ist fasziniert von der mondänen Welt des kolonialen Afrika, aber sie erkennt auch erstmals, welch dunkles Erbe sie in sich trägt…

Sprecher
Steffen Groth, Britta Steffenhagen, Simone Kabst

Länge
24 h 32 m

Meine Meinung
In diesem 6. Band dreht sich alles um Elektra. Sie ist ein erfolgreiches schwarzes Model in den USA und verdammt reich. Allerdings ist sie ein zutiefst trauriges Wesen, das sich hinter Drogen und Alkohol versteckt, um seine tiefe Einsamkeit zu vergessen. Als dann ihr Pa stirbt erhält sie kurz darauf einen Brief einer Unbekannten, die behauptet, ihre Großmutter zu sein. Das erste Treffen fällt nur sehr kurz aus. Die alte Dame ist sehr resolut, bringt damit aber Elektra dazu, ihr aktuelles Leben zu überdenken. Sie beginnt eine Entziehungskur.

Natürlich gibt es auch in diesem Band wieder die Geschichte ihrer Wurzeln, wie auch bei den anderen 5 Schwestern. Diese Geschichte führt uns nun nach Afrika. Wie so oft in dieser Reihe, fand ich auch hier den Vergangenheitspart wieder äußerst interessant. Doch auch die Geschichte der Gegenwart hat mir sehr gut gefallen.

Insgesamt vergebe ich also für die Story an sich 5 begeisterte Punkte. Allerdings haben mir hier die Sprecher wirklich zu schaffen gemacht. Den männlichen Part fand ich über weite Strecken klang- und tonlos gesprochen, ohne Höhen und Tiefen oder Leidenschaft, ja fast blutleer. Bei dem weiblichen Part weiß ich nun nicht genau, welche der beiden Damen es war (ich glaube es war Britta). Aber diese näselnde, stimmbruchartige Stimme hat mich echt auch furchtbar genervt. Somit muss ich für die Sprecher leider 2 Punkte abziehen. Denn das fand ich wirklich grenzwertig. Wirklich schade um die ansonsten wahrhaft tolle Story. Kleines Mutmacherle: Ich habe trotzdem über die vierundzwanzigeinhalb Stunden durchgehalten, da die Story diese Ausdauer einfach verdient.

Weitere Informationen
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Siehe auch:

Ewald Arenz – Alte Sorten

Beschreibung
Sally und Liss: zwei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Sally, kurz vor dem Abitur, will einfach in Ruhe gelassen werden. Sie hasst so ziemlich alles: Angebote, Vorschriften, Regeln, Erwachsene. Fragen hasst sie am meisten, vor allem die nach ihrem Aussehen. Liss ist eine starke, verschlossene Frau, die die Arbeiten, die auf ihrem Hof anfallen, problemlos zu meistern scheint. Schon beim ersten Gespräch der beiden stellt Sally fest, dass Liss anders ist als andere Erwachsene. Kein heimliches Mustern, kein voreiliges Urteilen, keine misstrauischen Fragen. Liss bietet ihr an, bei ihr auf dem Hof zu übernachten. Aus einer Nacht werden Wochen. Für Sally ist die ältere Frau ein Rätsel. Was ist das für Eine, die nie über sich spricht, die das Haus, in dem die frühere Anwesenheit anderer noch deutlich zu spüren ist, allein bewohnt? Während sie gemeinsam Bäume auszeichnen, Kartoffeln ernten und Liss die alten Birnensorten in ihrem Obstgarten beschreibt, deren Geschmack Sally so liebt, kommen sich die beiden Frauen näher. Und erfahren nach und nach von den Verletzungen, die ihnen zugefügt wurden.

Sprecher
Sabine Arnhold

Länge
7 h 14 m

Meine Meinung in Kürze
Alte Sorten ist die Geschichte von 2 Frauen, die nicht so recht in die Gesellschaft passen, die sich gegenseitig jedoch so akzeptieren, wie sie sind. Es ist eine ergreifende Geschichte über zwei Außenseiter, die ihr Leben lang um Authentizität kämpfen.

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Maja Lunde – Die Letzten ihrer Art (Das Klima-Quartett 3)

Beschreibung
Nach der „Geschichte der Bienen“ der neue Bestseller von Maja Lunde.

Vom St. Petersburg der Zarenzeit über das Deutschland des Zweiten Weltkriegs bis in ein Norwegen der nahen Zukunft erzählt Maja Lunde von drei Familien, dem Schicksal einer seltenen Pferderasse und vom Kampf gegen das Aussterben der Arten. Wie verändert sich das Ganze, wenn ein Teil verschwindet? Ein bewegender, großer Roman über Freiheit und Verantwortung, die große Gemeinschaft der Lebewesen und die alles entscheidende Frage: Reicht ein Menschenleben, um die Welt für alle zu verändern?

Sprecher
Thomas Loibl, Meike Droste, Beate Himmelstoß, Susanne Schröder, Thomas M. Meinhardt

Länge
16 h 25 m

Meine Meinung
Nachdem mir die beiden Vorgänger sehr gut gefallen haben, hat mich diese Geschichte eher enttäuscht. Ich weiß jetzt gar nicht genau, wie ich das beschreiben soll: Es war mir irgendwie alles zu viel und doch wieder zu wenig. Sprich, kein Drama, kein Klischee wurde ausgelassen, und doch wurde mir die Botschaft nicht deutlich genug dargestellt. Irgendwie fehlte mir hier Hand und Fuß. Überhaupt fiel es mir sehr schwer, den einzelnen Erzählsträngen überhaupt zu folgen und darin den jeweiligen Sinn zu finden. Hm, nein, hier hatte ich mir wirklich wesentlich mehr erhofft.

Auch die weiblichen Sprecher fand ich nicht gerade so glücklich gewählt. Die Herren hingegen fand ich sehr gut.

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Siehe auch

John Lanchester – Die Mauer

Beschreibung
Joseph Kavanagh tritt seinen Dienst auf der Mauer an. Er gehört nun zu den jungen Menschen, die die Mauer unter Einsatz ihres Lebens gegen Eindringlinge verteidigt. Das Leben auf der Mauer verlangt Joseph einiges ab, doch seine Einheit wird zu seiner Familie. Mit Hifa, einer jungen Frau, fühlt er sich besonders eng verbunden. Gemeinsam absolvieren sie Kampfübungen, die sie auf den Ernstfall vorbereiten sollen. Denn ihre Gegner können jeden Moment angreifen. Und die sind gefährlich. Für ein Leben hinter der Mauer setzen sie alles aufs Spiel…

Sprecher
Johannes Klaußner

Länge
9 h 41 m

Meine Meinung
Die Mauer – die Idee war sicherlich ganz gut, doch irgendwie habe ich den Eindruck, dass der Autor nicht genug Einfälle hatte, um die Grundidee zu einem spannenden oder zumindest sehr interessanten Buch auszubauen. Vielmehr hatte ich den Eindruck, dass er auf „Teufel komm raus“ die Seiten füllen wollte. Leider gab es damit sehr lange recht langweilige Episoden, unterbrochen nur hier und da mit wirklich spannenden Elementen. Doch so überraschend wie diese kamen, so schnell waren sie auch wieder vorbei. Insgesamt plätscherte die Story so vor sich hin, ohne dass sie mich wirklich fesseln konnte.

Der Protagonist war ziemlich gut dargestellt, auch seine Beziehung zu seinen Eltern – die exemplarisch für alle Familien in dieser Dystopie gesehen kann – fand ich sehr interessant.

Insgesamt möchte ich sagen, die Grundidee hatte wirklich wesentlich mehr Potential, was hier leider nur sehr gering ausgeschöpft wurde. Somit bleibt auch meine Bewertung im mittelmäßigen Bereich.

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Christina Brudereck – Die Teetrinkerin

Beschreibung
Eine grüne Teeplantage in den südindischen Nilgiris. Hier ist Yashi Bhandari zu Hause. Aber es gibt auch die Großstadt am Fuß der Berge. Die knallharten Gesetze der Textilindustrie. Hier arbeitet Yashi als Menschenrechts-Anwältin. Und dann bekommt sie die Chance, ihre Energie noch weit wirkungsvoller einzusetzen: Bei der UNO in New York.

Ein poetisch-politischer Roman. Von Heimat und Freundinnen. Der Schönheit des Rechts. Und vom Mut, den eigenen Platz in dieser Welt zu finden.

Sprecher
Christina Brudereck

Länge
12 h 45 m

Meine Meinung
Yashi, unsere Protagonistin in „Die Teetrinkerin“, wohnt sehr idyllisch auf der Teeplantage ihres Mannes. Sie selbst arbeitet in der nahe gelegenen Großstadt als Menschenrechts-Anwältin. Sie übernimmt neben den Geld einbringenden Fällen auch immer wieder kostenlos Fälle von armen Textilarbeiterinnen, denen schlimmes Leid bei der Arbeit zugefügt wurde,  die sich aber niemals einen Anwalt leisten könnten. Yashi ist eine äußerst überzeugte Menschenrechts-Anwältin und nutzt natürlich ihre Chance, als ihr ein Job bei der UNO in Aussicht gestellt wird.

Dies ist für sie ein großer Umbruch. Von Indien nach New York ist nun keine kleine Veränderung. Doch ihre Schwägerin wohnt bereits seit einigen Jahren in New York und nimmt sich ihrer an. Innerhalb der UNO haben zwar alle ein gemeinsames Ziel, doch um dieses zu erreichen, gehen sie völlig unterschiedliche Wege. Und wie überall sonst auch, gibt es auch hier Neider und Miesepeter. So erfahren wir hier auch einiges über Yashis persönliche Kämpfe.

Die Geschichte ist nun kein klassischer Pageturner und doch entkommt man ihrem Sog nur schwer. Ist man einmal in der Story angekommen, will man so schnell nicht mehr zurück ins eigene Leben. Denn zum einen mochte ich Yashi auf der Stelle, auch die anderen Personen fand ich glaubwürdig beschrieben, so dass man schnell eine konkrete Vorstellung von Yashis Umfeld hatte. Und zum anderen erfährt man hier sehr viel über Fairtrade, über noch ausstehende Menschenrechte und somit über das große Unrecht, das in großen Teilen der Welt immer noch herrscht. Somit ist die „Teetrinkerin“ nicht nur auf menschlicher Ebene hervorragend geschrieben, es ist auch politisch äußerst interessant, brisant und fundiert recherchiert.

Den Erzählstil fand ich flüssig und sehr angenehm zu hören. Einzig dass es eine Autorenlesung ist, fand ich nicht ganz so gelungen. Christina Brudereck macht das zwar im Großen und Ganzen sehr gut, jedoch gibt sie der Schwägerin eine derart schrille Stimme, dass es mich stellenweise wirklich aggressiv machte. Denn die Schwägerin nimmt nicht gerade den kleinsten Teil im Buch ein.

Wer dies nun gar nicht leiden kann, der sollte eventuell besser zum Buch greifen. Aber eins ist klar. Entgehen lassen sollte man sich diese Geschichte nicht.

Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Christina Brudereck – Die Teetrinkerin

Karin Kalisa – Radio Activity

Beschreibung
„Als sie das erste Mal auf Sendung ging, ließen die Vorarbeiter im Hafenbüro ihre Einsatzpläne sinken. Die Autofahrer, die vor den Schleusen warteten, beugten sich nach rechts, um das Radio lauter zu drehen.(…) „Guten Morgen, Seeleute“, hatte die Moderatorin gesagt, „ihr Leute auf See und an der See, hier schicke ich Euch ein Bandoneon vorbei, das euch auf Nordmeerwellen in den Tag trägt.“ Nichts, was sie sagte, war so außergewöhnlich, dass es den morgendlichen Betrieb in einer mäßig ausgeschlafenen Hafenstadt hätte stocken lassen müssen. Es war ihre Stimme.“

Wenn sie zu hören ist, werden die Radios lauter gedreht und stocken die Gespräche: Nora Tewes hat die perfekte Radiostimme – und einen Plan: Auf 100.7, einem Sender, den sie mit zwei Freunden gegründet hat, will sie einen lange davongekommenen Täter in die Enge treiben.

Überstürzt ist Nora aus ihrem eigenen Leben als Tänzerin in New York in ihre Heimatstadt zurückgekehrt, um ihrer Mutter, die im Sterben liegt, nahe zu sein. Unter dem Druck beharrlicher Nachfrage Noras nach der Vergangenheit bricht eine nur oberflächlich verheilte Wunde auf, und ein Verbrechen, dessen Opfer ihre Mutter als Kind geworden ist, wird offenbar. Nora erstattet Anzeige und erhält eine niederschmetternde Antwort: Verjährt.

Aufgewühlt sucht sie nach einem Weg und hat eine Idee. Das Radio bietet ihr die Möglichkeit, diese umzusetzen und sie beginnt ein gefährliches Spiel.

Temporeich, unverwechselbar im Ton, mit eigenwilligen Charakteren, die man nicht mehr vergisst, erzählt Karin Kalisa in ihrem neuen, schmerzlich-schönen und politisch brisanten Roman davon, wie beherztes Handeln die Suche nach Gerechtigkeit vorantreibt.

Sprecher
Wiebke Puls

Länge
10 h 44 m

Meine Meinung
Kennst du „Sungs Laden“ von Karin Kalisa? Das war toll, gell! Wenn du hier jetzt aber eine ähnlich nette Sommerlektüre erwartest, dann liegst du voll daneben. Vielleicht kann man es schon anhand des Titels „Radio Activity“ vermuten, dass es sich hier um eine eher schwer verdauliche Kost handelt. Doch nein, es hat nichts mit Atombomben, Uran oder Radioaktivität zu tun. Und doch ist der Titel absolut klasse gewählt! Denn unsere außergewöhnliche Protagonistin Nora versucht über eine besondere Art der Aktivität ein lange zurückliegendes Verbrechen aufzuklären.

Zunächst dauert es etwas, bis die Story Fahrt aufnimmt. Dann verlässt die Autorin für eine ziemliche lange Episode die zuvor begonnene Geschichte und nimmt den Hörer mit in die Vergangenheit. Zurück aus dieser sieht man Noras aktuelles Handeln plötzlich mit ganz anderen Augen und wird mehr und mehr von ihrer „Radio Acitivity“ gefesselt.

„Radio Activity“ ist eine sehr ungewöhnliche Story in einem recht ungewöhnlichen Setting. Auch ist es sicherlich keine leichte Kost, die man nach kurzem Amüsement schnell wieder vergisst. Im Gegenteil. Man kaut an dem Gehörten und trägt es für eine ganze Weile mit sich herum. Nicht belustigt, eher geschockt und wütend. Und doch zugleich auch völlig fasziniert von der Raffinesse der Erzählung und der Handlung.

Wiebke Puls als Sprecherin für dieses „Radio-Hörbuch“ ist natürlich eine grandiose Wahl. Denn nicht nur in Hörbüchern spielt der Sprecher/die Sprecherin eine enorm wichtige Rolle, auch als Radio-Moderator/in sollte die Stimme seine Hörer/innen begeistern. Und Wiebke Puls begeistert. Natürlich!

Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Bonnevoice Hörbuchverlag Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Karin Kalisa – Radio Activity

Herzlichen Dank an den Bonnevoice-Hörbuchverlag für das Rezensionsexemplar.

Siehe auch:

Stephen King – Das Institut

Beschreibung
In einer ruhigen Vorortsiedlung von Minneapolis ermorden zwielichtige Endringlinge lautlos die Eltern von Luke Ellis und verfrachten den betäubten Zwölfjährigen in einen schwarzen SUV. Die ganze Operation dauert keine zwei Minuten. Luke wacht weit entfernt im Institut wieder auf, in einem Zimmer, das wie seines aussieht, nur dass es keine Fenster hat. Und das Institut in Maine beherbergt weitere Kinder, die wie Luke paranormal veranlagt sind: Kalisha, Nick, George, Iris und den zehnjährigen Avery. Luke erfährt, dass andere Kinder vor ihnen nach einer Testreihe verschwanden. Und nie zurückkehrten.

Mit David Nathan haben Kings Horror-Meisterwerke ihren kongenialen Interpreten gefunden.

Sprecher
David Nathan

Länge
21 h 02 m

Meine Meinung
Sorry, ich habe zu lange gewartet. Meine notierte Bewertung:

Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Stephen King – Das Institut.

Siehe auch:

Ella Zeiss – Von Hoffnung getragen (Tage des Sturms 2)

Beschreibung
Februar 1942: Die Neuigkeiten über den rasanten Vormarsch der Wehrmacht fegen wie ein Sturm durch die gesamte Sowjetunion. Harald Pfeiffer ist sechzehn, als er in das Zwangsarbeitslager in Tscheljabinsk einberufen wird. Während um ihn herum erwachsene Männer zu Hunderten sterben, kämpft er mit aller Macht ums Überleben.

Auch die zwanzigjährige Yvo Scholz kommt nach Kriegsende mit ihrer Mutter in die russische Industriestadt, auf der Suche nach ihrem Bruder Erich, der ebenfalls in das Arbeitslager verschleppt worden war.

Als sich die Pfade von Yvo und Harri kreuzen, ist es für beide Liebe auf den ersten Blick. Doch angesichts der Anfeindungen und Diskriminierungen, die ihnen als Deutsche noch immer begegnen, ist es für sie nicht leicht, sich eine neue Existenz aufzubauen.

Sprecher
Oliver Wronka

Länge
12 h 15 m

Meine Meinung
Auch der zweite Teil geht wieder hochemotional weiter. Harry wird mit 16 Jahren in ein Arbeitslager gesteckt und Ivo wird ihr größter Traum, Ärztin zu werden, verwehrt.

Was die beschriebenen zwei Familien alles erleiden müssen, ist wahrlich mehr, als man ertragen kann. Doch wie der Titel schon verrät, kämpfen sie weiter, immer in der Hoffnung, dass es doch irgendwann einmal besser werden wird. Vermutlich stehen die beiden geschilderten Familienschicksale lediglich exemplarisch für unzählige andere Familien, die als deutsche Einwanderer keinen guten Stand in der Sowjetunion hatten.

Ella Zeiss hat die Geschichte wieder sehr emotional erzählt, so dass man als Zuhörer das Leid, das ihnen widerfahren ist, fast körperlich spürt. Nicht selten hatte ich dementsprechend einen dicken Kloß im Hals.

MIt Oliver Wronka war ich im Großen und Ganzen sehr zufrieden.

Insgesamt kann ich die beiden Bücher jedem empfehlen, der sich etwas für die deutsch-russische Geschichte interessiert. Die hier geschilderten Schicksale findet man vermutlich in keinen Geschichtsbüchern. Und doch sind sie so oder so ähnlich vielfach geschehen.

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Weitere Informationen
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Siehe auch: