James Baldwin – Nach der Flut das Feuer

Nach der Flut das Feuer (Ungekürzte Lesung)

Beschreibung
James Baldwin war zehn Jahre alt, als er zum ersten Mal Opfer weißer Polizeigewalt wurde. 30 Jahre später, 1963, brach „Nach der Flut das Feuer“ wie ein Inferno über die amerikanische Gesellschaft herein – und wurde sofort zum Bestseller. Baldwin rief in seinen Essays dazu auf, dem rassistischen Albtraum, der die Weißen ebenso plage wie die Schwarzen, gemeinsam ein Ende zu machen. Ein Ruf, der heute wieder sein ganzes provokatives Potenzial entlädt: „Die Welt ist nicht länger weiß, und sie wird nie mehr weiß sein.“

Sprecher
Christian Brückner

Länge
2 h 53 m

Meine Punktebewertung

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Weitere Hörbücher zum Thema:

Harald Welzer – Alles könnte anders sein – Eine Gesellschaftsutopie für freie Menschen

Beschreibung
Die Welt ist zum Verändern da, nicht zum Ertragen. Früher war die Zukunft besser. Heute scheint keiner zu glauben, dass es unseren Kindern mal besser gehen wird. Muss das so sein? Muss es nicht! Der Soziologe und erprobte Zukunftsarchitekt Harald Welzer entwirft uns eine gute, eine mögliche Zukunft: Darin gibt es Städte ohne Autos, Schulen ohne Gebäude, die Menschen erhalten ein Grundeinkommen, und Grenzen gibt es auch nicht mehr. Erfrischend und ermutigend zeigt Welzer: Die vielbeschworene Alternativlosigkeit ist in Wahrheit nur Phantasielosigkeit. Alles kann tatsächlich anders sein. Man braucht nur eine Vorstellung davon, wie es sein sollte. Und man muss es machen.

Sprecher
Christian Brückner

Länge
10 h 07 m

Meine Meinung
Harald Welzer ist ein Querdenker. Er nimmt die Gegebenheiten nicht einfach hin, nein, er hinterfragt alles und jeden und hat seine ganz eigene Meinung zu einer lebenswerten Zukunft. Ich muss sagen: seine Gesellschaftsutopie für den freien Menschen gefällt mir außerordentlich gut! Prima finde ich auch die Idee der Reaktivierung des öffentlichen Raums zu Diskussions- und Abstimmungszwecken wie bei den alten Römern. Auch träumt er von einer echten gelebten Demokratie. Nicht wie sie momentan in Deutschland ist, vielmehr eher wie in der Schweiz.

Dieses Buch hat mir in vielen Bereichen nochmals die Augen geöffnet und einen ganz anderen Blickwinkel gezeigt. Ich fand das sehr interessant.

Meine uneingeschränkte Hörempfehlung!

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Don DeLillo – Null K

Beschreibung
Jeffrey Lockharts Vater Ross, ein Milliardär in seinen Sechzigern, versucht das Leben seiner jüngeren, schwerkranken Frau Artis zu retten. Er bringt sie in ein Forschungszentrum, in dem menschliches Leben durch Einfrieren verlängert werden soll, bis eines Tages biomedizinische Fortschritte es erlauben, unrettbare Fälle von heute doch noch zu heilen und ihnen neue Möglichkeiten zu schenken.

„Wir wurden ohne Freiheit der Wahl geboren. Sollen wir etwa genauso sterben? Das nicht zu akzeptieren – wäre das nicht eine grandiose Errungenschaft?“ Ross sucht neue Welten, andere Dimensionen, sein Sohn Jeffrey lässt nur das Leben im Hier und Jetzt gelten.

Sprecher
Christian Brückner

Länge
8 h 49 m

Meine Meinung
Oh dieser Fusselroller! Ich fürchte, dass wenn ich in meinem zukünftigen Leben einen Fusselroller sehe, ich immer an Null K werde denken müssen. Das nenne ich die Höchststrafe!

Eigentlich ist das oben beschriebene Thema ja durchaus sehr interessant. Aber ich glaube, man kann es kaum langweiliger präsentieren, als es Don DeLillo in Null K getan hat. Er verliert sich in endlosen Beschreibungen von Nichtigkeiten, die einen wirklich derart einlullen, dass man sofort müde wird und die Lust am Weiterhören verliert. So ging es mir jedenfalls bei diesem Buch.

Ich konnte dieser Geschichte nichts abgewinnen, da es um das eigentliche Thema nur selten ging. Hätte er die Gewichtung anders gelegt, sprich nur nebenbei über Fusselroller und Geldbeutel sinniert und sich ausführlicher mit dem Einfrieren und den daraus resultierenden Vorteilen in der Zukunft und was es für unser heutiges Leben bedeutet beschäftigt,  wäre das Buch der Knüller geworden. Aber so… leider nicht. Zumindest nicht für mich. Doch es bilde sich bitte jeder selbst seine Meinung.

Christian Brückner war als Sprecher zwar sehr gut und hat auch wirklich versucht, alles aus der Geschichte herauszuholen. Doch wenn das Material derart langweilig ist, dann kann auch der beste Sprecher kein mitreißendes Hörbuch daraus machen.

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Thomas Glavinic – Lisa

LisaBeschreibung
Lisa ist der Roman einer Zeit, in der das Internet der letzte verbliebene Ansprechpartner ist, in der Medien und Gewalt genauso miteinander verquickt sind wie Realität und Fiktion.

Sprecher
Christian Brückner

Länge
2 h 45 m

Meine Meinung
So. Nun habe ich dieses kurze Hörbuch fertig gehört. Hm. Was soll ich dazu sagen? Ich fand das mehr als merkmürdig. Fang ich mal beim Anfang an. Das Hörbuch startet völlig unvermittelt, mitten in einer Geschichte. So hat man den Eindruck. Ich versicherte mich dessen nochmals, in dem ich erneut startete. Doch. Mitten drin beginnt „Lisa“.

Dann: Ok, es scheint eine Webradioübertragung darzustellen. Von einem Mann, der sich irgendwo weit ab von der Zivilisation mit seinem kleinen Sohn verschanzt hat und täglich oder nächtlich einen Webradio-Beitrag sendet. Dabei trinkt er viel Wein, Wodka, etc., nimmt Koks und erzählt allerlei über Lisa. Diese ominöse Lisa, die über Jahre unsere Zeitungen füllte. Wieder DNA von ihr aufgetaucht. Doch an völlig absurden Tatorten. Wie kann das zusammenhängen? Nun, wir alle haben das mitbekommen. Auch erzählt er einiges über seine Freunde und andere Weggefährten.

Er weicht sehr oft von seinem eigentlichen Thema ab, das er eigentlich erzählen wollte. Ich führte das auf seinen Drogenkonsum zurück. So erzählte er jede Menge Mini-Episoden die er interessant fand – ich dann eher weniger.

Also dachte ich: Ok, dann muss das Ende bombastisch sein! Denn was bisher von diesem Herrn übers Webradio kund getan wurde, riss mich nun nicht vom Hocker. Doch kaum hatte ich den Gedanken gedacht, schon war das Hörbuch vorbei. Und das Ende? Ja das Ende. Welches Ende eigentlich?

Vermutlich habe ich das ganze Buch nicht verstanden. Auch der Klapptext macht mich nun in Verbindung mit dem Gehörten nicht schlauer. Klar, es bezieht sich auf einen tatsächlich passierten Fall und dieser Herr erzählt seine Gedanken und berichtet über seine Ängste übers Webradio. Aber was genau sollte mich daran nun faszinieren? Ich habe eigentlich außer der wirklich guten Leistung von Brückner fast nichts gefunden, was mir gefallen hätte.

Nein, also dieses Hörbuch war für mich ein Flopp. Der erste für dieses Jahr. Aber trotzdem gebe ich Glavinic noch eine Chance. Denn ich habe nun schon verschiedentlich gehört, dass er toll schreiben können soll. Nur war da von Lisa nie die Rede. Warum eigentlich habe ich mich ausgerechnet für dieses Hörbuch entschieden?

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David Vann – Die Unermesslichkeit

Beschreibung
Gary und Irene wollen sich ein letztes Mal zusammenraufen, ihre verkorkste Ehe retten, nicht jeder für sich zugrunde gehen. Gary hatte einst einen Traum: Sie lebten in einer einfachen Holzhütte auf Caribou Island, einer kleinen Insel vor Alaska, sie waren glücklich, die Schrecken der Vergangenheit hatten sie hinter sich gelassen. Während eines Unwetters machen sie sich auf den Weg. Schon kurz nach ihrer Ankunft packt Irene die Angst. Sie sind schlecht vorbereitet, um sie herum ragt die Wildnis, gewaltig, unbarmherzig und von undurchdringlicher Schönheit. Als der Winter kommt, treibt die Einsamkeit der Insel das Paar immer weiter auseinander, Beklemmung stürzt um in Wut. Auch ihre Tochter Rhoda, die mit ihrem eigenen Leben, ihrer eigenen Beziehung alle Hände voll zu tun hat, vermag die beiden nicht zu beruhigen. Hingebungsvoll, aber hilflos muss sie vom Festland aus zusehen, wie ihre Eltern sich langsam, aber sicher zerfleischen.

„Die Unermesslichkeit“ erzählt eine dunkle, wahrhaftige Geschichte von den Kämpfen zwischen Mann und Frau – ein packendes Meisterwerk über die letzte Gewissheit, dass wir uns selbst nicht entrinnen können.

Kritikerstimmen
Es ist die große Kunst von David Vann familiäre Konflikte ins Schicksalhafte zu übersteigern und ihnen so eine Dringlichkeit zu geben, die ihnen im Alltag oft fehlt.
Meike Fessmann, Süddeutsche Zeitung

Dieser Roman ist mehr als nur eine Saga von Schuld und fehlender Vergebung. Es ist ein Roman, der uns an unsere verdrängten Instinkte erinnert und damit zutiefst erschreckt. David Vann hat für dieses Erschrecken faszinierend schöne, drastische Bilder gefunden.
Beate Wilms, hr-online.de

Seine schaurig-schöne Prosa liest sich wie eine Warnung…
Börsenblatt

Sprecher
Christian Brückner

Länge
451 Minuten

Meine Meinung
Ich finde es etwas schwierig dieses Hörbuch zu beurteilen. Denn es kommt so erschreckend wirklichkeitsnah daher, dass man es mit der Angst zu tun bekommt. Was die beiden versuchen, ist der reinste Irrsinn, vor allem zu dieser Jahreszeit. Aber die Sturheit siegt und so nimmt das Schicksal seinen gnadenlos Lauf.

Als Zuhörer ist man zunehmend fassungslos über das Gehörte. So bedrückend und beklemmend wie die Geschichte ist, ist sie sicherlich keine Story, die man mal so locker zwischendurch hören könnte/sollte. Aber eines ist sie ganz gewiss: eine Mahnung an alle, die einfach nicht loslassen wollen, auch wenn es schon längst zu spät ist.

Fazit: empfehlenswert

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Jon Krakauer – In eisige Höhen: Das Drama am Mount Everest

Beschreibung
Von der amerikanischen Zeitschrift „Outside“ beantragt, nahm Jon Krakauer an einer Mount Everest Expedition teil, um über die Auswüchse des kommerziellen Bergsteigens zu berichten. Auf dieser Expedition im Frühjahr 1996 ereignete sich die schlimmste Katastrophe, die je auf dem „Dach der Welt“ geschah: 12 Menschen aus einer Gruppe von 33, zum Teil „Grenzgänger“ auf der Suche nach dem ultimativen Abenteuer und dem absoluten Kick, fanden dabei ihren Tod.

Sprecher
Christian Brückner

Länge
648 Minuten

Meine Meinung
Dieses Hörbuch hat mich sehr schockiert, denn es ist ein Tatsachenbericht und 12 Menschen starben. Obwohl sich diese Tragödie 1996 ereignete, habe ich damals nichts davon mitbekommen. Hm. Und jetzt, beim Hören dieses Hörbuches, habe ich mich wirklich gefragt: wie kann man denn als Otto-Normal-Wanderer auf die Idee kommen, den Mount Everst erklimmen zu wollen? Ich meine, nur weil ich  Auto fahren kann, kann ich noch lange keine Autos bauen. Aber gut, das kommerzielle Bergsteigen am Mount Everest scheint ja wirklich sehr populär zu sein.

Jon Krakauer, der zwar durchaus ein recht erfahrener Bergsteiger ist, nahm an dieser Tour mit einem Journalistenauftrag in der Tasche teil und erlebte das ganze Drama mit. Und er leidet höchstwahrscheinlich noch heute, ob des tragischen Ausgangs dieser Besteigung. Denn deshalb schrieb er ja auch dieses Buch – um alles besser verarbeiten zu können.

Jon Krakauer beschreibt äußerst intensiv die geistige Verwirrung durch Sauerstoffmangel in solchen Höhen und dass das menschliche Gehirn dann schlichtweg nicht mehr in der Lage ist, klar zu denken und logisch zu handeln. Das fand ich sehr interessant. Denn in diesem Ausmaß war mir das nicht bewusst. Und dadurch entstanden auch sehr viele unterschiedliche Ansichten, wie sich etwas zugetragen hatte. Nur durch ganz viele anschließende Interviews der Überlebenden konnte er einigermaßen rekonstruieren, wie sich alles zugetragen hatte. Und das Bild, das dadurch entsteht, ist erschreckend.

Diese Geschichte ist von Anfang bis zum Ende einfach spannend und schockierend. Aber trotzdem hat mich das Hörbuch nicht so fesseln können, wie es z. B. 635 Tage im Eis – Die Shackleton-Expedition geschafft hat. Die Story ist zwar sehr interessant, spannend, auch entsetzlich (klar) und Christian Brückner hat super gut gelesen. Aber mir war es ca. 3 Stunden zu lang. Viele Sachen wiederholten sich sehr oft und das störte mich ein wenig.

Aber trotzdem ist es ein sehr gutes Hörbuch, von einem Mann, der wirklich etwas zu erzählen hat.

Fazit: empfehlenswert

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Und hier geht es direkt zum Hörbuch: In eisige Höhen: Das Drama am Mount Everest

Herman Melville – Ich und mein Kamin

Beschreibung
Herman Melville erzählt von dem Kamin seines Hauses, der in seiner hässlichen Umfänglichkeit jedermann zu stören scheint. Je härter die nicht nur familiären Attacken gegen dieses Wahrzeichen der Gemütlichkeit und Solidität werden, desto mehr wächst der Widerstand des Verteidigers.

Sprecher
Christian Brückner

Länge
87 Minuten

Meine Meinung
Was für ein tolles Hörbuch, wunderbar vertont von Christian Brückner.

Diese Geschichte beginnt zunächst sehr ausführlich mit der Beschreibung der Ausmaße des Kamins. Und er ist groß, verdammt groß! In der Mitte des Hauses steht er und beheizt somit alle sich an ihn schmiegende Zimmer. Dieses Haus muss wirklich sehr abenteuerlich gebaut sein. Denn manche Zimmer haben z. B. 7 Türen. Eine führt nach oben, die andere nach unten, eine weitere in die Küche – ein kleines Labyrinth – zumindest für die sich immer wieder verlaufenden Besucher.

Aber der Protagonist liebt seinen Kamin. Bewundert ihn, beschützt ihn. Leider ist er der einzige im Haus, der diesen Kamin so sehr in sein Herz geschlossen hat. Seine Frau und seine Töchter versuchen ihn immer wieder davon zu überzeugen, den Kamin doch einfach abzureisen, um einfach mehr Platz im Haus zu haben. Aber er bleibt stur. Die wildesten Spekulationen eines Architekten werden aufgestellt, selbst von einem geheimen Raum ist die Rede und dann meint er: … tja, das wird hier nicht verraten 😉

In einer wirklich sehr schönen Sprache, einem tollen Stil und mit sehr viel Charme und Witz wird hier die Geschichte eines alten sturen „Bocks“ erzählt, dem einzig er, sein Kamin und vielleicht noch seine Pfeife wichtig sind. Sehr oft musste ich wirklich ob der bizarren Vergleiche und der herrlichen Ausdrucksweise laut lachen.

Beste Unterhaltung ist auch hier – wie auch schon bei „Moby Dick“ und „Bartleby“ wieder garantiert.

Fazit: stars_5 absolut empfehlenswert

Weitere Informationen
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Und hier geht es direkt zum Hörbuch: Herman Melville – Ich und mein Kamin

Siehe auch:

Herman Melville – Bartleby

Beschreibung
„Ich möchte lieber nicht.“ Mit diesem Satz lehnt der Schreiber Bartleby nach und nach freundlich, aber bestimmt jeden Dienst für seinen Herrn ab. Als dieser ihn endlich auffordert zu gehen, möchte Bartleby auch das „lieber nicht.“ Stattdessen bleibt er untätig an seinem Platz und starrt träumend gegen die Wand. Verzweifelt zieht sein Dienstherr aus…

Sprecher
Christian Brückner

Länge
114 Minuten

Meine Meinung
Dieses Hörbuch habe ich vor zig Jahren schon einmal als Buch gelesen. Damals schon war ich von dem Text einfach nur begeistert. Und natürlich von der Vorstellung, seinem Chef sämtliche Arbeitsaufträge mit den Worten „Ich möchte lieber nicht“ zu verweigern.

Das Buch wurde zu einer Zeit geschrieben (1853 bis 1856), als es noch keine Maschinen gab, die automatisch eine Vielzahl von Kopien anfertigen. Nein, damals war eine Kopie eines Vertrages z. B. noch echte Handarbeit – erledigt von echten Menschen, die Wort für Wort abschrieben. Eine wahrlich stumpfsinnige Arbeit, wenn man als Kopist angestellt ist und von morgens bis abends nichts anderes macht, als Schriftstücke zu kopieren. Und das in einem sehr düsteren Büro, da die Wände der Hausmauern drumherum (die Geschichte spielt ja in der Wall Street), einfach viel zu hoch sind, als dass auch nur ein Lichtstrahl hereinscheinen könnte.

Und in so einer Umgebung mit solch einer Arbeit verweigert Bartleby, der anfangs äußerst fleißig und gewissenhaft seine Aufträge erledigt hatte, nach und nach jeden Auftrag, jede Bitte, etwas zu erledigen. „Ich möchte lieber nicht“ ist die stets gleiche Antwort, die der Chef, ein angesehener und vielbeschäftigter Rechtsanwalt fortan nur noch zu hören bekommt. Dieser Rechtsanwalt ist natürlich zunächst sehr empört über solch eine Antwort, versucht, diesen Menschen näher kennen zu lernen, aber er möchte halt lieber nichts von sich Preis geben. So ist also Bartleby den ganzen Tag da, arbeitet aber nicht mehr, schaut nur noch zum Fenster hinaus uns tut einfach nichts. Zu allem Überfluss stellt der Rechtsanwalt dann auch noch fest, dass Bartleby nicht nur tagsüber anwesend ist, nein er wohnt da! Der Rechtsanwalt ist entsetzt über diese Einsamkeit, die dieser Kopist empfinden muss. Er lebt von fast nichts, hat fast nichts und interessiert sich auch für nichts. Der Rechtsanwalt ist hin- und hergerissen von seinen Gefühlen. Denn einerseits müsste er Bartleby ja kündigen, aber andererseits tut er ihm unendlich leid. Alle Versuche, ein Gespräch mit ihm zu führen scheitern – enden sogleich mit den Worten „Ich möchte lieber nicht“. Als der Rechtsanwalt dann feststellt, dass auch er und seine beiden anderen Kopisten mittlerweile diese Redensart übernommen haben (z. B. „Möchten Sie den Kaffee lieber schwarz oder mit Zucker?“) beschließt er, Bartleby rauszuschmeissen. Aber er möchte lieber nicht. Und bleibt hartnäckig in der Kanzlei. Also kündigt er den Vertrag über die Büroräume und zieht mit seiner Kanzlei um. Bartleby bleibt allein und verlassen zurück.

Der Nachmieter der Räume hat somit Bartleby quasi geerbt. Doch wie es weiter geht mit Bartleby und ob der Nachmieter auch so verständnisvoll mit ihm umgeht, wird an dieser Stelle nicht verraten 😉

Nur so viel sei noch gesagt: wenn man dem Geschehen lauscht, ist man eigentlich die ganze Zeit sprachlos, wie denn so etwas passieren kann. Sehr faszinierend finde ich das. Der Sprachstil ist auch sehr schön, so dass einfach jeder Satz perfekt passt.

Christian Brückner als Sprecher hat mir sehr gut gefallen. Er hat es meiner Meinung nach sehr gefühlvoll und stets passend vorgetragen.

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Weitere Informationen
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Siehe auch:

Friedrich Dürrenmatt – Die Panne

Beschreibung
Weil sein Auto eine Panne hat, gerät Alfredo Traps in eine Villa, in der vier ältere Herren ein Gerichtsspiel abhalten, das ihnen – ehemaligen Richtern, Staatsanwälten und Verteidigern – zum Zeitvertreib dient. Traps übernimmt die Rolle des Angeklagten, und man versichert ihm, eine Schuld werde sich schon finden lassen.

Zitat: Deutsche Presse Agentur
„Die Panne“ gehört zu Dürrenmatts Meisterwerken. Genial ersonnen und in punktgenauer Sprache aufgeschrieben. Mit Christian Brückner als Sprecher erwachen die skurrilen Persönlichkeiten des Dramas zu unverwechselbarem Leben in dynamischer Spannung.

Sprecher
Christian Brückner

Länge
112 Minuten

Meine Meinung
Ein absoluter Klassiker! Zum Einen ist die Sprache genial, trotz der Kürze hat man direkt eine absolut klare Vorstellung der Personen und zum Anderen hat Christian Brückner dieses Buch grandios gesprochen. Nicht umsonst gehört Dürrenmatt zu meinen absoluten Lieblingen.  Seine Geschichten haben immer eine klare Botschaft, die im Gedächtnis bleibt.

Fazit: stars_5 absolut empfehlenswert

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Siehe auch:

Noah Gordon – Der Medicus

Beschreibung
Die Welt des Mittelalters, der Bader und Gaukler, des Hungers und der Pest, aber auch des fanatischen Glaubens mit seiner Ungerechtigkeit ist der Hintergrund dieses mitreißenden Romans. Vor dieser Folie entwickelt sich ein abenteuerliches Leben: 1021 wird der 9-jährige Rob in London Waise. Sein Schicksal will, dass ihm Henry Croft über den Weg läuft, und dieser Bader ihn als Lehrling mit sich nimmt. Von ihm lernt Rob die einfachsten medizinischen Griffe, aber auch Zirkusstücke wie das Jonglieren. Nach dem Tod des Baders dauert es nicht lange, bis Rob, der sich berufen fühlt, Medizin studieren möchte. Dazu muss er nach Isfahan in Persien. Dort will er bei dem Avicenna genannten berühmtesten aller Ärzte lernen.

Sprecher
Christian Brückner

Länge
600 Minuten

Meine Meinung
Dieses Buch sollte eigentlich Pflichtlektüre für jeden Menschen sein. 😉

Fazit: stars_5 absolut empfehlenswert

Gehört am 19.12.2008

Siehe auch: