Tetsuya Honda – Blutroter Tod: Reiko Himekawa ermittelt in Tokio

blutroter-todBeschreibung
Ein in blaue Plastikplane verpackter Leichnam bedeutet für die Mordkommission der Tokioter Polizeibehörde Keishi-chō zunächst nichts Außergewöhnliches. Als Hauptkommissarin Reiko Himekawa mit ihrer Einheit am Tatort eintrifft wird jedoch schnell klar, dass es sich um weitaus mehr als ein einfaches Verbrechen handelt. Nach und nach tauchen immer mehr Opfer auf, alle auf die gleiche grausame Art hingerichtet, und mit ihnen Fragen, die bei der Ermittlung lange ungeklärt bleiben – bis Himekawas Team auf eine heiße Spur stößt und Reiko sich damit nichtsahnend selbst in Lebensgefahr bringt… Das Hörbuch des Thrillers von Tetsuya Honda erscheint als ungekürzte Lesung im DAV.

Reiko Himekawa ist Hauptkommissarin. Und sie ist eine Frau. Sechs gebrochene Finger und zwei Gehirnerschütterungen hat sie bereits zu verantworten, denn wenn Kollegen ihr zu nahe kommen, versteht sie keinen Spaß. Daran kann auch ihre kranke Mutter nichts ändern, die ihre 30-jährige Tochter seit Jahren unbedingt unter die Haube bringen will und dafür nur Zurückweisung erfährt. Reiko brennt für ihren Beruf und doch stößt sie an ihre Grenzen als sie, ausgerechnet während der Ermittlungen zum neuen Fall, von ihrer Vergangenheit wieder eingeholt wird… Das Hörbuch gewährt einen spannenden Einblick in die Hierarchien einer japanischen Polizeibehörde und legt mit einer erschütternden Unverblümtheit menschliche Abgründe offen, die sogar die erfahrensten Ermittler ins Straucheln bringen.

Sprecher
Britta Steffenhagen

Länge
9 h 36 m

Meine Meinung
Diesen Krimi empfand ich als ziemlich außergewöhnlich. Nicht unbedingt von der Thematik her, denn ganz neu ist die Idee des Darknet und den Vorkommnissen, die dort ihren Ursprung finden, nicht unbedingt.Auch dass die Kommissarin Reiko noch sehr jung ist und viel auf ihr Bauchgefühl vertraut, ist nicht neu. Dass sie sich mit dieser intuitiven Art nicht gerade beliebt macht, ist auch nicht das Verwunderliche.

Das Außergewöhnliche an diesem Kriminalroman finde ich die Ermittlungsarbeit. Denn in Tokio scheint die Polizei anders zu ticken. Hier wird nicht eine Sonderkommission gebildet, die sich dann als Team gemeinschaftlich an die Aufklärung des Falls macht. Nein, hier werden Zweier-Gruppen gebildet, die zu allem Überfluss auch noch jeden Tag neu zusammengestellt werden. Kaum einer traut dem anderen über den Weg, wichtige Ermittlungsergebnisse werden lange zurückgehalten, um selbst die Lorbeeren zu kassieren. Dass dies vermutlich nur selten zu raschen Ermittlungserfolgen führt, ist wohl unschwer nachzuvollziehen. Jedoch erhöht es natürlich in einem Krimi die Spannung, denn man muss gleich um mehrere Menschen bibbern, die sich durch ihre Eigenbrödelei in größte Schwierigkeiten manövrieren. Doch so sehr viele, um die ich wirklich Angst hatte, gab es nicht – waren doch auch wirklich unsympathische Typen an der Arbeit.

Reiko, die Protagonistin hingegen, fand ich sehr sympathisch. Sie ist eine mutige und sture junge Frau, die – wenn es nicht anders geht – auch mal mit dem Kopf durch die Wand marschiert. Sie ist selbstbewusst, obwohl ihr in ihre Jugend etwas wirklich Schlimmes passiert ist. Doch eben dieser Schicksalsschlag hat sie stärker denn je werden lassen. Sehr zum Leidwesen ihrer Familie, die fest davon überzeugt ist, dass eine Frau verheiratet sein und dies ihr eigentlicher Lebensinhalt darstellen sollte. Was ihre Familie nur schwer verkraftet ist die Tatsache, dass Reiko die Chefin der Tokioter Mordkommission ist.

Du siehst, dieser Krimi ist außergewöhnlich. Er spielt in einer ungewöhnlichen Umgebung, eben mal nicht in den USA oder Europa, erzählt somit von anderen Gepflogenheiten und Sitten und bedient sich völlig anderer Ermittlungsstrategien.

Doch eines ist trotzdem gleich: Auch in Tokio gibt es grausame Gewalttaten, bei denen es gilt, den Täter dingfest zu machen.

Blutroter Tod ist ein spannender und kurzweiliger Krimi, der meistens ziemlich gut von Britta Steffenhagen vorgetragen wird.

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Herzlichen Dank an D>A<V für das Rezensionsexemplar.

 

David Ellis – Die Anklage

Die AnklageBeschreibung
Der junge Anwalt Jason Kolarich ist auf dem Weg nach ganz oben. Erfolgreich verteidigt er den wegen Mordes angeklagten Senator Almundo. Doch als der Hauptzeuge im Fall Almundo erschossen wird, kommen ihm Zweifel: Hat Kolarich womöglich für einen Verbrecher gearbeitet? Wenig später bricht für ihn eine Welt zusammen: Bei einem Unfall verliert Kolarich Frau und Tochter. In seiner Verzweiflung will er nur noch eins – die Wahrheit. Dafür setzt er alles aufs Spiel.

Sprecher
Bodo Primus

Länge
16 h 26 m

Meine Meinung
Diese Geschichte und ihre Aufdeckung am Ende ist eine überaus interessante Story, die die Machenschaften des FBI aber auch einiger Politiker aufdeckt. Intrigen und Korruption sind an der Tagesordnung, auch vor Mord an wichtigen Zeugen wird nicht zurückgeschreckt.

Jason Kolarich wird hier in eine Sache verwickelt, in die er sich ganz sicher nicht freiwillig hätte einwickeln lassen, wenn ihm nicht sozusagen die Hände gebunden wären. Hat er anfangs noch einige Skrupel so findet er sich im Laufe der Zeit immer besser in seine ungewollte Rolle als Spitzel ein und macht seinen Job hervorragend.

Aber eine Sache fand ich wirklich fast über die gesamte Geschichte hin sehr anstrengend. Die Story wird aus der Ich-Perspekte von Kolarich erzählt. Und dieser Jason Kolarich begründet jede, wirklich jede seiner Handlungen äußerst ausführlich. Manchmal hatte ich wirklich den Eindruck, dass ich seit ca. einer Stunde an der gleichen Stelle bin, denn so war der Fortgang der Geschichte doch recht mühsam und nur selten spannend.

Da sie aber insgesamt sehr interessant war und auch der Sprecher Bodo Primus wirklich eine klasse Leistung hingelegt hat, blieb ich bei der Stange. Und das hat sich im Nachhinein gesehen auch wirklich gelohnt.

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Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: David Ellis – Die Anklage

Siehe auch:

Ayelet Gundar-Goshen – Löwen wecken

Löwen weckenBeschreibung
Ein Neurochirurg überfährt einen illegalen Einwanderer. Es gibt keine Zeugen, und der Mann wird ohnehin sterben – warum also die Karriere gefährden und den Unfall melden? Doch tags darauf steht die Frau des Opfers vor der Haustür des Arztes und macht ihm einen Vorschlag, der sein geordnetes Leben komplett aus der Bahn wirft. Wie hätte man selbst in einer solchen Situation gehandelt? Diese Frage schwebt über dem Roman, der die Grenzen zwischen Liebe und Hass, Schuld und Vergebung und Gut und Böse meisterhaft auslotet.

Diese ungekürzte Hörbuch-Fassung wird exklusiv von Audible präsentiert und ist ausschließlich im Download erhältlich.

Sprecher
Uve Teschner

Länge
11 h 25 m

Meine Meinung
Dieses Hörbuch empfand ich in zweierlei Hinsicht als ziemlich überraschend. Erstens hatte ich es aufgrund des Klappentextes wie selbstverständlich nach Deutschland verortet. Der Name der Autorin sagte mir nichts. Denn wenn ich sie bereits gekannt hätte, wäre mir klar gewesen, dass diese Geschichte vermutlich eher in Israel und eben nicht in Deutschland spielt. Zweitens fand ich den Sprachstil außergewöhnlich bildhaft, mit Metaphern, die meinen europäischen Ohren ziemlich fremd und doch zugleich sehr faszinierend vorkamen.

Der Inhalt ist oben schon kurz angerissen. Ein klein wenig weiter ausholen möchte ich hier dann doch. Denn die Entscheidung, die Etan in dieser verhängnisvollen Nacht trifft, nämlich den von ihm „überrollten“ Mann – der ein illegal eingewanderter Eritreer ist und dem man aufgrund der schweren Verletzungen sowieso nicht mehr helfen kann – seinem Schicksal zu überlassen und ihn einfach sterbend liegenzulassen, verändert sein Leben vermutlich mehr, als es eine Unfallmeldung je getan hätte. Doch die Folgen treten erst nach und nach immer deutlicher ins Rampenlicht, lassen Etan immer mehr mit seinem Gewissen hadern und letztendlich rudert er mit jeder weiteren Entscheidung, die er im Nachhinein trifft, immer tiefer hinein in einen Morast aus Lügen und Betrug. Doch nicht nur seiner Familie gegenüber, auch sich selbst betrachtet er im Verlauf der Geschichte mit immer größeren Zweifeln, was für ein Mensch er wirklich ist und was für ein Mensch er eigentlich immer sein wollte – und auch jahrelang tatsächlich zu sein glaubte.

Diese innere Zerrissenheit und die Ohnmacht, mit der jetzigen Situation klar zu kommen, treibt ihn schier ans Ende seiner Kraft.

Die zweite sehr wichtige Person in diesem Roman ist Sirkit. Sie ist die Frau des Opfers, die unbemerkt Zeugin des Unglücks wird und ihr der Zufall zu Hilfe kommt, als Etan seine Geldbörse am Unfallort verliert. Sie steht am nächsten Tag mit dem Geldbeutel vor Etans Tür und sagt ihm, dass er diesen wohl verloren habe. Sofort wird Etan klar, dass sie ihn erpressen will. Er soll sich am Abend in einer Autowerkstatt einfinden. Etan überreicht ihr viel Geld, obwohl sie gar nicht nach Geld verlangt hatte. Sirkit nimmt das Geld, doch eigentlich hat sie ganz andere Pläne mit ihm. Denn er ist Arzt, wie sie dank seiner Papiere weiß, und einen Arzt benötigen die illegalen Einwanderer noch dringender als Geld.

Sehr gut hat mir hier die Entwicklung der Geschichte an sich und der beiden Protagonisten gefallen. Z. B. kämpfte jeder seinen eigenen Kampf, gegen das System, gegen sich selbst, doch auch gegen den fremdartigen, gar abstoßenden Anderen, die doch eh alle gleich aussehen. Sowohl Sirkit als auch Etan hatten Probleme, den jeweils Anderen zu erkennen und auch wiederzuerkennen. Denn die gewohnten Erkennungsmerkmale fielen aufgrund der Andersartigkeit in ein dunkles, verschwommenes Loch, in dem alle Eritreer und alle Israelis für den jeweils Anderen gleich aussahen. Dachte ich anfangs noch, dass Sirkit einzig Hilfe für ihr eigenes geschundenes Volk will, so verändert sich diese Sichtweise im Laufe der Geschichte. Auch Etan macht eine glaubhafte Entwicklung durch, immer darauf bedacht, möglichst heil wieder aus dieser vertrackten Situation herauszukommen. Beide winden sich, sträuben sich. Ein turbulentes Magnetspiel, bei dem sich die Pole mal kraftvoll anziehen und sich dann wieder mit voller Wucht abstoßen. Wer hier meint, auf klare Gefühle und  Meinungen zu treffen, der irrt. Und gerade das macht diese Geschichte so glaubhaft und zutiefst menschlich.

Doch auch die Rolle der Ehefrau von Etan hat mir gut gefallen. Denn sie ist Polizistin. Und ausgerechnet sie soll den Unfall mit der Fahrerflucht aufklären. Dass es hier zu Spannungen kommt, kann man sich nur unschwer vorstellen. Doch seine Frau Lait ist auf einer völlig falschen Spur, die aber menschlich und auch von der Handlung her wiederum sehr gut zu verstehen ist. Auch wenn man als Hörer natürlich weiß, wie sich das mit dem Unfall verhielt, so konnte man ihre Schlußfolgerungen letztendlich doch auch verstehen.

Und nun komme ich zum Highlight der Geschichte. Keine Angst, es folgt kein Spoiler. Denn ich will hier einzig von dem grandiosen Sprachstil reden. Ich lauschte hier wirklich gebannt jedem einzelnen Wort. Die Metaphern und Beschreibungen – und davon gab es sehr viele – waren mal blumig, fast schwülstig, dann wieder staubtrocken wie die Wüste, die unseren Schauplatz Be’er Schewa umgibt, dann plötzlich vulgär bis wirklich abstoßend. Hier wurde die ganze Bandbreite der Gefühle und Stimmungen bildlich und sprachlich nuanciert herausgearbeitet. Auch der Satzbau war stellenweise völlig anders, als in den meisten Romanen. Da stockte einem schon aufgrund der einzigartigen Aneinanderreihung der Worte der Atem.

Uve Teschner als Sprecher hat diese sprachlichen Feinheiten mit einem exzellenten  Gespür für Betonung, Dramatik und Satzmelodie gesprochen, dass sich manches Mal bei mir eine leichte Gänsehaut bildete. Einfach genial. Ich möchte fast so weit gehen zu sagen, dass dies bisher die beste Leistung Teschners war – und ich habe schon viele Hörbücher mit ihm als Sprecher gehört.

Wem könnte diese Geschichte gefallen? Nun, da kommt mir doch direkt „I saw a man“ von Owen Sheers in den Sinn. Ähnliche Thematik: Entscheidung ist getroffen, wie lebt man nun damit.

Dieses Hörbuch gehört jedenfalls auf meine Bestenliste.

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Weitere Informationen
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Cay Rademacher – Mörderischer Mistral: Ein Provence-Krimi mit Capitaine Roger Blanc

Mörderischer MistralBeschreibung
Capitaine Roger Blancs erster Fall: Von der Frau verlassen und in die Provinz versetzt: Capitaine Roger Blanc steht vor den Trümmern seines Lebens. Bis vor Kurzem war er erfolgreicher Korruptionsermittler in Paris, doch dabei ist er mächtigen Leuten auf die Füße getreten. Und so findet er sich bald allein in seiner neuen Behausung in der Provence wieder, einer verfallenen Ölmühle, die ihm vor Jahren ein Onkel vermacht hatte. Aber bevor Blanc sich im kleinen Ort Gadet nur ein wenig zurechtfinden kann, wird ihm ein Mordfall zugewiesen.

Unversehens verfängt sich der Capitaine in einer Intrige, die ihn tiefer in die Strukturen seiner neuen Heimat führt, als ihm lieb ist. Und auch an seine neuen Kollegen muss er sich erst gewöhnen: an seinen Partner Marius, der sich mehr für Rosé interessiert als für die Arbeit. An die temperamentvolle Computerspezialistin Fabienne, die überall hinzugehören scheint, nur nicht in dieses verschlafene Städtchen. Und an die so gefürchtete wie attraktive Untersuchungsrichterin Aveline Vialaron-Allègre, die ausgerechnet mit ebenjenem Politiker verheiratet ist, der Blancs Karriere ruiniert hat. Da geschieht ein zweiter Mord – und es kommt zum Showdown in den Pinienwäldern, die der Mistral gerade in ein wütendes Flammenmeer verwandelt…

Diese ungekürzte Hörbuch-Fassung wird exklusiv von Audible präsentiert und ist ausschließlich im Download erhältlich

Sprecher
Oliver Siebeck

Länge
8 h 35 m

Meine Meinung
Mörderischer Mistral ist ein durchaus interessanter Krimi, der durch die Abwesenheit von Gewaltszenen glänzt. Vielmehr geht es hier um das Thema Korruption, weshalb Capitaine Roger Blanc überhaupt erst in die Provence strafversetzt wurde. Eigentlich steht hier der Ermittler im Vordergrund, der sich an seine neuen Kollegen und die fremde Umgebung zunächst einmal gewöhnen muss. Die Schwierigkeiten, auf die er dabei stößt, fand ich sehr nachvollziehbar und glaubhaft geschildert.

Wer einen eher ruhigen, klug aufgebauten Krimi hören möchte, der ist hiermit bestens bedient. Wer Action und Blut sucht, wird mit diesem Buch nicht glücklich werden. Aber eines ist es allemal: ein interessanter Auftakt der Reihe. Denn Roger Blanc ist ein durchaus interessanter Charakter.

Den Sprecher Oliver Siebeck finde ich als Hörspiel-Sprecher wirklich gut. Als Hörbuchsprecher – zumindest in diesem Fall – nicht so gut. Denn er ändert ständig seine Lautstärke, was bei mir dazu führte, dass ich ständig lauter und leise stellen musste.

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Weitere Informationen
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Jo Nesbo – Der Sohn

Der SohnBeschreibung
Sonny ist ein vorbildlicher Gefangener. Er lauscht den Geständnissen seiner Mitgefangenen und vergibt ihnen ihre Sünden. Er wurde sein ganzes Leben lang belogen. Doch dann ändert ein Geständnis alles. Ein Mitgefangener weiß etwas über Sonnys in Ungnade gefallenen Vater. Sonny will Rache. Er muss aus dem Gefängnis fliehen, und die Verantwortlichen sollen für ihre Verbrechen zahlen. Wie hoch der Preis auch sein mag…

Diese ungekürzte Hörbuch-Fassung wird exklusiv von Audible präsentiert und ist ausschließlich im Download erhältlich.

Sprecher
Sascha Rotermund

Länge
15 h 21 m

Meine Meinung
Ich hatte mich sehr auf das neue Hörbuch von John Jo Nesbø gefreut. Doch so wirklich glücklich war ich am Ende nicht.

Sonny ist ein Junkie und sitzt im Knast. Er spielt da quasi Gott, denn seine Mitgefangenen kommen zu ihm, um sich ihre Sünden vergeben zu lassen. Er tut da zwar selbst nicht viel dazu – er schweigt im Normalfall – doch seinen Mitmenschen tut er gut. Als ihm eines Tages ein Mitgefangener seine Sünden beichtet und Sonny dadurch erfährt, dass sein Vater doch nicht so ein Mistkerl war, wie er glaubte, schwört er Rache. Von nun an beginnt ein gnadenloser Rachefeldzug.

Die Geschichte an sich fand ich zwar gut, da sie sehr menschlich daher kam, aber sie hatte für meinen Geschmack furchtbar viele Längen, weshalb es mir wirklich viel abverlangte, das Hörbuch zu Ende zu hören. Auch fand ich einige Stellen nicht wirklich überzeugend. Denn z. B. ist es für mich nur schwer zu glauben, dass ein derart abhängiger Junkie, wie Sonny zu Anfang beschrieben wird, es einfach so im Handumdrehen schaffen soll, mit den Drogen aufzuhören.

Ich glaube, um einiges vom Lektorat gekürzt und etwas mehr Quälerei beim Entzug hätte die Geschichte glaubhafter und spannender werden lassen. So kann ich für die Story nur 3 Pingu-Punkte geben. Der Sprecher hingegen hat seine Arbeit sehr gut gemacht. Deshalb bekommt er die volle Punktzahl von mir.

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Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Jo Nesbø – Der Sohn

Siehe auch:

Aus der Harry Hole-Reihe:

Andere:

 

John Katzenbach – Der Sumpf

Der SumpfBeschreibung
Matt Cowart, Reporter aus Miami, bekommt Post aus der Todeszelle. Der Fall des College-Studenten Robert Earl Ferguson scheint besonders schreiendes Unrecht zu sein. Der junge Schwarze wurde für den Mord an einem elfjährigen weißen Mädchen verurteilt, doch offenbar ist er Rassismus und Korruption innerhalb der Polizei zum Opfer gefallen. Seine Nachforschungen überzeugen Matt von Roberts Unschuld. Seine flammenden Artikel über den Fall Ferguson bringen Matt schließlich sogar den Pulitzer-Preis ein, über Nacht ist er eine Berühmtheit, wird als Bürgerrechtler gefeiert – und bemerkt zu spät, dass er in einem gefährlichen Sumpf aus Hass und Niedertracht zu versinken droht…

Diese ungekürzte Hörbuch-Fassung wird exklusiv von Audible präsentiert und ist ausschließlich im Download erhältlich.

Sprecher
Uve Teschner

Länge
21 h 10 m

Meine Meinung
Endlich mal wieder ein Hörbuch, dass es auf meine Bestenliste geschafft hat. Denn hier stimmt einfach alles: Das Thema, der Aufbau der Story, die Spannung, das verdammt gute Ende und nicht zuletzt die grandiose Leistung des Sprechers.

Wie man aus der Beschreibung oben bereits entnehmen kann, geht es um die Todesstrafe. Ein wahrhaft heikles Thema. Der schwarze Student Robert Earl Ferguson scheint unschuldig im Todestrakt auf seine Hinrichtung zu warten. Er schreibt dem Reporter Matt Cowart einen Brief, in dem er seine Unschuld beteuert. Dieser Brief lässt den Reporter nicht mehr los. Also geht er der Sache auf den Grund. Und bald kommt er zu dem Schluss, dass Ferguson ein Opfer von Rassismus und Vorurteilen ist. Fortan setzt er alles daran, Ferguson frei zu bekommen….

Ich würde ja gerne noch mehr von der Story erzählen, aber das kann ich nicht. Ich würde mit jedem weiteren Satz zu viel verraten.

John Katzenbach hat mit „Der Sumpf“ einen Psychothriller der Extraklasse geschrieben. Ich war von der ersten Minute an in den Bann der Geschichte gezogen, glaubte  und zweifelte  zusammen mit dem Reporter an der Wahrheit oder der Lüge der Aussagen, haderte mit ihm, was nun richtig und was falsch sei. Und ganz bald stellte auch ich fest: Verdammt, wem kann man trauen? Wem nicht?

Die Story ist wahnsinnig spannend aufgebaut und faszinierend erzählt. Die 21 Stunden vergingen wie im Flug und ich verfluchte die Zeiten, zu denen ich pausieren musste wegen so lästiger Dinge wie arbeiten gehen oder schlafen. Schlafen wurde also auf Sparflamme gedreht, da ich unbedingt wissen wollte, ja wissen musste, wie es weitergeht.

Auch mit dem Ende der Story war ich ganz und gar zufrieden.

Uve Teschner hat aus dieser Lesung das reinste Hörspiel inszeniert. Ich war immer wieder von seiner Sprachvielfalt begeistert. Er hat jeden, wirklich jeden Satz perfekt gesprochen. Jede Gefühlsregung hat er sprachlich grandios ausgedrückt.

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Weitere Informationen
Eine Hörprobe sowie weitere Informationen gibt es bei Audible.de
Und hier geht es direkt zum Hörbuch: John Katzenbach – Der Sumpf

Siehe auch: