Robert Menasse – Die Hauptstadt

Beschreibung
Wo die Fäden zusammenlaufen…

Fenia Xenopoulou, Beamtin in der Generaldirektion Kultur in Brüssel, steht vor einer schwierigen Aufgabe. Sie soll das Image der EU-Kommission aufpolieren. Aber wie? Sie beauftragt den Referenten Martin Susman, eine Idee zu entwickeln. Die Idee nimmt Gestalt an – die Gestalt eines Gespensts aus der Geschichte.

David de Vriend dämmert in einem Altenheim seinem Tod entgegen. Als Kind ist er von einem Deportationszug gesprungen, der seine Eltern in den Tod führte. Nun soll er bezeugen, was er im Begriff ist zu vergessen. Auch Kommissar Brunfaut steht vor einer schwierigen Aufgabe. Er muss aus politischen Gründen einen Mordfall auf sich beruhen lassen; und Alois Erhart, Emeritus der Volkswirtschaft, soll in einem Thinktank der Kommission Worte sprechen, die seine letzten sein könnten. Und was macht Brüssel? Es sucht einen Namen – für ein Schwein, das durch die Straßen läuft.

Sprecher
Christian Berkel

Länge
14 h 18 m

Meine Meinung
Während ein Schwein durch Brüssel rennt, wird ein Mann erschossen, David de Vriend verbringt die letzten Minuten in seiner leer geräumten Wohnung, bevor er ins Altenheim umzieht und Fenia Xenopoulou sitzt bereits an ihrem 2. Ouzo und wartet auf ihre Rettung in Form eines Liebhabers und Fürsprechers.

Zugegeben, das Buch beginnt gleich turbulent, viele Leute werden gleich zu Beginn vorgestellt und natürlich hat man hier noch nicht den blassesten Schimmer, was sie alle miteinander verbindet. Außer vielleicht die Sichtung eines Schweins.

Ich will hier gar nicht groß auf die Geschichte an sich eingehen, außer, dass sie absolut genial, kurzweilig und interessant geschrieben ist.

Die EU – für viele ein Dorn im Auge – doch am schlimmsten ist eindeutig die Kommission für „Kultur“. Sie genießt null Ansehen, verfügt  über kein Budget und Fenia soll das Image der „Kultur“ aufbessern. Keine leichte Aufgabe. Doch eine Idee entsteht. Doch ist sie auch wirklich gut?

Sehr schön fand ich auch die Story mit dem österreichischen Schweineverband, den Schweinsohren und China. Ich habe hier wirklich sehr gelacht. Doch nicht nur hier. Es gibt in „Die Hauptstadt“ wirklich sehr viele sehr humorvolle Stellen, die stellenweise durchaus etwas ironisch, gar sarkastisch herüber kommen. Ich fand das herrlich. Das hat genau meinen Geschmack getroffen. Sehr köstlich ist auch die Episode der deutschen Angora-Unterwäsche.

Am besten gefallen hat mir die Person Prof. Erhart. Besonders seine Abschlussrede vor dem ThinkTank fand ich beeindruckend und hat meinen Eindruck über seinen Charakter perfekt abgerundet. Doch auch die anderen sehr gut beschriebenen Charaktere, die unterschiedlicher kaum sein könnten, haben mir – jeder für sich – sehr gut gefallen. Ein buntes Sammelsurium an Menschen mit ihren Eigenarten, die alle sehr glaubhaft dargestellt wurden.

Doch das Buch ist nun kein Klamauk pur. Nein. Es ist gibt durchaus einen sehr guten Einblick, wie die EU funktioniert, agiert und wie frustrierend die Arbeit sein kann. Auch dass hier und da mal ein Mord vertuscht werden muss – ist klar.

Ich könnte hier noch endlos einzelne Episoden aus dem Buch erzählen, doch das würde zu weit gehen. Diesen Spaß sollte man sich wirklich selbst beim Hören gönnen.

Als ich gerade das Buch hörte, wurde der deutsche Buchpreis 2017 verliehen. Ich dachte mir: Ja, endlich hat den Preis mal ein Buch erhalten, das auch mir sehr gut gefällt.

Besonders hervorheben möchte ich hier auch noch den Sprecher Christian Berkel. Er hat die verschiedenen Sprachen und  Akzente spielerisch leicht und voller Überzeugung gesprochen. Das war bei diesem Buch gar nicht so einfach. Besser als Christian Berkel hätte man es wohl nicht machen können.

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Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Robert Menasse – Die Hauptstadt

Jean-Philippe Blondel – 6 Uhr 41

6 Uhr 41Beschreibung
Cécile sitzt im Zug, der Platz neben ihr ist frei, ein Mann setzt sich. Cécile erkennt ihn sofort: Philippe Leduc – vor fast dreißig Jahren war sie mit ihm zusammen. Und auch Philippe hat Cécile sofort erkannt. Doch sie schweigen – beide. Soll er sie ansprechen? Was könnte sie – nach all den Jahren – zu ihm sagen? Was wäre gewesen, wenn… Wer hat sich diese Frage nicht schon gestellt?

Jean-Philippe Blondel hat daraus eine wunderbare Komödie gemacht, in der wir uns alle wiederfinden.

Sprecher
Andrea Sawatzki, Christian Berkel

Länge
3 h 49 m

Meine Meinung
Cécile und Philippe sitzen im Zug zufällig nebeneinander. Sie kennen sich von früher, hatten einmal eine Beziehung, die übel zu Ende ging. Erzählt werden hier die Erinnerungen der beiden – jede für sich. Jeder aus seiner Sicht der Dinge. Stück für Stück setzt sich so also zusammen, was damals passiert ist. Und auch die Gegenwart, sprich, in welches Leben es sie verschlagen hat, wird erzählt.

Man sitzt nun also mit den Stöpseln im Ohr da, lauscht der Story und stellt sich die Situation vor. Schon skurril. Die unterschiedlichen Wahrnehmungen fand ich auch sehr interessant. Hier und da gab es auch durchaus witzige Szenen und Formulierungen, ich musste öfters schmunzeln. Nicht zuletzt wegen der genialen Leistung des Paares Andrea Sawatzki und Christian Berkel.

Mich hat diese kurze Reise in die Vergangenheit von Cécile und Philippe ziemlich gut unterhalten. Und auch den Schluss fand ich stimmig und passend.

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Weitere Informationen
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Bernhard Aichner – Totenfrau

Totenfrau

Beschreibung
Warum sie das tut? Warum sie dazu fähig ist? Die Antwort darauf liegt Jahre zurück…

Blum ist Bestatterin. Sie ist liebevolle Mutter zweier Kinder, sie besticht durch ihr großes Herz, ihren schwarzen Humor und ihre Coolness. Blum fährt Motorrad, sie trinkt gerne und ist glücklich verheiratet. Blums Leben ist gut. Doch plötzlich gerät dieses Leben durch den Unfalltod ihres Mannes, eines Polizisten, aus den Fugen. Vor ihren Augen wird Mark überfahren. Fahrerflucht. Alles bricht auseinander. Blum trauert, will sich aber mit ihrem Schicksal nicht abfinden. Durch Zufall findet sie heraus, dass mehr hinter dem Unfall ihres Mannes steckt… Blum sucht Rache. Was ist passiert? Warum musste Mark sterben? Als sie die Antworten gefunden hat, schlägt sie zu. Erbarmungslos.

Sprecher
Christian Berkel

Länge
8 h 28 m

Meine Meinung
@Buechertante hatte vor kurzem getwittert, dass sie dieses Buch sehr gut fand. Ich wurde neugierig und holte es. Nur aufgrund des Covers und der Beschreibung hätte ich es wohl eher nicht gekauft. Aber man ist ja immer dankbar für Empfehlungen. Ich habe den Kauf nicht bereut! Im Gegenteil! Ich habe sogar das Hörbuch, das ich gerade auf den Ohren hatte, unterbrochen und „Totenfrau“ gehört. Eigentlich wollte ich ja nur mal kurz reinhorchen, doch daraus wurde nichts. Einmal auf den Ohren war ich gefesselt von der Story.

Eins vorneweg: Dieses Buch/Hörbuch ist nichts für zart besaitete oder zimperliche Menschen. Denn hier geht es schonungs- und gnadenlos zu.

Blum ist glücklich. Sie hat einen tollen Mann, 2 liebe Kinder, ein florierendes Bestattungsunternehmen, der sympathische Schwiegervater wohnt auch bei ihnen und unterstützt sie bei den Kindern wie er kann. Alles ist gut, alle sind glücklich. Bis zu dem Tag, an dem ihr Mann – ein Polizist – bei einem Verkehrsunfall mit Fahrerflucht ums Leben kommt.

Blum hat nun nicht gerade die Charaktereigenschaft, sich ihrem Schicksal zu ergeben und eben das Beste daraus zu machen. Sie forscht nach und was sie entdeckt ist schlimmer, als sie es sich hätte erträumen können. Und sie wird sauer und extrem wütend und sorgt für Gerechtigkeit. Oder für das, was sie für Gerechtigkeit hält. Denn die Polizei, allen voran Massimo, Marks bester Freund und ebenfalls Polizist, unterstützt sie in ihrem Verdacht nicht – hält alles, was sie herausgefunden hat – für Unfug.

Blum ist für mich ein sehr interessanter Charakter. Einerseits ist sie voller Liebe und Mitgefühl für andere Menschen, die Not leiden, andererseits ist sie ein hochexplosiver Vulkan, der keine Grenzen kennt, wenn hilflosen Menschen und/oder ihr selbst Unrecht angetan wird. Dann kämpft sie wie eine Löwenmama und lässt alle Skrupel außer Acht. Sie ist ein wahrer Yin-Yang-Typ – beide Seiten sind bei ihr intensiv ausgeprägt. Das fand ich äußerst interessant und sorgte natürlich auch für eine andere Art Story, als man es so „gewohnt“ ist.

Es gab in diesem Hörbuch viele außergewöhnliche Situationen. Z. B. als ihr eigener Mann auf dem „Versorgungstisch“ – wie man das bei den Bestattern wohl nennt – liegt und sie ihn für die Beerdigung herrichten muss. Wie gesagt, man sollte einiges verkraften können, wenn man sich dieser Geschichte widmet.

Den Schreibstil fand ich außergewöhnlich – außergewöhnlich gut. Es gibt nicht viel direkte Rede – und wenn, dann ist sie ganz gezielt eingesetzt. Es gab einige Wortwiederholungen – als Nachdruck – das steigerte für mich nochmals die Intensität des Gesagten. Das mag nicht jedermanns Geschmack sein, ich fand das toll.

Und besonders gut fand ich, dass Christian Berkel dieses Hörbuch gesprochen hat. Er hat mit diesem Schreibstil seine wahre Freude gehabt und hat aus jedem Wort und jeder Regung alles herausgeholt. Das hat mich wirklich sehr fasziniert. Auch wie mühelos er die verschiedenen Dialekte sprach – bewundernswert.

Somit hatte ich achteinhalb Stunden Hochspannung auf den Ohren. Zeit zum Durchatmen hat man bei dieser Lektüre eher nicht. … aber wer will das schon.

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Weitere Informationen
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Donato Carrisi – Der Todesflüsterer

Der TodesflüstererBeschreibung
In einer Waldlichtung bergen Spurensicherer die Arme von sechs vermissten Mädchen. Für Profiler Goran Gavila und Sonderermittlerin Mila Vazquez steht fest, dass sie es mit einem extrem kaltblütigen Serientäter zu tun haben. Aber sie ahnen noch nicht, wie perfide der gesichtslose Mörder zu Werke geht. Wie ein Marionettenspieler benutzt er andere dazu, seine grausamen Fantasien Wirklichkeit werden zu lassen. Auch die Ermittler selbst sind längst Figuren eines beängstigenden Spiels geworden, in dem der Gesuchte seine makaberen Regeln diktiert.

Sprecher
Christian Berkel

Länge
6 h 59 m (gekürzt)

Meine Meinung
Poh. Für dieses Hörbuch braucht man starke Nerven. Es ist eine derart ausgeklügelte Story, dass ich allein für diese Leistung 5 Sterne geben möchte. Lange tappen die beiden Ermittler im Dunkeln, als Hörer ist man gefesselt und versucht auch krampfhaft, eine Spur zu finden. Doch da ist zunächst nichts. Ständig ergeben sich dann neue Wendungen und spannende neue Aspekte. Stück für Stück setzt sich das Puzzle zusammen,  das am Ende ein schreckliches Bild ergibt. Und das in einem Tempo, das einem kaum Zeit zum Atmen lässt.

Christian Berkel als Sprecher fand ich hier – wie schon so oft – eine sehr gute Wahl. Er hat einfach eine „coole“ Art, hammerharte Texte zu sprechen. Sehr faszinierend finde ich das.

Was mich bei diesem Hörbuch aber wirklich sehr gestört hat, waren die derben Kürzungen. Nicht selten fragte ich mich, wie es denn nun plötzlich dazu kam. Ein erneutes Anhören ließ dann nur den Schluss zu, dass hier einfach gnadenlos gekürzt wurde und somit einiges für mich „unerklärlich“ blieb. Dafür muss ich einen Stern abziehen. Was letztendlich wirklich schade ist, da es einfach eine tolle Story ist.

Fazitstars_4 empfehlenswert

Weitere Informationen
Eine Hörprobe sowie weitere Informationen gibt es bei Audible.de
Und hier geht es direkt zum Hörbuch: Donato Carrisi – Der Todesflüsterer

Siehe auch:

J. K. Rowling – Ein plötzlicher Todesfall

TodesfallBeschreibung
Als Barry Fairbrother mit Anfang vierzig plötzlich stirbt, sind die Einwohner von Pagford geschockt. Denn auf den ersten Blick ist die englische Kleinstadt mit ihrem hübschen Marktplatz und der alten Kirche ein verträumtes und friedliches Idyll, dem Aufregung fremd ist. Doch der Schein trügt. Hinter der malerischen Fassade liegt die Stadt im Krieg. Krieg zwischen arm und reich, zwischen Kindern und ihren Eltern, zwischen Frauen und ihren Ehemännern, zwischen Lehrern und Schülern. Und dass Barrys Sitz im Gemeinderat nun frei wird, schafft den Nährboden für den größten Krieg, den die Stadt je erlebt hat. Wer wird als Sieger aus der Wahl hervorgehen – einer Wahl, die voller Leidenschaft, Doppelzüngigkeit und unerwarteter Offenbarungen steckt?

J.K. Rowlings erster Roman für Erwachsene ist getragen von britischem schwarzen Humor, stimmt nachdenklich und steckt voller Überraschungen.

Sprecher
Christian Berkel

Länge
19 h 06 m

Meine Meinung
Dies war mein erstes Buch von J. K. Rowling, denn die ganzen Harry-Potter-Geschichten habe ich weder gehört noch gelesen. Doch auf dieses Buch war ich gespannt. Keine Fantasy-Geschichte von einer Meisterin der Erzählkunst.

Am Anfang sollte man ungemein aufpassen, da man gleich mit einer ganzen Reihe von Personen konfrontiert wird, die auch wirklich alle eine wichtige Rolle in der Geschichte spielen. Doch schon nach kurzer Zeit hatte ich die verwandschaftlichen, die freund- oder auch feindschaftlichen Verbindungen verstanden und kannte somit eine Reihe von Menschen mehr. Denn dieser Eindruck entstand bei mir sehr schnell, dass ich die Personen kenne. Spricht für die sehr gute Beschreibung der Personen und natürlich auch für die Glaubwürdigkeit der Charaktere.

„Ein plötzlicher Todesfall“ könnte überall in der westlichen Welt spielen. Denn es geht um Macht, um Neid, um Rache, um Intrigen, um „Gutmenschen“, die es aber ganz und gar nicht sind, sich aber gut zu tarnen verstehen. Durch den plötzlichen Todesfall eines Politikers gerät die Kleinstadt aus ihren Fugen. Alles wird auf den Kopf gestellt und keiner hält sich mehr zurück, um seine eigenen Ziele durchzusetzen, egal mit welchen Mitteln und ohne Rücksicht auf Verluste. Und in eben diesem Kampf werden diverse Leichen aus Kellern gezogen, die dort schon lange vergraben lagen und – nun offen dargelegt – alles verändern.

Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen, da J. K. Rowling unserer Gesellschaft und unserem Kleinbürgerdenken gnadenlos einen Spiegel vorhält. Ich glaube, in jeder Kleinstadt findet man die beschriebenen Charaktere wieder. Und eben das machte für mich – die ich auch in einer solchen Kleinstadt wohne – dieses Buch so lebensecht, so glaubhaft und so verdammt gut.

Christian Berkel hat diese Geschichte hervorragend gelassen und zurückhaltend gesprochen. Das passte sehr gut zu der Geschichte, in der so viel passierte.

Fazitstars_5 absolut empfehlenswert

Weitere Informationen
Eine Hörprobe sowie weitere Informationen gibt es bei Audible.de
Und hier geht es direkt zum Hörbuch: J. K. Rowling – Ein plötzlicher Todesfall

Liebesfunkeln

Beschreibung
Liebesfunkeln ist eine luftig-lockere Sammlung von Gedichten und kurzen Erzählungen rund um die Liebe und das Verliebt sein. Unterhaltsam und humorvoll – und zugleich bewegend und anrührend! Ein ausgezeichnetes Geschenk für alle, die der oder dem Liebsten eine Freude bereiten wollen. Gelesen von einer beachtlichen Anzahl beliebter Sprecher wie Christian Berkel, Andrea Sawatzki oder Anna Thalbach ist dieses Hörbuch ein Präsent mit Herz.

Sprecher
Ulrich Matthes, Andrea Sawatzki, Konrad Beikircher, Janina Sachau, Stefan Kaminski, Anna Thalbach, Christian Berkel, Frank Arnold, Heikko Deutschmann, Mathieu Carrière.

Länge
78 Minuten

Meine Meinung
Eine wirklich schöne, humorvolle Zusammenstellung. Am besten hat mir das Gedicht  „Eskimojade“ gefallen. Auf der CD ist der Autor als „Anonym“ gekennzeichnet. Auf der Website „Gedichte für alle Fälle“ wurde geschrieben, dass es von Julius Schmidt sei. Ich weiß es nicht – aber ich fand es sehr schön:

Eskimojade

Es lebt´ in dulci jubilo
in Grönland einst ein Eskimo.
Der liebt voll Liebeslust und Leid
die allerschönste Eskimaid,
und nennt in Garten sie und Haus
bald Eskimiez, bald Eskimaus

Im wunderschönen Eskimai
spazieren gingen froh die zwei,
geschminkt die Wangen purpurrot
wie’s mit sich bringt die Eskimod
und setzten sich ganz sorgenlos
ins wunderweiche Eskimoos.

Still funkelte am Horizont
der silberklare Eskimond.
da schlich herbei aus dichtem Rohr
Othello, Grönlands Eskimohr.
In schwarzer Hand hielt fest den Dolch
der eifersücht’ge Eskimolch.

Und stach zwei- dreimal zu voll Wut
in frevelhaftem Eskimut.
Vom Dolch getroffen alle beid
sank Eskimo und Eskimaid.
Da rannt‘ im Sprunge des Galopps
herbei der treue Eskimops

Und biss mit seinen Zähnen stark
den Mörder bis ins Eskimark,
der bald, zerfleischt vom treuen Hund
für immer schloss den Eskimund.
So ward, das ist der Schlussakkord
gerächt der blut’ge Eskimord
und schaurig klingt von Norden her
noch heut’gen Tags die Eskimähr!

Dieses Gedicht wird auf der CD von Andrea Sawatzki gesprochen – mehr muss man dazu nicht sagen – oder?  Sie ist einfach klasse 🙂

Insgesamt fand ich die Sammlung von Liebesgedichten und -geschichten meist zum Schmunzeln, eine wirklich gute Auswahl.

Fazit: stars_4 empfehlenswert

Zoran Drvenkar – Sorry

Beschreibung
Tamara, Kris, Wolf und Frauke sind seit ihren gemeinsamen Berliner Schultagen befreundet. Obwohl alle schon um die dreißig sind, leben sie immer noch mehr oder weniger erfolglos in den Tag hinein; bis Kris eines bekifften Abends eine ziemlich verrückte Idee hat: Wie wäre es, eine Agentur zu gründen, die sich für andere Leute entschuldigt? Die Freunde setzen die Idee in die Tat um – zu ihrem eigenen Erstaunen mit größtem Erfolg.

Ob zu Unrecht gekündigte Mitarbeiter oder schmachvoll verlassene Geliebte: Die Agentur „Sorry“ entschuldigt sich im Auftrag ihrer Kunden bei ihnen allen. Mit der Erlösung von Schuldgefühlen und schlechtem Gewissen lässt sich eine Menge Geld verdienen. Alles läuft gut – bis Wolf eines Tages vor einer grausam zugerichteten Leiche steht, mit dem Auftrag, sich bei dieser zu entschuldigen. Der Mörder beginnt ein beklemmendes Spiel mit den Freunden, in dessen Verlauf diese nicht zuletzt mit ihren eigenen Abgründen konfrontiert werden…

Sprecher
Christian Berkel, Matthias Brandt, Sophie von Kessel, Ulrich Pleitgen

Länge
477 Minuten

Meine Meinung
Dieses Buch ist nichts für schwache Nerven! Es wird von den vier Sprechern aus verschiedenen Perspektiven und auch auf verschiedenen Zeitebenen erzählt. Das erscheint zunächst etwas verwirrend, baut aber auch eine enorme Spannung auf, der man sich kaum mehr entziehen kann. Die Frage nach Schuld und wie die Menschen damit umgehen und ob jemand sich im Namen eines anderen entschuldigen kann, fand ich sehr interessant. Ist es anmaßend? Würde ich solch eine Entschuldigung ernst nehmen? Wie ist das ethisch zu betrachten? Die komplette Handlung geht mit dem sensiblen Thema Kindesmissbrauch nicht gerade zimperlich um. Ich mag ja keine bis ins kleinste Detail beschriebenen Gewalttaten. Doch hier wurde das in einem Maß beschrieben, das ich durchaus für vorstellbar halte – schlimm genug. Aber so wirkte es einfach glaubwürdig und nicht maßlos übertrieben, wie es in manchen Thrillern ja leider der Fall ist. Je ekliger umso besser – das ist nicht mein Credo. Aber wie gesagt, diese Gratwanderung ist dem Autor sehr gut gelungen.
Die Spannung bleibt von der ersten bis zur letzten Minute, da sich erst ziemlich am Ende die Puzzle-Teile zu einem Bild zusammenfügen. Zurück blieb ich nicht mit dem Gedanken: „wow, was für ein tolles Buch“ sondern mit dem Gedanken: „puh, echt heftig!“

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(aber meiner Meinung nach erst ab 16 oder 18 Jahren)

Siehe auch:

Daniel Glattauer – Alle sieben Wellen

Beschreibung
Sie kennen Emmi Rothner und Leo Leike? Dann haben Sie also „Gut gegen Nordwind“ gelesen, jene ungewöhnliche Liebesgeschichte, in der sich zwei Menschen, die einander nie gesehen haben, per E-Mail rettungslos verlieben. Zweitens: Für Sie ist die Geschichte von Emmi und Leo und ihrer unerfüllten Liebe abgeschlossen. Mag sein. Aber nicht für Emmi und Leo! Drittens: Sie sind der Ansicht, dass die Liebenden zumindest eine einzige wirkliche Begegnung verdient hätten und der Roman eine zweite Chance auf ein anderes Ende? Bitte, hier haben Sie’s! Viertens: Sie haben keine Ahnung, wovon hier die Rede ist? Kein Problem. In diesem Buch erfahren Sie alles: von Leos Rückkehr aus Boston, von Emmis Eheproblemen und von der siebenten Welle, die immer für Überraschungen gut ist.

Sprecher
Andrea Sawatzki und Christian Berkel

Länge
4 CDs

Meine Meinung
Dies ist die Fortsetzung von „Gut gegen Nordwind“. Und es ist wieder so, so, so, so wunderschön! Schade, dass ich es jetzt schon fertig gehört habe. Ich hätte noch stundenlang den vergeblichen Trennungsversuchen von Emmi und Leo lauschen können. Auch wieder astreine 5 Sterne!

Fazit:  absolut empfehlenswert

Gehört am 26.04.2009

Siehe auch:

Daniel Glattauer – Gut gegen Nordwind

Beschreibung
Emmi Rothner möchte per E-Mail ihr Abo der Zeitschrift ‚Like‘ kündigen, doch durch einen Tippfehler landen ihre Nachrichten bei Leo Leike. Als Emmi wieder und wieder E-Mails an die falsche Adresse schickt, klärt Leo sie über den Fehler auf. Es beginnt ein außergewöhnlicher Briefwechsel, wie man ihn nur mit einem Unbekannten führen kann. Auf einem schmalen Grat zwischen totaler Fremdheit und unverbindlicher Intimität kommen sich die beiden immer näher – bis sie sich der unausweichlichen Frage stellen müssen: Werden die gesendeten, empfangenen und gespeicherten Liebesgefühle einer Begegnung standhalten? Und was, wenn ja?

Sprecher
Andrea Sawatzki und Christian Berkel

Länge
4 CDs

Meine Meinung
Dieses geniale Hörbuch habe ich bereits als Buch verschlungen und jetzt 2 Jahre später in der Hörbuchversion wieder für absolut schön, toll, faszinierend, süchtig machend empfunden. Eine mehr oder weniger tragische eMail-Beziehung. Faszinierend vorgetragen von Andrea Sawatzki und ihrem Mann. Keine Frage, dieses Hörbuch hat 5 Sterne plus Sternchen verdient 🙂

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Gehört am 25.04.2009

Siehe auch: