Christoph Keese – Silicon Germany

Wie wir die digitale Transformation schaffen

Beschreibung
„Silicon Germany. Wie wir die digitale Transformation schaffen“ ist keine Schmeichelei, sondern ein Aufschrei. Deutschland ist weder Silicon Valley noch immerwährendes Hightech-Paradies. Autor Christoph Keese kehrt erst einmal kurz zusammen, was die Wirtschaftskapitäne der deutschen Schlüsselindustrien bisher erreicht haben.

Der Haufen des Versäumten ist im direkten Vergleich dazu allerdings deutlich größer. Das vorläufige Zwischenergebnis erzeugt leichten Grusel. Germany leuchtet im internationalen Vergleich vor allem als digitales Irrlicht. Aber es besteht noch berechtigte Hoffnung. Kritisieren und anklagen kann bekanntlich jeder. Christoph Keese zeigt jedoch überzeugend auf, wie man den Prozess auch gewinnen kann. Damit werden die 761 Minuten des ungekürzten Hörbuchs zu einer der aufschlussreichsten Vorlesungen seit der Erfindung des Dieselmotors und der Gründung von Google.

Mit Sprecher Frank Arnold ist „Silicon Germany. Wie wir die digitale Transformation schaffen“ gleichzeitig ein Wirtschaftskrimi über zukünftige Gewinner und Verlierer. Wichtiger Input also, nicht nur für programmierende Nerds, sondern für alle werktätigen Germans.

Sprecher
Frank Arnold

Länge
12 h 41 m

Meine Meinung
Sorry, hier habe ich eindeutig zu lange gewartet mit meiner Rezension. Ich weiß aber noch, dass ich einigermaßen entsetzt war, welch große Defizite Deutschland im Vergleich mit anderen Ländern bezüglich der Digitalisierung aufweist.

Auf alle Fälle ist dieses Hörbuch sehr interessant.

Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Christoph Keese – Silicon Germany

Siehe auch:

Mark Sullivan – Unter blutrotem Himmel

Beschreibung
Der Weltbestseller aus den USA, basierend auf einer wahren Geschichte.

„Unter blutrotem Himmel“ ist die wahre Geschichte eines vergessenen Helden und zugleich die unfassbare Erzählung über einen jungen Mann und seine Tapferkeit in einem der dunkelsten Kapitel der Geschichte. Pino Lella will eigentlich nichts mit dem Krieg oder den Nazis zu tun haben – er ist ein normaler italienischer Jugendlicher, der sich für Musik, Essen und Mädchen interessiert. Dann schafft ein Bombenangriff in seiner Heimatstadt Mailand eine Wirklichkeit, die den jungen Mann über Nacht erwachsen werden lässt. Pino schließt sich einer Untergrundorganisation an, die Juden bei der Flucht über die Alpen hilft, und beginnt für die Alliierten zu spionieren. Dabei verliebt er sich unsterblich in die sechs Jahre ältere Anna. Doch kann ihre Liebe Bestand haben in einer Welt, in der nichts so sicher ist wie die Veränderung? Zurzeit wird das Buch verfilmt.

Sprecher
Frank Arnold

Länge
17 h 21 m

Meine Meinung
Bisher habe ich Geschichten, die vom 2. Weltkrieg berichten, meist aus deutscher Sicht gehört. Diese Geschichte spielt nicht in Deutschland, sondern in Mailand. Die Nazis sind dort und bombardieren die Stadt, natürlich finden dort auch alle anderen Massaker statt.

Pino, unser Protagonist, ist gerade einmal 17 Jahre jung, als die erste Bombe einschlägt. Von seinen Eltern wird er in eine Art Klosterschule in den Alpen geschickt, damit er raus aus der Stadt und somit fern der Gefahr ist. Doch dort angekommen, sind seine Lektionen alles andere als rein schulischer Form. Er wird auf immer wieder verschiedene Strecken in die Alpen zum Wandern und Klettern geschickt. Als der junge Pino die Alpen wie seine Westentasche kennt, ändern sich seine Aufgaben. Er soll Juden über die Alpen „schmuggeln“, damit sie in der sicheren Schweiz Schutz finden. Die Beschreibungen dieser Fluchten sind verdammt spannend beschrieben.

Kurz vor seinem 18ten Geburtstag wird er von seinen Eltern zurückgeholt. Denn die Gefahr, dass er eingezogen und als Kanonenfutter nach Russland geschickt wird, erscheint den Eltern zu groß. Sie zwingen ihn, sich den Nazis und hier speziell der Organisation Todt anzuschließen, die rein für Baumaßnahmen zuständig ist. Die Eltern meinen, somit sei er außer Gefahr. Widerwillig beugt Pino sich dem Willen seiner Eltern. Durch seinen Onkel, der dem Widerstand angehört, bekommt er die Aufgabe, als Spion für die Alliierten zu arbeiten. Denn er ist durch seinen Chef näher am Geschehen, als jeder andere.

Was Pino in der Ausübung als Fahrer und Übersetzer alles erfährt und mit ansehen muss, ist wirklich furchtbar. Doch er spielt seine Rolle sehr überzeugend, so dass sich selbst seine dicksten Freunde angeekelt von ihm abwenden.

Diese Geschichte hat mich sehr berührt. Sie zeigt die Grausamkeiten der Nazis aus einem anderen Blickwinkel. Die Personen sind alle sehr überzeugend, glaubhaft und lebensecht dargestellt, allen voran natürlich Pino, unser Hauptdarsteller. Wenn man bedenkt, dass diese Geschichte auf wahren Begebenheiten basiert, wird sie nochmals umso erschreckender.

Am Ende erzählt der Schriftsteller, wie er zu seinen Informationen gekommen und was aus den verschiedenen Personen geworden ist. Auch das fand ich äußerst interessant.

Frank Arnold hat mir als Sprecher sehr gut gefallen. Er hat diese Geschichte sehr eindrücklich wenn auch recht zurückhaltend gesprochen. Und eben dieser Stil war perfekt für die äußerst ausdrucksvolle Erzählweise.

„Unter blutrotem Himmel“ hat einen Platz auf meiner Bestenliste verdient.

Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Mark Sullivan – Unter blutrotem Himmel

Christoph Keese – Disrupt yourself

Vom Abenteuer, sich in der digitalen Welt neu erfinden zu müssen

Beschreibung
Wie uns unser persönlicher digitaler Wandel gelingt:

Wir spüren alle, dass der Boden, auf dem wir stehen, zittert. Lähmt uns der Gedanke, dass rund die Hälfte aller Berufe aussterben wird? Oder elektrisiert uns die Aussicht auf eine glanzvolle digitale Zukunft?

Christoph Keese, einer der führenden Digitalisierungsexperten Deutschlands, ist immer am Puls der Veränderungen. Er fordert uns auf, unsere persönlichen Stärken zu erkennen und zu nutzen, um uns radikal neu zu erfinden. Zeigt, wie wir es schaffen, mit den Entwicklungen Schritt zu halten. In „Disrupt Yourself“ steckt ein Versprechen: Wir können alle zu Digitalisierungsgewinnern werden!

Sprecher
Frank Arnold

Länge
10 h 3 m

Meine Meinung
Christoph Keese beschreibt in diesem Hörbuch sehr strukturiert, welche Veränderungen die Digitalisierung mit sich bringen wird. Dass damit nicht nur viele Berufe gänzlich verschwinden werden, beschreibt er ebenso logisch, wie auch die Möglichkeiten die man hat, um selbst nicht als kompletter Digitalisierungsverlierer dazustehen. Nämlich mittels Disruption.

Er bringt hier sehr viele Beispiele, wo wir momentan stehen und wie es in Zukunft vermutlich aussehen wird. Auch zeigt er viele Beispiele auf, wo und wie die Digitalisierung schon erfolgreich umgesetzt wurde.

Ich finde dieses Buch sowohl für Arbeitnehmer als auch für Arbeitgeber äußerst empfehlenswert. Denn wenn die Mehrheit der Unternehmen in Deutschland weiterhin den Veränderungen auf der Welt derart lethargisch begegnet, dann werden wir wohl schneller als wir es uns auch nur vorstellen können, nur noch der Zukunft hinterherhecheln und nicht mehr in vielen Bereichen Marktführer sein.

Dieses Buch ist jedoch kein trockenes Sachbuch. Ganz im Gegenteil. Ich habe selten solch ein motivierendes und inspirierendes Werk auf den Ohren gehabt.

Deshalb bekommt dieses Hörbuch einen Platz auf meiner Bestenliste.

Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Christoph Keese – Disrupt yourself

Siehe auch:

C. W. Ceram – Götter, Gräber und Gelehrte

Beschreibung
Götter, Gräber und Gelehrte ist der Klassiker der Archäologie – spannend geschrieben für Jung und Alt: C. W. Ceram erzählt von den spektakulärsten Funden und ihren Entdeckern. So ist der Hörer hautnah dabei, wenn Schliemann Trojas Mauern ausgräbt oder Carter das Grab Tutenchamuns öffnet. Das Buch „Götter, Gräber und Gelehrte“ hat sich millionenfach verkauft. Auch das Hörbuch gehört in jeden Haushalt.

Sprecher
Frank Arnold

Länge
15 h

Meine Meinung
Diesen Klassiker wollte ich schon als Kind lesen, doch die Gelegenheit hat sich irgendwie nicht ergeben. Den Grund hierfür will ich gar nicht lange ausführen. Dann hatte ich es für Jahre aus den Augen und somit dem Gedächtnis verloren. Und letztens stolperte ich per Zufall über die Hörbuchausgabe, gelesen von Frank Arnold. Wow, dachte ich – jetzt oder nie.

Da die Geschichte ja in viele Bücher aufgeteilt ist, dachte ich zunächst, dass ich es wohl immer häppchenweise und zwischendurch immer andere Hörbücher hören würde. Doch weit gefehlt. Einmal damit angefangen, habe ich es nur zum Arbeiten gehen oder Schlafen unterbrochen. Ich fand die Reise in die Anfänge der Archäologie und fortlaufend äußerst interessant. Was mir so nie bewusst war, dass es durchaus Grabräuber gab, die z. B. Pyramiden plünderten, bevor sie je ein Archäologe betreten hatte.

Auch wird hier von äußerst interessanten Menschen berichtet, die ihr ganzes Leben auf die Archäologie ausrichteten und schon in jüngsten Jahren (z. B. mit 14 oder 15 Jahren) die schwierigsten Rätsel lösen konnten.

Ebenfalls erwähnt wird natürlich Thor Heyerdahl  mit seiner abenteuerlichen Fahrt auf einem Floß, der Kon-Tiki, und wie er damit den Beweis führte, dass die polynesische Kultur ihren Ursprung wirklich in Peru hat.

Und natürlich werden hier noch viele weitere Entdeckungen und Sagenhaftigkeiten erzählt. Also mir hat dieses Hörbuch sehr gut gefallen.

Frank Arnold war natürlich die perfekte Wahl für diesen archäologischen Roman. Kaum einer spricht Sachbücher besser als er.

s5g5

Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es beim Verlag Audiobuch. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: C. W. Ceram – Götter, Gräber und Gelehrte

Herzlichen Dank an den Verlag Audiobuch für das Rezensionsexemplar.

Julian Barnes – Der Lärm der Zeit

Beschreibung
Von der Liebe zur Musik und den Zwängen der Macht.

Der sowjetische Starkomponist Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch gehört zu den renommiertesten Komponisten seines Landes, als Stalin eines Abends der Aufführung einer seiner Opern beiwohnt und schon in der Pause den Saal verlässt. Schostakowitsch wartet ab diesem Abend Nacht für Nacht angezogen, auf seinen gepackten Koffern sitzend neben dem Aufzug seiner Wohnung, dass er verhaftet wird.
Doch niemand kommt. Stattdessen feiert er Erfolge mit seiner Fünften Symphonie und wird wieder Liebling der Massen. Aber nun muss er sich ungewollter Privilegien erwehren, die mit der Vereinnahmung durch die Partei einhergehen. Es geht nun nicht mehr um Leben und Tod, sondern um künstlerische und moralische Integrität. Und diese ist nicht weniger substanziell für den Komponisten.

Sprecher
Frank Arnold

Länge
6 h 07 m

Meine Meinung
Es ist einfach immer und immer wieder furchtbar zu lesen/zu hören, was unter der Diktatur Stalins geschah. Das Hörbuch „Der Lärm der Zeit“ beschreibt sehr anschaulich in Romanform das Leben des sowjetischen Starkomponisten Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch und wie er unter der Macht litt. Weit entfernt von selbstbestimmt, noch weiter entfernt von kreativ oder künstlerisch. Alles wurde ihm vorgeschrieben, alles wurde reguliert, was nicht passt, wurde verboten, wer aufmuckte wurde kurzerhand hingerichtet. Klare Regeln die nur noch Angst und Schrecken verbreiteten. Denn etliche Millionen verloren unter Stalins Macht ihr Leben.

Schostakowitsch ist natürlich verzweifelt. Er lebt in ständiger Angst, doch noch abgeholt und hingerichtet zu werden, da Stalin sein Werk „Lady Macbeth von Mzensk“ nicht zugesagt hatte. Um seiner Familie die Schmach der Verhaftung zu ersparen, sitzt er fortan Nacht für Nacht mit gepacktem Koffer im Flur und wartet auf sein Schicksal. Doch es kommt nicht. Es hat einen fast noch perfideren Plan für ihn, als den Tod. Denn immer und immer wieder muss er sich entscheiden: Steht er zu seiner Überzeugung, seinem Tun, seiner künstlerischen Schöpfung und wird somit hingerichtet oder beugt er sich dem unsäglichen Willen der Regierung, tut alles, was sie von ihm verlangt und verliert dadurch sein Gesicht.

Sein ganzes Leben ist geprägt von diesem Widerstreit der Gefühle, nicht selten denkt er an Selbstmord. Und das erschreckende ist, dass dieser Roman keineswegs erfunden ist. Größtenteils beruht er auf Tatsachen.

„Der Lärm der Zeit“ ist kein Hörbuch, dass man nebenbei hören kann. Denn es ist nicht nur äußerst intensiv von der wahren Geschichte her, es ist auch extrem wortgewaltig und ja auch philosophisch. Sehr gut haben mir hier die beschriebenen Gedanken des Protagonisten gefallen. Ich fühlte richtig mit ihm mit und war sehr froh, dass ich nicht in seiner Haut steckte.

In diesem Hörbuch hat mir Frank Arnold als Sprecher mal wieder sehr gut gefallen. Seine Stimme passte zu der Geschichte und er blieb als Sprecher angenehm im Hintergrund. Das bewirkte, dass das Gesagte nochmals an Intensität zunahm.

Keine leichte Kost – aber absolut empfehlenswert!

Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Julian Barnes – Der Lärm der Zeit

Gusel Jachina – Suleika öffnet die Augen

Beschreibung
Suleika ist eine tatarische Bäuerin. Eingeschüchtert und rechtlos lebt die Mutter von vier im Säuglingsalter gestorbenen Kindern auf dem Hof ihres viel älteren Mannes. Ihr Weg zu sich selbst führt durch die Hölle, das Sibirien der von Stalin Ausgesiedelten.

Ein anrührendes und meisterhaftes Debüt, das in 21 Sprachen übersetzt ist. Vielfach preisgekrönt, u.a. als Großes Buch 2015 und mit dem Jasnaja Poljana-Preis 2015.

Diese ungekürzte Hörbuch-Fassung wird exklusiv von Audible präsentiert und ist ausschließlich im Download erhältlich.

Sprecher
Frank Arnold

Länge
17 h 49 m

Meine Meinung
Suleika ist die Frau eines wesentlich älteren Kulaken, ihre vier Töchter sterben jeweils recht schnell nach ihrer Geburt, ihre Schwiegermutter ist die Ausgeburt der Hölle. Auch der Mann ist recht grob und roh, Suleika erträgt ihr Leben in Demut. Dann kommen die „Roten Horden“, ermorden ihren Mann, lassen die bereits 100-jährige erblindete Schwiegermutter auf dem Gut zurück und rauben Suleika. Sie wird daraufhin mit 1000 anderen „Umsiedlern“ in einen Zug gepfercht und wochenlang durch die Gegend gefahren. Scheinbar ziellos leiden sie an bitterer Kälte und Hunger, nicht wenige sterben auf der Fahrt.

Ein weiterer Protagonist ist Igantow. Er ist der Mörder von Suleikas Mann und eben dieser wird dazu verpflichtet, den Transport der Sklaven – aber nein, es sind ja „Umsiedler“ – zu überwachen. Somit trennt sich der Weg von Suleika und Igantow nicht, im Gegenteil, sie sind ständig gemeinsam auf dem Weg. Er als unfreiwilliger Bewacher und sie als Gefangene von ihm. Als letztendlich nur noch 29 Überlebende dieser Tortur an ihrem Zielort in Sibirien ankommen, ist dort nichts. Überhaupt nichts. 29 Gefangene und ein Bewacher mit einer Pistole. Die versprochene Hilfe kommt nicht. Kann man das in dieser unmenschlichen Landschaft überleben?

Dieses Hörbuch geht ganz tief unter die Haut. Gusel Jachina hat einen sehr eindringlichen und gefühlvollen Stil, der den Hörer mitten hinein in die Geschehnisse versetzt. Ob es nun die wunderschönen Landschaftsbeschreibungen sind oder die Charakterisierung der Menschen, alles und alle vermag sie derart bildlich zu beschrieben, dass man keine Minute an der Echtheit und Glaubwürdigkeit zweifelt. Nicht selten entsteht dadurch ein dicker Kloß im Hals des Zuhörers.

Sehr interessant fand ich auch die Metapher, als der Professor immer mehr von einem Ei eingehüllt wurde, um sich dem herrschenden Wahnsinn zu entziehen. Nur so konnte er diese Welt noch ertragen.

Suleika öffnet die Augen ist eine Geschichte, die schwer zu ertragen und zugleich grandios erzählt ist. Es ist in meinen Augen typische schwere russische Literatur, an der man zu knabbern hat. Viele der geschilderten Situationen werden mir noch lange im Gedächtnis bleiben. Wenn ich mich nachts in meinen Träumen in einem Buch befinde, dann ist das ein eindeutiges Zeichen, dass es sehr großen Eindruck auf mich gemacht hat. Und ich war nächtelang in Sibirien.

Und nun komme ich zum schwierigen Teil dieser Bewertung. Frank Arnold als Sprecher fand ich stellenweise äußerst anstrengend. Ich habe nun schon öfter erwähnt, dass ich ihn als Sprecher von Sachbüchern ganz hervorragend finde. Da kommt ja auch keine direkte Rede vor. Doch hier haben wir natürlich viele Stellen mit Dialogen und auch viele Stellen, in denen geschrien wird. Ich finde es äußerst anstrengend, ihm dabei zuzuhören. Klar, er macht das mit viel Leidenschaft! Keine Frage! Aber ich finde seine Interpretation immer äußerst anstrengend. Fast schon schrill. Anfangs sind stimmlich viele anstrengende Stellen, das legt sich im Laufe der Geschichte ein Glück. Mit der restlichen Darbietung war ich dann sehr zufrieden.

Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Gusel Jachina – Suleika öffnet die Augen

Morten Brask – Das perfekte Leben des William Sidis

das-perfekte-leben-des-william-sidisBeschreibung
Die Presse feierte ihn als „intelligentesten Menschen aller Zeiten“, er galt als Beweis für das unerschöpfliche Potential des menschlichen Gehirns: William Sidis, 1898 bis 1944, war ein Wunderkind und ein Star. Im Alter von 18 Monaten liest er die „New York Times“, mit 6 Jahren beherrscht er 10 Sprachen, mit 10 präsentiert er seine Theorie der vierten Dimension. Das sei ganz normal, behauptet sein Vater, für den Intelligenz eine Frage der strikten Erziehung ist.

Mit meisterhafter Gestaltungskraft erzählt Morten Brask von einer Zeit, die an den grenzenlosen Fortschritt glaubt, und vom tragischen Schicksal eines unverständlich intelligenten Menschen. Eine unglaubliche wahre Geschichte.

Diese ungekürzte Hörbuch-Fassung wird exklusiv von Audible präsentiert und ist ausschließlich im Download erhältlich.

Sprecher
Frank Arnold

Länge
10 h 27 m

Meine Meinung
Das ist das traurigste Hörbuch, das ich seit langer, langer Zeit gehört habe. Und das schlimme dabei ist, dass es wahr ist, dass es diesen außergewöhnlichen Menschen wirklich gab!

Also nicht falsch verstehen, dass es William Sidis wirklich gab, finde ich natürlich grandios! Ich kann ihn nur bewundern und meinen Hut vor ihm ziehen. Aber ein Leben, nein, ein Leben hatte er nicht. Sein Vater Boris Sidis (ein US-amerikanischer Psychologe, Psychiater und Psychopathologe jüdisch-russischer Herkunft) hatte seine eigene Theorie entwickelt, wie man Kinder fördert. Und auf diesem Lehrplan war spielen nicht vorhanden. Selbst als kleinstes Kind war spielen überflüssig, wie der Vater meinte. Und überhaupt schadete der Umgang mit Gleichaltrigen nur seinem Sohn. Für Boris zählte nur, dass sein Sohn alles von selbst versteht durch beobachten und ausprobieren. Letzteres ist im Prinzip ja sicherlich ein sehr guter Ansatz, nur die Umsetzung fand ich gar furchtbar! Was diese Eltern dem Jungen William antaten, fand ich wirklich grausam. Nicht selten wollte ich gerade seine Mutter am liebsten wegsperren.

Selten hat mich eine Biografie derart emotional mitgenommen, wie diese Romanbiografie.

Doch ich kann hier schreiben was ich will, es wird nicht die Lektüre des Buches oder des Hörbuches ersetzen. Denn es ist sehr gut recherchiert und hervorragend zusammengesetzt zu einem rundum gelungen Portrait – auch wenn es noch so traurig ist.

Wenn man also nette Unterhaltung sucht, dann sollte man die Finger von diesem Hörbuch lassen. Doch wenn man von einem wirklich großartigen Geist mehr erfahren will, dann ist es genau das richtige Hörbuch.

s5g5

Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Morten Brask – Das perfekte Leben des William Sidis

Anthony Doerr – Alles Licht, das wir nicht sehen

alles-licht-das-wir-nicht-sehenBeschreibung
Frankreich im Zweiten Weltkrieg: Eine bildgewaltige Geschichte zweier Schicksale

„Alles Licht, das wir nicht sehen“ von Anthony Doerr ist ein Meisterwerk der Sprache. Mit seinen großen Worten und einprägsamen Bildern zieht der Pulitzer-Preisträger seine Zuhörer in diesem Hörbuch tief hinein in das Leben seiner Protagonisten.

Das sind die erblindete Marie-Laure LeBlanc aus Paris und der Deutsche Werner Hausner. Während Marie mit ihrem Vater, einem Museumsdirektor, aus der besetzten Hauptstadt fliehen muss, gerät Werner in die zerstörerische Maschinerie der Kriegsarmee. Ihre Schicksalswege kreuzen sich, als Werner Teil einer Spezialeinheit wird, die Widerstandskämpfer aufspüren soll. Sein Weg führt direkt nach Saint-Malo, wo sich Marie und ihr Vater versteckt halten.

Das ungekürzte, von Frank Arnold gelesene Hörbuch „Alles Licht, das wir nicht sehen“ von Anthony Doerr ist kein üblicher Kriegsroman. Es ist eine Ode an die Menschlichkeit, ein Kaleidoskop aus Hoffnung, Angst, Liebe und Wahrheit. Kurzum: eine Empfehlung für alle Fans von ergreifenden Geschichten mitten aus dem Leben.

Inhaltsangabe
Saint-Malo 1944: Marie-Laure, ein junges, blindes Mädchen, ist mit ihrem Vater, der am „Muséum National d’Histoire Naturelle“ arbeitet, aus dem besetzten Paris zu ihrem kauzigen Onkel in die Stadt am Meer geflohen. Einst hatte er ihr ein Modell der Pariser Nachbarschaft gebastelt, damit sie sich besser zurechtfinden kann. Nun ist in einem Modell Saint-Malos der vielleicht kostbarste Schatz aus dem Museum versteckt, den auch die Nazis jagen.

Werner Hausner, ein schmächtiger Waisenjunge aus dem Ruhrgebiet, wird wegen seiner technischen Begabung gefördert, auf eine Napola geschickt und dann in eine Wehrmachtseinheit gesteckt, die mit Peilgeräten Feindsender aufspürt, über die sich der Widerstand organisiert. Während Marie-Laures Vater von den Deutschen verschleppt und verhört wird, dringt Werners Einheit nach Saint-Malo vor, auf der Suche nach dem Sender, über den Etienne, Marie-Laures Onkel, die Résistance mit Daten versorgt…

Kunstvoll und spannend, mit einer wunderschönen Sprache und einem detaillierten Wissen um die Kriegsereignisse, den Einsatz des Radios, Widerstandscodes, Jules Verne und vieles andere erzählt Anthony Doerr mit einer Reihe unvergesslicher Figuren eine Geschichte aus dem zweiten Weltkrieg, und vor allem die Geschichte von Marie-Laure und Werner, zwei Jugendlichen, deren Lebenswege sich für einen folgenreichen Augenblick kreuzen.

Gewinner des Pulitzer-Preises 2014, Finalist beim National Book Award 2014 sowie „Best Books of 2014“ der New York Times Book Review.

Diese ungekürzte Hörbuch-Fassung wird exklusiv von Audible präsentiert und ist ausschließlich im Download erhältlich.

Sprecher
Frank Arnold

Länge
16 h 35 m

Meine Meinung
Diese Geschichte nimmt uns mit auf eine Reise in die Vergangenheit. Direkt hinein in den zweiten Weltkrieg und spielt in Deutschland und Frankreich. Somit gibt es also zwei Haupterzählstränge. Einer erzählt uns die Geschichte von Werner und einer das Leben der blinden Marie-Laure. Die Erzählstränge sind immer nur sehr kurze Szenen, dann folgt wieder ein Wechsel zum anderen. Anfangs fand ich das etwas mühsam, jedoch gewöhnte ich mich daran, je mehr Form die ganze Geschichte annahm.

Die Protagonisten fand ich sehr gut beschrieben, so dass man von jeder wichtigen Person eine sehr genaue Vorstellung hatte. Dies führte dazu, dass man mit den Personen richtig mitfühlen konnte, dass man mit ihnen litt, sich mit ihnen freute, auch wenn es zu letzterem nur selten einen Anlass gab. Auch die Landschaften wurden toll beschrieben, so dass man fast das Salzwasser selbst in der Nase roch.

Sehr gut gefielen mir auch die Beschreibungen, wie sich die blinde Marie-Laure in ihrem Leben und dann auch noch in einer ihr völlig fremden Stadt zurecht fand. Sie war meine wahrhafte Heldin in dieser Geschichte.

Die Geschichte insgesamt hat mir richtig gut gefallen, wenn auch der allerletzte Funke zur Begeisterung nicht ganz übergesprungen ist. Aber es lohnt sich auf alle Fälle, sich dieses wirklich ergreifende Hörbuch anzuhören.

Frank Arnold, den ich als Sprecher von Sachbüchern sehr schätze, fand ich hier nicht so gut. Zumindest nicht, wenn es sich um Dialoge handelte. Denn diese sprach er größtenteils einfach nur lauter und heller, aber alle hatten irgendwie die gleiche Stimme.

s4g4

Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Anthony Doerr – Alles Licht, das wir nicht sehen

Hans Fallada – Kleiner Mann – was nun?

Kleiner Mann - was nunBeschreibung
Hans Falladas Meisterwerk erschien in unsicheren Zeiten. Es wurde vor dem Druck 1932 gekürzt und verändert: Textstellen, an denen sich der Autor politisch differenziert äußerte, wurden geglättet oder gar in ihr Gegenteil verkehrt. Jetzt erscheint der Roman erstmals so, wie Fallada ihn gewollt hatte.

Johannes Pinneberg und seine Freundin Emma, genannt Lämmchen, erfahren, dass sie ein Kind erwarten. Kurzentschlossen heiratet das frisch verliebte Paar, auch wenn es mit wenig über die Runden kommen muss. Trotz Weltwirtschaftskrise und erstarkender Nazis glauben der kleine Berliner Verkäufer und seine junge Frau an das Glück. Als sich Pinneberg in das Millionenheer der Arbeitslosen einreihen muss, nimmt Lämmchen beherzt das Leben ihres verzweifelten Mannes in die Hand.

Diese ungekürzte Hörbuch-Fassung wird exklusiv von Audible präsentiert und ist ausschließlich im Download erhältlich.

Sprecher
Frank Arnold

Länge
16 h 21 m

Meine Meinung
Fallada ist ein fantastischer „Menschenmaler“. Er kann die Gefühle und die Emotionen perfekt beschreiben – man kennt die Personen quasi persönlich und kann sich gut vorstellen, wie sie auf was reagieren. Toll, dass dieses Buch nun endlich unverändert zu haben ist.

Pinneberg und Lämmchen sind frisch verliebt und bald stellt Lämmchen fest, dass sie schwanger ist. Die beiden heiraten und ziehen in die Stadt, in der Pinneberg arbeitet. Die sogenannte Wohnung ist mehr als schäbig, von Privatsphäre kann keine Rede sein. Auch verheimlicht Pinneberg seinem Arbeitgeber, dass er verheiratet ist, denn sein Chef möchte, dass Pinneberg seine Tochter – die niemand haben will – heiratet. Doch der Schwindel fliegt auf, als Pinneberg und Lämmchen von der Familie des Chefs entdeckt werden. Es passieren noch viele weitere Dinge, auf die ich gar nicht näher eingehen möchte. Jedenfalls verschlägt es die beiden bald nach Berlin in die Wohnung von Pinnebergs Mutter. Dort haben sie ein Zimmer zur Verfügung, für das die Mutter auch noch eine immense Summe an Miete haben möchte. Die beiden können sich allerdings nicht sonderlich gut leiden – auch das ist also nicht das Leben, wie es sich Lämmchen erträumt hatte. In Berlin bekommt Pinneberg aufgrund von Vitamin B jedoch wieder eine Arbeitsstelle in einem Bekleidungsgeschäft. Währenddessen schreitet die Wirtschaftskrise immer weiter voran.

Lämmchen ist ein einfaches Mädchen, die aber für Pinneberg immer der Fels in der Brandung ist. Und Pinneberg ist ein wenig hilflos ohne sein Lämmchen. Sie baut ihn immer wieder auf. Pinneberg gerät oft in schwierige Situationen – und will doch immer nur das Richtige tun. Aber aus seiner Haut kann er halt auch nicht.

„Kleiner Mann – was nun“ ist eine sehr gefühlvolle und anschaulich beschriebene Geschichte über einfache Leute, die einfach nur leben wollen, denen aber die Wirtschaftskrise das Leben mehr als nur schwer macht.

Frank Arnold, egal ob Sachbuch oder Roman – er ist klasse. Hier hat er ein weiteres Mal bewiesen, dass er nicht nur Sachbücher hervorragend sprechen kann. Er beherrscht seinen Job in allen Genres und ich mag seine Stimme sehr.

s5g5

Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Hans Fallada – Kleiner Mann – was nun?

Siehe auch:

Yves Bossart – Ohne Heute gäbe es morgen kein Gestern: Philosophische Gedankenspiele

Ohne HeuteBeschreibung
Gedankenspiele sind seit über zweitausend Jahren die Werkzeuge der Philosophie – sie helfen dabei, Antworten auf die grundlegenden Fragen des Lebens zu finden. Die großen Philosophen – von Sokrates bis Sartre – haben solche geistigen Experimente entwickelt, um sich Themen wie Moral, Freiheit oder Gerechtigkeit zu nähern: Wie würden wir leben, wenn wir unsterblich wären? Wenn ich mein Gehirn mit dem meines Nachbarn tausche – wer wohnt dann wo? Wie kann ein angeketteter Hund glücklich werden? Könnte unser Leben ein langer Traum sein? Können Roboter menschliche Gefühle haben? Wir fangen an nachzudenken – die Philosophie hat uns gepackt.

Yves Bossart versammelt die wichtigsten Gedankenspiele, stellt sie klar und verständlich dar, kommentiert und verführt den Leser dazu, sich selbst Antworten zu geben. „Ohne Heute gäbe es morgen kein Gestern“ bietet eine Fülle von verblüffend einfachen, erstaunlich raumgreifenden und auch immer wieder herrlich absurden Abkürzungen in die faszinierende Welt der Philosophie.

Achtung: Lektüre führt zu tieferer Erkenntnis und höherer Klarheit!

Sprecher
Frank Arnold

Länge
7 h 45 m

Meine Meinung
Anhören! Unbedingt anhören! Dieses Hörbuch fand ich äußerst informativ, unterhaltsam und verblüffend zugleich. Ein tolles Buch zum Mitdenken. Jedoch muss jetzt keiner einen Schrecken bekommen. Es werden einfach Fragen ist den Raum gestellt und die Rahmenbedingungen dazu erklärt. Nun, was denkst du?  Ist das z. B. gerecht? Was ist aber, wenn… Hier werden wirklich herrliche Gedankenspiele aufgestellt, sehr oft auch welche, die zum Schmunzeln anregen. Hier haben wir es also in keinster Weise mit trockener Philosophie zu tun, sondern mit bester Unterhaltung. Und durch die Vielfalt der Themen wird es auch nie langweilig. Für mich vergingen die knapp 8 Stunden wie im Flug und ich war perplex und ja auch traurig, als das Hörbuch schon vorbei war. Ich hätte noch stundenlang den Gedankenspielchen lauschen können und wollen.

Yves Bossart zeigt mit diesem Hörbuch wundervoll auf, dass Philosophie kein abstrakter Begriff ist, dem sich nur ein paar schlaue Köpfe widmen. Nein, er zeigt hier auf einer lockeren und leicht verständlichen Art, dass uns die Philosophie tagtäglich begleitet. Ob wir das nun so nennen wollen oder nicht. Die Fragen unseres Lebens sind eindeutig philosophischer Natur.

Sehr schön fand ich natürlich, dass dieses interessante Thema durch Frank Arnold vorgetragen wurde. Denn er zählt im Bereich „Sachbuch“ zu meinen absoluten Lieblingssprechern.

s5g5

Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Yves Bossart – Ohne Heute gäbe es morgen kein Gestern: Philosophische Gedankenspiele