Nathaniel Hawthorne – Der scharlachrote Buchstabe

Der scharlachrote BuchstabeBeschreibung
Neu-England, zur Zeit der Puritaner: Hester Prynne, Mutter eines unehelichen Kindes, will den Namen des Vaters nicht verraten. Zur Strafe muss sie den scharlachroten Buchstaben „A“ auf der Brust tragen. Hester bleibt standhaft, nimmt ihre Bestrafung an – und beschämt damit ihre Bestrafer…

Ein meisterhafter Roman um Schuld, Liebe und Vergebung.

Sprecher
Jürgen Fritsche

Länge
9 h

Meine Meinung
Lange habe ich überlegt, was ich zu diesem Hörbuch schreiben könnte. Mir fällt aber nichts ein, was es wirklich treffend beschreiben würde. Nur so viel vielleicht:

Ich fand dieses Hörbuch gnadenlos gut. Es ist nicht heiter, keine leichte Kost. Es ist düster und doch es zeigt auf, wie es einer jungen Frau trotz aller Widrigkeiten gelingt, ihr Ehrgefühl und ihre Würde zu behalten. Großartig!

Jürgen Fritsche hat dieses Hörbuch sehr ruhig gesprochen, was zu dem Text sehr gut passte. Er betonte etwas merkwürdig, was aber doch an die Zeit erinnerte, in der diese Geschichte ihren Lauf nahm. Was mir nicht so gut gefiel war, wie er die Stimme des Kindes umsetzte. Dies war mir dann doch ein bisschen zu boshaft für ein Kind.

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Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Nathaniel Hawthorne – Der scharlachrote Buchstabe

Ian McEwan – Kindeswohl

KindeswohlBeschreibung
Fiona Maye ist eine angesehene Richterin am High Court in London, bekannt für ihre Gewissenhaftigkeit. Mit ihrem Mann Jack, einem Geschichtsprofessor, ist sie seit mehr als dreißig Jahren verheiratet – harmonisch, wenn auch in letzter Zeit vielleicht ein wenig distanziert. So fällt Fiona aus allen Wolken, als er ihr eröffnet, dass er ihren Segen für eine außereheliche Affäre will. Genau in diesem Moment wird ihr ein eiliger Fall vorgelegt: Ein 17-jähriger Junge, der an Leukämie leidet, benötigt dringend eine Bluttransfusion. Aber seine Familie – Zeugen Jehovas – lehnt das aus religiösen Gründen ab. Genauso wie er selbst. Doch ohne Transfusion wird er qualvoll sterben. Fiona bleiben für ihr Urteil weniger als 24 Stunden. Kann sie jetzt, inmitten ihres emotionalen Tumults, ihre kühle Professionalität bewahren?

Sprecher
Eva Mattes

Länge
6 h 16 m

Meine Meinung
Nachdem ich „Psychopolis“ von Ian McEwan vor einiger Zeit gehört hatte und überhaupt nichts damit anfangen konnte, wollte ich eigentlich von Ian McEwan nichts mehr hören. Doch die Beschreibung zu „Kindeswohl“ fand ich dann doch so interessant, dass ich dachte, ich gebe ihm doch noch eine Chance. Welch ein Glück! Denn „Kindeswohl“ ist das genaue Gegenteil von „Psychopolis“ und hat mich sehr begeistert.

Fiona Maye befindet sich in einem Dilemma. Ihr Mann will von ihr quasi eine „Genehmigung zum Ehebruch“ und beruflich muss sie entscheiden, ob einem 17-jährigen Jungen, der Zeuge Jehovas ist, eine Bluttransfusion gegen seinen Willen gelegt wird. In ihrer Haut möchte ich nicht stecken. Sie besucht kurzerhand den Jungen im Krankenhaus und spricht mit ihm, um sich ein besseres Bild von seiner Situation machen zu können. Und sie trifft sowohl beruflich als auch privat ihre Entscheidungen.

Das klingt nun alles sehr kühl, doch das ist dieses Buch überhaupt nicht. Es ist zutiefst menschlich, tiefgründig und anspruchsvoll erzählt und fesselt von Anfang an. Besonders beeindruckt haben mich die detaillierten Beschreibungen zur Entscheidungsfindung.

Ein Hörbuch mit Anspruch, das man nicht einfach so nebenbei hören kann. Sehr gut gesprochen von Eva Mattes.

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Weitere Informationen
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Siehe auch:

 

Louise Doughty – Ein Schritt zu weit

Ein Schritt zu weitBeschreibung
Die angesehene Wissenschaftlerin Yvonne Carmichael führt ein gutes Leben mit ihrem Mann. Ihre Kinder sind groß, sie weiß, was sie kann, sie fühlt sich sicher. Aber eines Tages begegnet sie einem Fremden, der sie unwiderstehlich anzieht, und sie lässt sich mit ihm auf eine leidenschaftliche Affäre ein. Bis ein Verbrechen ihr sorgsam konstruiertes Doppelleben zerstört und sie des Mordes angeklagt wird.
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Sprecher
Gabriele Blum

Länge
12 h 18 m

Meine Meinung
Dieses Hörbuch war für mich eine echte Überraschung. Rein von der Beschreibung her hätte ich es mir wohl eher nicht geholt. Doch ich las eine Rezension bei Amazon, die mich auf das Hörbuch neugierig machte.

Kaum hatte ich es auf dem Player, war ich auch schon gefesselt von der Story. Und zwar dermaßen, dass ich nur noch weiter hören wollte und mir die bevorstehende Nachtruhe absolut störend vorkam. Nun, zum Frühstück ging es also gleich weiter mit dem Hören und ich zog die Ohrstöpsel erst wieder aus den Ohren, als ich das Hörbuch beendet hatte (es war ein Glück ein Sonntag).

Yvonne ist eine selbstbewusste Frau, 52 Jahre, glücklich verheiratet und die Kinder sind auch schon groß. Sie ist Wissenschaftlerin und arbeitet in London. Nicht täglich aber regelmäßig fährt sie aus ihrem Vorort in die Stadt. Eines Tages trifft sie einen Mann, der sie magisch anzieht. Völlig unüberlegt lässt sie sich auf eine Affäre mit ihm ein. Mr. X ist jedoch sehr darauf bedacht, dass niemand etwas von ihrer Affäre herausbekommt. Yvonne findet seine Vorsichtsmaßnahmen ziemlich übertrieben, aber sie lässt sich auch darauf ein. Schließlich arbeitete Mr. X früher als Polizist – er wird schon wissen, auf was man achten sollte. Ihre Treffen sind nie sonderlich lange, aber meist sehr intensiv.

Als sie auf einer Party von einem ihrer Kollegen jedoch vergewaltigt wird, ändert sich schlagartig alles. Yvonne ist ein Nervenbündel, hat Verfolgungsängste und bekommt ihr Leben nicht mehr so locker geregelt, wie sonst. Und dann wird ihr Peiniger tot aufgefunden. Mr. X und Yvonne werden des Mordes angeklagt.

Die Geschichte wird in der Ich-Form erzählt. Sprich alles wird aus ihrer Sichtweise erzählt. Stellenweise, wenn Sie Mr. X z. B. Briefe schreibt, die sie ihm nie schicken wird, wird auch in der Art von „Du“ von Zoran Drvenkar erzählt. Du machst dies, du tatest das etc. Das alleine fand ich schon mal sehr gut – es war mal wieder etwas anderes.

Auch die Sprache an sich fand ich schnörkellos, präzise und immer genau passend. Yvonne redet nicht lange um den heißen Brei herum. Sie sagt genau das, was sie meint. Auch das fand ich klasse.

Von Yvonne bekam ich Stück für Stück ein ganzes klares Bild vor  Augen. Auch ihr Mann Guy war toll beschrieben und die wenigen anderen Mitwirkenden ebenso. Einzig Mr. X blieb einem immer ein kleines Rätsel. Man wusste zwar, wie er aussah, was er sagte, aber er machte ja immer ein großes Geheimnis aus sich und seiner Arbeit. So blieb der wahre Charakter nicht nur Yvonne lange verborgen, auch dem Hörer war Mr. X immer ein kleines Rätsel.

Die Geschichte insgesamt ist – bis auf das letzte Viertel – vielleicht nicht die spannendste. Aber sie fesselte mich trotzdem ungemein und zog mich direkt in ihren Bann. Ich konnte mich ihr wie oben bereits erwähnt nicht entziehen, bis ich das Ende gehört hatte. Und das hörte ich mir dann gleich nochmals an.

Gabriele Blum als Sprecherin fand ich äußerst passend für diese Geschichte. Sie hat den Text in einer Perfektion vorgetragen, die es einem wirklich leicht machte, Stunde um Stunde zu hören.

Insgesamt gesehen war dieses Hörbuch mal wieder ein Psycho-Thriller genau nach meinem Geschmack. Man bekam sehr viel geboten! Zum Einen eine Liebesgeschichte, einen Mordfall, eine Gerichtsverhandlung, verständliche menschliche Verhaltensweisen, die vielleicht nicht ganz so ok im Sinne der Moral sind und insgesamt gesehen einen Thriller, der einen tief in seinen Bann zieht. Was will man mehr?

Dieses Hörbuch kommt auf meine Bestenliste.

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Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Louise Doughty – Ein Schritt zu weit