Tetsuya Honda – Blutroter Tod: Reiko Himekawa ermittelt in Tokio

blutroter-todBeschreibung
Ein in blaue Plastikplane verpackter Leichnam bedeutet für die Mordkommission der Tokioter Polizeibehörde Keishi-chō zunächst nichts Außergewöhnliches. Als Hauptkommissarin Reiko Himekawa mit ihrer Einheit am Tatort eintrifft wird jedoch schnell klar, dass es sich um weitaus mehr als ein einfaches Verbrechen handelt. Nach und nach tauchen immer mehr Opfer auf, alle auf die gleiche grausame Art hingerichtet, und mit ihnen Fragen, die bei der Ermittlung lange ungeklärt bleiben – bis Himekawas Team auf eine heiße Spur stößt und Reiko sich damit nichtsahnend selbst in Lebensgefahr bringt… Das Hörbuch des Thrillers von Tetsuya Honda erscheint als ungekürzte Lesung im DAV.

Reiko Himekawa ist Hauptkommissarin. Und sie ist eine Frau. Sechs gebrochene Finger und zwei Gehirnerschütterungen hat sie bereits zu verantworten, denn wenn Kollegen ihr zu nahe kommen, versteht sie keinen Spaß. Daran kann auch ihre kranke Mutter nichts ändern, die ihre 30-jährige Tochter seit Jahren unbedingt unter die Haube bringen will und dafür nur Zurückweisung erfährt. Reiko brennt für ihren Beruf und doch stößt sie an ihre Grenzen als sie, ausgerechnet während der Ermittlungen zum neuen Fall, von ihrer Vergangenheit wieder eingeholt wird… Das Hörbuch gewährt einen spannenden Einblick in die Hierarchien einer japanischen Polizeibehörde und legt mit einer erschütternden Unverblümtheit menschliche Abgründe offen, die sogar die erfahrensten Ermittler ins Straucheln bringen.

Sprecher
Britta Steffenhagen

Länge
9 h 36 m

Meine Meinung
Diesen Krimi empfand ich als ziemlich außergewöhnlich. Nicht unbedingt von der Thematik her, denn ganz neu ist die Idee des Darknet und den Vorkommnissen, die dort ihren Ursprung finden, nicht unbedingt.Auch dass die Kommissarin Reiko noch sehr jung ist und viel auf ihr Bauchgefühl vertraut, ist nicht neu. Dass sie sich mit dieser intuitiven Art nicht gerade beliebt macht, ist auch nicht das Verwunderliche.

Das Außergewöhnliche an diesem Kriminalroman finde ich die Ermittlungsarbeit. Denn in Tokio scheint die Polizei anders zu ticken. Hier wird nicht eine Sonderkommission gebildet, die sich dann als Team gemeinschaftlich an die Aufklärung des Falls macht. Nein, hier werden Zweier-Gruppen gebildet, die zu allem Überfluss auch noch jeden Tag neu zusammengestellt werden. Kaum einer traut dem anderen über den Weg, wichtige Ermittlungsergebnisse werden lange zurückgehalten, um selbst die Lorbeeren zu kassieren. Dass dies vermutlich nur selten zu raschen Ermittlungserfolgen führt, ist wohl unschwer nachzuvollziehen. Jedoch erhöht es natürlich in einem Krimi die Spannung, denn man muss gleich um mehrere Menschen bibbern, die sich durch ihre Eigenbrödelei in größte Schwierigkeiten manövrieren. Doch so sehr viele, um die ich wirklich Angst hatte, gab es nicht – waren doch auch wirklich unsympathische Typen an der Arbeit.

Reiko, die Protagonistin hingegen, fand ich sehr sympathisch. Sie ist eine mutige und sture junge Frau, die – wenn es nicht anders geht – auch mal mit dem Kopf durch die Wand marschiert. Sie ist selbstbewusst, obwohl ihr in ihre Jugend etwas wirklich Schlimmes passiert ist. Doch eben dieser Schicksalsschlag hat sie stärker denn je werden lassen. Sehr zum Leidwesen ihrer Familie, die fest davon überzeugt ist, dass eine Frau verheiratet sein und dies ihr eigentlicher Lebensinhalt darstellen sollte. Was ihre Familie nur schwer verkraftet ist die Tatsache, dass Reiko die Chefin der Tokioter Mordkommission ist.

Du siehst, dieser Krimi ist außergewöhnlich. Er spielt in einer ungewöhnlichen Umgebung, eben mal nicht in den USA oder Europa, erzählt somit von anderen Gepflogenheiten und Sitten und bedient sich völlig anderer Ermittlungsstrategien.

Doch eines ist trotzdem gleich: Auch in Tokio gibt es grausame Gewalttaten, bei denen es gilt, den Täter dingfest zu machen.

Blutroter Tod ist ein spannender und kurzweiliger Krimi, der meistens ziemlich gut von Britta Steffenhagen vorgetragen wird.

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Herzlichen Dank an D>A<V für das Rezensionsexemplar.

 

Frank Goldammer – Der Angstmann

der-angstmannBeschreibung
Dresden, 1944: Der letzte Kriegswinter verlangt der Bevölkerung das Äußerste ab, als auch noch ein brutaler Frauenmörder im Kriegschaos sein Unwesen treibt. Kriminalinspektor Max Heller ist alarmiert. Weder sein linientreuer Vorgesetzter noch der regelmäßige Bombenalarm können ihn davon abbringen, sich auf die Suche nach dem kaltblütigen Täter zu machen. Autor Frank Goldammer hat bereits einige Romane über seine Heimatstadt Dresden im Eigenverlag veröffentlicht. »Der Angstmann«, erschienen bei dtv, ist der fulminante Auftakt zu einer historischen Krimi-Serie um Kommissar Max Heller. Die ungekürzte Lesung mit Heikko Deutschmann, erschienen auf 1 mp3-CD, ist bei Der Audio Verlag erhältlich.

Gebt auf Euch acht: Der Angstmann geht um!

Als im Kriegswinter 1944 in Dresden eine grausam zugerichtete Frauenleiche nach der anderen auftaucht, erkennt Kriminalinspektor Max Heller schnell, dass er es mit einem Serienmörder zu tun hat. Auch die Bevölkerung hat eine klare Meinung zu den schrecklichen Morden: Schuld ist der Angstmann, der nachts stöhnend und jaulend durch die Bombenruinen schleicht. Max Heller glaubt nicht an das Ammenmärchen und doch lässt ihm der Fall keine Ruhe. Trotz Gegenwind von Kollegen und stark eingeschränkten Ermittlungsmöglichkeiten versucht er hartnäckig, dem Täter auf die Schliche zu kommen und das Morden zu beenden. Nach dem Bombenhagel auf Dresden im Februar 1945, bei dem die Stadt größtenteils zerstört wird, halten alle den Mörder für tot. Doch der Angstmann kehrt zurück.

Sprecher
Heikko Deutschmann

Länge
10 h 13 m

Meine Meinung
Wie viel ist ein Menschenleben wert, wenn die Welt in Trümmern liegt.

Diese Frage muss sich Kriminalinspektor Max Heller nicht nur einmal stellen. Denn während schier auf der ganzen Welt die Menschen in den Bombenhageln sterben, jagt Heller einen Mörder, der in Dresden sein Unwesen treibt. Ergibt das einen Sinn? Für Heller schon, für die Nazis nicht und dementsprechend behindern diese auch die Nachforschungen, die aufgrund der Kriegssituation sowieso schon schwierig genug sind.

Nach dem Krieg denkt zunächst jeder, dass der Angstmann ganz sicher in der Bombennacht, in der fast ganz Dresden in Schutt und Asche gelegt wurde, auch ums Leben kam. Doch das Morden geht weiter und Heller nimmt erneut seine Spur auf. Kurz darauf verhaften die Russen den vermeintlichen Angstmann und wollen ihn am nächsten Tag hinrichten. Todesmutig wagt sich Heller in die russische Hand, um sich selbst davon zu vergewissern, dass sie tatsächlich den richtigen Mann inhaftiert haben. Doch Heller hat große Zweifel. Fortan ermittelt er zusammen mit einem Russen.

Mehr will ich zu dem spannenden Kriminalfall gar nicht erzählen. Vielmehr möchte ich auf die hervorragende Erzählweise des Romans eingehen. Frank Goldammer hat hier eine Mordermittlung geschickt mit einer gehörigen Portion an Kriegsschilderungen zusammengefügt. Sehr schnell wird einem die Situation in Dresden bewusst, wie die Nazis alles regierten, wie sich niemand traute, etwas zu sagen, wie jeder Angst vor den Nazis doch auch vor Denunziation haben musste. Heller und seine Frau, die hier stellvertretend für Millionen von anderen Menschen stehen, leben völlig verarmt von der Hand in den Mund, haben keine Perspektiven. Einzig Heller hat ein Ziel: Er will den Mörder um jeden Preis fangen. Denn er war niemals ein Nazi, er war und ist zu jedem Zeitpunkt Max Heller mit seiner Auffassung von Gerechtigkeit. Und die passt mit der von den Nazis ganz und gar nicht zusammen. Und das macht es für ihn natürlich unheimlich kompliziert zu agieren, ohne sich selbst und seine Frau dabei in Lebensgefahr zu bringen.

Die Beschreibung der Bombennacht von Dresden kurz vor Kriegsende wurde äußerst beklemmend geschildert. Man fühlte sich mit in dem Keller eingeschlossen, in dem Max Heller und viele andere Zuflucht gesucht hatten. Auch die Szene, als er aus dem Keller herauskam, dann plötzlich völlig alleine in den Trümmern stand und anschließend über die völlig zerstörte und in Flammen stehende Stadt irrte, wurde bildlich außerordentlich gut geschildert. Ich konnte mir das lebhaft vorstellen und hatte die ganze Zeit über eine Gänsehaut.

Überhaupt gibt es viele sehr schöne und auch weniger schöne, aber umso passendere bildliche Situationsbeschreibungen. Sehr gut hat mir das gefallen.

Heikko Deutschmann brillierte hier mit einem ganz hervorragenden Auftritt! Ich fand ihn ja schon immer gut, aber wie er dieses Hörbuch vertonte, übertraf meine kühnsten Erwartungen. Grandios. Wirklich. Das war Kopfkino pur.

Da mich dieses Hörbuch emotional wirklich sehr mit riss und auch der Kriminalfall kaum an Spannung vermissen ließ, kommt dieses Hörbuch auf meine Bestenliste. Und eines ist klar: Ich warte jetzt schon sehnsüchtig auf die Fortsetzung der Krimireihe.

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Herzlichen Dank an D>A<V für das Rezensionsexemplar.

Siehe auch:

Jan Weiler – Kühn hat zu tun

Kühn hat zu tunBeschreibung
Martin Kühn ist 44, verheiratet, hat zwei Kinder und wohnt in einer Neubausiedlung nahe München. Er hat sich damit abgefunden, dass er, obwohl ihn alle für brillant halten, bei der Polizei wohl keinen weiteren Karriereschritt mehr machen wird. Dass sein pubertierender Sohn ihm langsam entgleitet. Dass seine rothaarige Nachbarin seine sexuelle Fantasie entfacht, er sich aber niemals trauen würde, fremdzugehen. Dass von seinem Gehalt nach allen Abzügen ein verschwindend geringer Betrag zum Leben bleibt.

Eines Tages wird Kühn von einem Kollegen zu einem Tatort gerufen: Es gibt eine Leiche, Tötungsdelikt, Kühn soll sich sofort auf den Weg machen. Er kann zu Fuß gehen. Das Opfer liegt gleich hinter seinem Garten in der Böschung. Keine 30 Meter von Kühns Gartentor entfernt…

Sprecher
Jan Weiler

Länge
8 h 27 m

Meine Meinung
Bisher kannte ich Jan Weiler nur von „Maria, ihm schmeckt’s nicht“. Das fand ich damals einen herrlichen Klamauk und in diese Schiene hatte ich Weiler eingeordnet. Somit war ich nun sehr überrascht, als ich diesem Kriminalroman lauschte. Denn mit „Kühn hat zu tun“ hat Weiler zwar auch einen recht humorvollen Roman geschrieben, jedoch hat dieser wesentlich mehr Tiefgang.

Feines Gespür
Sehr gut gefallen hat mir der psychologische Tiefgang, den diesen Roman durchzieht. Kühn ist am Ende seiner Kräfte. Sein Leben scheint ihm gänzlich zu entgleiten. Er kämpft und kämpft und doch wird alles immer schlimmer. Nicht zuletzt dank seiner sich immer mehr in den Abgrund drehenden eigenen Gedanken. „Nebenbei“ gibt es dann noch einen ziemlich rätselhaften Mordfall aufzuklären, der auch immer komplizierter wird.

Auch die Beobachtungsgabe von Weiler, die Schilderung einer typischen Kleinstadt, in der alles seine deutsche Ordentlichkeit haben muss, fand ich toll beschrieben. Er bringt das Kleinbürgertum wunderbar und humorvoll auf den Punkt.

Fazit
Somit war „Kühn hat zu tun“ für mich eine kurzweilige, amüsante und doch tiefgehende Unterhaltung, die mir sehr gut gefallen hat. Nicht zuletzt durch die auch sehr gute Leistung von Jan Weiler selbst als Sprecher. Er ist einer der seltenen Autoren, die ihren Text wirklich brillant selbst vortragen können. Eigentlich bin ich ja nicht so der Fan von Autorenlesungen, aber das passte hier wirklich perfekt.

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Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Jan Weiler – Kühn hat zu tun

Siehe auch:

Eric Berg – Das Nebelhaus

Das NebelhausBeschreibung
Seit Jahren haben sich die Studienfreunde Timo, Philipp, Yasmin und Leonie aus den Augen verloren. Als sie sich im Internet wiederbegegnen, verabreden sie sich für ein Wiedersehen auf Hiddensee. Doch das Treffen endet mit einem grauenvollen Verbrechen: In einer stürmischen Septembernacht werden drei Menschen erschossen, eine Frau wird schwer verletzt und fällt ins Koma. Zwei Jahre nach dem Massaker beginnt die Journalistin Doro Kagel, den Fall neu aufzurollen. Nach und nach kommt sie den tatsächlichen Geschehnissen jener Nacht auf die Spur, und bald keimt in ihr ein schrecklicher Verdacht auf…

Sprecher
Jürgen Uter, Anneke Kim Sarnau

Länge
10 h 59 m

Meine Meinung
Die Geschichte fängt sehr harmlos an. Eine frühere Clique, die sich damals aus Protest an Gleise ketteten, in Hühnerzuchtanlagen einbrachen etc. haben sich nach dem Ende ihrer Studienzeit aus den Augen verloren. Jetzt haben sie sich über das Internet wiedergefunden, bis auf Yasmin, die bis dato keinerlei Spuren im WWW hinterlassen hat. Spontan lädt Philipp sie zu sich nach Hiddensee ein. Timo gelingt es, doch auch Yasmin davon zu unterrichten und bringt sie zu dem Treffen mit, wovon Philipp wenig begeistert ist.

Doro Kagel ist Journalistin und aufgrund eines persönlichen Schicksalsschlags „Expertin“ für Mordfälle. Sie bekommt den Auftrag, über den Amoklauf von Hiddensee, der sich nun zum zweiten Mal jährt, einen ausführlichen Artikel zu schreiben. Zunächst ist sie wenig begeistert von dem Auftrag. Doch es hilft ja nichts, sie muss etwas abliefern. Und da sie nicht einfach alles nochmals zusammenfassen will, was darüber bereits geschrieben wurde, sondern vielmehr eine detaillierte Story aus verschiedenen Blickwinkeln abliefern möchte, beginnt sie, ausführlich zu recherchieren.

Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen von zwei verschiedenen Sprechern gesprochen. Nach und nach erfährt man, was sich damals auf der idyllischen Insel Hiddensee ereignet hat. Und Stück für Stück stellten sich mir die Haare mehr zu Berge. Ich fand die Zusammenführung der Ereignisse dieser zwei Handlungsstränge (also einmal Doro Kagel in der Gegenwart und zum anderen, die Erzählung von damals) dermaßen gut gelungen, dass ich das Hörbuch nicht mehr ausschalten konnte, bis ich die ganze Story gehört hatte. Ich hatte von den Protagonisten jeden einmal in Verdacht, verwarf meinen Verdacht wieder und war mir sicher, dass es sich so und nicht anders zugetragen haben musste. Doch nein… Und solche Geschichten liebe ich einfach, bei denen man schön miträtseln kann und am Ende doch verblüfft aufgrund der tatsächlichen Lösung dasteht.

Die beiden Sprecher Jürgen Uter und Anneke Kim Sarnau hätten ihre Sache nicht besser machen können. Zum einen sind beide ganz hervorragende Sprecher und zum anderen erleichterte es der Einsatz von zwei Sprechern dem Hörer ungemein, jederzeit genau zu wissen, in welchem Handlungsstrang man sich gerade befindet.

Ich kann für dieses Hörbuch nur eine klare Hörempfehlung aussprechen. Ich jedenfalls fühlte mich bestens unterhalten und war von Anfang an von der Geschichte gefesselt.

Dieses Hörbuch kommt auf meine Bestenliste.

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Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Eric Berg – Das Nebelhaus

Siehe auch:

Anja Jonuleit – Die fremde Tochter

Die fremde TochterBeschreibung
In Paris kennt ihn jeder: Monsieur Cho, den geheimnisvollen Teemeister, der einsam und zurückgezogen lebt, aber die feinste Nase für Tee haben soll. Eines Tages steht eine junge Frau, Lin Berwanger, vor seinem Teeladen und fragt nach einer Verkostung. Als sie sich später mit den Worten „Auf Wiedersehen, Vater“ von ihm verabschiedet, beginnt Cho nachzurechnen. Die junge Frau könnte recht haben. Er muss sie unbedingt wiedersehen, doch sie scheint spurlos verschwunden. Plötzlich befindet sich Cho inmitten eines Kriminalfalls: Der Polizeipräsident wird geteert und gefedert aufgefunden, ein Chefpathologe gefesselt und geknebelt. Was steckt hinter diesen brutalen Verbrechen? Und was hat Lin damit zu tun?

Sprecher
Nadine Heidenreich

Länge
10 h 44 m

Meine Meinung
Die Geschichte „Die fremde Tochter“ fängt zunächst ganz harmlos und harmonisch an. Das Buch spielt in Paris, in dem der Chinese Cho einen Teeladen hat. Sogleich erfährt man so einiges über Tee und Teezeremonien, die er für seine Kunden abhält. Eines Tages meldet sich eine „Journalistin“ namens Lin Berwanger und möchte ganz schnell und ohne Aufschub eine Teezeremonie bei ihm haben. Er wiegelt ab, er habe die nächsten Tage keine Zeit, das könne auch sein Assistent machen. Doch die Journalistin besteht darauf, dass er es tut. Er lässt sich also darauf ein und lädt sie zu sehr früher Stunde in seinen Teeladen ein. Sie scheint nervös zu sein – Cho ist davon leicht irritiert. Als sie sich dann mit den Worten „Auf Wiedersehen, Vater“ verabschiedet, ist Cho zunächst irritiert. Die Frau verschwindet direkt nach der Verabschiedung. Als er aus der „Schockstarre“ erwacht, rennt er hinaus, um der jungen Frau zu folgen und sie zu fragen, warum sie das gesagt hatte. Doch er sieht sie nur noch auf den Beifahrersitz eines Autos springen, das Auto braust davon. Cho rechnet nach…

Cho kam vor vielen Jahren nach Paris, weil er hoffte und vermutete, seine geliebte Emily dort wiederzufinden. Sie lernten sich vor vielen Jahren in China kennen, als Emily dort auf einer Teeplantage war, auf der er arbeitete. Dort verliebten sie sich unsterblich ineinander. Emily wollte nur kurz nach Frankreich zurück, um ihren Eltern zu erklären, dass sie von nun an in China bei ihm leben wolle. Die Eltern, insbesondere die Mutter, taten alles, um dies zu verhindern. Sie hatten andere Pläne für ihre Tochter.

Die Geschichte wird in zwei Zeitspannen erzählt. So erfährt man nach und nach, wie sich die beiden kennen lernten, wie ihre Liebe wuchs und wie alles durch das unmenschliche Eingriffen einer dritten Person zerstört wurde. In der Gegenwart passieren sehr seltsame und schreckliche Vorfälle und alles weist darauf hin, dass Lin und Emily irgendwie damit zu tun haben. Doch wie sind die Zusammenhänge?

Cho und der Assistent des Teehauses machen sich fortan auf die Suche nach Lin, die wie vom Erdboden verschluckt zu sein scheint.  Die einzelnen Puzzleteile setzen sich zunächst nur mühsam zusammen, doch je weiter die Zeit fortschreitet, um so klarer wird das Bild, das sich ihnen offenbart. Nicht nur Cho und der Assistent sind entsetzt, auch ich als Hörer war es.

So harmlos wie die Geschichte beginnt, so schlimm sind die Enthüllungen, die letztendlich offen gelegt werden. Anja Jonuleit hat ihre Leser/Hörer auf eine Reise mitgenommen, die in einem Bummelzug beginnt und in einem ICE endet. Diese Spannungssteigerung fand ich grandios gelöst und ich war von Minute zu Minute mehr von diesem Buch begeistert, gefesselt und fasziniert.

Bisher kannte ich die Autorin noch nicht. Ich muss aber gleich mal schauen, was sie noch geschrieben hat. Für mich ist sie  ein echter „Geheimtipp“, den ich gerne hinausposaune 😉

Nadine Heidenreich war mir bisher als Sprecherin auch unbekannt. Aber auch sie hat mir sehr gut in ihrer Rolle als Sprecherin gefallen.

Fazitstars_5 absolut empfehlenswert

Weitere Informationen
Eine Hörprobe sowie weitere Informationen gibt es bei Audible.de
Und hier geht es direkt zum Hörbuch: Anja Jonuleit – Die fremde Tochter

Siehe auch:

Gerhard Loibelsberger – Die Naschmarkt-Morde

Die Naschmarkt-MordeBeschreibung
Wien 1903. Auf dem nächtlichen Naschmarkt, dem größten Viktualien-Markt der Stadt wird die junge Gräfin Hermine von Hainisch Hinterberg brutal ermordet. Die Presse macht viel Lärm um den Naschmarkt-Mord, vor allem der Journalist Leo Goldblatt übt Druck auf die Polizei aus. Und während sich Joseph Maria Nechyba, Inspector des kaiserlich-königlichen Polizeiagenten-instituts und ausgewiesener Gourmet, lieber seinem leiblichen Wohlbefinden als den Ermittlungen widmet, geschieht ein weiterer Mord am Naschmarkt …

Sprecher
Gerhard Loibelsberger (Autorenlesung)

Länge
272 Minuten (4 CDs)

Meine Meinung
In diesem Krimi aus dem alten Wien geht es mörderisch zu. Denn es werden Frauen auf dem Naschmarkt brutal ermordet. Nach dem ersten Mord interessiert es den Inspector  noch nicht so sehr, er fröhnt lieber seiner Leidenschaft dem Essen bzw. dem Kochen und heckt Pläne aus, wie er die Frau seiner Träume beeindrucken könnte.

Doch der Druck auf ihn wird größer, als ein weiterer Mord passiert. Nun muss er wohl doch seiner Aufgabe als Inspector gewissenhafter nachgehen. Es gibt sehr viele Verdächtige und es gibt herrliche Situationskomik. Nicht selten musste ich herzhaft lachen, ob der beschriebenen Geschehnisse. Wenn ich daran denke, muss ich schon wieder schmunzeln.

Die Geschichte ist – abgesehen von den Morden – ein kulinarisches Erlebnis. Es wird sehr genau die Zubereitung verschiedenster Gerichte beschrieben, bei der einem ganz automatisch das Wasser im Mund zusammen läuft. Überhaupt habe ich die Geschichte zunächst weniger als Krimi empfunden. Sie  war über lange Strecken ein Roman über einen Gourmet, der von Beruf zwar Inspector, aber nicht sonderlich engagiert darin ist. Das ändert sich erst im letzten Drittel. Da wird die Story dann wirklich zum Krimi. Und zwar zu einem guten Krimi.

Die Protagonisten fand ich durchweg gut beschrieben, ich hatte sehr schnell von den einzelnen Personen das Aussehen samt Charakter verinnerlicht. Somit kam ich flott in die Geschichte hinein und befand mich mitten im Wien von 1903.

Diesen Eindruck verstärkte natürlich die Autorenlesung. War ich zunächst skeptisch, als ich sah, dass Gerhard Loibelsberger sein Buch selbst liest, so wurde ich recht schnell davon überzeugt, dass er auch das Sprechen seines Textes sehr gut macht. Mit dem wienerisch kam ich erstaunlicherweise sehr gut zurecht. Nach kurzer Eingewöhnung verstand ich den „Dialekt“ sehr gut. Natürlich gab es hier und da Ausdrücke, die mir gar nichts sagten. Doch dafür gibt es im Inlay der CD-Box ein kurzes Glossar der wienerischen Ausdrücke.

Einziger kleiner Kritikpunkt: die Lautstärke ist anfangs stellenweise sehr unterschiedlich. Mal spricht Loibelsberger normal laut, dann schreit er und dann flüstert er – je nach Situation. Diese Betonung ist zwar sicherlich z. B. für die Bühne erforderlich, aber es ist unangenehm, wenn man die Geschichte über Kopfhörer oder im Auto hört. Aber das ist mir wie gesagt nur am Anfang negativ aufgefallen.

Insgesamt hat mich der Krimi „Die Naschmarkt-Morde“ köstlich unterhalten und ich bin schon gespannt, auf weitere kulinarische Geschichten aus Loibelsberger Feder.

Mein herzlicher Dank geht an den Mono-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Fazitstars_5 absolut empfehlenswert (wenn man wienerisch gerne hört)

Keigo Higashino – Verdächtige Geliebte

Verdächtige GeliebteBeschreibung
Ishigami, der Mathelehrer, gegen Dr. Yukawa, den Physiker: Die beiden haben seit Langem eine Rechnung miteinander offen. Nun kämpfen sie gegeneinander: Ishigami, um die Wahrheit zu vertuschen, und Yukawa, um sie aufzudecken. Gelingt es ihm, der geliebten Mörderin und deren Tochter ein Alibi zu verschaffen, oder werden sie am Ende allesamt des Mordes und der Lüge überführt?

Gewinner dieses Zweikampfes zweier Genies sind die Leser: Keigo Higashino dreht in seinem Bestseller die gängigen Krimi-Rollen raffiniert um und lässt uns mit der Täterin mitfiebern.

Diese ungekürzte Hörbuch-Fassung wird exklusiv von Audible präsentiert und ist ausschließlich im Download erhältlich.

Sprecher
Olaf Baden

Länge
9 h 44 m

Meine Meinung
Unglaublich! Diese Geschichte ist einfach unglaublich gut! Es ist eine Liebesgeschichte, die gar keine ist. Verstehst du nicht? Dann höre es dir an.

Zwei geniale Köpfe treten gegeneinander an. Aber eher unfreiwillig, denn eigentlich haben sie sehr viel Respekt voreinander. Das Spielfeld: ein Mord, unaufgeklärt. Wer ist nun schlauer? Wem gelingt es, den anderen zu durchschauen? Mit Mathematik und Physik und natürlich einer „mordsmäßigen“ Portion an Cleverness wird hier eine Geschichte kreiert, die seines Gleichen sucht.

Ganz kurz zur Story: ein Mann wird von seiner Ex-Frau und deren Tochter ermordet. Der Nachbar bekommt das mit und bietet der Frau seine Hilfe an. Sie nimmt das Angebot an… Was dann folgt, ist ein Katz- und Mausspiel par excellence.

Man kann nun nicht sagen, dass es ein rasend spannender Krimi ist. Nein. Vielmehr kommt er psychologisch so clever aufgebaut daher – es hat mich ein wenig an Dostojewskijs „Schuld und Sühne“ erinnert, als Raskolnikow dem Untersuchungsrichter Porfirij zu entkommen versucht.

Mich hat dieses Buch restlos begeistert. Ich werde jetzt gleich mal schauen, was Keigo Higashino noch so geschrieben hat.

Fazitstars_5 absolut empfehlenswert

Weitere Informationen
Eine Hörprobe sowie weitere Informationen gibt es bei Audible.de
Und hier geht es direkt zum Hörbuch: Keigo Higashino – Verdächtige Geliebte

Friedrich Dürrenmatt – Das Versprechen

Beschreibung
Kommissar Matthäi bleibt nicht viel Zeit. Eine Dienstreise nach Jordanien steht kurz bevor, doch vorher will er den grausamen Mord an der kleinen Gritli Moser aufklären. Er hat ihren Eltern versprochen, den Mörder zu finden, und schon bald verfolgt er eine heiße Spur: Der vorbestrafte Hausierer von Gunten steht im dringenden Verdacht, die Tat verübt zu haben. Als dieser sich dann in seiner Zelle erhängt, scheint der Fall abgeschlossen zu sein. Doch Matthäi forscht auf eigene Faust weiter. Gritlis Mitschüler erzählen ihm von einem mysteriösen Riesen, und der Kommissar findet ein rätselhaftes, von Gritli gemaltes Bild, auf dem er einen dunklen Wagen und ein gehörntes Tier erkennt – reiner Zufall oder ein Schlüssel zu dem Verbrechen?

Sprecher
Hans Korte

Länge
4 CDs

Meine Meinung
Ich liebe dieses Buch! Vor über 20 Jahren habe ich es gelesen, oder besser gesagt verschlungen. Dann habe ich – ich weiß nicht wie oft – die Verfilmung mit Heinz Rühmann und Gert Fröbe gesehen und jetzt das Hörbuch gehört. Was soll ich sagen: es ist ein Buch, das man einfach kennen sollte, denn sonst geht einem ein ganz wertvolles Stück Literaturkunst ab. Dürrenmatt schreibt auch in diesem Kriminalroman, klar, schnörkellos, sehr eindringlich. Jeder Satz, ja jedes Wort sitzt. Die Spannung bleibt bis zum Schluss erhalten.

Hans Korte hier als Sprecher zu wählen war eine sehr, sehr gute Idee. Seine tiefe Stimme passt perfekt zur Geschichte und Hans Korte schafft es über die ganze Zeit, die Stimmungen und auch die stellenweise Komik perfekt zu intonieren.

Und noch kurz ein Vergleich: Buch <-> Film. Der Film mit einem meiner Lieblingsschauspieler Heinz Rühmann ist sehr, sehr gut. Der Film endet anders als das Buch. Denn im Film hat der Kommissar Erfolg – im Buch leider nicht. Und gerade deshalb finde ich das Buch noch besser, als den Film, denn eigentlich beginnt die Geschichte ja damit, dass Herr H. einen Krimiautoren kritisiert, dass es im wahren Leben eben nicht immer eine logische Aufklärung für Morde etc. gibt, wie es einem in den Krimis immer vorgegaukelt wird. Und das ist ja eigentlich der Aufhänger für die Geschichte, die er dann erzählt. Somit ist der Film eigentlich nur ein Ausschnitt aus dem Buch und das auch sehr frei dargestellt. Aber trotzdem oder genau deswegen lohnt es sich, sowohl das Buch als auch den Film zu kennen.

Und das Hörbuch mit dem Sprecher Hans Korte ist wirklich erste Sahne.

Fazit: stars_5 absolut empfehlenswert

Weitere Informationen gibt es z. B. bei Wikipedia:

Siehe auch: