Elinor Lipper – Elf Jahre meines Lebens: Eine Frau in sowjetischen Gefängnissen und Lagern

Beschreibung
In diesem bewegenden Werk liest Silvia Höhne die Geschichte von Elinor Lipper. Elf Jahre lang saß sie in sowjetischen Gefängnissen und Lagern. In ihrem intelligenten Bericht legt sie Zeugnis ab über ein Kapitel der deutschen Geschichte, das beinahe vergessen wurde. Mit ihrem Erzählstil, der den Hörer in den Bann zieht, berichtet sie von den Menschen, die an die Grenzen des überhaupt Vorstellbaren getrieben wurden und dabei eine unvorstellbare Leidensfähigkeit zeigten. Und während sie uns ihre Geschichte erzählt, entsteht durch ihre Worte ein konkretes historisches Dokument, das kein Gemüt kalt lässt.

Elinor Lipper wurde 1912 in Brüssel als Tochter von deutsch-jüdischen Eltern geboren. Um Medizin zu studieren, zog sie 1931 nach Deutschland, wo sie Kommunistin wurde. Nachdem Hitler an die Macht kam, ging sie nach Italien und erhielt 1935 durch ihre Ehe die Schweizer Staatsbürgerschaft. 1937, zwei Monate nachdem sie nach Russland gezogen war, wurde sie festgenommen und wegen Verdacht auf anti-revolutionäre Aktivitäten für fünf Jahre Zwangsarbeit verurteilt. Nach elf Jahren Sibirischer Sklaverei wurde sie freigelassen. In späteren Jahren war sie als Zeugin Teil des Prozesses gegen David Rousset, in dem die Frage um Sklavenarbeit im sowjetischen Russland hinterfragt wurde.

Sprecher
Silvia Höhn

Länge
11 h 07 m

Meine Meinung
Der Kloß steckt tief in meinem Hals fest. Elinor Lipper erzählt hier von einer Episode ihres Lebens, die schlimmer wohl kaum hätte sein können. Noch ein klitzeklein wenig schlimmer und sie hätte ihre Geschichte wohl nicht mehr erzählen können. Denn  dann hätte sie die verschiedenen sibirischen Arbeitslager, in die sie während ihrer 11 Jahre Haft gesteckt wurde, wohl nicht überlebt.

Elinor Lipper beging einen fatalen Fehler. Sie wurde1937 überzeugte Kommunistin und zog hoffnungsfroh nach Russland. Doch dort wurde sie bereits nach zwei Monaten wegen Verdachts auf konter-revolutionäre Aktivitäten inhaftiert. Zunächst auf 5 Jahre, doch diese verlängerten sich auf insgesamt 11 Jahre des Leidens, des Martyriums, der grausamsten Menschenverachtung und härtesten Arbeit. Schnell musste sie feststellen, dass die Konter-Revolutionäre noch weniger Ansehen genossen, als die schlimmsten Verbrecher in den Arbeitslagern. Als Konter-Revolutionär eingestuft zu sein, war gleichzusetzen mit dem untersten Abschaum der Menschheit. Selbst Mörder genossen mehr „Ehre“ und „Freiheiten“ als Konter-Revolutionäre. Und das fatale daran: Sie kam ja aufgrund ihrer politischen Überzeugung des Systems nach Russland.

Die Essensrationen waren natürlich ein wichtiges Thema in ihrem Leben. Was sie dort täglich bekam, näherte sich einem „Hauch von nichts“ an. Und das bei extremst schwerer körperlicher Arbeit. Wenn man seinen Soll von 100 % und darüber nicht erreichte, wurde diese kümmerliche Essensration dann auch noch gekürzt, so dass man zwangsläufig noch schwächer wurde und in der Folge natürlich noch weniger in der Lage war, sein tägliches Soll zu erfüllen. Es war ein täglicher Kampf ums blanke Überleben.

Ich könnte hier endlos von grausamen, menschenverachtenden Bestrafungen und Behandlungen berichten, doch das kann Elinor Lipper wesentlich besser als ich.

Diese Biografie ist sehr nüchtern gehalten. Sie klingt meist wie ein unbeteiligter, zurückhaltender Bericht, manchmal gleicht sie einer Aufzählung von Fakten. Und eben genau diese zurückhaltende Art des Erzählens lässt den Hörer dieser Geschichte nochmals fassungsloser und erschrockener in seinem Sessel tiefer sinken. Denn es ist einfach unvorstellbar, was diese Frau erlebt und vor allem überlebt hat! Und es ist unglaublich, was Menschen alles ertragen können. Wobei man natürlich die vielen, vielen, viel zu vielen Menschen nicht vergessen sollte, die diese Arbeitslager nicht mehr lebend verlassen konnten. Opfer gab es unzählige, eine genaue Zahl ist jedoch unbekannt. Ein einzelner Mensch zählte im Russland unter Stalin ja nichts. Warum also Statistiken darüber führen.

Eigentlich dachte ich, dass ich über die Stalin-Zeit schon sehr viel gehört und gelesen habe und dass mich so schnell nichts mehr schockieren könnte. Doch diese Biografie kommt in ihrer nüchternen Schlichtheit so eindringlich daher, dass ich mich an kein anderes Werk erinnere, das solch eindringliche Bilder in ihrer nackten Grausamkeit schildert, wie dieses. Und das ist alles wahr! Das ist kein Thriller. Es ist ein Stück Geschichte, das tatsächlich passiert ist. Umso wichtiger, dass es nun endlich zu Papier gebracht und vertont wurde.

Silvia Höhn als Sprecherin dieser Biografie hätte nicht besser passen können. Sie hat diesen Text wirklich mit Perfektion gesprochen.

Von mir bekommt dieses Hörbuch eindeutig 5 Sterne und natürlich wird es ab sofort auch auf meiner Bestenliste zu finden sein.

Weitere Informationen
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Allen Eskens – Das Leben, das wir begraben

Beschreibung
„Wenn das Schicksal mir damals wirklich ins Ohr geflüstert hätte – wenn ich gewusst hätte, dass dieser Besuch so viele Dinge ändern würde – hätte ich dann einen sichereren Weg gewählt? Wäre ich links abgebogen, wo ich rechts abgebogen bin?“

Der Student Joe Talbert muss fürs College mit einem völlig Fremden ein Interview führen. Dafür sucht er in einem Pflegeheim nach der passenden Person und trifft auf den krebskranken, im Sterben liegenden Carl Iverson.

Doch Iverson ist kein harmloser alter Mann. Er ist ein verurteilter Mörder. Vor 30 Jahren soll er ein Mädchen missbraucht, umgebracht und in seinem Schuppen verbrannt haben. Nach einigen Gesprächen erkennt Joe, dass etwas an dem grausamen Mordfall nicht stimmt. Es gibt zu viele Widersprüche. Joe überkommt eine regelrechte Besessenheit, die Wahrheit herauszufinden… Doch das könnte seinen eigenen Tod bedeuten!

Ein meisterhafter Thriller, der in den USA fast alle Literaturpreise des Genres gewann, u. a.: Barry Award (Best Paperback Original), Left Coast Crime Rosebud Award (Best Debut Mystery), Mystery People (Best Debut Novel 2014), Silver Falchion Award (Best First Novel), Suspense Magazine (Best Debut Author 2014), Edgar Award Finalist (Best First Novel 2015), Minnesota Book Award Finalist (Best Genre Novel), Anthony Award Finalist (Best First Novel), ITW Thriller Awards Finalist (Best First Novel).

Diese ungekürzte Hörbuch-Fassung wird Ihnen exklusiv von Audible präsentiert und ist ausschließlich im Download erhältlich.

Sprecher
Oliver Erwin Schönfeld

Länge
10 h 16 m

Meine Meinung
Der Student Joe Talbert bekommt in seinem Englischkurs die Aufgabe, eine Biografie eines älteren Menschen zu schreiben. Er sucht sich einen Herrn im Pflegeheim aus. Und wie sich herausstellt, hat dieser so einiges zu erzählen. Denn er ist ein verurteilter Pädophiler und Mörder, bei dem, da er Krebs im Endstadium hat, die Haft ausgesetzt wurde. Nach und nach kommt der Student den wahren Ereignissen von vor 30 Jahren auf die Spur und dies bringt ihn bald selbst in ziemliche Schwierigkeiten. Denn er ist ein wenig zu neugierig.

Der Protagonist ist ein sehr sympathischer Kerl, wenn auch in meinen Ohren etwas zwiespältig. Manchmal ist er super schlau, in anderen Momenten agiert er wieder wenig logisch. Doch bis auf einen größeren faux pas fand ich das nicht so gravierend. Etwas schade fand ich, dass eben auf diesem faux pas die Wendung der Geschichte aufbaut. Aber wenn man darüber hinweg sieht, dann hat man spannende, unterhaltsame und interessante Stunden vor sich.

Mir hat die Story insgesamt gut gefallen, wenn sie mich auch nicht komplett vom Hocker gerissen hat. Doch der Showdown hat es echt in sich.

Weitere Informationen
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Nelson Mandela – Der lange Weg zur Freiheit

Beschreibung
Kaum ein anderer Politiker dieses Jahrhunderts symbolisierte in solchem Maße die Friedenshoffnungen der Menschheit und den Gedanken der Aussöhnung aller Völker auf Erden wie der ehemalige südafrikanische Präsident und Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela, dessen Rolle für seinen Kontinent mit der Gandhis für Indien verglichen wurde. Seine trotz langer Haft ungebrochene Charakterstärke und Menschenfreundlichkeit haben nicht nur die Bewunderung seiner Landsleute, sondern aller friedenswilligen Menschen auf der Welt gefunden.

Obwohl als Häuptlingssohn, hochgebildeter und sprachenkundiger Rechtsanwalt gegenüber der schwarzen Bevölkerung privilegiert, war er doch nicht von vornherein zum Freiheitskämpfer und international geachteten Politiker prädestiniert. Erst die fast drei Jahrzehnte währende Gefängnishaft hat ihn zum Mythos der schwarzen Befreiungsbewegung werden lassen.

Nelson Mandelas Lebensgeschichte ist über die politische Bedeutung hinaus ein spannend zu hörendes, kenntnis- und faktenreiches Dokument menschlicher Entwicklung unter Bedingungen und Fährnissen, vor denen die meisten Menschen innerlich wie äußerlich kapituliert haben dürften.

Sprecher
Thomas Balou Martin

Länge
28 h 42 m

Meine Meinung
Nelson Mandela war für mich schon immer der Inbegriff von Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Freiheit. Seine Biografie in Buchform habe ich schon seit Jahren in meinem Bücherregal stehen, doch es schadet ja nie, es auch als Hörbuch zu hören.

Seine Gedankengänge und Entscheidungen hat Mandela sehr ausführlich beschrieben, auch hat er deutlich gemacht, dass er nicht als ein ganz „Großer“ geboren wurde, dass auch er aus seinen Fehlern zunächst lernen musste. Doch kaum einer hat dies in solcher Perfektion betrieben wie Nelson Mandela. Ich kann nur immer wieder meinen Hut ehrfürchtig vor ihm ziehen.

Natürlich fehlen auch die 27 Jahre Inhaftierung nicht in seiner Biografie. Auch diese Jahre wurden ausführlich und sehr eindringlich beschrieben. Nicht selten hatte ich einen dicken Kloß im Hals, ob der Ungerechtigkeiten, die ihm – und natürlich ganz vielen anderen auch – angetan wurden. Doch statt zu zerbrechen, wurde Nelson Mandela immer stärker in seinen eigenen Überzeugungen und Handlungen. Ein wirklich absolut bewundernswerter Mensch, von denen es nicht viele auf unserem Planeten gibt.

Die Biografie gehört meiner Meinung nach zu den Büchern, die man unbedingt kennen sollte (ganz besonders als Politiker). Es könnte so viel Leid vermeiden, wenn mehr Menschen sich ihren Handelns etwas bewusster wären. Ich möchte hier keine Beispiele von aktuellen Politikern nennen… Die Liste wäre definitiv zu lange.

Thomas Balou Martin als Sprecher hat seine Rolle hier sehr gut vertreten. Ich vergaß sehr schnell, dass es nicht Nelson Mandela selbst ist, der hier zu mir spricht. Was  natürlich auch viel darüber aussagt, wie persönlich diese Biografie verfasst wurde.

Klarer Fall für meine Bestenliste.

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Morten Brask – Das perfekte Leben des William Sidis

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Die Presse feierte ihn als „intelligentesten Menschen aller Zeiten“, er galt als Beweis für das unerschöpfliche Potential des menschlichen Gehirns: William Sidis, 1898 bis 1944, war ein Wunderkind und ein Star. Im Alter von 18 Monaten liest er die „New York Times“, mit 6 Jahren beherrscht er 10 Sprachen, mit 10 präsentiert er seine Theorie der vierten Dimension. Das sei ganz normal, behauptet sein Vater, für den Intelligenz eine Frage der strikten Erziehung ist.

Mit meisterhafter Gestaltungskraft erzählt Morten Brask von einer Zeit, die an den grenzenlosen Fortschritt glaubt, und vom tragischen Schicksal eines unverständlich intelligenten Menschen. Eine unglaubliche wahre Geschichte.

Diese ungekürzte Hörbuch-Fassung wird exklusiv von Audible präsentiert und ist ausschließlich im Download erhältlich.

Sprecher
Frank Arnold

Länge
10 h 27 m

Meine Meinung
Das ist das traurigste Hörbuch, das ich seit langer, langer Zeit gehört habe. Und das schlimme dabei ist, dass es wahr ist, dass es diesen außergewöhnlichen Menschen wirklich gab!

Also nicht falsch verstehen, dass es William Sidis wirklich gab, finde ich natürlich grandios! Ich kann ihn nur bewundern und meinen Hut vor ihm ziehen. Aber ein Leben, nein, ein Leben hatte er nicht. Sein Vater Boris Sidis (ein US-amerikanischer Psychologe, Psychiater und Psychopathologe jüdisch-russischer Herkunft) hatte seine eigene Theorie entwickelt, wie man Kinder fördert. Und auf diesem Lehrplan war spielen nicht vorhanden. Selbst als kleinstes Kind war spielen überflüssig, wie der Vater meinte. Und überhaupt schadete der Umgang mit Gleichaltrigen nur seinem Sohn. Für Boris zählte nur, dass sein Sohn alles von selbst versteht durch beobachten und ausprobieren. Letzteres ist im Prinzip ja sicherlich ein sehr guter Ansatz, nur die Umsetzung fand ich gar furchtbar! Was diese Eltern dem Jungen William antaten, fand ich wirklich grausam. Nicht selten wollte ich gerade seine Mutter am liebsten wegsperren.

Selten hat mich eine Biografie derart emotional mitgenommen, wie diese Romanbiografie.

Doch ich kann hier schreiben was ich will, es wird nicht die Lektüre des Buches oder des Hörbuches ersetzen. Denn es ist sehr gut recherchiert und hervorragend zusammengesetzt zu einem rundum gelungen Portrait – auch wenn es noch so traurig ist.

Wenn man also nette Unterhaltung sucht, dann sollte man die Finger von diesem Hörbuch lassen. Doch wenn man von einem wirklich großartigen Geist mehr erfahren will, dann ist es genau das richtige Hörbuch.

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Monika Czernin – Anna Sacher und ihr Hotel – Im Wien der Jahrhundertwende

anna-sacher-und-ihr-hotelBeschreibung
„Das Sacher – das bin ich!“ (Anna Sacher)

Berühmte Gäste und große Geschichte – vom Wien der Gründerzeit über das Fin de Siecle und den Ersten Weltkrieg bis in die 1930er Jahre.

Anna Sacher, selbstbewusste und legendäre Patronin des Hotel Sacher, leitete mehr als vier Jahrzehnte eines der führenden Hotels Europas. Ihre außergewöhnlichen Gäste und ihr unübertroffenes Gespür für die Wiener Gesellschaft haben sie weltberühmt gemacht. Sie inszenierte den Ort, an dem Geschichte geschrieben wurde.
In ihrem Hotel an der Wiener Ringstrasse trafen sich Menschen aus Hof und Hochadel, aus dem Geldadel und der aufstrebenden Industrie, Künstler, Schriftsteller und Ihre Musen. Das Hotel wird zur Bühne ihrer Begegnungen: Kaiserin Elisabeth, Kronprinz Rudolf, Arthur Schnitzler, Gustav Klimt, Gustav Mahler, die Rothschilds, die Wittgensteins – alles, was Rang und Namen hatte im Habsburgerreich.

Monika Czernin, deren Vorfahren selbst, ob als Außenminister oder Berater der Monarchie in dieser Zeit kräftig mitmischten, erzählt außerordentlich spannend und tief eintauchend in eine faszinierende Epoche die Lebensgeschichte einer außergewöhnlichen Frau.

Was das Adlon für Berlin und das Ritz für Paris, ist das Hotel Sacher für Wien.

Sprecher
Michael König

Länge
9 CDs

Meine Meinung
„Das Sacher – das bin ich!“ (Anna Sacher). „Begeistert von Anna Sacher und dem Hörbuch – das bin ich!“ (Ute Distel).

Die berühmte Sachertorte kennt wohl jeder – zumindest dem Namen nach. Doch was sich dahinter verbirgt, das hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht erwartet. Was für eine Frau – was für ein Hotel.

Über vier Jahrzehnte leitete sie – nach dem leider viel zu frühen Ableben ihres Gatten – das Hotel. Vier Jahrzehnte, in denen sie verdammt viel auf die Beine stellte, immer ein gutes Gespür für ihre Gäste und ihre Bedürfnisse hatte und natürlich ein offenes Ohr, was in Wien und im restlichen Europa so vor sich ging. Denn im Sacher verkehrte so allerhand Prominenz und nicht selten wurde hier Politik gemacht.

Doch wird in diesem Hörbuch nicht nur von Anna Sacher erzählt. Auch vom Zeitgeschehen wird hier wunderbar recherchiert und fundiert berichtet. Nicht umsonst trägt das Hörbuch den Zusatz „Im Wien der Jahrhundertwende“. Beides perfekt verwoben zu einem spannenden, lehrreichen und äußerst interessanten Hörbuch.

Michael König passte auch ganz hervorragend zu dieser Biografie. Denn er hat eine wunderbare Stimme und eine tolle Art, Sätze zu betonen. Ihm konnte ich wirklich stundenlang am Stück zuhören. Ein jüngerer Sprecher hätte hier auch einfach nicht gut gepasst – auch wenn er noch so gut wäre.

Monika Czernin hat sich mit diesem Werk wirklich sehr viel Mühe gemacht und äußerst genau recherchiert. Das merkt man in jedem Satz. Das Ergebnis ist eine sorgfältige Geschichte, die zu keiner Zeit Längen aufweist oder ins Belanglose abrutscht. Über ihre Quellen kann man einiges beim Bonnevoice-Verlag direkt nachlesen. Doch das Studium dieser Quellen empfehle ich erst im Anschluss an den Genuss des Hörens. Denn nicht selten war ich überrascht, wer so alles zu den Gästen des Hotel Sacher gehörte.  Und diese Überraschung sollte man sich doch nicht entgehen lassen.

Und noch eines habe ich in diesem Hörbuch wieder einmal bestätigt bekommen: „Die Geschichte lehrt die Menschen, dass die Geschichte die Menschen nichts lehrt“. (Mahatma Gandhi)

Und wenn ich von einem Hörbuch so ins Schwärmen gerate, dann hat diese Biografie mit seinen ganzen historischen Hintergrundinformationen natürlich einen Platz auf meiner Bestenliste verdient.

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Herzlichen Dank an den Bonnevoice Hörbuchverlag für das Rezensionsexemplar!

Anatol Regnier – Wir Nachgeborenen – Kinder berühmter Eltern

REgnierBeschreibung
Anatol Regnier, Sohn von Charles Regnier und Pamela Wedekind, Enkel Frank Wedekinds, hat ein spannendes Buch über Menschen geschrieben, die als Nachfahren berühmter Familien mit Fluch und Segen ihrer Herkunft umgehen müssen. Er schöpft dafür aus  einem  faszinierenden Kreis von Verwandten, Bekannten und Kindheitsfreunden, in dem sich große Namen des 20. Jahrhunderts tummeln. Ausgehend von seiner eigenen Geschichte gewährt er in einfühlsamen Porträts amüsante und tragische Einblicke. Fast immer geht es um Theater, Literatur, Musik, aber auch um Politik und die deutsche Vergangenheit. So verbindet sich mit seinem eigenen verschlungenen Lebensweg, in dem das legendäre Ambach am Starnberger See eine bedeutsame Rolle spielt, auch ein Stück deutsche Kulturgeschichte.

Anatol Regnier erzählt selbst – auf unnachahmliche und berührende Weise. Gitarrenklänge markieren den Übergang zwischen den Kapiteln.

Sprecher
Anatol Regnier

Länge
300 Minuten

Meine Meinung
Ich muss gestehen, als ich zuerst in das Hörbuch hineinhörte, schaltete ich es direkt wieder ab. Diese Stimme! Ich war entsetzt. Lange hat es dann gedauert, bis ich einen erneuten Versuch startete. Beim zweiten Anlauf fand ich die Stimme nicht mehr ganz so fürchterlich –  aber wirkliche Freunde sind wir über das gesamte Hörbuch nicht geworden.

Doch was Anatol Regnier zu erzählen hat, fand ich äußerst interessant! Er erzählt seine eigene Geschichte, immer wieder unterbrochen durch Episoden und Beschreibungen von anderen berühmten Nachkommen, die er alle kennt. Unglaublich, was dieser Mensch für eine Verwandtschaft und für einen Bekanntenkreis hat.

So erfährt man hier neben vielen anderen Geschichten auch einiges über Friedrich Gulda und Hans Fallada, denn klar, eine kurze Beschreibung der berühmten Eltern darf nicht fehlen. Hans Fallada hätte ich mir als Person ganz anders vorgstellt, wenn man sich seine einfühlsam geschriebenen Geschichten anschaut. Doch ganz so nett war er dann wohl doch nicht. Was aber in meinen Augen sein künstlerisches Schaffen in keinster Weise schmälert.

Ja, Nachkomme von berühmten Eltern zu sein, kann einerseits ein Fluch, andererseits aber auch ein Segen sein. Doch eines scheint es immer zu sein: Sehr schwierig für den Nachwuchs, sich selbst zu finden.

Dieses Hörbuch fand ich inhaltlich toll, auch die zwischen den Kapiteln eingespielte Gitarrenmusik empfand ich als sehr schön und passend. Hätte Anatol Regnier dieses Hörbuch nicht persönlich gelesen, sondern ein anderer Sprecher, der mir besser ins Ohr geht, dann wäre ich restlos begeistert. Sehr empfehlenswert finde ich es aber auf alle Fälle.

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Mein herzlicher Dank für das Rezensionsexemplar geht an den BONNEVOICE Hörbuchverlag.

Ashlee Vance, Elon Musk – Wie Elon Musk die Welt verändert – Die Biografie

 Elon MuskBeschreibung
Elon Musk ist der da Vinci des 21. Jahrhunderts. Seine Firmengründungen lesen sich wie das Who’s who der zukunftsträchtigsten Unternehmen der Welt. Alles, was dieser Mann anfasst, scheint zu Gold zu werden. Mit PayPal revolutionierte er das Zahlen im Internet, mit Tesla schreckte er die Autoindustrie auf und sein Raumfahrtunternehmen SpaceX ist aktuell das weltweit einzige Unternehmen, das ein Raumschiff mit großer Nutzlast wieder auf die Erde zurückbringen kann.

Dies ist die persönliche Geschichte hinter einem der größten Unternehmer seit Thomas Edison, Henry Ford oder Howard Hughes. Das Buch erzählt seinen kometenhaften Aufstieg von seiner Flucht aus Südafrika mit 17 Jahren bis heute. Elon Musk gilt als der „Real Iron Man“ – in Anlehnung an einen der erfolgreichsten Comichelden der Welt. Es ist die gleichsam inspirierende, persönliche und spannende Geschichte eines der erfolgreichsten Querdenker der Welt. In einem Umfang wie noch kein Journalist zuvor hatte Ashlee Vance für diese Biografie exklusiven und direkten Zugang zu Elon Musk, seinem familiären Umfeld und persönlichen Freunden.

Sprecher
Michael J. Diekmann

Länge
13 h 07 m

Meine Meinung
Elon Musk. Bis vor kurzem sagte mir dieser Namen rein gar nichts. Letztens hörte ich in den Nachrichten, dass der neue Tesla reihenweise Vorbestellungen erhielt, obwohl das Auto noch gar nicht fertig sei. Das war das erste, was ich über Tesla hörte. Ein ganz außergewöhnliches Elektroauto sollte das sein. Ich fragte mich, wer dieser Tesla ist, suchte danach und dachte, nee, der ist ja schon lange tot. Dann vergaß ich diese Radiomeldung wieder. Ein paar Tage später stolperte ich über diese Biografie bei Audible. Tesla, PayPal und SpaceX. Tesla war also ein Auto, PayPal kennt man auch, SpaceX hatte ich ebenso schon mal gehört. Aber Elon Musk? Ich wollte es genauer wissen.

Elon Musk: Ein Mann mit Visionen. Doch er hat nicht nur Visionen, er setzt sie auch um. Und das derart zielstrebig und knallhart, dass ich aus dem Staunen nicht mehr herauskam.

In dieser Biografie wird sein Charakter sehr genau durchleuchtet. Es wird detailliert beschrieben, wie er arbeitet, was er von seinen Mitarbeitern erwartet und wie er auf die Umsetzung seiner Vorstellungen pocht. Es ist sicherlich kein Zuckerschlecken, für ihn zu arbeiten. Aber inspirierend wird es allemal sein.

Er hat nicht gerade den umgänglichsten Charakter. Ich könnte jetzt nicht behaupten, dass er mir irre sympathisch wurde. Aber ich finde diesen Mann äußerst faszinierend. Unglaublich was er in seinem bisherigen Leben alles erreicht hat. Und er hat eine weitere Vision: Die Besiedelung des Mars und das alles mit dem hehren Ziel, die Menschheit zu retten.

Elon Musk ist für mich ein Entrepreneur wie er im Buche steht! Und auch wenn er nicht meine volle Sympathie gewinnen konnte, so werde ich in Zukunft doch sehr genau verfolgen, was er noch so alles revolutionieren wird. Denn eines ist sicher: Das wird er. Und ich bin schon jetzt sehr gespannt darauf.

Diese Biografie ist sehr interessant geschrieben. Ich fand sie keine Minute langweilig oder langatmig. Elon Musk wird hier nicht nur als Arbeitstier beschrieben, auch seine private Seite wird beleuchtet, die mir dann doch etwas sympathischer ist.

Dass Ashlee Vance direkten Draht zu Elon Musk und seinem näheren Umfeld hatte, wird hier sehr deutlich. Somit ist dies keine oberflächliche Biografie, die aus Gelesenem zusammengesetzt wurde. Sie hat Hand und Fuß und gerade das macht sie so hörenswert.

Den Sprecher Michael J. Diekmann fand ich auch sehr gut. Gerade Biografien können ja schon trocken herüber kommen, wenn sie langweilig vorgetragen werden. Doch das war hier gar nicht Fall. Ich glaube, Herr Diekmann ist auch sehr fasziniert von dem Menschen Elon Musk.

Dieses Hörbuch gehört auf meine Bestenliste.

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Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Ashlee Vance und Elon Musk – Wie Elon Musk die Welt verändert – Die Biografie

Veronika Peters – Was in zwei Koffer passt. Klosterjahre

Was in zwei Koffer passtBeschreibung (von Amazon)
Was in zwei Koffer passt, ist mehr als ein Leben.
Veronika Peters gewährt einen faszinierenden Blick in ein unbekanntes Universum – die Welt eines benediktinischen Klosters.
Als Veronika Peters 21 Jahre alt ist, gelangt sie zu einem ungewöhnlichen Entschluss: Sie geht ins Kloster. Motiviert von dem Bedürfnis, ihrem Leben einen tieferen Sinn zu geben, als nutzlose Dinge anzuhäufen, packt sie ihre Koffer und begibt sich in ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang. In ihrem faszinierenden Buch erzählt sie lakonisch und offen von den Licht- und Schattenseiten des klösterlichen Lebens – von den inneren und äußeren Konflikten, die sie zu bewältigen hat, und von den Herausforderungen, die ein Leben als Nonne mit sich bringt. Sie berichtet aber auch von den wunderbaren menschlichen Begegnungen, die ihr dort zuteil werden, von der Tiefe und Schönheit der religiösen Rituale und dem Glück der inneren Ruhe. Bis sie beinahe zwölf Jahre später wieder ihre Koffer packt – und in Berlin ein ganz neues Leben beginnt.
Das ehrliche und authentische Selbstzeugnis einer jungen Frau auf der Suche nach Sinn und geistiger Erfüllung in ihrem Leben.
Warum entschließt sich eine junge Frau, ins Kloster zu gehen?
Ist es möglich, in der Abgeschlossenheit über seine Grenzen hinweg zu gehen? Und wer sind die Menschen, die einem dort begegnen?
„Wahrscheinlich ist die Frage, warum man in ein Kloster eintritt genauso schwer oder unmöglich zu beantworten, wie die Frage, warum man sich in einen bestimmten Menschen verliebt und nicht in einen anderen, der vielleicht klüger, hübscher, reicher oder sonstwie besser ist. Vielleicht ist es die Faszination des alternativen Lebens, die Rückzugsmöglichkeit, der Wunsch etwas zu entdecken, das man nicht einfach so wegwischen kann, die Suche nach dem Grund des Daseins, nach etwas, das bleibt, der Kampf gegen die Auslöschung der eigenen Existenz.
Die Priorin Germana hat in einem unserer ersten Gespräche zu mir gesagt: Im Kloster kommt man sehr bald an die eigenen Grenzen. Umso besser. Da will ich hin, an die Grenze, und nach Möglichkeit darüber hinaus.“ Veronika Peters

Sprecher
Doris Wolters

Länge
2 CDs

Meine Meinung
„Was in zwei Koffer passt – Klosterjahre“ ist ein sehr ehrlicher Erfahrungsbericht einer jungen Frau, die einen ungewöhnlichen Entschluss fasst. Sie geht mit gerade mal 21 Jahren ins Kloster. Sie schildert in ihrem Bericht, wie sie zu der Entscheidung kam, wie es ihr erging, was sie sich erhofft hatte und was sie tatsächlich vorfand. Sie hatte es mitnichten einfach im Kloster. Sie musste sich ihren Platz in der Gemeinschaft hart erarbeiten und sie stieß auf mehr Schwierigkeiten, als sie gedachte hatte. Doch letztendlich gelingt es ihr doch, ihren Platz zu finden, auch wenn es nicht für immer war.

Mir hat dieser Erfahrungsbericht gut gefallen. Ich mag Geschichten von Menschen, die einmal etwas – für den „Normalbürger“ – außergewöhnliches ausprobieren.

Doris Wolters als Sprecherin fand ich gut und passend. Sie hat die vielen Emotionen sehr gut vertont.

Fazitstars_4 empfehlenswert

Damien Echols – Mein Leben nach der Todeszelle

TodeszelleBeschreibung
Die ebenso schockierende wie bewegende Geschichte eines Mannes, der 18 Jahre in der Todeszelle saß: Im Jahr 1993 wurden Damien Echols, Jason Baldwin und Jessie Misskelley Jr. – bald bekannt unter dem Namen „The West Memphis Three“ – für schuldig befunden, drei achtjährige Jungen ermordet zu haben. Baldwin und Misskelley erhielten lebenslange Haftstrafen, Echols wurde zum Tode verurteilt. In den folgenden Jahren wurden die „WM3“ weltweit zum Symbol für die Verfehlungen des amerikanischen Justizsystems und erhielten breite Unterstützung. In einer spektakulären Wende der Situation und aufgrund neuerlicher DNA-Tests wurden alle drei Männer im August 2011 entlassen.

In seinem Buch schildert Damien Echols, der stets seine Unschuld beteuerte, was es bedeutet, 18 Jahre lang in der Todeszelle zu sitzen, und er erzählt, wie es ihm gelang, den psychischen wie physischen Terror, dem er ausgesetzt war, zu überleben.

Diese ungekürzte Hörbuch-Fassung wird exklusiv von Audible präsentiert und ist ausschließlich im Download erhältlich.

Sprecher
David Nathan

Länge
11 h 37 m

Meine Meinung
Oh mein Gott! Bei dieser wahren Geschichte hatte ich die ganze Zeit über Gänsehaut. Erst, weil Damien in wirklich sehr ärmlichen Verhältnissen aufwächst und dann, weil die Polizei einfach einen Buhmann brauchte und Damien ihnen da gerade gelegen kam. Wen interessiert schon, wer die 3 Kinder wirklich umgebracht wird. Man braucht nur einen Sündenbock und alles ist wieder gut im guten alten Amerika. Man, bei soviel Ungerechtigkeit und dummer Sturheit wurde ich stellenweise richtig wütend. Wie kann man nur so mit Menschen umgehen?

Damien Echols ist für mich ein Held. Ich glaube, die meisten Menschen wären bei so einem Lebenslauf kläglich zu Grunde gegangen und ich hätte vollstes Verständnis dafür. Doch er hat sich nicht unter kriegen lassen. Auch wenn alles aussichtslos schien, so hat er nie aufgegeben. Was er berichtet, wie man mit den Gefangenen – und auch die Gefangenen untereinander – miteinander umgehen, oh Gott, das ist so furchtbar.  Und natürlich darf man auch den seelischen Aspekt nicht vergessen. 18 Jahre in der Todeszelle – unschuldig! Schlimmer geht es wohl nicht. Das Rechtssystem der USA ist so haarsträubend, dass ich nicht fassen kann, dass es heutzutage tatsächlich noch so seine Anwendung findet. Aber so ist es – im ach so fortschrittlichen Amerika. Da kann man nur hoffen, dass man niemals in die Fänge der Justiz gerät. Und das kann – wie in diesem Buch sehr konkret beschrieben wird – leichter passieren als man denkt.

Das Buch ist äußerst spannend geschrieben. Damien Echols erzählt öfters in diesem Buch, dass er Stephen King sehr toll findet. Und was soll ich sagen: das merkt man. Man könnte glatt glauben, King hätte diese Geschichte für ihn geschrieben. Wobei ich mich frage, wer den größeren Horror beschreibt: King mit seinen erfundenen Storys oder Echols mit seiner Lebensgeschichte. Doch eines ist mir jetzt klar geworden. Bei King dachte ich oft, dass hier viele Klischees im Spiel sind. Doch anscheinend geht es im Land der unbegrenzten Möglichkeiten tatsächlich so zu.

Was den „King-Eindruck“ natürlich noch verstärkte, war der Sprecher David Nathan. Er war wie immer super gut und ich musste mir öfters bewusst machen, dass ich hier einer wahren Geschichte lausche und nicht Kings Fantasien – von Nathan zum Besten gegeben.

Ich kann dieses Hörbuch wirklich jedem absolut empfehlen. Diese Lebensgeschichte muss man einfach kennen.

Fazitstars_5 absolut empfehlenswert

Weitere Informationen
Eine Hörprobe sowie weitere Informationen gibt es bei Audible.de
Und hier geht es direkt zum Hörbuch: Damien Echols – Mein Leben nach der Todeszelle

Fabio Geda – Im Meer schwimmen Krokodile

Beschreibung
„Drei Dinge darfst Du nie im Leben tun, Enaiat, aus keinem Grund: Erstens, Drogen nehmen. Zweitens, zu den Waffen greifen. Versprich mir, dass deine Hand nicht einmal einen Holzlöffel halten wird, wenn er dazu dient, einen Menschen zu verletzen. Drittens, stehlen. Was dein ist, ist dein, was nicht dein ist, nicht. Und merke dir, dass es sich immer zu leben lohnt, wenn man einen Wunsch vor Augen hat wie ein Esel eine Karotte.“

Mit diesen Worten verlässt die Mutter ihr Kind. Sie hat Enaiat außer Landes geschmuggelt, mehr kann sie nicht für ihn tun. Die drei Lebensregeln sind der einzige Kompass des Jungen auf seiner Überlebensreise, die viele Jahre dauert. Also tut er nichts Böses, was auch immer geschieht. Arbeitet, gleich was, und besteht Tag für Tag das Leben, findet Freunde, zieht weiter. Und hat immer einen Wunsch vor Augen…

Sprecher
Robert Stadlober

Länge
202 Minuten

Meine Meinung
Dieses Hörbuch beschreibt die sehr gefährliche mehrjährige Flucht des damals erst 10-jährigen Enaiat. Die Mutter hat ihn aus Afghanistan herausgeschmuggelt, damit er eine Überlebenschance außerhalb des Landes hat. Doch von da an ist der Junge auf sich selbst gestellt, wird von Schlepperbanden in menschenunwürdigen „Behältnissen“ von Ort zu Ort gekarrt. Nicht selten entging er bei diesen Reisen nur knapp dem Tod. Nach (ich glaube) 8 Jahren kommt er endlich in ein Land, in dem er nicht mehr gejagt wird und in dem er leben darf.

Das Buch ist so aufgebaut, dass Enaiat seine Geschichte einem Freund erzählt. Ab und an fragt dieser Freund etwas, aber meist erzählt Enaiat seine Erlebnisse in sehr bildhaften Schilderungen. Es ist also kein wirklicher Dialog, den die beiden führen.

Ich fand diesen Erlebnisbericht derart ergreifend, dass ich nur noch der Geschichte folgen konnte, keine andere Tätigkeit wie stricken oder Computerspiele waren dabei möglich. Wenn ich mir vorstelle, was diese Flüchtlinge alles auf sich nehmen und dann immer wieder Gefahr laufen, einfach wieder abgeschoben zu werden – das ist einfach unmenschlich.

In diesem Buch äußert Enaiat kein einziges Mal, dass er Wut hatte. Das fand ich etwas unglaubwürdig. Denn ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass man bei all seinen Erlebnissen niemals zornig wird. Auch wenn man noch so ein herzensguter Mensch ist.

Den Sprecher fand ich auch nicht so toll. Er sprach verdammt schnell, etwas zu schnell für meinen Geschmack. Ok, es unterstrich zwar das „ständig auf der Flucht sein“, aber oftmals verschluckte er die ersten Buchstaben am Satzanfang.

Fazit: empfehlenswert

Weitere Informationen
Eine Hörprobe sowie weitere Informationen gibt es bei Audible.de
Und hier geht es direkt zum Hörbuch: Fabio Geda – Im Meer schwimmen Krokodile