Ella Zeiss – Wie Gräser im Wind (Tage des Sturms 1)

Beschreibung
Eine berührende und authentische Familiensaga über ein bislang wenig bekanntes Kapitel der Geschichte. 1930 wütet das Sowjetregime mit Enteignungen und Verhaftungen in den ehemals wohlhabenden deutschen Dörfern der Krim. Jeder, der noch Land oder Einfluss hat, schwebt in Gefahr. Wilhelm Scholz weigert sich, seinen letzten Grundbesitz an den Staat zu überschreiben. Mitten in der Nacht zerren bewaffnete Männer ihn, seine Frau Anna und ihre kleinen Kinder aus dem Haus. Die Familie wird in die eisige Wildnis des Hohen Nordens gebracht und Baumfällarbeiten zugeteilt. Inmitten von Hunger, Krankheit und klirrender Kälte kämpfen Anna und Wilhelm ums Überleben und um einen Platz in der neuen Weltordnung.

Samuel Pfeiffer entgeht einem ähnlichen Schicksal nur durch eine rechtzeitige Flucht. In einer Nacht- und Nebelaktion verlässt er mit seiner Familie das Dorf und lässt alles zurück. Doch die Verschnaufpause währt nicht lang. Als deutscher Lehrer wird er immer wieder verfolgt und denunziert. Eine Odyssee von der Krim bis nach Baku beginnt …

Sprecher
Oliver Wronka

Länge
11 h 48 m

Meine Meinung
Wenn ich an das Hörbuch denke, friert es mich gleich wieder und ich bekomme eine Ganzkörpergänsehaut vor lauter Kälte. Diese Geschichte spielt zunächst auf der Krim, dann im hohen Norden Russlands. Die Beschreibung der nächtlichen „Überfälle“ des Sowjetregimes auf die deutschen Familien, die noch Grund und ein wenig Besitz hatten, sind wirklich schockierend. Sie hatten kaum Zeit, um ihre Sachen zu packen, geschweige denn, um sich für die noch eisigeren Temperaturen des Nordens ausreichend einzudecken, sei es mit Essen oder mit Kleidungsstücken.

Irgendwo im Nirgendwo wurden sie dann abgeladen. Dort gab es so gut wie nichts! Eine einzige Baracke für alle! Nicht mal genug Betten gab es, so dass sie in Schichten schlafen mussten und das auch noch mit mehreren Personen auf einer schmalen Pritsche. Sonst musste alles, auch ihre zukünftigen Unterkünfte zunächst noch erbaut werden. Im etwas abgelegenen Ort erfahren sie auch keine große Hilfe, nur spärlich wird von den Bewohnern der ein oder andere Rat erteilt. Somit kämpfen die Enteigneten fortan täglich mit dem Überleben. Nicht selten geraten sie in wirklich lebensbedrohliche Situationen.

Unvorstellbar, was diese beiden Familien – und noch viele weitere Familien –  durchhalten mussten.

Es ist wirklich unglaublich, was sich das Sowjetregime mit den Enteignungen erlaubt hat. Mit den Menschen sind sie wie mit Vieh umgegangen. Von Menschlichkeit oder Mitgefühl ist hier keine Spur zu merken. Trotzdem ist es natürlich äußerst interessant, da dies eine historische Tatsache ist.

Der Sprecher Oliver Wronka hat mir sehr gut gefallen.

Weitere Informationen
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Richard Russo – Diese gottverdammten Träume

Beschreibung
Empire Falls, eine Kleinstadt in Maine: Seit über zwanzig Jahren arbeitet Miles Roby im örtlichen Diner. Hier versammelt sich die ganze Stadt, vom Fitnessstudiobesitzer bis zum Schuldirektor. Miles selbst hat das College abgebrochen, ist geschieden und lebt in einer winzigen Wohnung über dem Restaurant. Und während er sein Bestes gibt, seiner Tochter dabei zu helfen, die Highschool zu überstehen, seinen trinkfreudigen Vater zu bändigen und dem Job im Diner gerecht zu werden, bleibt nicht viel Raum für das, was er sich vom Leben erhofft hat.

Seine Verpflichtungen fesseln ihn an die Stadt, und erst als die äußeren Umstände ihn dazu zwingen, gelingt es ihm, Empire Falls zu verlassen. Er flieht mit seiner Tochter an den gemeinsamen Sehnsuchtsort Martha’s Vineyard. Seit Jahren spielt er mit dem Gedanken, sich hier niederzulassen. In „Diese gottverdammten Träume“ erzählt Richard Russo mit viel Wärme und Humor die Geschichte eines Mannes, der nicht der geworden ist, der er sein wollte, und zeigt das Leben in der Kleinstadt mit all seinen Absonderlichkeiten: ein Roman mit viel Gefühl für die Tragik, die im Alltäglichen liegt.

Sprecher
Stefan Kaminski

Länge
22 h 25 m

Meine Meinung
Ich bin begeistert! Diese Geschichte hat mich von der ersten Minute an gefesselt und direkt hinein in das Leben der Kleinstadt Empire Falls gezogen. Diese kleine Stadt hatte schon bessere Zeiten gesehen. Hauptschauplatz ist das Diner von Miles Roby. Nach und nach lernt man die meisten Bewohner und somit Gäste des Diners der Kleinstadt kennen, sehr schnell hat man von allen ein klares Bild vor Augen. Vielleicht weniger von deren Aussehen, aber dafür umso besser von deren Charakter. Und das ist ja auch wesentlich wichtiger. Unterschiedlicher könnten die Leute nicht sein. Ich fand die Beschreibungen außerordentlich gut gelungen. Man könnte fast sagen, einer skurriler als der andere – und doch immer glaubhaft und vorstellbar beschrieben. Doch ich möchte hier gar nicht groß in Charakterbeschreibungen oder zu einer längeren Inhaltsangabe verfallen.

Richard Russo versteht es grandios, wunderbare Sätze zu Papier zu bringen. Nicht selten gespickt mit einer ordentlichen Portion an Humor und Situationskomik. Dank dieser wirkt dieses Drama nicht erdrückend oder schwer, vielmehr lässt er Empire Falls mit einer originellen schriftstellerischen Leichtigkeit zum Leben erwachen und beschreibt eine Kleinstadt, die einem zu keinem Zeitpunkt erfunden vorkommt. Im Gegenteil. Man könnte fast meinen, er erzähle hier tatsächlich die wahre Geschichte von Miles Roby und allen anderen Beteiligten. Herrlich.

Für mich vergingen die über 22 Stunden wie im Flug und ich hätte noch stundenlang weiterhören können. Dies ist natürlich nicht auch zuletzt dem genialen Sprecher Stefan Kaminski zu verdanken, der mal wieder zur Bestform aufgelaufen ist. Er hat all den vielen Mitwirkenden wirklich einzigartige und unverwechselbare Stimmen verpasst, so dass es Ohrenkino vom Feinsten war.

„Diese gottverdammten Träume“ ist eindeutig ein Hörbuch für meine Bestenliste.

Weitere Informationen
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Min Jin Lee – Ein einfaches Leben

Beschreibung
Ein Epos über Liebe, Opfer, Ambition und Loyalität, umwerfend erzählt und zutiefst ergreifend.

Anfang des 20. Jahrhunderts erliegt die jugendliche Sunja, geliebte Tochter eines koreanischen Fischers, dem Charme eines reichen Fremden. Er verspricht ihr die Welt, aber sie lässt sich nicht kaufen; als sie schwanger wird, erfährt sie, dass er verheiratet ist. Wenn das Herz bricht, muss der Kopf die Entscheidungen treffen, und so weist sie den Vater ihres Sohnes zurück und nimmt das Heiratsangebot eines sanften, kränklichen Pfarrers an, der auf dem Weg nach Japan ist. Sunja weiß nicht, dass sie mit dieser Entscheidung eine dramatische Geschichte lostritt, die Folgen hat für alle weiteren Generationen…

Sprecher
Gabriele Blum

Länge
17 h 13 m

Meine Meinung
Dieses Familienepos erstreckt sich über 4 Generationen. Klar, dass somit sehr viele Personen in dieser Geschichte, die voller Leid und Kampfgeist ist, vorkommen. Etwas erschwerend fand ich manchmal, dass diese vielen Personen nicht nur einen Namen, sondern gleich zwei hatten – einen koreanischen und einen japanischen. Manchmal kam es mir so vor, als wären es noch mehr. Das fand ich etwas verwirrend.

Doch von vorne. Sunja ist die Tochter eines armen koreanischen Fischers. Sie wird von einem fremden wesentlich älteren Mann umgarnt und erliegt seinem Charme. Als sie schwanger ist, gesteht er ihr, dass er bereits eine Frau und drei Töchter in Japan hat. Doch sie könne seine Frau hier in Korea sein, er würde für sie sorgen, es würde ihr an nichts mangeln. Doch die stolze Sunja lehnt sein Angebot ab. Als zur gleichen Zeit ein ärmlicher aber herzensguter Pfarrer ihren Weg kreuzt, und er ihr anbietet, sie zu heiraten, nimmt sie den Antrag an und reist mit ihm weiter nach Japan. Denn dorthin – zu seinem Bruder – war der junge Geistliche unterwegs. Doch in Japan angekommen muss Sunja schnell feststellen, dass sie als Koreaner in Japan kein Ansehen genießen. Sie werden als Menschen zweiter Klasse behandelt und so geht ihr hartes Leben weiter.

Sehr interessant fand ich die beschriebenen Schwierigkeiten, die die Koreaner in Japan hatten. Selbst in zweiter und dritter Generation in Japan wurden alle Koreaner abgelehnt und grundsätzlich als Verbrecher abgestempelt. Als Koreaner hatte man in Japan kaum die Möglichkeit, Fuß zu fassen. Zumindest nicht in seriösen Geschäften. Somit ist es kaum verwunderlich, dass viele Koreaner ihr Glück im Glücksspiel mit dem beliebten japanischen Spiel Pachinko versuchten. Hier konnte man mächtig viel Geld verdienen und war somit natürlich als Verbrecher abgestempelt. Egal, ob man das Geschäft ehrlich betrieb oder nicht.

Hochdramatisch geht es in dieser Geschichte zu. Es gibt sehr viele Schicksalsschläge. Doch auch immer wieder hoffnungsvolle Ereignisse füllen dieses Familienepos mit Leben. Da es über mehrere Generationen erzählt wird, gibt es natürlich mehrere Protagonisten im Wandel der Zeit. Diese wurden immer sehr genau beleuchtet und als Personen dargestellt. Das hat mir sehr gut gefallen.

Einzig die manchmal kläglichen Beschreibungen von Dingen, um die es sich lange Zeit drehte, fand ich sehr schade. So gibt es z. B. eine Episode, in der die Speise Kimchi eine Hauptrolle spielt. Doch was das ist, wird kaum beschrieben. Einzig, dass es mit Kohl ist und lange in der Zubereitung braucht, erfährt man hier. Für weitere Informationen muss man sich des Internets bedienen. So auch mit dem Glücksspiel Pachinko. Mehr als dass es mit Bällen zu tun hat, wird nicht erklärt. Diese fehlenden beschreibenden Sätze fand ich sehr schade. Denn auf die paar Minuten wäre es nun wirklich nicht angekommen bei der Gesamtlänge. Aber gut, das Internet hilft auch hier weiter.

Insgesamt fand ich „Ein einfaches Leben“ alles andere als ein einfaches Leben. Es war eine berührende Familiengeschichte mit vielen anregenden Passagen aber auch einigen Längen.

Gabriele Blum als Sprecherin liebe ich! Ob sie die vielen koreanischen und japanischen Wörter richtig ausgesprochen hat – ich weiß es nicht. Ich bezweifle es jedoch, da sie doch sehr „europäisch“ ausgesprochen klangen. Aber das vermag ich nicht zu beurteilen. Mir hat ihre Stimme jedenfalls wieder sehr gut gefallen.

Weitere Informationen
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Kristin Hannah – Liebe und Verderben

Beschreibung
Ich bin hier und werde niemals aufhören, auf Dich zu warten.

1974: Als Lenora Allbright mit ihren Eltern nach Alaska zieht, ist die Familie voller Hoffnung, das Trauma des Krieges, das der Vater in Vietnam davongetragen hat, hinter sich zu lassen. In Matthew, dem Sohn der Nachbarn, findet Leni einen engen Freund, und aus ihrer Vertrautheit entwickelt sich bald eine junge Liebe. Doch auf die Schönheit des Sommers in Alaska folgt unweigerlich die Finsternis des Winters, und je länger diese andauert, desto weniger vermag Lenis Vater die in ihm wohnenden Dämonen zu bändigen. Schon bald müssen die beiden jungen Liebenden um ihr Miteinander kämpfen – bis sie eines Tages auszubrechen versuchen…

Mit emotionaler Wucht erzählt Kristin Hannah eine große Geschichte über unsere Verletzlichkeit, wenn wir zum ersten Mal lieben, über die dunklen Seiten der Liebe und über die niemals endende Verbundenheit zwischen einer Mutter und ihrem Kind.

Sprecher
Eva Mattes

Länge
16 h 17 m

Meine Meinung
Bei der Auswahl dieses Hörbuches erhoffte ich mir eine Geschichte, die mich das Wochenende von Samstag bis Sonntag beschäftigt und begleitet. Ja, es war die richtige Wahl. Denn am Samstag habe ich damit begonnen, am Sonntag habe ich es beendet.

Am meisten begeistert haben mich hier die Beschreibungen von Alaska. Ein gnadenloses Land, das mit seiner bitteren Kälte in den langen Wintern und langanhaltenden Dunkelheit die Menschen an ihre Grenzen bringt. Wenn dann ein labiler Mensch mit seiner Familie dort hinzieht, um ein neues Leben zu beginnen, ahnt man schon, dass es zwar im Sommer sehr motivierend und bezaubernd sein kann, ja, dass es sogar den Anschein hat, dass sich die Schwierigkeiten der Familie, die aufgrund der Dämonen, mit denen sich der Vater aus dem Vietnamkrieg und damit auch seine Familie quält, sich in Luft auflösen könnten. Doch wie ein Damokles-Schwert droht der nahende bitterkalte und erbarmungslose Winter. Hinzu kommt ein Nachbar, mit dem der Vater gerne einen trinkt. Was Alkohol mit einem psychisch angegriffenen Mann anrichten kann, kann man sich vorstellen. Es kam wie es kommen musste. Der Vater wird zum prügelnden Ehemann, die Tochter verzweifelt zunehmends. Ihr einziger Halt ist ihr Schulkamerad Matthew. Schnell wird aus deren Kameradschaft mehr als Freundschaft.

Es folgen viele Jahre der Verzweiflung und der Hilflosigkeit. Manchmal fiel es mir wirklich schwer, die Liebe der Mutter zu ihrem brutalen Ehemann noch nachvollziehen zu können.  Auch der Tochter fiel es zunehmend schwerer. Sie wollte mit ihrer Mutter weg von ihm, doch ein Fluchtversuch endete hochdramatisch.

Von Kristin Hannah hatte ich bisher noch kein Hörbuch gehört. Ich weiß auch gar nicht genau, warum ich mir dieses Hörbuch aussuchte, vermutlich lag es an Alaska. Es war für mich einfach mal ein ganz anderer Handlungsort, der mich durchaus reizte.

Insgesamt fand ich die Geschichte klasse. Ich fand es durchweg sehr interessant, wenn es auch in der Mitte eine Länge aufwies, die sich wie eine Endlosschleife anfühlte, doch es passierte meist durchweg viel, und wenn nichts passierte, dann wurde man mit faszinierenden Landschaftsbeschreibungen belohnt. Außerdem ist es eine äußerst emotionale Geschichte!

Das Thema Liebe, welches den roten Faden in der Geschichte bildete, fand ich hier sehr gut und nachvollziehbar dargestellt. Es wurden hier eigentlich alle Facetten der Liebe aufgezeigt, ohne dass es aufgesetzt wirkte. Mir hat diese hochdramatische Geschichte jedenfalls sehr gut gefallen und ich war froh, dass es am Ende dann noch richtig schnulzig wurde. Eigentlich kann ich Schnulzigkeit überhaupt nicht leiden. Aber hier war es Balsam für meine Seele.

Eva Mattes war für diese Geschichte genau die richtige Sprecherin. Sie hat alle Personen – selbst die Männer – perfekt vertont. Es war für mich völlig mühelos, ihr über die 16 Stunden zuzuhören.

Weitere Informationen
Eine Hörprobe sowie weitere Informationen gibt es bei Audible.de
Und hier geht es direkt zum Hörbuch: Kristin Hannah – Liebe und Verderben

Jeffrey Archer – Triumph und Fall

Beschreibung
Im Londoner East End verkauft der junge Charlie Trumper Obst und Gemüse auf der Straße. In sehr ärmlichen Verhältnissen lebend, träumt er davon, einmal das größte Kaufhaus der Welt zu besitzen. Aber die Zeiten sind hart, und der Erste Weltkrieg reißt Charlie zunächst aus seinen Träumen. Doch auch die schlimmsten Feinde und Tragödien können ihn nicht aufhalten… Nach der Kain und Abel-Trilogie leiht Richard Barenberg auch „Triumph und Fall“ wieder seine warme und charismatische Stimme.

Sprecher
Richard Barenberg

Länge
23 h 20 m

Meine Meinung
Hach, ich liebe einfach Jeffrey Archers Zuverlässigkeit. Denn auch Triumph und Fall zeichnet sich wieder dadurch aus, dass sich ein Junge aus ärmlichen Verhältnissen ganz nach oben kämpft. Zwischenzeitlich fand ich dieses vorhersehbare Schema in seinen Romanen zwar schon etwas nervig, doch ihm fallen immer wieder gänzlich neue Szenarien und Umfelder ein, so dass seine Geschichten letztendlich doch immer ganz verschieden sind. Und vor allem eines: Immer, wirklich immer äußerst kurzweilig, spannend und hörenswert.

Auch versteht es Archer ganz hervorragend, die unterschiedlichsten Charaktere ausgesprochen lebensecht zu beschreiben. Schnell hat man als Hörer immer seine Lieblinge und natürlich auch Feinde. Man zittert und bibbert mit dem Protagonisten mit und durchlebt und durchleidet quasi selbst all die geschilderten Situationen.

Auch hier wird an triumphalen Situationen nicht gegeizt, doch natürlich gibt es auch verdammt harte Rückschläge. Diese abwechslungsreichen Szenen sorgen natürlich für viel Schnelligkeit in der Story. Es kommt eigentlich nie ein Moment der Langeweile auf, da ständig etwas passiert.

Triumph und Fall ist für diese Geschichte ein wirklich sehr passender Titel. Besonders hervorheben möchte ich auch noch das wunderschöne Ende. Ich war wirklich gerührt.

Richard Barenberg kann ich natürlich wieder nur in höchsten Tönen loben. Er war wieder bombastisch gut.

Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei  Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Jeffrey Archer – Triumph und Fall

Siehe auch:

Die Clifton-Saga:

Kain und Abel:

Andere:

Ulrich Alexander Boschwitz – Der Reisende

Beschreibung
Berlin, 1938: Der Kaufmann Otto Silbermann findet sich nach den Novemberpogromen und seiner Flucht aus Berlin als rastloser Reisender in den Zügen der Deutschen Reichsbahn wieder. Verwandte und Freunde sind verhaftet oder verschwunden. Was ihm noch bleibt, ist eine Aktentasche voller Geld.

In den Waggons, auf Bahnsteigen und in Bahnhofsrestaurants, auf seinen Fahrten quer durchs Land trifft er auf andere Reisende, Flüchtlinge und Nazis, auf gute wie schlechte Menschen. Noch nie hat man mit so unmittelbarer Wucht nachempfinden können, wie lebensverändernd die Novemberpogrome für jeden einzelnen Menschen in Deutschland waren.

Sprecher
Torben Kessler

Länge
7 h 26 m

Meine Meinung
Otto Silbermann steckt mitten in Verhandlungen, um sein Haus zu verkaufen, als die Nazis seine Wohnung stürmen. Hals über Kopf verlässt er seine arische Frau und sein Heim, um seiner Verhaftung zu entkommen. Doch wo soll er hin? Sein Geschäftspartner sollte doch schon längst von den Verkaufsverhandlungen aus Hamburg zurück sein. Will er ihn etwa um sein Geld bringen? Becker, ein Arier, man weiß ja nicht mehr, wem man noch vertrauen soll. Kurzentschlossen reist er mit der Bahn nach Hamburg. Dort sieht er auch seinen Geschäftspartner zusammen mit Nazis an einem Tisch ausgiebig feiernd. Die Zweifel steigen, denn Becker ignoriert ihn komplett, so als würde er Silbermann überhaupt nicht kennen. Zuhause in Berlin treffen die beiden wieder aufeinander. Becker löst in einem höchst unerfreulichen Disput die Geschäftsbeziehung auf und zahlt Silbermann aus. Mit einem Koffer voller Geld steigt er in den nächsten Zug, denn er weiß nicht recht, wo er denn hin soll. Freunde und Verwandte wurden entweder verhaftet oder sind in der Partei. Fortan ist er auf Reisen, diverse Versuche, Deutschland zu verlassen, scheitern, so dass er immer weiter auf Reisen ist.

Hierbei lernt er verschiedene Menschen kennen, die Gespräche sind immer höchst interessant anzuhören. Auch Silbermanns Gedanken, wenn er alleine im Abteil sitzt sind zutiefst menschlich und nachvollziehbar und stellen sehr deutlich die innere Zerrissenheit der Juden dar. Denn was unterscheidet sie denn von den Goys? Und plötzlich wird er kurzzeitig gedanklich selbst zum jüdischen Antisemit und meint, all die anderen Juden seien an seinem Elend schuld.

Es ist wirklich unglaublich gut geschildert, welche Verzweiflung in Silbermanns Kopf Form annimmt. Ich fand diese Geschichte äußerst beklemmend und zutiefst menschlich erzählt. Er steht hier für viele Tausend anderer Juden, die im Nazideutschland gnadenlos verfolgt, verhaftet und ermordet wurden.

Wie man sich denken kann, ist diese Geschichte keine seichte oder leichte  Unterhaltung. Doch trotzdem oder gerade deshalb möchte ich dieses Hörbuch sehr empfehlen! Nicht zuletzt, da Torben Kessler als Sprecher wirklich eine grandiose Leistung hingelegt hat.

Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Ulrich Alexander Boschwitz – Der Reisende

Anja Jonuleit – Rabenfrauen

Beschreibung
Sommer 1959. Die Freundinnen Ruth und Christa verlieben sich in den jungen Freikirchler Erich. Als dieser nach Chile geht, um beim Aufbau einer christlichen Gemeinschaft, der Colonia Dignidad, zu helfen, folgt ihm die lebenshungrige Christa, während Ruth zurückbleibt. Was als Abenteuer beginnt, wird bald zum Albtraum. Noch Jahrzehnte später plagt Ruth das Schuldgefühl, die beiden nicht aufgehalten zu haben.

Eine berührende und erschütternde Geschichte über zwei außergewöhnliche Frauenschicksale und die zerstörerische Kraft der Colonia Dignidad.

Sprecher
Marion Mertienzen, Anja Jonuleit, Birte Schnöink

Länge
8 h 24 m

Meine Meinung
Rabenfrauen erzählt die Geschichte zweier Frauen, die in den Sog der Colognia Dignidad – einer üblen Sekte – gerieten. Christa mehr als Ruth, Christa geht mit nach Chile, Ruth zweifelt immer mehr an den Freikirchlern und bleibt alleine zurück.

Ich fand diese Geschichte wirklich toll aufgebaut und auch richtig klasse von den drei sehr passenden Sprecherinnen gesprochen. Ich konnte mir schon sehr gut vorstellen, wie Christa und Ruth von dem charmanten und gut aussehenden Erich fasziniert waren. Aufgrund ihrer verschiedenen Charaktere konnte ich auch ihre unterschiedlichen Entscheidungen nachvollziehen. Allerdings fiel mir das bei Ruth etwas schwerer. Doch vermutlich ahnte ich schon schlimmes, wie hätte das Ruth in ihrer Verliebtheit erkennen sollen? Ich glaube, ihre Entscheidung sollte man nicht leichthin als blauäugig abtun. War es damals doch alles neu und entwickelte sich ja erst zu dem, was es dann wurde.

Erzählt wird die Story in Rückblicken, somit setzt sich nur Stück für Stück das ganze Ausmaß dieser gnadenlosen Sekte zusammen. Ich hatte den Begriff Colognia Dignidad zwar schon mal gehört, konnte aber nicht wirklich etwas damit in Verbindung bringen. Ich staunte von Minute zu Minute mehr und konnte das Hörbuch nicht mehr ausschalten. Anschließend recherchierte ich zu dieser Sekte im Internet. Unglaublich.

Mich hat dieses Hörbuch jedenfalls sehr begeistert. Und ich bin fest davon überzeugt, dass es als Hörbuch mit diesen drei Stimmen noch eindrücklicher ist, als wenn man es selbst als Buch lesen würde. Denn dies ist keine reine Lesung. Dies ist Kopfkino pur.

Weitere Informationen
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Siehe auch:

Anne Youngson – Das Versprechen, dich zu finden

Beschreibung
Tina und Anders hatten einmal andere Wünsche ans Leben. Jetzt sind sie Anfang sechzig und haben beide gerade jemanden verloren, der ihnen sehr nahestand und der eine Lücke hinterlässt, die zu füllen ihnen unmöglich scheint. Und auch ihre Hoffnungen und Träume haben sie mit den Jahren aus den Augen verloren – das Leben zog vorbei, und dieser eine Moment kam nie.

Tina und Anders sind sich noch nie begegnet, doch durch Zufall beginnen sie einen Briefwechsel. Sie teilen Glück und Sorgen, tauschen sich über Familie und Arbeit, Kunst und Natur aus. Durch ihre Freundschaft entwickeln sie bald einen Hunger nach Veränderung, der es ihnen unmöglich macht, wieder in ihre alte Rolle zurückzukehren.

Sprecher
Andrea Sawatzki, Wolfram Koch

Länge
7 h 27 m

Meine Meinung
Tina lernt Christian durch einen Zufall kennen. Mit Anfang 60 schreibt sie an einen Museumsleiter, dessen Museum sie als Kind schon besuchen wollte. Da er natürlich nicht mehr lebt, erhält sie Antwort von seinem Nachfolger, einem ebenfalls um die 60-jährigen Mann. Daraus entwickelt sich unverhofft eine innige Brieffreundschaft. Sind die Briefe anfangs noch recht allgemein und Moorleichen und Landschaften betreffend, so werden sie zunehmend privater und vertrauter. Bis die beiden bald eine äußerst innige Beziehung in Form von Briefen führen. Denn gesehen haben sie sich noch nie.

Mir hat die Art der Briefe sehr gut gefallen. Beide könnten kaum unterschiedlichere Laben führen und doch vereint sie ein zartes Band des gegenseitigen Verstehens. Die Freude auf den nächsten Brief des jeweils anderen steigert sich immer mehr, bis plötzlich und völlig unvorhergesehen Tina den Briefwechsel beenden will. Ohne Begründung. Einfach so. Das kann Christian natürlich überhaupt nicht verstehen und bohrt nach – jedoch auf eine sehr feinfühlige Art, so dass ihre Briefe doch wieder aufgenommen bzw. weitergeführt werden. Hier wird es dann sehr tragisch.

Waren die Briefwechsel anfangs noch banalen Themen gewidmet, so wurden sie später hin immer vertrauter. Mir hat dieser Aufbau sehr gut gefallen. Und ich fand ihn absolut glaubwürdig! Denn ich hatte auch solch einen Freund, mit dem ich über Jahre – zwar keine Briefe – aber E-Mails austauschte. Bei uns war die Entwicklung exakt so, wie hier in diesem Buch geschrieben. Leider ist mein E-Mail-Freund dieses Jahr im viel zu jungen Alter von 60 Jahren verstorben. Joschi, ich werde dich nie vergessen! (Dieser absolut private Einschub musste jetzt sein – in Gedenken an ihn.)

Insgesamt hat mir die Geschichte sehr gut gefallen. Sie ist ruhig, manchmal trivial, manchmal aber auch voller Emotionen.

Andrea Sawatzki und Wolfram Koch hier als Sprecher auszuwählen, fand ich die absolut richtige Wahl! Die beiden waren spitzenmäßig.

PS: Den Original-Titel finde ich wesentlich treffender: Meet me at the Museum. Auch das englische Cover gefällt mir viel besser.

Eine Hörprobe sowie weitere Informationen gibt es bei Audible.de
Und hier geht es direkt zum Hörbuch: Anne Youngson – Das Versprechen, dich zu finden

Chloe Benjamin – Die Unsterblichen

Beschreibung
Wenn du wüsstest, an welchem Tag du stirbst: Wie würdest du leben?
New York 1969: die Geschwister Simon, Klara, Daniel und Varya legen ihr Taschengeld zusammen und suchen eine Wahrsagerin auf. Die kann angeblich den Tag des Todes vorhersagen. Aufgebracht, ungläubig, schulterzuckend reagieren die Kinder auf die Prophezeiung – und doch wird das Wissen ihr Leben beeinflussen. Während Simon sein Glück im liberalen San Francisco der 80er Jahre findet und Klara sich ihrer Leidenschaft Magie verschreibt, suchen Daniel als Arzt und Varya als Wissenschaftlerin sicheren Boden. Und die Antwort auf die Frage, ob die Wahrsagerin recht behalten würde…

Sprecher
Wolfram Koch

Länge
13 h 25 m

Meine Meinung
Dieses Hörbuch hat mich wirklich fasziniert. Ich hatte mir selbst schon die Frage gestellt, ob ich wissen wollte, wann ich sterben würde. Ich habe diese Frage für mich verneint. Und zwar einfach deshalb, weil ich nicht wusste, wie mich dieses Wissen in meinem zukünftigen Leben beeinflussen würde. Somit fand ich es natürlich spannend, als ich die Beschreibung dieses Hörbuches las.

Vier noch junge Geschwister haben nun alle ein Datum im Kopf, wann sie sterben werden. So ganz ernst nimmt man es nicht – zumindest nicht nach außen hin. Doch innen sieht es dann doch anders aus. Zu, da manche nicht sonderlich alt werden sollen.

Fortan wird die Geschichte der Geschwister erzählt. Diese Episoden fand ich sehr spannend, interessant und kurzweilig beschrieben. Ich konnte ihre Lebensentscheidungen gut nachvollziehen, auch wenn sie nicht immer von Glück gekrönt waren. Dadurch gingen einem die einzelnen Schicksale natürlich noch mehr  zu Herzen. Aber kein Kitsch. Einfach nur das wahre Leben, wie es sich den ganz normalen Menschen eben entgegenstellt, manchmal auch in den Weg stellt.

Wolfram Koch als Sprecher liebe ich! Und er hat mich auch hier nicht enttäuscht. Ganz wunderbar hat er „Die Unsterblichen“ gesprochen.

Weitere Informationen
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Christina Dalcher – VOX

Beschreibung
Ihr könnt uns die Wörter nehmen, aber zum Schweigen bringt ihr uns nicht! Als die neue Regierung anordnet, dass Frauen ab sofort nicht mehr als einhundert Wörter am Tag sprechen dürfen, will Jean McClellan diese wahnwitzige Nachricht nicht wahrhaben – das kann nicht passieren. Nicht im 21. Jahrhundert. Nicht in Amerika. Nicht ihr. Schon bald jedoch kann Jean ihren Beruf als Wissenschaftlerin nicht länger ausüben. Schon bald wird ihrer Tochter Sonia in der Schule nicht länger Lesen und Schreiben beigebracht. Sie und alle Mädchen und Frauen werden ihres Stimmrechts, ihres Lebensmutes, ihrer Träume beraubt. Für Sonia und alle entmündigten Frauen will Jean sich ihre Stimme zurückerkämpfen und erhält eine Gelegenheit…

Ich habe „VOX“ als Warnung geschrieben, als Warnruf gegen eine Politik der Geschlechtertrennung, aber auch, um zu zeigen, wie sehr unsere Persönlichkeit und Menschlichkeit von unserer Sprache abhängt. Ich habe mir selbst die schreckliche Frage gestellt: „Was wäre, uns würde dieses Vermögen genommen?“

Sprecher
Andrea Sawatzki

Länge
9 h 47 m

Meine Meinung
Als ich die Beschreibung las, war ich zunächst schockiert und dann wollte ich es natürlich sofort hören. Denn dieser Gedanke, dass Frauen nur noch 100 Wörter am Tag sprechen dürfen, ist ja nun mehr als schockierend. Was sind schon 100 Wörter?

Doch leider finde ich, dass hier einiges an Potenzial verschenkt wurde. Denn der Grundgedanke ist ja ohne Frage unglaublich gut. (Ich will hier gar nicht ins Interpretieren kommen.) Doch die Umsetzung fand ich stellenweise wirklich etwas schwierig nachvollziehbar. Der Plot an sich war zwar klar, doch es gab hier einige (für meinen Geschmack zu viele) Stellen, die meiner Meinung nach nicht wirklich gut ausgearbeitet waren.

Insgesamt fand ich die Geschichte als Mahnung zwar unheimlich wichtig und lohnend, doch ich hatte mir wirklich mehr davon erhofft.

Dennoch möchte ich es allen empfehlen. Denn die Botschaft dahinter ist ohne Frage unglaublich wichtig.

Andrea Sawatzki war natürlich unglaublich gut.

PS: Diese kurze Rezension umfasst ohne diesen Satz hier 147 Wörter.

Weitere Informationen
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