Mechtild Borrmann – Grenzgänger

Beschreibung
Wenn Recht nicht Gerechtigkeit ist.

Wegen Kaffeeschmuggels und ihrer „krankhaften Verlogenheit“ steckt man die 17-jährige Henni 1951 in eine Besserungsanstalt. Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit. Die jüngeren Geschwister, um die sie sich anstelle der toten Mutter gekümmert hatte, kommen in ein kirchliches Kinderheim, wo der kleine Matthias an Lungenentzündung verstirbt. Und auch das ist nur ein Teil der Wahrheit…

Mit der ihr eigenen soghaft-präzisen Sprache erzählt Mechtild Borrmann vom Hunger nach Leben und der verzweifelten Suche nach Gerechtigkeit.

Sprecher
Vera Teltz

Länge
6 h 59 m

Meine Meinung
Entschuldigung! Ich habe definitiv zu lange mit meiner Rezension gewartet. Jedoch weiß ich noch, dass ich sehr begeistert von diesem Hörbuch war und dass es auf meine Bestenliste muss.

Weitere Informationen
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Elinor Lipper – Elf Jahre meines Lebens: Eine Frau in sowjetischen Gefängnissen und Lagern

Beschreibung
In diesem bewegenden Werk liest Silvia Höhne die Geschichte von Elinor Lipper. Elf Jahre lang saß sie in sowjetischen Gefängnissen und Lagern. In ihrem intelligenten Bericht legt sie Zeugnis ab über ein Kapitel der deutschen Geschichte, das beinahe vergessen wurde. Mit ihrem Erzählstil, der den Hörer in den Bann zieht, berichtet sie von den Menschen, die an die Grenzen des überhaupt Vorstellbaren getrieben wurden und dabei eine unvorstellbare Leidensfähigkeit zeigten. Und während sie uns ihre Geschichte erzählt, entsteht durch ihre Worte ein konkretes historisches Dokument, das kein Gemüt kalt lässt.

Elinor Lipper wurde 1912 in Brüssel als Tochter von deutsch-jüdischen Eltern geboren. Um Medizin zu studieren, zog sie 1931 nach Deutschland, wo sie Kommunistin wurde. Nachdem Hitler an die Macht kam, ging sie nach Italien und erhielt 1935 durch ihre Ehe die Schweizer Staatsbürgerschaft. 1937, zwei Monate nachdem sie nach Russland gezogen war, wurde sie festgenommen und wegen Verdacht auf anti-revolutionäre Aktivitäten für fünf Jahre Zwangsarbeit verurteilt. Nach elf Jahren Sibirischer Sklaverei wurde sie freigelassen. In späteren Jahren war sie als Zeugin Teil des Prozesses gegen David Rousset, in dem die Frage um Sklavenarbeit im sowjetischen Russland hinterfragt wurde.

Sprecher
Silvia Höhn

Länge
11 h 07 m

Meine Meinung
Der Kloß steckt tief in meinem Hals fest. Elinor Lipper erzählt hier von einer Episode ihres Lebens, die schlimmer wohl kaum hätte sein können. Noch ein klitzeklein wenig schlimmer und sie hätte ihre Geschichte wohl nicht mehr erzählen können. Denn  dann hätte sie die verschiedenen sibirischen Arbeitslager, in die sie während ihrer 11 Jahre Haft gesteckt wurde, wohl nicht überlebt.

Elinor Lipper beging einen fatalen Fehler. Sie wurde1937 überzeugte Kommunistin und zog hoffnungsfroh nach Russland. Doch dort wurde sie bereits nach zwei Monaten wegen Verdachts auf konter-revolutionäre Aktivitäten inhaftiert. Zunächst auf 5 Jahre, doch diese verlängerten sich auf insgesamt 11 Jahre des Leidens, des Martyriums, der grausamsten Menschenverachtung und härtesten Arbeit. Schnell musste sie feststellen, dass die Konter-Revolutionäre noch weniger Ansehen genossen, als die schlimmsten Verbrecher in den Arbeitslagern. Als Konter-Revolutionär eingestuft zu sein, war gleichzusetzen mit dem untersten Abschaum der Menschheit. Selbst Mörder genossen mehr „Ehre“ und „Freiheiten“ als Konter-Revolutionäre. Und das fatale daran: Sie kam ja aufgrund ihrer politischen Überzeugung des Systems nach Russland.

Die Essensrationen waren natürlich ein wichtiges Thema in ihrem Leben. Was sie dort täglich bekam, näherte sich einem „Hauch von nichts“ an. Und das bei extremst schwerer körperlicher Arbeit. Wenn man seinen Soll von 100 % und darüber nicht erreichte, wurde diese kümmerliche Essensration dann auch noch gekürzt, so dass man zwangsläufig noch schwächer wurde und in der Folge natürlich noch weniger in der Lage war, sein tägliches Soll zu erfüllen. Es war ein täglicher Kampf ums blanke Überleben.

Ich könnte hier endlos von grausamen, menschenverachtenden Bestrafungen und Behandlungen berichten, doch das kann Elinor Lipper wesentlich besser als ich.

Diese Biografie ist sehr nüchtern gehalten. Sie klingt meist wie ein unbeteiligter, zurückhaltender Bericht, manchmal gleicht sie einer Aufzählung von Fakten. Und eben genau diese zurückhaltende Art des Erzählens lässt den Hörer dieser Geschichte nochmals fassungsloser und erschrockener in seinem Sessel tiefer sinken. Denn es ist einfach unvorstellbar, was diese Frau erlebt und vor allem überlebt hat! Und es ist unglaublich, was Menschen alles ertragen können. Wobei man natürlich die vielen, vielen, viel zu vielen Menschen nicht vergessen sollte, die diese Arbeitslager nicht mehr lebend verlassen konnten. Opfer gab es unzählige, eine genaue Zahl ist jedoch unbekannt. Ein einzelner Mensch zählte im Russland unter Stalin ja nichts. Warum also Statistiken darüber führen.

Eigentlich dachte ich, dass ich über die Stalin-Zeit schon sehr viel gehört und gelesen habe und dass mich so schnell nichts mehr schockieren könnte. Doch diese Biografie kommt in ihrer nüchternen Schlichtheit so eindringlich daher, dass ich mich an kein anderes Werk erinnere, das solch eindringliche Bilder in ihrer nackten Grausamkeit schildert, wie dieses. Und das ist alles wahr! Das ist kein Thriller. Es ist ein Stück Geschichte, das tatsächlich passiert ist. Umso wichtiger, dass es nun endlich zu Papier gebracht und vertont wurde.

Silvia Höhn als Sprecherin dieser Biografie hätte nicht besser passen können. Sie hat diesen Text wirklich mit Perfektion gesprochen.

Von mir bekommt dieses Hörbuch eindeutig 5 Sterne und natürlich wird es ab sofort auch auf meiner Bestenliste zu finden sein.

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Maja Lunde – Die Geschichte des Wassers (Das Klima-Quartett 2)

Beschreibung
Nach dem Sensationserfolg „Die Geschichte der Bienen“: der neue Bestseller von Maja Lunde

Was geschieht, wenn unser Wasser knapp wird – wie weit sind wir bereit zu gehen? Virtuos verknüpft Maja Lunde Gegenwart und nahe Zukunft zu einer ergreifenden Geschichte über die Grundlagen des Lebens.

Irgendwo in der Nordsee im Jahr 2017. Die fast 70-jährige Umweltaktivistin Signe will von Norwegen bis an die französische Küste segeln – um jenen Mann zur Rede zu stellen, der die Liebe ihres Lebens gewesen ist. Doch weit draußen auf dem Meer gerät ihr Schiff mitsamt seiner bedeutsamen Fracht in einen gewaltigen Sturm…

Frankreich im Jahr 2041. Eine große Dürre und verheerende Brände zwingen die Menschen Südeuropas zur Flucht in den Norden. Die Situation scheint für David und seine kleine Tochter Lou ausweglos – bis die beiden in einem vertrockneten Garten ein altes Segelboot entdecken, meilenweit von der Küste entfernt.

Diese ungekürzte Hörbuch-Fassung wird exklusiv von Audible präsentiert und ist ausschließlich im Download erhältlich.

Sprecher
Christiane Pearce-Blumhoff, Shenja Lacher

Länge
10 h 02 m

Meine Meinung
Nachdem mir „Die Geschichte der Bienen“ so sehr gut gefallen hatte, war ich natürlich hocherfreut, nun den 2. Teil in Händen zu halten bzw. auf dem iPod zu haben.

„Die Geschichte des Wassers“ ist ähnlich aufgebaut wie „Die Geschichte der Bienen“. Es sind hier zwei Zeitebenen, die sich aber in drei Ebenen aufteilen. Zum einen Signes Kindheit und Jugend an die sie sich erinnert, zum anderen Signe als alte Frau in unserer Gegenwart, die über das Meer segelt und dann gibt es da noch David mit seiner Tochter Lou in Frankreich, die im Jahr 2041 mit Dürre und Bränden zu kämpfen haben. Sehr geschickt verknüpft Maja Lunde auch hier wieder diese drei Zeiten zu einer sehr interessanten Geschichte um das Thema Wasser.

Signe als junge Frau ist – wie ihr Vater – sehr auf die Natur bedacht. Bei Demos ist sie oft zu finden, sie ist eine echte Umweltaktivistin. Und das bleibt sie ihr Leben lang. Ihre große Liebe mit Magnus geht in die Brüche, da die beiden unterschiedliche Einstellungen zum Thema Umweltschutz haben. Signe knabbert ihr Leben lang an dieser zerbrochenen Liebe. So kommt es auch, dass sie sich mit fast 70 in ihr Segelboot, die Bleu, setzt, kistenweise Gletschereis im Gepäck, um dieses ihrem ehemaligen Geliebten, der nun in Frankreich lebt, vor die Füße zu kippen. Dass diese Reise ganz alleine nicht ganz ungefährlich ist, muss wohl nicht extra erwähnt werden.

Im Jahr 2041 sind David und seine kleine Tochter Lou auf der Flucht. Die südlichen Länder sind von Dürre und Bränden geplagt, die Grenzen zu den Wasserländern im Norden sind geschlossen. So „stranden“ sie in einem Flüchtlingscamp in Frankreich, dass sie sich als Ziel für den Notfall ausgesucht hatten. Bei der Flucht verlieren David und Lou seine Frau und den kleinen Bruder. Doch sie geben die Hoffnung nicht auf, dass sie sich in diesem Flüchtlingslager wiedertreffen werden. Sehr interessant fand ich hier die Schilderungen, wie es in dem Camp zuging. Und das mitten in Europa. Einziger Hoffnungsschimmer ist ein blaues Segelboot, dass mitten auf dem Land steht, weitab vom Meer. Zunächst als Spielzeug für Lou wird es bald zur letzten Hoffnung für die beiden.

Leider Gottes scheint mir das alles gar nicht so weit hergeholt. Doch noch kann sich das in unserem reichen Europa ja keiner so recht vorstellen. Und will es auch nicht. Doch es hat ja bekanntlich noch nie etwas genützt, wenn man die Augen vor etwas verschließt. Es ist nun mal trotzdem da. Auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen und uns in unserem momentanen Reichtum nicht vorstellen können. Was für Europa wie eine Dystopie klingt, ist ja leider in anderen Regionen auf der Welt schon lange bittere Realität.

Maja Lunde hat auch hier wieder ihre große erzählerische Kunst unter Beweis gestellt. Die zehn Stunden vergehen wie im Flug und man kann mit den jeweiligen Protagonisten sehr gut mitfühlen.

Die beiden Sprecher waren mir bisher noch völlig unbekannt. Doch ich bin von beiden wirklich sehr begeistert! Gerne mehr mit diesen beiden Sprechern. In Kombination sind sie eine Wucht. Doch auch einzeln könnte ich sie mir sehr gut vorstellen. Zwei wahre Neuentdeckungen am Sprecherhimmel wie ich meine.

Weitere Informationen
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Ellen Sandberg – Die Vergessenen

Beschreibung
Das Böse verjährt nie.

Manolis Lefteris erhält 2013 den Auftrag, geheimnisvolle Akten in seinen Besitz zu bringen. Er ahnt nicht, dass er im Begriff ist, ein Verbrechen aufzudecken, das weit in der Vergangenheit liegt. Die Spur führt ihn zu Kathrin Mändler, die sich, als sie 1944 eine Stelle als Krankenschwester annimmt, zum ersten Mal in ihrem Leben nützlich fühlt. Als sie dem charismatischen Arzt Karl Landmann begegnet, merkt sie zu spät, worin seine Arbeit besteht und dass diese das Leben vieler Menschen bedroht – auch ihr eigenes.

Sprecher
Thomas M. Meinhardt

Länge
10 h 04 m

Meine Meinung
Toll! Dieser Krimi hat mir so richtig gut gefallen. Denn er verknüpft ein Stück deutscher Geschichte mit dem Hier und Jetzt und behandelt ein Thema, das noch nicht allzu oft durchgekaut wurde.  Euthanasie im 2. Weltkrieg, sprich dem gnadenlosen  Ermorden von Behinderten in Nervenheilanstalten. Es ist also keine leichte Kost. Auch die Geschichte des Massakers in dem kleinen Dorf ließ mich schlucken – es gibt hier also einiges zu verdauen.

Den Aufbau der Geschichte fand ich sehr spannend gemacht. Die Idee mit der Journalistennichte fand ich toll, überhaupt hat mir die Familiengeschichte dahinter sehr gut gefallen. Die Geschehnisse in der Nerven- und Heilanstalt von damals wurden auch sehr gut aufgebaut und eindrücklich beschrieben, ich fieberte richtig mit den Personen mit.

Sehr interessant fand ich auch den Umgang mit solchen Verbrechen. Was tun, wenn das eigene Leben bedroht ist, um anderen zu helfen? Wie mutig ist man und wie weit ist man bereit zu gehen, ohne selbst dabei getötet zu werden?

Die Beschreibungen der Protagonisten damals und heute haben mir ebenfalls gut gefallen. Ich hatte innerhalb kürzester Zeit eine Vorstellung von deren Charakter und meinte schon bald, sie persönlich zu kennen. Kurz,  ich fand diesen Krimi sehr kurzweilig, äußerst gehaltvoll und obendrein noch spannend. In Rekordzeit habe ich diesen Krimi verschlungen.

Thomas M. Meinhardt als Sprecher hat mir auch sehr gut gefallen. Er hat jeder Person ihre Persönlichkeit gegeben. Ich bin also rundum zufrieden mit dem Hörbuch.

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Frank Goldammer – Tausend Teufel

Beschreibung
Dresden, 1947: Im zweiten Jahr nach Kriegsende gehört die Stadt zur sowjetischen Besatzungszone und ist nach wie vor eine Trümmerwüste. Im klirrend kalten Winter wird das Leben beherrscht von Wohnungsnot, Hunger und Krankheiten. Kriminalinspektor Max Heller wird von der neu gegründeten Volkspolizei an einen Tatort in der Dresdner Neustadt gerufen. Doch bevor er mit den Ermittlungen beginnen kann, wird der tot aufgefundene Rotarmist vom Militär weggeschafft. Zurück bleiben eine gefrorene Blutlache und ein herrenloser Rucksack, in dem Heller eine grauenhafte Entdeckung macht: den abgetrennten Kopf eines Mannes.

Sprecher
Heikko Deutschmann

Länge
10 h 29 m

Meine Meinung
Nachdem mir der erste Teil des Autors „Der Angstmann“ sehr gut gefallen hatte, freute ich mich wahnsinnig auf die Fortsetzung mit Kommissar Heller. In diesem Buch entführt uns Frank Goldammer in die Zeit kurz nach dem zweiten Weltkrieg. Dresden ist zerbombt, liegt in Schutt und Asche, der Winter ist bitterkalt, die Hungersnot ist übergroß. Überall Leid und Notstand. Und Kommissar Heller bleibt sich auch weiterhin treu. Er versucht sein Bestes zu geben und bleibt hartnäckig, bis er die Hintergründe versteht und helfend eingreifen kann.

Der Kriminalfall an sich ist wieder sehr spannend. Doch viel interessanter finde ich persönlich Goldammers Schilderungen aus dieser harten Zeit. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen: Er muss das damals alles persönlich erlebt haben, sonst kann man die Geschehnisse nicht so echt und glaubhaft beschreiben. Doch Frank Goldammer kann es. Das finde ich wirklich eine grandiose Leistung.

Die mitwirkenden Personen hat er wieder mit großer Sorgfalt und Glaubwürdigkeit präsentiert und in eine spannende Geschichte gepackt. Ich bin nach wie vor ein großer Fan von Goldammer und seinen wirklich meisterlich geschriebenen Krimis aus dem Dresden von damals. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung.

Heikko Deutschmann hat auch den zweiten Teil hervorragend gesprochen.

Kurz, ich bin rundum begeistert von „Tausend Teufel“. Ich kann diesen Krimi allen empfehlen, die gerne einen spannenden Kriminalfall eingewoben in ein Stück deutscher Geschichte hören möchten.

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Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei D>A<V oder auch bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Frank Goldammer – Tausend Teufel

Herzlichen Dank an D>A<V für das Rezensionsexemplar.

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Omar El Akkad – American War

Beschreibung
Amerika in der Zukunft: Der Meeresspiegel steigt, Teile des Landes stehen unter Wasser, der Norden führt Krieg gegen den Süden. In einem Flüchtlingscamp in Mississippi lebt die junge Sarat Chestnut mit ihrer Familie hinter Stacheldraht. Sie haben sich gerade in einem der Zelte eingerichtet und zurück in ein halbwegs normales Leben gefunden, da droht das nächste Unheil…

Omar El Akkad entfaltet mit großer erzählerischer Kraft die dramatische Geschichte einer Radikalisierung. Spannend bis zur letzten Minute – brisant und aktuell.

Sprecher
Uve Teschner

Länge
13 h 10 m

Meine Meinung
Nach dem 5. arabischen Frühling haben sich die Machtverhältnisse auf der Welt radikal verändert. Die USA spielt nun nicht mehr die bedeutsame Rolle, im Gegenteil, hier herrscht der 2. Bürgerkrieg, Nord gegen Süd bzw. Blau gegen Rot. Außerdem ist das Land kleiner geworden, denn viele Küstengegenden liegen nun unter Wasser, die Klimakatastrophe hat erschreckende Ausmaße angenommen.

Die Protagonistin ist Sarat Chestnut, die mit ihrer Familie in einem Zelt in einer Flüchtlingsunterkunft lebt, nachdem der Vater auf der Suche nach einem Job durch ein Selbstmordattentat ums Leben kam. Ein gut gekleideter Mann nimmt sich ihrer an, gibt ihr Bücher zu lesen und erklärt ihr die Welt. Klar, dass sie nur dessen Sicht auf die Welt lernte. Was daraus resultiert, wird hier erzählt.

Dieser Science Fiction hat mir eine Gänsehaut bereitet. Denn er kommt so verdammt vorstellbar daher. Nichts scheint hier übertrieben, alles sehr gut vorstellbar, da viele beschriebene Situationen durchaus auch heute schon passieren. Vlt. nicht in den USA, aber in anderen Teilen der Welt. Ich habe mit diesem Buch begonnen, kurz nachdem  Trump beschlossen hat, aus dem Klimaabkommen auszusteigen. Das hat die Vorstellbarkeit des Plots natürlich nochmals verstärkt.

Uve Teschner fand ich hier gewohnt gut.

Weitere Informationen
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Mechtild Borrmann – Der Geiger

Beschreibung
In einer Nacht im Mai 1948 verliert der begnadete Geiger Ilja Grenko seine beiden wertvollsten Schätze: seine Familie und seine Stradivari. Erst dem eigensinnigen Sascha Grenko, Iljas Enkel, wird es viele Jahrzehnte später gelingen, Licht in das grausame Geschehen von damals zu bringen. Doch der Preis dafür ist hoch – viel zu hoch.

Über die Autorin: Mechtild Borrmann wurde 1960 geboren und lebt heute in Bielefeld. Ihre Kindheit und Jugend verbrachte sie am Niederrhein. Bevor sie sich dem Schreiben von Kriminalromanen widmete, war sie u.a. Tanz- und Theaterpädagogin, Groß- und Außenhändlerin und als Gastronomin tätig. Seit 2011 ist Frau Borrmann freie Schriftstellerin und Mitherausgeberin des Literaturmagazin „Tentakel“. 2012 wurde ihr Roman „Wer das Schweigen bricht“ mit dem Deutschen Krimi Preis 2012 ausgezeichnet.

Die Leserin: Nina Goldberg ist ausgebildete Schauspielerin und Sprecherin, die ihre Stimme schon vielen TV-Produktionen, Features und Hörbüchern geliehen hat..

Sprecher
Nina Goldberg

Länge
7 h 30 m

Meine Meinung
Dieses Buch ist für mich weniger ein Krimi, als vielmehr ein Roman über Stalin und die damaligen Zustände in der Sowjetunion. Denn auch wenn in der Gegenwart ein Kriminalfall daraus wird, so fand ich die ereignisreichen Episoden aus der Vergangenheit noch interessanter, auch wenn diese Vergangenheit vor Leid und Ungerechtigkeit nur so strotzte. Es war einfach unvorstellbar grausam, was Stalin seinem Volk angetan hat.

Kurz zum Inhalt: Der begnadete Geiger Ilja Grenko wird 1948 nach einem Konzert verhaftet, seine geliebte Stradivari, die schon lange in Familienbesitz ist und ein Geschenk von Stradivari höchstpersönlich war, wird ihm weggenommen. Er hatte einen Antrag gestellt, bei seiner nächsten Konzertreise nach Wien seine Frau und seine beiden Kinder mitnehmen zu dürfen. Nun wirft man ihm vor, dass er das Land für immer verlassen wollte. Was er natürlich vehement verneint, doch es wird ihm natürlich nicht geglaubt. Somit wird er solange gefoltert, bis er ein Schreiben unterzeichnet, dass ihm 20 Jahre Arbeitslager bescheren, jedoch seiner Frau Straffreiheit zusichert.

Er wird auf einer harten und langen Reise in das Arbeitslager Wortuka gebracht, seine Frau kommt in die Verbannung. Soviel zur Verschonung seiner Familie.

Erzählt wird diese Geschichte fortan in drei Erzählsträngen: Aus der Sicht Grenkos im Gefangenenlager Wortuka, aus der Sicht seiner Frau in der Verbannung und aus der Sicht seines Enkels, der sich nun in der Gegenwart auf die Suche nach der nach wie vor verschwundenen Stradivari und der Wahrheit über seiner Familie macht.

Alle drei Erzählstränge fand ich äußerst interessant, wobei mir die beiden aus der Vergangenheit am besten gefallen haben. Denn hier hat man sehr viel gelernt, sehr viel erfahren. Klar, allein schon das Wort Arbeitslager jagt wohl jedem eine Gänsehaut ein. Doch hier wird das Leben dort sehr detailliert geschildert. Unvorstellbar dieses Elend! Doch auch in der Verbannung erging es seiner Frau nicht wesentlich besser,  musste sie doch auch sehr, sehr hart unter unvorstellbaren Bedingungen arbeiten, um überhaupt überleben zu können.

Die Gegenwartsgeschichte war natürlich auch spannend, denn selbst heute noch ist das „Schnüffeln“ in der Vergangenheit einfach nicht erwünscht und wird mit allen Mitteln verhindert. Hier schreckt man selbst heute nicht vor Mord zurück – zumindest in diesem Krimi nicht.

Es ist doch immer wieder erstaunlich, welche Intensität man in siebeneinhalb Stunden packen kann. Mechtild Borrmann hat mit Der Geiger einen Kriminalroman geschrieben, der mir wirklich tief unter die Haut ging und der mich bis in meine Träume „verfolgte“.

Nina Goldmann als Sprecherin kannte ich bisher noch nicht, doch sie hat mich sehr positiv überrascht. Sie hat eine klare, angenehme Stimme der man gut zuhören kann und die niemals schrill wird.

Weitere Informationen
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Siehe auch:

Gusel Jachina – Suleika öffnet die Augen

Beschreibung
Suleika ist eine tatarische Bäuerin. Eingeschüchtert und rechtlos lebt die Mutter von vier im Säuglingsalter gestorbenen Kindern auf dem Hof ihres viel älteren Mannes. Ihr Weg zu sich selbst führt durch die Hölle, das Sibirien der von Stalin Ausgesiedelten.

Ein anrührendes und meisterhaftes Debüt, das in 21 Sprachen übersetzt ist. Vielfach preisgekrönt, u.a. als Großes Buch 2015 und mit dem Jasnaja Poljana-Preis 2015.

Diese ungekürzte Hörbuch-Fassung wird exklusiv von Audible präsentiert und ist ausschließlich im Download erhältlich.

Sprecher
Frank Arnold

Länge
17 h 49 m

Meine Meinung
Suleika ist die Frau eines wesentlich älteren Kulaken, ihre vier Töchter sterben jeweils recht schnell nach ihrer Geburt, ihre Schwiegermutter ist die Ausgeburt der Hölle. Auch der Mann ist recht grob und roh, Suleika erträgt ihr Leben in Demut. Dann kommen die „Roten Horden“, ermorden ihren Mann, lassen die bereits 100-jährige erblindete Schwiegermutter auf dem Gut zurück und rauben Suleika. Sie wird daraufhin mit 1000 anderen „Umsiedlern“ in einen Zug gepfercht und wochenlang durch die Gegend gefahren. Scheinbar ziellos leiden sie an bitterer Kälte und Hunger, nicht wenige sterben auf der Fahrt.

Ein weiterer Protagonist ist Igantow. Er ist der Mörder von Suleikas Mann und eben dieser wird dazu verpflichtet, den Transport der Sklaven – aber nein, es sind ja „Umsiedler“ – zu überwachen. Somit trennt sich der Weg von Suleika und Igantow nicht, im Gegenteil, sie sind ständig gemeinsam auf dem Weg. Er als unfreiwilliger Bewacher und sie als Gefangene von ihm. Als letztendlich nur noch 29 Überlebende dieser Tortur an ihrem Zielort in Sibirien ankommen, ist dort nichts. Überhaupt nichts. 29 Gefangene und ein Bewacher mit einer Pistole. Die versprochene Hilfe kommt nicht. Kann man das in dieser unmenschlichen Landschaft überleben?

Dieses Hörbuch geht ganz tief unter die Haut. Gusel Jachina hat einen sehr eindringlichen und gefühlvollen Stil, der den Hörer mitten hinein in die Geschehnisse versetzt. Ob es nun die wunderschönen Landschaftsbeschreibungen sind oder die Charakterisierung der Menschen, alles und alle vermag sie derart bildlich zu beschrieben, dass man keine Minute an der Echtheit und Glaubwürdigkeit zweifelt. Nicht selten entsteht dadurch ein dicker Kloß im Hals des Zuhörers.

Sehr interessant fand ich auch die Metapher, als der Professor immer mehr von einem Ei eingehüllt wurde, um sich dem herrschenden Wahnsinn zu entziehen. Nur so konnte er diese Welt noch ertragen.

Suleika öffnet die Augen ist eine Geschichte, die schwer zu ertragen und zugleich grandios erzählt ist. Es ist in meinen Augen typische schwere russische Literatur, an der man zu knabbern hat. Viele der geschilderten Situationen werden mir noch lange im Gedächtnis bleiben. Wenn ich mich nachts in meinen Träumen in einem Buch befinde, dann ist das ein eindeutiges Zeichen, dass es sehr großen Eindruck auf mich gemacht hat. Und ich war nächtelang in Sibirien.

Und nun komme ich zum schwierigen Teil dieser Bewertung. Frank Arnold als Sprecher fand ich stellenweise äußerst anstrengend. Ich habe nun schon öfter erwähnt, dass ich ihn als Sprecher von Sachbüchern ganz hervorragend finde. Da kommt ja auch keine direkte Rede vor. Doch hier haben wir natürlich viele Stellen mit Dialogen und auch viele Stellen, in denen geschrien wird. Ich finde es äußerst anstrengend, ihm dabei zuzuhören. Klar, er macht das mit viel Leidenschaft! Keine Frage! Aber ich finde seine Interpretation immer äußerst anstrengend. Fast schon schrill. Anfangs sind stimmlich viele anstrengende Stellen, das legt sich im Laufe der Geschichte ein Glück. Mit der restlichen Darbietung war ich dann sehr zufrieden.

Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Gusel Jachina – Suleika öffnet die Augen