Nina Sahm – Die Tage mit Bumerang

Beschreibung
Eine Geschichte, die glücklich stimmt und voller liebenswerter Figuren steckt.

Nichts ist mehr wie vorher in dem kleinen Dorf. Seitdem Annu einen tragischen Unfall verursacht hat, schneiden sie die Nachbarn. Sogar ihr bester Freund Lars hat sich von ihr abgewandt. Langsam, aber sicher verzweifelt Annu allein in ihrem windschiefen Haus. Bis eines Tages ein Schaf vor ihrer Tür steht, das sich nicht wegschicken lässt. Der störrische Gast heißt von nun an Bumerang – und holt Annu langsam ins Leben zurück.

Die Zuversicht kommt im Schafspelz: ein hinreißender Roman, der einen direkt in den verwilderten Garten von Annu versetzt, mitten auf das alte Sofa, auf dem es sich auch schon Bumerang bequem gemacht hat.

Sprecher
Jodie Ahlborn

Länge
6 h 56 m

Meine Meinung
Bezaubernd. Ja, ich denke dieses Wort beschreibt diese Geschichte ziemlich treffend. Eine Geschichte wie ein warmer Sommerregen.

Im einen Moment ist Annu glücklich und fühlt sich in dem kleinen Dorf, in dem auch ihr bester Freund mit seiner Familie lebt, pudelwohl. Im nächsten Moment steht Annus Leben Kopf – nichts ist mehr wie zuvor. Denn sie verursacht einen tragischen Autounfall und das auch noch mit Alkohol im Blut.  Das ganze Dorf ist geschockt und meidet jeglichen Kontakt mit ihr. Selbt der Postbote bringt ihr keine Post mehr. Doch Annu ist auch ohne die „Bestrafung“ der Dorfgemeinschaft schon schwer gebeutelt. Wie konnte ihr das nur passieren? Sie zieht sich in ihr windschiefes Haus zurück und verliert immer mehr den Kontakt zur Außenwelt.

Bis eines Tages ein Schaf in ihrem Garten steht und fortan nicht mehr von ihrer Seite weicht. Den Namen Bumerang finde ich sehr passend gewählt für das treue Schaf. Dann strandet eine Frau mit ihrem kleinen Sohn bei ihr und plötzlich hat sie auch noch einen Hund. Getreu dem Motto: Wenn du nicht mehr in die Welt hinaus gehst, dann kommt die Welt eben zu dir.

Ich fand diese Geschichte einfach wunderschön. Zum Einen sind die agierenden Personen allesamt sehr eigen. Keine 08/15-Stereotypen. Nein, alle sind sie besonders. Und fast alle sind sie auf Ihre Weise sehr liebenswert gezeichnet. Ich habe Annu und ihren Jugendfreund sehr schnell ins Herz geschlossen und durchlebte die Geschichte mit ihnen zusammen. Die guten und die schlechten Zeiten.

Jodie Ahlborn als Sprecherin hat mir auch sehr gut gefallen. Sie passte sehr gut zur Protagonistin Annu.

Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Nina Sahm – Die Tage mit Bumerang

Delia Owens – Der Gesang der Flusskrebse

Beschreibung
Die Geschichte einer eigenwilligen Außenseiterin – einfühlsam und packend gelesen von Luise Helm.

In den 1960er-Jahren schwirren viele Gerüchte über Kya Clark durch die ruhige Küstenstadt Barkley Cove. Isoliert lebt sie im Marschland mit seinen Salzwiesen, Sandbänken, Buchten. Sie kennt jeden Stein und Seevogel, jede Muschel und Pflanze. Zwei junge Männer werden auf die wilde Schöne aufmerksam, und Kya öffnet sich einem neuen Leben – mit dramatischen Folgen. Als einer der beiden tot aufgefunden wird, sind sich die Bewohner sicher: Das „Marschmädchen“ ist schuld. Delia Owens erzählt intensiv und atmosphärisch davon, dass wir für immer die Kinder bleiben, die wir einmal waren. Und den Geheimnissen und der Gewalt der Natur nichts entgegensetzen können.

Sprecher
Luise Helm

Länge
13 h 04 m

Meine Meinung
Wenn ich ein Hörbuch direkt nach dem Beenden des letzten Satzes gleich nochmals von vorne starte, dann hat es mich entweder völlig verwirrt oder aber es hat mir so gut gefallen, dass ich es direkt nochmals hören möchte. Den Gesang der Flusskrebse fand ich derart beeindruckend, dass eindeutig letzteres zutraf.

Diese Geschichte ist in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich. Es spielt in einer nicht gerade gängigen Gegend, sprich das Setting – nämlich im Marschland – ist für sich genommen schon äußerst interessant und nicht gerade Standard in Romanen.

Die Protagonistin ist ebenso wild und eigenwillig wie die Gegend. Ihr Schicksal wird hier sehr ausführlich, sehr gefühlvoll und äußerst glaubwürdig geschildert. Ganz selten kommt man in den Genuss, Gefühle so echt und so schonungslos erzählt zu bekommen, wie in dieser Geschichte. Ich fühlte förmlich die gnadenlose Einsamkeit und ihre Andersartigkeit, die Kya in ihrem jungen Leben und auch später durchleben musste.

Sehr fasziniert haben mich auch die detaillierten Naturbeschreibungen. Die Autorin hat hier wirklich sehr gut recherchiert und all ihr Wissen in eine kurzweilige, sehr spannende und insgesamt äußerst interessante Geschichte gepackt. Ich will hier gar nicht viel über die Story an sich erzählen.  Aber eins will ich ganz bestimmt: Eine klare Hörempfehlung aussprechen!

Luise Helm hat dieses Meisterwerk an Erzählkunst ganz hervorragend vertont. Sie war die perfekte Stimme für dieses Buch. Sie hat sogar gesungen. Und das ganz wunderbar.

Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Delia Owens – Der Gesang der Flusskrebse

Willi Achten – Nichts bleibt

Beschreibung
Franz Mathys ist Kriegsfotograf. Eines seiner Fotos wurde mit dem World Press Photo Award ausgezeichnet. Doch er hat tiefe Zweifel und Schuldgefühle, denn er profitiert von dem Leid anderer. Mathys spürt, dass sein Leben ihm mehr und mehr entgleitet. Er zieht sich auf einen abgeschiedenen Hof im Wald zurück. Lebt dort mit seinem Vater und seinem Sohn, kommt zur Ruhe und verliebt sich. Doch die Idylle trügt.

Eines Nachts schlagen zwei Männer seinen Vater brutal nieder und er muss schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht werden. Mathys will die Täter finden. Der immer stärker werdende Wunsch nach Rache und die Suche nach den Männern entfremden ihn von den Menschen, die er liebt. Wird er nun alles verlieren? In einem zerklüfteten Tal in den Alpen trifft er eine einsame Entscheidung, die sein Leben kosten kann. Willi Achten lotet die Abgründe der menschlichen Psyche aus.

Sprecher
Atilla Akinci

Länge
9 h 35 m

Meine Meinung
Dieses Hörbuch habe ich gleich zweimal hintereinander gehört. Und doch fällt es mir verdammt schwer, hierzu eine Rezension zu verfassen. Denn es hat mich mehr oder weniger sprachlos zurückgelassen.

„Nichts bleibt“ ist ein Hörbuch, das einen mit seinem eiskalten Händchen packt und in die Eiseskälte eines zugefrorenen Sees zieht. Warm wird es einem nicht mehr, wenn man mit diesem Hörbuch begonnen hat. Und doch spürt man unterschwellig die Herzenswärme des Protagonisten, die eigentlich in ihm strahlt. Doch all seine Erlebnisse lassen sein Herz zunehmend erkalten.

Ich habe lange versucht, mich in den Protagonisten hineinzuversetzen. Doch dies war für mich ein unmögliches Unterfangen, denn ich habe ein Glück nicht erlebt, was er alles erlebt hat.

In Rückblicken wird man immer wieder mitten in die schrecklichsten Kriegsverbrechen geschickt, die der Protagonist in diesem Moment mit dem Hörer teilt. Und das natürlich immer hautnah. Denn „ist es kein gutes Foto, warst du nicht nah genug dran“. Er war ein erfolgreicher Kriegsfotograf.

Doch nicht nur seine Erlebnisse in den verschiedenen Kriegsgebieten sind hier das Schlimme. Auch sein jetziges Leben ist ein wahres Drama, das zunehmend immer schlimmer wird. Wie er damit umgeht, ist – denke ich – menschlich nachvollziehbar, wenn auch nicht unbedingt der beste Lösungsweg. Doch das kann man als Außenstehender leicht sagen. Da kann man leicht richten über richtig oder falsch. Ich sage nur: Walking in my shoes… Da sieht die Welt dann plötzlich ganz anders aus.

Also wenn ich ja mittlerweile nicht wirklich hätte einsehen müssen, dass die Menschen einfach unendlich grausam sein können, würde ich sagen: Völlig übertrieben. Doch halt! Ich glaube nicht, dass hier viel erfunden wurde. Denn die Taten, ob im Krieg oder in seinem eigentlich beschaulichen Wald und sonstigen Umfeld, sind einfach zu schlimm, um sie sich auszudenken. Das Leben/der Mensch kann viel grausamer sein, als jede Fantasie eines Autors.

So, das klingt nun alles ganz furchtbar und abschreckend. Und ganz sicher ist das auch keine Lektüre für einen begeisterten „Liebesroman-Hörer“. Aber trotzdem möchte ich es allen Hörern, die gerne tiefgründigere Literatur hören, absolut empfehlen. Denn trotz aller Düsternis ging es mir doch sehr zu Herzen, ist der Protagonist doch eigentlich ein liebenswerter Mensch, den das Leben einfach verdammt schwer gebeutelt hat.

Atilla Akinci hat dieses Hörbuch grandios gelesen! Ok, mir es war einen Ticken zu langsam, aber mit einer Geschwindigkeit von 1,25 war es perfekt für mich. Und seine grandiosen Pausen kamen immer noch punktgenau an den richtigen Stellen. Eigentlich ist es wirklich schwer, seine Art des Vortrags zu beschreiben. Auch das war einzigartig gut und passend für diese Geschichte.

Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Willi Achten – Nichts bleibt

A. J. Finn – The woman in the window: Was hat sie wirklich gesehen

Beschreibung
Anna Fox lebt allein. Ihr schönes großes Haus in New York wirkt leer. Trotzdem verlässt sie nach einem traumatischen Erlebnis ihre Wohnung nicht mehr. Anna verbringt ihre Tage damit, mit Fremden online zu chatten, zu viel zu trinken – und ihre Nachbarn durchs Fenster zu beobachten. Bis eines Tages die Russels ins Haus gegenüber einziehen – Vater, Mutter und Sohn. Bei dem Anblick vermisst Anna mehr denn je ihr früheres Leben, vor allem, als die neue Nachbarin sie besucht.

Kurze Zeit später wird sie Zeugin eines brutalen Überfalls. Sie will helfen. Doch sie traut sich nach wie vor nicht, das Haus zu verlassen. Die Panik holt sie ein. Ihr wird schwarz vor Augen. Als sie aus ihrer Ohnmacht erwacht, will ihr niemand glauben. Angeblich ist nichts passiert…

Meisterhaft und nuanciert gelesen von Nina Kunzendorf.

Diese ungekürzte Hörbuch-Fassung wird exklusiv von Audible präsentiert und ist ausschließlich im Download erhältlich.

Sprecher
Nina Kunzendorf

Länge
10 h 48

Meine Meinung
Anna ist eine Person, die ihr Haus nicht verlassen kann. Nach einem traumatischen Erlebnis traut sie sich keinen Schritt mehr vor die Tür. Und wenn sie es doch versucht, dann endet es meist fatal. Deshalb bleibt sie lieber drinnen, beobachtet ihre Nachbarn, chattet im Internet, betätigt sich als Online-Psychologin. Denn nicht wenig andere leiden unter eben der gleichen Angststörung. Gegenseitig stützen sie sich in ihrer Einsamkeit der eigenen vier Wände. Ab und an bekommt sie Besuch. Da ist ihre Physiotherapeutin, ihr Therapeut und seit neuestem auch die neuen Nachbarn. Zuerst kommt der Sohn mit einem Einzugsgeschenk, dann die Mutter. Anna ist hocherfreut, diese Bekanntschaften gemacht zu haben, findet sie doch beide sehr nett. Doch dann passiert ein Drama im Nachbarhaus, Anna hat es beobachtet, doch niemand glaubt ihr. Denn sie trinkt auch ziemlich viel, nimmt viele Psychopharmaka – das hat sie sich wohl alles nur in ihrem Wahn zusammengesponnen, so die landläufige Meinung der Polizei.

Bis hierin tröpfelt die Geschichte recht lahm vor sich hin. Doch dann nimmt sie Fahrt auf und wird richtig spannend. Das heißt, es lohnt sich, die lange recht zähe Masse zu durchwaten. Denn am Ende wird man mit Spannung und einer überraschenden Wende belohnt.

Da es allerdings wirklich lange gedauert hat, bis ich richtig Gefallen an diesem Hörbuch gefunden habe, muss ich leider einen Punkt abziehen. Wer geduldig ist und sich nicht von einer langen Durststrecke abschrecken lässt, dem wird diese Geschichte vermutlich auch gefallen. Denn andererseits ist es auch durchaus mal etwas anderes, dieser einsamen Person zu lauschen, wie sie ihren Tag gestaltet, ganz ohne nach draußen zu gehen. Es hat was. Doch das ist sicherlich nicht jedermanns Ding.

Nina Kunzendorf als Sprecherin hat eine sehr eigene Art, die Sätze und Wörter zu betonen. Das ist sicherlich Geschmackssache. Mir hat es sehr gut gefallen und ich fand, das passte sehr gut zu der beschriebenen Einsamkeit der Protagonistin.

Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: A. J. Finn – The Woman in the window: Was hat sie wirklich gesehen

Leila Slimani – Dann schlaf auch du

Beschreibung
Das Baby ist tot. Die Mörderin ist die Kinderfrau. Eine Perle.

Myriam, Rechtsanwältin und Mutter zweier kleiner Kinder, beschließt, wieder arbeiten zu gehen. Gemeinsam mit ihrem Mann sucht sie nach der perfekten Kinderfrau. Nach langer Suche entscheiden sie sich für Louise, eine zierliche Frau Anfang fünfzig, deren Tochter bereits erwachsen und deren Mann verstorben ist. Louise erobert auf Anhieb die Herzen der Kinder und macht sich schnell unentbehrlich: Sie ist Köchin, Haushaltshilfe, guter Geist. Was sie verheimlicht: ihre Einsamkeit, ihre Geldnot, ihre Verzweiflung. Die gegenseitige Abhängigkeit wird immer größer, bis irgendwann eine Tragödie über die Familie hereinbricht.

Sprecher
Constanze Becker

Länge
5 h 25 m

Meine Meinung
Eigentlich könnte man denken, dass es eine echte Win-Win-Situation ist. Louise, Anfang fünfzig, Witwe, die Tochter erwachsen und aus dem Haus. Myriam mit zwei Kindern und einem Mann möchte unbedingt ihren Beruf als Rechtsanwältin wieder aufnehmen. Besser könnte es nicht passen. Die Kinder lieben Louise und bald liebt auch Myriam sie, da sie nicht nur eine wunderbare Nounou, sondern auch eine perfekte Haushaltshilfe und Köchin ist. Eine echte Perle hat. Die Familie schätzt sich glücklich, solch eine perfekte Wahl getroffen zu haben. Schnell werden sie um Louise beneidet.

Zunehmend gerät die Situation jedoch in eine echte gegenseitige Abhängigkeit. Louise kann und will nicht mehr ohne die Familie und die Familie kann sich ein Leben ohne Louise auch nicht mehr vorstellen. Sie gehört nach und nach einfach dazu.

Niemand ahnt – oder kümmert sich darum – wie es um Louises Gemütszustand wirklich steht. Selbst bei ersten Anzeichen ihrer Hilflosigkeit bekommt sie nur eine Rüge, jedoch keine wirklich ernstgemeinte Hilfe. Plötzlich ist sie dann doch wieder „nur“ die Angestellte, die zu funktionieren hat.

Den Plotaufbau fand ich sehr genial gemacht! Wenn man von den ersten Sätzen absieht, so ist dies eine alltägliche, völlig normale Situation. Eine Familie wird gegründet, irgendwann will auch die Frau wieder arbeiten gehen, doch wohin mit den Kindern. Eine Kinderfrau scheint in Frankreich durchaus eine gängige Lösung zu sein. Wenn man dann noch solch einen Glücksgriff macht und eine ältere alleinstehende Frau findet, die die Kinder sofort in ihr Herz schließen, könnte das Problem nicht besser gelöst sein. Alles ist harmonisch, fast wie im Märchen. Ja, und da sollte man dann anfangen zu zweifeln. Denn die Situation ist einfach zu schön, um wahr zu sein. Wie sich am Ende auch bewahrheitet.

Fünfeinhalb Stunden Spielzeit, da könnte man verleitet werden zu denken, dass man diese Story kurz mal zwischendurch hören kann. Kann man sicherlich! Doch es erwartet einen eine wirklich hochdramatische Geschichte, die nicht gerade leicht zu verdauen ist. Darauf sollte man sich einstellen. Mir hat das sehr gut gefallen. Ich konnte jedenfalls die Story kaum unterbrechen, so spannend fand ich sie.

Constanze Becker als Sprecherin kannte ich bisher noch nicht. Ihre Stimme hat mir sehr gut gefallen. Eine gute Wahl für dieses Hörbuch.

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Nina George – Das Traumbuch

Das TraumbuchBeschreibung
Das Leben besteht aus der Summe stündlicher Entscheidungen. Doch welche sind richtig? Welche führen zu Glück, Liebe, Freundschaft – welche zu Verzweiflung und Einsamkeit?
Mit dieser existenziellen Frage ringen die Verlegerin Eddie, der Kriegsreporter Henri und der hochsensible Teenager Sam, als Henri nach einem Unfall ins Koma fällt.

„Verdammt, Henri, was hast du dir dabei gedacht? Du hast mich benutzt, du hast mich zurückgewiesen. Und jetzt liegst du da, im Koma, und ich soll über dein Leben entscheiden? Und wer ist das? Wieso weiß ich nicht, dass du einen dreizehnjährigen, hochbegabten Sohn hast? Ich hätte so gerne mit dir einen Sohn gehabt. Was für Leben hast du noch gelebt, von denen ich nichts weiß?“

Sprecher
Richard Barenberg, Cathlen Gawlich, Jacob Weigert

Länge
9 h 50 m

Meine Meinung
Auf das neueste Hörbuch von Nina George habe ich mich sehr gefreut. Es ist auch wieder wirklich sehr gut geschrieben.

Hier geht es um Leben und Tod. Henri liegt im Koma. Er hatte einen Unfall, als er auf dem Weg war, seinen 13-jährigen Sohn zum ersten Mal zu besuchen. Dieser Sohn – Sam genannt, der übrigens hochbegabt und supersensibel ist – bangt nun am Bett seines Vaters um dessen Leben.  Und dann ist da noch seine Ex-Geliebte Eddie, die er ohne ihr Wissen in seine Patientenverfügung eingetragen hat. Es trifft sie aus heiterem Himmel, hatte Henri sie doch auf recht unschöne Art verlassen. Und nun soll sie über sein Leben oder Sterben entscheiden.

Im Krankenhaus trifft Sam auch auf ein junges Mädchen, das ebenfalls im Koma liegt. Fortan besucht er nicht nur seinen Vater, sondern auch das Mädchen, das keine Familie mehr hat und somit nie Besuch bekommt.

Erzählt wird diese Geschichte aus 3 Perspektiven. Von Sam, von Eddie und von Henri. Wie Nina George das gemacht hat, fand ich sehr genial und am Ende hochdramatisch.

Es ist ein Buch, um sich die Augen auszuweinen. Denn es steckt in jedem der Sätze so viel Hoffnung und doch auch wieder so viel Verzweiflung. Für meinen Geschmack schon grenzwertig viel des Guten.

Aber sie übertrat die Grenze zur Schnulze nie, was ich wiederum sehr gut fand. Denn bei diesem Thema war das eine Gratwanderung sondergleichen.

Die ausgewählten Sprecher passten allesamt perfekt zu ihrer jeweiligen Rolle. Vor allem brachten die verschiedenen Stimmen und die verschiedenen Perspektiven sehr viel Abwechslung in die Geschichte, so dass sie keine Minute langweilig wurde.

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Siehe auch:

Nina George – Das Lavendelzimmer

Das LavendelzimmerBeschreibung
Er weiß genau, welches Buch welche Krankheit der Seele lindert: Auf seinem Bücherschiff, der „literarischen Apotheke“, verkauft der Pariser Buchhändler Jean Perdu Romane wie Medizin fürs Leben. Nur sich selbst weiß er nicht zu heilen, seit jener Nacht vor 21 Jahren, als die schöne Provenzalin Manon ging, während er schlief. Sie ließ nichts zurück außer einem Brief – den Perdu nie zu lesen wagte. Bis zu diesem Sommer. Dem Sommer, der alles verändert und Monsieur Perdu aus der kleinen Rue Montagnard auf eine Reise in die Erinnerung führt, in das Herz der Provence und zurück ins Leben.

Sprecher
Nina George, Richard Barenberg

Länge
9 h 40 m

Meine Meinung
Dies ist das zweite Buch, das ich von Nina George gehört habe. Ok, es hat es nicht ganz auf meine Bestenliste geschafft, wie „Die Mondspielerin„, aber es erhält die Höchstpunktzahl. Denn auch dieses Buch verzaubert. Nicht zuletzt durch die Liebe zu den Büchern.

Jean Perdu ist ein einsamer Mensch. Er hat ein Schiff. Ein Bücherschiff. In diesem Bücherschiff verkauft er Literatur. Er nennt sein Schiff „Die literarische Apotheke“, denn er verkauft die Bücher als Medizin. Er hat ein sehr gutes Gespür, welches Buch für welchen Menschen, in welcher Lebenssituation genau das richtige ist, um ihn von seinem Seelenleid zu heilen. Wie er das spürt, ist ihm selbst ein Rätsel, aber er hat guten Erfolg damit und die Leser sind im dankbar. Nur, für sein eigenes Seelenleid hat er noch nicht das richtige Buch gefunden. Er lebt einsam und zurückgezogen in seiner Wohnung in einem Mietshaus, hat nur das Minimum an Möbeln. Er besitzt 3 Sätze identischer Kleidung, einzig Bücher stapeln sich überall in seiner Wohnung.

Als dann in der Wohnung gegenüber Catherine einzieht, die nichts außer einen Kleiderkoffer hat, da sie von ihrem Mann nach zig Jahren Ehe einfach vor die Tür gesetzt wurde, bittet die Concierge die Bewohner, ihr doch etwas zu spenden. Jean soll einen Tisch spenden. Ok, denkt er. Ich habe noch einen Tisch. Doch dieser Tisch steht in einem Zimmer in seiner Wohnung, das er seit 21 Jahren nicht mehr betreten hat. Er überlegt kurz, ob er Catherine nicht besser einfach einen Tisch kauft, anstatt dieses Zimmer zu betreten. Doch letztendlich öffnet er den Raum doch, holt den kleinen weißen Tisch heraus und schenkt ihn Catherine. Bzw. stellt ihn vor ihre Türe. Denn sie öffnet ihm nicht. Sie unterhalten sich kurz durch die Tür und Jean ist sofort klar: Diese Frau braucht Bücher zum Weinen. Sie muss noch ganz viel weinen, bevor es ihr wieder besser gehen kann. Er stellt also einen ganzen Stapel als Medizin für Catherine zusammen. Catherine gibt ihm bei dieser Gelegenheit einen ungeöffneten Brief, den sie in der Schublade des weißen Tisches gefunden hat. Jean flippt schier aus. Er will diesen Brief nicht lesen. Sie könne damit machen, was sie wolle, er will ihn jedenfalls nicht. Catherine „zwingt“ ihn auf ihre Art, ihn doch zu lesen und sie verabreden sich zum Essen. Doch er muss bitte seinen eigenen Teller mitbringen, sie hat nur einen. Dabei kommen sich die beiden näher.

Als Jean dann den Brief öffnet, ist er der Verzweiflung nahe. Manon, seine große Liebe, die ihn vor 21 Jahren in einer Nacht-und-Nebel-Aktion einfach wortlos in der Nacht verlassen hat, gesteht ihm, warum sie gegangen ist. Nämlich dass sie todkrank ist und nicht wollte, dass er ihr Leiden mit ansehen muss. Doch jetzt, da sie ohne ihn ist, wisse sie, dass dies keine gute Entscheidung war, sie bittet ihn, doch zu ihr zu kommen.

Jean ist wütend auf sich selbst. Vor lauter Selbstmitleid und Wut und Eitelkeit hat er ihren Brief nie gelesen. Und nun ist sie seit 21 Jahren tot und er hat sie im Stich gelassen. Völlig außer sich, macht er das Bücherschiff fahrbereit und macht sich auf eine Reise zu sich selbst. Mit an Bord ist der junge Schriftsteller Max, der nach einem Sensationsstart mit dem Buch „Die Nacht“, auf der Flucht vor sich, seiner eigenen Courage und seiner Schreibblockade ist.

Diese Reise ist so skurril, so wunderbar, so außergewöhnlich, es ist ein wahrer Genuss, den Geschehnissen zu lauschen. Auf ihrer Reise begegnen sie allerhand völlig verschiedener Menschen, alle sind irgendwie auf der Suche, und natürlich hat diese Suche immer mit der Suche nach sich selbst und der Suche nach dem großen Glück, der Liebe zu tun. Einfach eine wundervolle Reisebeschreibung.

Unterbrochen werden Jeans Erlebnisse durch Reiseberichte, die Manon damals geschrieben hatte, als sie mit Jean zusammen war. So erfährt man Stück für Stück immer mehr über die wirklich wertvolle Liebe, die die beiden verbunden hatte.

Besonders gut haben mir in diesem Buch die vielen Wortkreationen gefunden. Jean war dabei ein Lexikon der Gefühle zu schreiben. Viele, sehr viele wunderschöne neue  Wörter kamen hier zu Tage, die man zwar so noch nicht kennt, die aber treffender nicht sein könnten.

Wie die Geschichte ausgeht, das muss jeder selbst hören. Doch eins kann ich verraten: Es werden äußerst unterhaltsame knappe 10 Stunden, die man so schnell nicht mehr vergessen wird.

Richard Barenberg passte zu Jean Perdu ganz wunderbar. Und Nina George, die Manons Part las, fand ich auch ganz toll.

Ich bin also rundum glücklich mit diesem Buch und habe eine neue Lieblingsschriftstellerin gefunden.

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Weitere Informationen
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Siehe auch:

Thomas Raab – Still: Chronik eines Mörders

Still - Chronik eines Mörders_Beschreibung
Jettenbrunn, ein kleines Dorf am Fuße eines Kalvarienberges. In dieses Elysium wird ein bedauerliches und zugleich grausames Wesen geboren: Karl Heidemann, ein Junge, geschlagen mit dem Makel des wohl sensibelsten Gehörs, das es je gab. Jedes Geräusch, jeder Flügelschlag eines Schmetterlings wird ihm zur unerträglichen Qual. Also schreit er. Seine zudringliche Mutter hört es, aber versteht es nicht. Keiner versteht es. Einzig der schalldichte Keller scheint ihm Ruhe zu bringen. So wächst er heran, isoliert, schweigsam. Bis zu jenem unheilvollen Nachmittag an den Ufern des Dorfweihers…

Sprecher
Frank Arnold

Länge
9 h 03 m

Meine Meinung
Dieser Krimi ist einer der besonderen Art. Denn er ist alles andere, als ein klassischer Krimi.

Wie oben bereits beschrieben, verfügt Karl Heidemann über ein äußerst sensibles Gehör, welches für ihn mehr ein Fluch denn eine Gabe ist. Denn er hört alles derart intensiv und laut, dass die Welt um ihn herum schier unerträglich ist. Recht bald wenden sich die Erwachsenen von ihm ab, hält er doch das ganze Dorf auf Trab mit seinem nicht enden wollenden Geschrei. Doch wie sollte sich ein Baby sonst zur Wehr setzen. So wächst er isoliert im Keller des Elternhauses auf. Als Jugendlicher verlässt er das Elternhaus und fortan geschehen Morde… Viele Morde. Doch eigentlich sind nicht die Morde der Mittelpunkt der Story, diese passieren quasi so nebenbei, als vielmehr die Psyche des Karl Heidemann.

Dieser Krimi ist nicht blutrünstig, auch wenn man das bei solch einer Anzahl von Toten vermuten könnte. Vielmehr ist er ein feingezeichnetes „Profil“ eines Menschen, der aufgrund seiner besonderen Gabe nicht in diese Welt passt und sich darin auch nicht wohl fühlen kann.

Am Ende lässt einen dieser Krimi sprachlos, entsetzt und mit offenem Mund zurück. Und nichtsdestotrotz hat mir dieser Krimi äußerst gut gefallen. Eben durch seine Feinfühligkeit und das besondere Wesen des Protagonisten hebt sich dieser Krimi vom klassischen Krimi deutlich ab. Toll.

Diese Story in Verbindung mit der hervorragenden Leistung von Frank Arnold kann nur die beste Bewertung erhalten. Ich war sehr beeindruckt.

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Andreas Winkelmann – Die Zucht

Die ZuchtBeschreibung
Nur fünf Minuten hat Helga Schwabe ihren Sohn aus den Augen gelassen. Und in diesem Moment ist er verschwunden. Als fielen Hauptkommissar Henry Conroy die Ermittlungen in diesem Fall von mutmaßlicher Kindesentführung nicht schon schwer genug, muss er sich auch noch mit einer neuen Kollegin herumschlagen. Vorlaut, frech und selbstbewusst – das ist Manuela Sperling. Aber sie hat einen guten Riecher.

Bald stoßen die beiden auf eine Spur, die zu einem alten Gehöft im Niemandsland an der Grenze zu Tschechien führt, auf dem illegal Hunde gezüchtet werden. Hunde, die Fleisch brauchen, viel Fleisch. Und ihr Züchter besorgt es ihnen, koste es, was es wolle.

Diese ungekürzte Hörbuch-Fassung wird exklusiv von Audible präsentiert und ist ausschließlich im Download erhältlich.

Sprecher
Simon Jäger

Länge
12 h 37 m

Meine Meinung
Anderas Winkelmann gehört für mich zu den besten deutschen Thrillerautoren. Klar, dass ich mir auch „Die Zucht“ anhören wollte.

Vorweg: Für dieses Hörbuch sollte man nicht allzu zimperlich sein, denn es ist ziemlich brutal. Aber davon einmal abgesehen ist es auch eine verzwickte, äußerst spannende und sehr kurzweilige Geschichte. Nicht selten saß ich schlotternd da und lauschte den Ereignissen.

Die Umsetzung des Themas Tierschutz hat mir gut gefallen, die Ausarbeitung des Sub-Bereichs illegaler Welpenhandel war mir ein wenig zu oberflächlich. Und ich habe etwas gelernt. Es gibt eine Hunderasse namens Samojede. Ich gestehe, ich musste erst einmal googlen, um zu wissen, wie sie aussehen. Und da muss ich sagen, hätte ich mir von der Story her ganz andere Hunde vorgestellt. In meiner Vorstellung (bis zur Google-Suche) hatte ich eher in etwa eine Rasse wie Bullterrier oder Dobermänner vor Augen. So kann man sich täuschen.

Die beiden Kommissare Henry Conroy und Manuela Sperling fand ich ein herrlich erquickendes Duo. Ich konnte mir die beiden so richtig gut bildlich vorstellen.

Simon Jäger hat natürlich wieder genial gesprochen. Simon Jäger und ein guter Thriller – und der Abend ist gerettet.

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Siehe auch: 

 

 

Pierre Lemaitre – Wir sehen uns dort oben

Wir sehen uns dort obenBeschreibung
Der Erste Weltkrieg ist zu Ende. Dem Tod nur knapp entkommen, können die Soldaten Albert und Édouard endlich nach Frankreich zurückkehren. Doch was erwartet sie? Ein Land, das seine toten Helden feiert, die Überlebenden jedoch übersieht. Mittellos beschließen die beiden, ihr Glück selbst in die Hand zunehmen und verkaufen im großen Stil Kriegsdenkmäler, die nie gebaut werden. Das Geschäft floriert, bis eines Tages ihr ehemaliger Leutnant und Widersacher Pradelle auftaucht und droht, sie auffliegen zu lassen.

Spannend und sprachlich fulminant erzählt Pierre Lemaitre von einer außergewöhnlichen Freundschaft, die an der Kälte der Nachkriegszeit zu zerbrechen droht.

Sprecher
Markus Hoffmann

Länge
17 h 08 m

Meine Meinung
Ich bin begeistert! 2 Monate schlich ich um dieses Buch herum, bevor ich es mir vor 3 Tagen spät abends endlich holte. Was soll ich sagen: Das war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte. Denn meine Erwartungen wurden weit übertroffen.

Das Buch beginnt mit einer sehr ausführlichen Szene im Schützengraben kurz vor Ende des 1. Weltkrieges. Sofort war ich von der Geschichte derart gefesselt, dass der Abend sehr lang wurde. Hier lernte man auch schon die 2 Protagonisten und den Antagonisten kennen. Albert, der verschüttet wurde und zu ersticken drohte, Édouard, der Albert wieder ausgräbt und ihn somit rettet, dabei allerdings von einer Granate am Kopf getroffen wird, die ihm das halbe Gesicht wegreißt und natürlich Leutnant Pradelle, der Albert erst in diese aussichtslose Lage gebracht hatte.

Kurz danach ist der Krieg zu Ende und Albert und Édouard befinden sich im Lazarett. Albert, den es nicht so schlimm erwischt hat wie Édouard, kümmert sich rührend um seinen Retter und tut alles, damit dieser bald in ein Krankenhaus eingeliefert wird. Denn seine Verletzungen sind grausam. Doch er will auf keinen Fall zurück zu seinem Vater! Warum, darüber kann Albert nur spekulieren, denn sprechen kann Édouard ohne Unterkiefer ja nicht mehr. Also tauscht Albert in einer gefährlichen Situation die Papiere aus und verschafft Édouard somit eine neue Identität.

Édouard hat seinen Lebensmut verloren. Er lehnt alles ab, was die Ärzte unternehmen wollen, damit es ihm besser geht und damit er wieder einigermaßen normal aussieht. Er weigert sich kategorisch gegen eine Prothese. Aus dem Krankenhaus entlassen, ziehen Albert und Édouard in Paris zusammen. Doch es fehlt ihnen an allem. Denn der Staat hat wenig übrig für die Überlebenden, die kein Leben mehr vor sich haben. Vielmehr werden die Gefallenen als Helden gefeiert, doch die Lebenden werden vergessen.

Albert verdient ein wenig als Plakatläufer, was natürlich nicht viel Geld einbringt. Doch irgendwie muss er ja ihren Unterhalt verdienen. Erschwerend kommt hinzu, dass Édouard mittlerweile vom Morphium abhängig ist und dieses auch irgendwie beschafft werden muss. Albert war früher Buchhalter in einer Bank, doch diesen Job bekommt er natürlich nicht wieder. Édouard scheint Künstler gewesen zu sein, jedenfalls kann er grandios zeichnen. Damit verdient man nur nichts. Die Tochter der Vermieterin, ein 10-jähriges Mädchen, besucht die beiden nach anfänglichem Schock täglich. Und bald basteln die beiden, also Louise und Édouard, Masken für letzteren, die Albert jeden Abend, wenn er nach Hause kommt, aufs Neue verblüffen.

Währenddessen verdingt sich Leutnant Pradelle damit, die wahrlos verbuddelten Gefallenen in Särge packen und auf richtige Kriegsfriedhöfe bringen zu lassen. Da er aber nicht bereit ist, genug Geld für die Särge auszugeben, kauft er zu kleine Särge – sind ja billiger. Wenn ein Toter nicht hineinpasst, nun, dann wird er kurzerhand passend gemacht. Ob Pradelle mit diesem Schwindel durchkommt, will ich hier nicht verraten.

Auch werde ich nicht verraten, ob Albert und Édouard mit ihrere Geschäftsidee, Kriegsdenkmäler zu verkaufen, die sie aber letztendlich nie bauen, Erfolg haben werden. Das alles solltest du selbst herausfinden.

Dieses Buch hat mich von der ersten bis zur letzten Minute fasziniert. Ich habe selten ein Buch gehört, dass mich derart in seinen Bann gezogen hat. Die Sprache, der ganze Stil des Buches ist derart grandios, dass man gar nicht anders kann, als immer weiter zu hören. Und je weiter man in der Geschichte vorankommt, um so spannender wird dieser äußerst vielschichtige Roman. Hier ist alles auf eine begeisternde Weise miteinander verwoben. Nichts ist aus der Luft gegriffen, alles passt ganz einfach.

Albert, der ein herzensguter, ängstlicher und zutiefst ehrlicher Mensch ist, kommt hier oft an seine Grenzen, die er auch öfter als ihm lieb ist, überschreiten muss. Édouard ist ein Paradiesvogel wie er im Buche steht. Er ist ein begnadeter Maler. Doch da er viel zu viele weibliche Züge an sich hat, wurde er in seiner Kindheit von seinem reichen Vater nur missachtet, ja gar nicht richtig wahrgenommen. Mit seiner Geschäftsidee blüht er endlich auf und hat Spaß am Leben.

Pradelle ist ein Schuft, der seines Gleichen sucht. Egoistisch und Machtbesessen trampelt er auf allem und jedem herum und verschont dabei auch die Toten nicht.

Somit ist dieses Hörbuch wirklich mit allem ausgestattet: Krieg und Frieden, Liebe und Hass, Angst und Wagemut, Reichtum und Armut – alles Gegensätze, die sehr gut gezeichnet sind, ohne dass sie sich in schwarz und weiß einstufen lassen.

Aufgrund der positiven Bewertungen hatte ich recht hohe Erwartungen an dieses Hörbuch. Doch diese wurden weit übertroffen. Kein Wunder also, dass dieses Buch auf meine Bestenliste kommt.

Markus Hoffmann als Sprecher passt auch sehr gut dieser umfangreichen und äußerst spannenden Geschichte. 17 Stunden die im Flug vergingen und nach denen ich traurig war, dass die Geschichte doch leider schon vorbei ist. Aber auch das Ende war perfekt. Alles wurde sauber zum Abschluss gebracht. So liebe ich das.

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Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Pierre Lemaitre – Wir sehen uns dort oben

Siehe auch: