Sasa Stanisic – Herkunft

Beschreibung
In „HERKUNFT“ geht es um Sprache, Schwarzarbeit, die Stafette der Jugend und viele Sommer. Es geht um den Sommer, als mein Großvater meiner Großmutter beim Tanzen derart oft auf den Fuß trat, dass ich beinahe nie geboren worden wäre. Den Sommer, als ich fast ertrank. Den Sommer, in dem Angela Merkel die Grenzen öffnen ließ und der dem Sommer ähnlich war, als ich über viele Grenzen nach Deutschland floh.

Sprecher
Sasa Stanisic

Länge
5 h 39 m

Meine Meinung
Sasa Stanisic erzählt aus seinem Leben. Er hat eine ganze Menge zu erzählen. Sehr anschaulich berichtet er von seinem Leben während des Bosnienkrieges, seiner Flucht und seinem Leben jetzt hier in Deutschland. Er nimmt den Hörer auch mit auf eine Reise in seine alte Heimat auf der Suche nach seinen Wurzeln. Besonders anschaulich wird ihm dies auf einem Friedhof bewusst, da sehr viele Grabsteine mit seinem Familiennamen beschriftet sind.

Sasa hat einen sehr eigenen Schreibstil, der mir persönlich richtig gut gefällt. Er erzählt und erzählt und man denkt bald, man sitzt mit ihm zusammen am Tisch und hört ihm zu. Dadurch hat man ihn sehr schnell in sein Herz geschlossen.

Was mir auch gut gefallen hat ist, dass er völlig ohne Vorwürfe von seinem Schicksal und der Vertreibung berichtet. Er erzählt und wertet das Geschehene nicht negativ oder hadert mit seinem Schicksal. Im Gegenteil, er scheint ein Mensch zu sein, der sein Schicksal annimmt und aus allen Lebenslagen das Beste herausholt.

Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Sasa Stanisic – Herkunft

Charles Lewinsky – Melnitz

Beschreibung
Als 1871 nachts ein entfernter Verwandter an die Tür der Meijers klopft, ahnt keiner in der Familie, wie radikal sich ihr Leben ändern wird. Janki Meijer, aus der französischen Armee entflohen, mischt die Familie des Viehhändlers Solomon Meijer, der im Judendorf Endingen für Ehrlichkeit steht, gehörig auf.
Wie sich die Geschichte dieser weit verzweigten jüdischen Familie bis ins Jahr 1945 entwickelt, erzählt Lewinsky mit einer solchen Gestaltungskraft, dass der Leser unweigerlich zu einem bangenden und hoffenden Teil der Familie wird.

Sprecher
Charles Lewinsky (Autorenlesung)

Länge
30 h 35 m

Meine Meinung
Noch voller Begeisterung über diese Geschichte habe ich mich eben an den PC gesetzt und wollte sofort loslegen mit meiner Rezension. Doch das ist gar nicht so einfach. Wo fange ich an? Wie detailliert berichte ich von der Geschichte? Oder gehe ich doch lieber mehr auf die Charaktere ein? Wenn ich nun über alles berichten wollte, was mich an diesem jüdischen Familienroman begeistert hat, dann würde meine Rezension ungefähr genauso lang werden, wie die Geschichte selbst. Das wäre also wenig hilfreich. Ich will es also mal folgendermaßen versuchen.

Die Geschichte startet im Jahr 1871 am Esstisch der Familie Solomon Meijer. Hier taucht plötzlich ein entfernter Verwandter auf, der sichtlich ausgehungert und halb erfroren ist und eine Kopfbandage trägt, bei der sich das Blut schon durchdrückte. Dieser Mann ist Janki Meijer, er erzählt und isst und erzählt und isst und schließlich ist es schon spät und wo sollte Janki jetzt noch hin, also wird ihm ein Nachtlager oben auf dem Dachboden in einer kleinen Kammer eingerichtet. Am nächsten Tag ist Janki so krank, dass er das Bett nicht mehr verlassen kann. Also wird er zunächst gesund gepflegt. Die beiden Töchter des Hauses finden den neuen Mann in ihrem Haus äußerst interessant. Wobei eigentlich nur Mimi eine Tochter von Solomon und Golde ist, Hannele ist ein Adoptivkind, die ihre Eltern nie kennengelernt hat. Schwesterliche Liebe besteht zwischen den beiden nicht, sind sie doch auch sehr verschieden. Mimi verschlingt Romane, am liebsten Liebesromane und findet die französische Sprache äußerst reizvoll. Hannele hat sich mit ihrer Rolle als kostenlose Haushaltshilfe arrangiert.

Janki eröffnet ein Stoffgeschäft. Er hat ein großes Vorbild: Seinen damaligen Chef aus Paris, bei dem er im Stofflager gearbeitet hat. Nun will er ein eben solch ein nobles Geschäft im nahegelegenen Baden eröffnen. Doch kaum hat er seinen Laden eröffnet, erscheint ein Artikel in der Zeitung, dass seine Ware von Ratten verseucht sei. Pinchas, der Sohn des Metzgers, liebt Mimi. Doch Mimi liebt Janki. Pinchas hat dies schweren Herzens akzeptiert. Doch da er Mimi wirklich über alles liebt, hilft er ihr, dieses geschäftszerstörende Gerücht mit ebenfalls einem Zeitungsartikel zu entkräften und Janki obendrein noch als Kriegshelden dastehen zu lassen.

Und siehst du, nun ist es passiert. Ich erzähle viel zu ausführlich. Schluss damit.

Die Charaktere in diesem Familienepos sind alle sehr lebendig beschrieben. Man lernt alle Protagonisten – und davon gibt es einige in dieser Geschichte – sehr schnell sehr persönlich kennen und den ein oder anderen auch zu lieben. Auch fehlt es dieser Geschichte absolut nicht an Humor. Ich habe mich wirklich sehr oft sehr köstlich amüsiert. Was natürlich der erzählerischen Kunst und Gewandheit des Schriftstellers zu verdanken ist. Er hat ein sehr geschicktes Händchen, solche Situationen zu gestalten und dann auch noch toll zu erzählen.

Da es sich um eine jüdische Familiengeschichte handelt, wimmelt die Geschichte natürlich auch von jüdischen Begriffen. Doch davon sollte man sich keinesfalls abschrecken lassen. Denn auch als Nichtjude kann man der Story sehr gut folgen und lernt ganz nebenbei noch den jüdischen Glauben und deren Sitten und Gebräuche kennen. Unterstützend enthält das Booklet einen Stammbaum der Familie Meijer sowie ein Glossar über die meisten jüdischen Begriffe.

Da die Geschichte 1945 endet, kann man sich vorstellen, dass die zwei Weltkriege nicht spurlos an der Familie vorübergegangen sind. Doch sie lebten in Schweiz und hatten somit Glück, wenn auch nicht alle.

Bei Autorenlesungen bin ich ja immer etwas skeptisch. Meist sind die nicht so gut. Klar, es gibt Ausnahmen, aber die sucht man meist lange. So ging es mir auch mit Charles Lewinsky. Zunächst war ich auch wirklich nicht sonderlich begeistert von seiner Darbietung. Doch je länger ich zuhörte, umso besser hat er mir gefallen. Und jetzt, da ich die Geschichte fertig gehört habe, finde ich sogar, dass es kein anderer hätte besser machen können. Wenn ich mir die üblichen Top-Sprecher wie David Nathan, Simon Jäger, Detlef Bierstedt und Co. in Verbindung mit dieser Geschichte vorstelle: Nein, das hätte gar nicht funktioniert. Charles Lewinsky mit seiner leicht lispelnden Stimme war wirklich perfekt für Melnitz.

Apropos Melnitz. Sehr klasse fand ich auch die immer mal wieder überraschenden Auftritte von Onkel Melnitz. Dieser war schon lange tot, doch „immer wenn er gestorben ist, kam er wieder zurück“.

Damit will ich nun enden, doch nicht ohne diesem Hörbuch einen Platz auf meiner Bestenliste einzuräumen.

Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Hoerkultur und hier geht es direkt zum Shop:
Charles Lewinsky – Melnitz

Noch zu erwähnen sei, dass dieses Hörbuch von der hr2-Hörbuch-Bestenliste ausgezeichnet wurde.

Mein herzlicher Dank für das Rezensionsexemplar geht an Hoerkultur.

PS: Es gäbe hier noch so vieles zu erwähnen… (nicht wahr Arthur?)

Gregor Gysi – Ein Leben ist zu wenig: Die Autobiographie

Beschreibung
So offen und persönlich wie noch nie: die Autobiographie!

Gregor Gysi hat linkes Denken geprägt und wurde zu einem seiner wichtigsten Protagonisten. Hier erzählt er von seinen zahlreichen Leben: als Anwalt, Politiker, Autor, Moderator und Familienvater. Seine Autobiographie ist ein Geschichts-Buch, das die Erschütterungen und Extreme, die Entwürfe und Enttäuschungen des 20. Jahrhunderts auf sehr persönliche Weise erlebbar macht.

Kaum ein deutscher Politiker wurde so geschmäht, kaum einer schlug sich so erfolgreich durchs Gestrüpp der Anfeindungen – hin zu einer anerkannten Prominenz: In seiner Autobiographie erzählt Gregor Gysi von seiner Kindheit und Jugend, schildert seinen Weg zum Rechtsanwalt, gibt Einblicke in sein Verhältnis zu Dissidenten („Bahro war mein spannendster Fall.“) und in die Spannungsfelder an der Spitze von Partei und Bundestagsfraktion. Vor allem aber berichtet er von der erstaunlichen Wendung, die sein Leben mit dem Herbst 1989 nahm: Der Jurist wird Politiker. „Einfach wegrennen, das wollte ich nie“, sagt Gysi und trifft damit einen Kern seines Wesens: Widersprüche aushalten.

Ein Leben und eine Familiengeschichte, die von Russland bis Rhodesien führt, in einen Gerichtsalltag mit Mördern und Dieben, und zu der ein Lob Lenins und die Nobelpreisträgerin Doris Lessing gehören.

„Mit Namen will ich nicht langweilen, und merken kann man sich das eh alles nicht. Erstaunlich, was sich im Laufe so vieler Jahre alles ereignet, wer auf wen treffen und welche Zufälle einander kreuzen müssen, damit irgendwann das eigene Leben entstehen und hervortreten kann.“ aus: „Ein Leben ist zu wenig“

Sprecher
Gregor Gysi

Länge
7 h

Meine Meinung
Ich fand diese Autobiografie äußerst interessant. Besonders spannend fand ich, wie es dazu kam, dass er Vorsitzender der SED-PDS-Partei wurde. Das erklärte für mich vieles, was mir nicht bekannt war. Wie er sich dann politisch und auch persönlich weiterentwickelte finde ich äußerst interessant und ja auch bewundernswert.

Diese Autobiografie ist sehr kurzweilig geschrieben, viele Anekdoten aus einem spannenden und aufreibenden Leben erzählt er hier. Und immer kommt auch sein Humor zum Vorschein. Gerade die abschließenden Worte des Hörbuches haben mich laut auflachen lassen.

In meinen Augen ist er ein Mann und vor allem ein Politiker mit Rückgrat. So mancher aktueller Politiker könnte sich hier gerne etwas abschauen. Namen möchte hier nicht nennen, die kann sich wohl jeder selbst denken.

Da es ja nun natürlich auch ein politisches Buch ist, das auch eindeutig in eine politische Richtung deutet, möchte ich hier nicht unbedingt eine Hörempfehlung für alle aussprechen. Doch wer sich für die jüngere Deutsche Geschichte hautnah interessiert, der sollte sich dieses wirklich interessante Hörbuch nicht entgehen lassen.

Sehr gut hat mir auch gefallen, dass er das Hörbuch selbst gesprochen hat. Das machte die Autobiografie sehr authentisch.

Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Gregor Gysi – Ein Leben ist zu wenig: Die Autobiographie

Auch interessant in diesem Zusammenhang:

Sabine Thiesler – Nachtprinzessin

Beschreibung
Die Nachtprinzessin ist erfolgreich im Beruf, lebt unauffällig und wohlsituiert in der Villa ihrer Mutter und hat ein attraktives, sympathisches Äußeres. Sie ist charmant und elegant und liebt die italienische Lebensart. Daher kauft sie sich eine Wohnung in der Toskana, kann aber auch dort ihrem inneren Dämon nicht entfliehen. Obwohl ihr sowohl die deutsche als auch die italienische Polizei dicht auf den Fersen ist, mordet sie weiter. Ihre Sehnsucht nach Liebe ist unersättlich, und auch auf der wildromantischen Mittelmeerinsel Giglio wird die „Prinzessin“ zwei jungen Männern zum Verhängnis.

Sprecher
Sabine Thiesler (Autorenlesung)

Länge
924 Minuten (ungekürzt)

Meine Meinung
Dem aufmerksamen Leser meines Blogs wird nicht entgangen sein, dass ich die Bücher von Sabine Thiesler klasse finde. Und auch bei diesem Thriller wurde ich wieder bestens unterhalten. Es ist jetzt kein Thriller, bei dem man atemlos von Szene zu Szene hechtet und von einer schrecklichen Begebenheit zur nächsten schlittert. Nein, es ist eher ein recht ruhiges Buch, ab und an, tja, ab und an wird halt jemand ermordet. Pech gehabt. Zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen.

Und wer nun glaubt, bei der Nachtprinzessin handele es sich um eine Frau, der liegt total falsch. Es ist ein Mann. Er steht auf Jungs und wenn sie zu hübsch sind, dann kann er einfach nicht widerstehen und sich auch meist nicht beherrschen. Sehr arrogant beginnt er ein Spielchen mit der Polizei, so sicher ist er sich seiner eigenen Genialität und die Polizei in Berlin verzweifelt schier, da sie ihn einfach nicht zu fassen bekommt.

Und natürlich ist auch wieder unser altbekannter und glückloser Gendarm Neri mit von der Partie. Und er läuft dieses Mal wahrlich zur Höchstform auf! Und beinahe, ja beinahe wäre ihm dieses Mal der große Durchbruch gelungen… Das hätte seine Frau – die stolze Römerin – sicherlich gefreut.

Nicht unerwähnt möchte ich noch lassen, dass hier die Hotel- und Sterneküchen ganz und gar nicht gut wegkommen. Eigentlich dürfte man nach diesem Buch nie wieder essen gehen! Höchstens an ’ner Pommesbude, da sieht man, wie es gemacht wird 😉

„Nachtprinzessin“ ist eine sehr kurzweilige und auch stellenweise sehr lustige Unterhaltung. Die Protagonisten wachsen einem sehr schnell ans Herz, selbst der eingebildete Schnösel hatte recht schnell einige Sympathiepunkte bei mir gesammelt.

Sabine Thiesler als Sprecherin fand ich wieder sehr passend. Sie liest ihre Geschichte genau so, wie so gelesen werden sollte. Und durch ihre angenehme Stimme kann man auch problemlos 15 einhalb Stunden zuhören, ohne genervt zu sein.

Fazit: absolut empfehlenswert

Weitere Informationen
Eine Hörprobe sowie weitere Informationen gibt es bei Audible.de
Und hier geht es direkt zum Hörbuch: Sabine Thiesler – Nachtprinzessin

Siehe auch:

Armin Mueller-Stahl – Hannah

Beschreibung
Eine meisterlich komponierte Liebeserklärung an das Leben und die Musik. Auftritt eines großartigen Autors: Armin Mueller-Stahl hat eine anrührende Geschichte über verlorene Illusionen, die Liebe zur Musik und eine lebenslange Freundschaft voll subtiler Spannung und Melancholie geschrieben.

Nach dem Tod der jungen Geigerin Hannah treffen sich ihr Vater, der erfolgreiche Schriftsteller Hermann, und sein Jugendfreund Arnold. Ihr Gespräch wird für Hermann zur Lebensbeichte, an deren Ende er das Geheimnis aufdeckt, das Hannahs Herkunft umgibt. Es hat das Leben beider Männer seit langem überschattet. Hannah flieht entsetzt, als sie die Wahrheit erfährt, und kommt auf tragische Weise zu Tode. In der Trauer um das geliebte Mädchen finden die alten Freunde Trost und neuen Halt aneinander. Eine Erzählung wie ein Requiem

Sprecher
Armin Mueller-Stahl

Länge
194 Minuten

Meine Meinung
Dieser recht kurze Roman verlangt vom Hörer anfangs recht viel Geduld. Denn zunächst passiert reichlich wenig. Man hört zu und fragt sich: was will er mir denn eigentlich erzählen? Erst ca. 1 Stunde vor Ende nimmt die Geschichte eine unerwartete Wendung und wird dann doch noch richtig gut! Es wird allerdings eine Frage bis zum Schluss nicht geklärt, bzw. sie wird einfach nicht mehr angesprochen. Das fand ich etwas schade.

Armin Mueller-Stahl als Sprecher seines eigenen Romans fand ich gut. Er hat dieses Buch sehr natürlich – aber auch sehr langsam gesprochen. Das war mir stellenweise zu langsam.

Da der ganze Roman nur etwas über 3 Stunden lang ist, kann man die Längen, die sowohl anfangs inhaltlich als auch insgesamt über die Sprechweise vorkommen, hinwegsehen. Man sollte einfach auf 3 sehr ruhige Stunden vorbereitet sein, dann wird einem dieses Buch sicherlich gefallen.

Fazit: ganz nett

Weitere Informationen
Eine Hörprobe sowie weitere Informationen gibt es bei Audible.de
Und hier geht es direkt zum Hörbuch: Armin Mueller-Stahl – Hannah