Sergio Bambaren – Die Rose von Jericho. Die Geschichte eines Neuanfangs

Die Rose von JerichoBeschreibung
Die Rose von Jericho ist eine der ältesten Wüstenblumen der Welt, die auch nach langer Dürre immer wieder zu neuer Blüte erwacht… Einfühlsam und berührend erzählt Erfolgsautor Sergio Bambaren von der Chance im Leben jedes Menschen, noch einmal ganz neu anzufangen. Sergio Bambarens ehrlichstes und mutigstes Buch.

Sergio Bambaren sagt dazu: „Meine Erzählung ist indirekt autobiographisch: Auch ich hatte eine persönliche Krise zu meistern, in meinem Fall eine schwere Krankheit. Die zwölf Schritte haben mir geholfen und mich gelehrt, die Freude am Leben wieder zu finden.“

Sprecher
Markus Hoffmann

Länge
2 h 55 m

Meine Meinung
Dieses Buch erschien mir wie eine einzige Lobeshymne an die Anonymen Alkoholiker. Was hatte ich erwartet? Na, das bestimmt nicht. „Die Rose von Jericho“ lässt ja einiges an Fantasie zu und bei dem Autor erwartete ich vielmehr eine schöne Geschichte à la „Der träumende Delphin„. Da hätte ich wohl nicht so voreilig mit dem Herunterladen, sondern erstmal die Rezensionen lesen sollen.

Gut. Nun hatte ich also dieses Hörbuch – also hörte ich es auch an. Es ist sicherlich ein gutes Buch für Suchtkranke. Und wenn man einen Zugang zur Spiritualität hat, dann mag es einem auch helfen. Laut Sergio Bambaren ist das 12-Schritte-Programm der AA (=Anonyme Alkoholiker) für viele Menschen eine wirkliche Hilfe und ein Leitfaden, ihr Leben wieder in die richtigen Bahnen zu lenken. Und diese 12-Schritte können nicht nur bei Alkoholismus angewendet werden. Sie helfen wohl im Allgemeinen ganz gut. Sei es eine andere Sucht oder auch eine schwere Krankheit. Bei Sergio Bambaren hat es ganz offensichtlich gut funktioniert (siehe oben).

Mir persönlich hat das Hörbuch nicht so gut gefallen. Denn zu oft kamen mir hier Begriffe wie „Gott (wie du ihn verstehst)“ oder „Demut“ etc. vor. Auch waren mir hier zu viele Klischees aufgeführt. „Der Vater war suchtkrank, also musste zwangsläufig auch die Tochter aufgrund ihres Genpools suchtkrank werden.“

Ich kann mir aber vorstellen, dass es ein kleines Mutmachbuch sein kann. Eine Einordnung in die Kategorie „Lebenshilfe“ und nicht in „Romane“ wäre m. E. passender.

Markus Hoffmann hat das Hörbuch sehr gut gesprochen. Seine ruhige Stimme passte gut zu diesem Hörbuch.

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Weitere Informationen
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Pierre Lemaitre – Wir sehen uns dort oben

Wir sehen uns dort obenBeschreibung
Der Erste Weltkrieg ist zu Ende. Dem Tod nur knapp entkommen, können die Soldaten Albert und Édouard endlich nach Frankreich zurückkehren. Doch was erwartet sie? Ein Land, das seine toten Helden feiert, die Überlebenden jedoch übersieht. Mittellos beschließen die beiden, ihr Glück selbst in die Hand zunehmen und verkaufen im großen Stil Kriegsdenkmäler, die nie gebaut werden. Das Geschäft floriert, bis eines Tages ihr ehemaliger Leutnant und Widersacher Pradelle auftaucht und droht, sie auffliegen zu lassen.

Spannend und sprachlich fulminant erzählt Pierre Lemaitre von einer außergewöhnlichen Freundschaft, die an der Kälte der Nachkriegszeit zu zerbrechen droht.

Sprecher
Markus Hoffmann

Länge
17 h 08 m

Meine Meinung
Ich bin begeistert! 2 Monate schlich ich um dieses Buch herum, bevor ich es mir vor 3 Tagen spät abends endlich holte. Was soll ich sagen: Das war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte. Denn meine Erwartungen wurden weit übertroffen.

Das Buch beginnt mit einer sehr ausführlichen Szene im Schützengraben kurz vor Ende des 1. Weltkrieges. Sofort war ich von der Geschichte derart gefesselt, dass der Abend sehr lang wurde. Hier lernte man auch schon die 2 Protagonisten und den Antagonisten kennen. Albert, der verschüttet wurde und zu ersticken drohte, Édouard, der Albert wieder ausgräbt und ihn somit rettet, dabei allerdings von einer Granate am Kopf getroffen wird, die ihm das halbe Gesicht wegreißt und natürlich Leutnant Pradelle, der Albert erst in diese aussichtslose Lage gebracht hatte.

Kurz danach ist der Krieg zu Ende und Albert und Édouard befinden sich im Lazarett. Albert, den es nicht so schlimm erwischt hat wie Édouard, kümmert sich rührend um seinen Retter und tut alles, damit dieser bald in ein Krankenhaus eingeliefert wird. Denn seine Verletzungen sind grausam. Doch er will auf keinen Fall zurück zu seinem Vater! Warum, darüber kann Albert nur spekulieren, denn sprechen kann Édouard ohne Unterkiefer ja nicht mehr. Also tauscht Albert in einer gefährlichen Situation die Papiere aus und verschafft Édouard somit eine neue Identität.

Édouard hat seinen Lebensmut verloren. Er lehnt alles ab, was die Ärzte unternehmen wollen, damit es ihm besser geht und damit er wieder einigermaßen normal aussieht. Er weigert sich kategorisch gegen eine Prothese. Aus dem Krankenhaus entlassen, ziehen Albert und Édouard in Paris zusammen. Doch es fehlt ihnen an allem. Denn der Staat hat wenig übrig für die Überlebenden, die kein Leben mehr vor sich haben. Vielmehr werden die Gefallenen als Helden gefeiert, doch die Lebenden werden vergessen.

Albert verdient ein wenig als Plakatläufer, was natürlich nicht viel Geld einbringt. Doch irgendwie muss er ja ihren Unterhalt verdienen. Erschwerend kommt hinzu, dass Édouard mittlerweile vom Morphium abhängig ist und dieses auch irgendwie beschafft werden muss. Albert war früher Buchhalter in einer Bank, doch diesen Job bekommt er natürlich nicht wieder. Édouard scheint Künstler gewesen zu sein, jedenfalls kann er grandios zeichnen. Damit verdient man nur nichts. Die Tochter der Vermieterin, ein 10-jähriges Mädchen, besucht die beiden nach anfänglichem Schock täglich. Und bald basteln die beiden, also Louise und Édouard, Masken für letzteren, die Albert jeden Abend, wenn er nach Hause kommt, aufs Neue verblüffen.

Währenddessen verdingt sich Leutnant Pradelle damit, die wahrlos verbuddelten Gefallenen in Särge packen und auf richtige Kriegsfriedhöfe bringen zu lassen. Da er aber nicht bereit ist, genug Geld für die Särge auszugeben, kauft er zu kleine Särge – sind ja billiger. Wenn ein Toter nicht hineinpasst, nun, dann wird er kurzerhand passend gemacht. Ob Pradelle mit diesem Schwindel durchkommt, will ich hier nicht verraten.

Auch werde ich nicht verraten, ob Albert und Édouard mit ihrere Geschäftsidee, Kriegsdenkmäler zu verkaufen, die sie aber letztendlich nie bauen, Erfolg haben werden. Das alles solltest du selbst herausfinden.

Dieses Buch hat mich von der ersten bis zur letzten Minute fasziniert. Ich habe selten ein Buch gehört, dass mich derart in seinen Bann gezogen hat. Die Sprache, der ganze Stil des Buches ist derart grandios, dass man gar nicht anders kann, als immer weiter zu hören. Und je weiter man in der Geschichte vorankommt, um so spannender wird dieser äußerst vielschichtige Roman. Hier ist alles auf eine begeisternde Weise miteinander verwoben. Nichts ist aus der Luft gegriffen, alles passt ganz einfach.

Albert, der ein herzensguter, ängstlicher und zutiefst ehrlicher Mensch ist, kommt hier oft an seine Grenzen, die er auch öfter als ihm lieb ist, überschreiten muss. Édouard ist ein Paradiesvogel wie er im Buche steht. Er ist ein begnadeter Maler. Doch da er viel zu viele weibliche Züge an sich hat, wurde er in seiner Kindheit von seinem reichen Vater nur missachtet, ja gar nicht richtig wahrgenommen. Mit seiner Geschäftsidee blüht er endlich auf und hat Spaß am Leben.

Pradelle ist ein Schuft, der seines Gleichen sucht. Egoistisch und Machtbesessen trampelt er auf allem und jedem herum und verschont dabei auch die Toten nicht.

Somit ist dieses Hörbuch wirklich mit allem ausgestattet: Krieg und Frieden, Liebe und Hass, Angst und Wagemut, Reichtum und Armut – alles Gegensätze, die sehr gut gezeichnet sind, ohne dass sie sich in schwarz und weiß einstufen lassen.

Aufgrund der positiven Bewertungen hatte ich recht hohe Erwartungen an dieses Hörbuch. Doch diese wurden weit übertroffen. Kein Wunder also, dass dieses Buch auf meine Bestenliste kommt.

Markus Hoffmann als Sprecher passt auch sehr gut dieser umfangreichen und äußerst spannenden Geschichte. 17 Stunden die im Flug vergingen und nach denen ich traurig war, dass die Geschichte doch leider schon vorbei ist. Aber auch das Ende war perfekt. Alles wurde sauber zum Abschluss gebracht. So liebe ich das.

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Weitere Informationen
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Rafik Schami – Das Geheimnis des Kalligraphen

Beschreibung
Damaskus, um 1950: Nura wird verheiratet. Ihren Mann, den berühmten Kalligraphen Hamid Farsi, lernt sie am Tage der Hochzeit kennen. Zunächst scheint alles gut zu gehen: Farsi ist ein angesehener Bürger in Damaskus, und er kann seiner Frau ein komfortables Leben im eigenen Haus bieten. Aber der geniale (und geizige) Farsi ist auch ein Fanatiker, der sich ganz der Erneuerung der arabischen Schrift und Sprache verschrieben hat und darüber seine schöne junge Frau bald vernachlässigt. Dies kommt einem Lehrling in seiner Werkstatt zugute, Salman, der sich bis über beide Ohren in Nura verliebt…

Sprecher
Rafik Schami (Pro- und Epilog), Markus Hoffmann

Länge
518 Minuten

Meine Meinung
Nachdem ich »Die dunkle Seite der Liebe« ein faszinierendes Buch fand, freute ich mich auf sein neues Buch. Meine Ansprüche waren entsprechend hoch. Leider wurde ich etwas enttäuscht. Dieses Buch fand ich verwirrend. Zum einen ähnelten sich die Namen sehr und es gab viele Zeitsprünge, was das Gesamtverständnis nicht gerade erleichterte. Mehrere  Nebenschauplätze lenkten auch großzügig von der Hauptgeschichte ab.

Insgesamt fand ich die Geschichte interessant. Aber ich weiß nicht, ob man wirklich etwas verpasst, wenn man dieses Buch nicht kennt. Im Vergleich zu »Die dunkle Seite der Liebe« bleibt es weit hintenan. Für die nächste Zeit bin ich erst einmal bedient von Rafik Schami. Denn wenn ich ein Hörbuch höre, möchte ich in erster Linie gut unterhalten werden und mir nicht das Hirn verbiegen müssen, damit ich der Geschichte folgen kann.

Fazit: ganz nett

Weitere Informationen
Eine Hörprobe sowie weitere Informationen gibt es bei Audible.de
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Gerard Donovan – Winter in Maine

Beschreibung
Der Winter in den Wäldern von Maine ist kalt und einsam. Bisher hat das Julius Winsome nicht gestört, er lebt schon lange allein, mit dreitausend Büchern und seinem treuen Gefährten, dem Pitbullterrier Hobbes. Als sein Hund eines Nachmittags offenbar absichtlich erschossen wird, bricht Julius‘ Welt zusammen.

Es sind tiefsinnige, melancholische und psychologisch brisante Passagen, es ist die grandiose Sprache, die diesen stillen und ergreifenden Roman zu einem Meisterwerk machen.

Sprecher
Markus Hoffmann

Länge
324 Minuten

Meine Meinung
Eine einsame Hütte im Wald, umgeben von 3000 Büchern, eine traumhaft schöne Vorstellung wie ich meine. Für Julius war das auch sein Leben, anders kannte er es nicht, anders wollte er es auch nicht. Bis eines Tages eine Frau aus dem Wald auftaucht, eine Liebschaft beginnt zwischen den beiden und bald meint die Frau, dass Julius einen Hund bräuchte, damit er nicht immer so alleine in der Hütte sei. Schnell ist ein treuer Gefährte für Julius gefunden. Und dann verschwindet die Frau plötzlich wieder aus seinem Leben. Das ist zwar zunächst schwer für Julius, doch er akzeptiert es und lebt von nun an mit seinem treuen Gefährten, dem Hund Hobbes, in seiner Waldhütte und seinen Büchern.

Kontakt zu Menschen hat er kaum, einzig seine Erinnerungen an seinen Vater und seinen Großvater begleiten ihn durch den Tag und natürlich die 3000 Bücher, davon hauptsächlich Shakespeare. Als Junge musste er täglich 3 Wörter aus dem elisabethanischen Zeitalter lernen – er notierte sie damals fein säuberlich und Julius liest auch immer wieder in seinem Vokabelheft, damit er die Begriffe nicht vergisst.

Doch dann kommt der Tag, an dem der geliebte Hund erschossen wird. Absichtlich hingerichtet – aus nächster Nähe von einem Unbekannten. Und von da an ändert sich Julius. Er versucht zunächst Hinweise über die Tat zu bekommen, indem er ein Plakat in der nächst gelegenen Stadt aufhängt. Als dann Passanten das Plakat mit Sprüchen beschmieren nimmt er es wieder ab. Sehr verärgert. Und dann beginnt sein Rachefeldzug. Da in Maine gerade Jagdsaison ist, sind natürlich sehr viele Jäger in „seinem“ Wald unterwegs. Er schießt auf einen, zeigt ihm das Plakat, fragt: warst du das?, dann ist der Mann tot. Dann den nächsten und den nächsten.

Hier habe ich mich dann gefragt: ist das einfach ein übler Rachefeldzug oder versucht er einzig den Fall aufzuklären? Hin- und hergerissen ist man von den Handlungen und den Überlegungen von Julius und das schlimme ist: ich konnte den Mann sogar verstehen! Ich fand das sehr wohl nachvollziehbar was er tat. Aber ist das ok? Selbstjustiz zu üben? Meine ganz klare Meinung dazu ist: nein, es ist nicht ok. Aber bei den Schilderungen in diesem Buch kam ich echt ins Schwanken und war über mich selbst überrascht, dass ich so viel Sympathie für einen Mörder aufbringen konnte.

Aber nicht nur die Geschichte an sich ist genial. Auch die Sprache hat mich derart begeistert, dass ich mir manche Sätze sogar notiert habe. Sehr philosophisch kommt das ganze Buch daher, selbst als er mordet wird das in einer sehr ruhigen Art beschrieben, manchmal schien mir das ziemlich kontrovers. Man ist „eingelullt“ von der tollen Sprache und lauscht einem Mord. Klasse gemacht.

Allein schon der Sprache wegen ist dieses Buch absolut empfehlenswert. Und dann noch gebündelt mit der wirklich zum Nachdenken anregenden Story ist dieses Hörbuch ein wahres Juwel. Es ist ein zutiefst menschliches Buch. Nicht abgedreht, nicht effekthascherisch, einfach verdammt lebensnah. Ein Beispielsatz: „Nur selten kommt man sich so nahe, dass man merkt, wie fremd man sich ist.“

Markus Hoffmann als Sprecher hätte man nicht treffender auswählen können. Einfach perfekt.

Dieses Hörbuch kommt auf die Liste meiner Lieblinge.

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Eine Hörprobe sowie weitere Informationen gibt es bei Audible.de
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Sergio Bambaren – Der träumende Delphin

Beschreibung
Was du tust ist wichtig, wichtiger aber ist, wovon du träumst – und dass du an deine Träume glaubst, ihnen nachgehst und lernst du selbst zu sein. Dies ist es, was wir vom träumenden Delphin lernen können. Wie einst „Die Möwe Jonathan“ begeistert dieses Buch unzählige Leserinnen und Leser auf der ganzen Welt.

Sprecher
Markus Hoffmann

Länge
79 Minuten

Meine Meinung
Hörbuch laden, ruhiges Fleckchen suchen, Stöpsel in die Ohren, einschalten, zuhören und träumen!
Eine sehr schöne Fabel, die einen – falls man sie mal kurz aus den Augen verloren hat – wieder an die eigenen Träume erinnert.
Genauso schön ist auch „Der freie Flug des Adlers“ von Peter O’Connor.

Fazit: stars_5 absolut empfehlenswert

Weitere Informationen
Eine Hörprobe sowie weitere Informationen gibt es bei Audible.de
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Rafik Schami – Die dunkle Seite der Liebe

Beschreibung
Ein grandioses Panorama Syriens – und eine schillernde Erzählung von Liebe, Hass, Unterdrückung und Leidenschaft.
Rafik Schami erzählt in tausend Facetten die Geschichte einer tiefen Liebe, den eskalierenden Wahnsinn von Hass und Gewalt und die akute Bedrohung für den, der sich dem Diktat der Sippe nicht beugt. Zugleich schildert er in poetischen Geschichten aus drei Generationen vom Mut der Liebenden, denen der Tod droht und die dennoch die Unterdrückung ihrer Leidenschaft nicht zulassen wollen.

Sprecher
Markus Hoffmann, Andrea Hörnke-Trieß, Rafik Schami

Länge
1600 Minuten

Meine Meinung
Dieses Buch ist ein wirklich anderes Buch. Sehr anschaulich, teilweise lustig, meist aber erschreckend erfährt man die Gepflogenheiten eines uns doch sehr fremden Landes – Syrien. Die Sprache ist einerseits wunderschön, dann wieder völlig gängig, aber immer absolut glaubhaft und den entsprechenden Szenen angepasst. Dieses Buch erzählt so viel, das kann man gar nicht kurz beschreiben! Zum Einen geht es um zwei Clans, die zerstritten sind und alles daran setzen, dem anderen Clan aufs Übelste mitzuspielen. Dann natürlich um die nicht genehmigte Liebe, wenn sich z. B. Muslime und Christen lieben, um die daraus resultierenden verheerenden Folgen bis zum Mord und um den ungebrochenen Willen, um diese Liebe zu  kämpfen, egal wie hart die Strafen oder die Folgen auch sein mögen.

Im zweiten Teil des Buches hatte ich aber schwer mit mir zu kämpfen, durchzuhalten. Denn die Geschichte wurde immer düsterer, immer schlimmere Dinge ereilten die Protagonisten, stellenweise emfpand ich das als schwer zu ertragen. Jedoch dachte ich mir dann: du hörst das nur, du erlebst es ja nicht am eigenen Leib – also stell‘ dich nicht so an! Denn die Geschichten die Rafik Schami hier erzählt, sind ja durchaus nicht aus der Luft gegriffen, sondern resultieren aus fundierter Recherche. Was das Ganze natürlich wirklich sehr, sehr erschreckend werden lässt. Zum Schluss hin endet das Buch aber ein Glück mit einem Happy End! Das fand ich sehr gut – denn ohne hätte Schami den Hörer einfach nicht zurück lassen dürfen.

Insgesamt war mir dieses Buch mit seinen über 26 1/2 Stunden etwas zu lange. Ich bin nicht so der Fan von solchen Mammutwerken. Und meiner Meinung nach hätte man viele Fabeln und „Geschichten in den Geschichten“ herauslassen können. Aber nichtsdestotrotz bin ich froh, dass ich durchgehalten habe. Denn es ist wirklich ein Buch mit Tiefgang, wie man es nur selten in der heutigen Literatur erlebt. Und eines dachte ich während des Buches immer wieder: was bin ich froh, dass ich eine Deutsche bin und in Deutschland lebe!

Auch die Sprecher waren sehr gut gewählt. Wobei der Hauptsprecher Markus Hoffmann hier ganz besonders hervorgehoben werden muss. Das war ganz großes Kino, wie er dieses Buch las.

Was dem Buch dann nochmals das i-Tüpfelchen aufsetzte war das Schlusswort von Rafik Schami persönlich gesprochen. Doch, also dieses Buch werde ich wohl so schnell nicht mehr vergessen!

Fazit: absolut empfehlenswert

Siehe auch:

Weitere Informationen:

Interview zum Hörbuch mit Rafik Schami – Quelle: www.sprechendebuecher.de

Was ist für Sie das Besondere an dem Hörbuch?

Rafik Schami: Das kommt meiner Kultur viel näher. Ich komme ja aus einer mündlichen Erzählkultur, daher lese ich meine Bücher nie vor, sondern ich erzähle sie frei. Das ist ja das, was mir in diesem Land einen Namen gemacht hat, dass ich immer frei erzähle. Das Hörbuch kommt meiner Kultur viel näher, die der mündlichen Erzählkultur entstammt, als das Gedruckte. Das Gedruckte hat in Syrien wenig Platz, zumal bis heute über 50 % der Bevölkerung Analphabeten sind, aber Analphabeten mit sensiblen Ohren! Und daher ist das Hörbuch sehr nah an mir.

Was bedeutet es Ihnen, selbst darin stimmlich mitzuwirken?

R.S.: Das verleiht dem Ganzen meiner Ansicht nach eine gewisse Glaubwürdigkeit. Das Kapitel, das ich spreche, fungiert als Aus- oder Einführung des Autors in das Geschehen, ganz wie Sie wollen. Niemand kann das Ganze besser sprechen, als derjenige, der es gedacht hat! Das ist das Eine, das Andere ist auch eine bestimmte Haltung dazu. Ich bürge mit meiner Stimme für dieses Werk. Ich garantiere mit meiner Stimme für die Qualität für dieses Hörbuch von Steinbach sprechende Bücher. Das würde ich nicht mit jedem Werk machen, ich muss selbst von der Qualität überzeugt sein.

Wo haben Sie diese Tradition des Geschichten Erzählens gelernt? Gab es da Vorbilder in Ihrer Familie oder in Ihrem Umkreis?

R.S: In meiner Familie weniger, aber ich komme wie gesagt aus einer Kultur, die das Erzählen sehr begehrt. Das Geschichten erzählen hatte nichts mit Moralpredigten oder Mahnungen zu tun, sondern es bedeutete Spannung, Geschichten, die Männer zum Weinen brachten. Die Erwachsenen wurden ganz still und so lernte man auch als Kind, still zu sein und zuzuhören. So habe ich selbst das Geschichten erzählen gelernt. Ich habe als Kind gesehen: Wenn du Geschichten erzählst, schenken dir die Leute Zeit. Aber mit diesem Geschenk muss man vorsichtig umgehen. Diese Zeit ist eine wertvolle Sache, die man nie mehr ersetzen kann. Du darfst den Leuten nicht ihre Zeit rauben, um ihnen Langeweile zu geben. Das ist das erste Prinzip: Wenn die Leute dir Zeit schenken, dann gib ihnen etwas zurück! Was könnte das sein? Ein Juwel, eine Weisheit, eine spannende Geschichte, ein Lachen.

Und diese Tradition in Syrien besteht heute genau so wie damals, zu Zeiten Ihrer Kindheit?

R.S: Nein, das ist nicht so, denn kein Land ist eine Insel. Die visuelle Welt erobert alle Ecken der Erde, alle ihre Winkel, so zum Beispiel mit Fernsehprogrammen. In Damaskus empfängt man heute per Satellit 90 Programme! Auch in Damaskus wird stumm vor dem Fernseher gesessen und gelauscht. Aber es bleibt immer eine Nische zuzuhören, weil Vieles durch das Auge allein nicht befriedigt werden kann, sondern erst einmal nur durch das Hören. Und wie in Deutschland gibt es auch in Syrien diese Nischen, die immer wieder entdeckt oder rehabilitiert werden, nachdem sie an Wert verloren hatten. Was mit dem Auge erfassbar ist, genügt nicht. Das Hören bietet einen besonderen Genuss und so kehren meine Landsleute auch immer wieder zu ihrer früheren Kunst zurück. Die Computer- Handy- und Internetwelt, das ist alles in Syrien genau so wie hier.

Geben Sie die Tradition des Erzählens an andere weiter?

R.S: Ich versuche es. Am Anfang, Mitte der siebziger Jahre, wurde ich in Deutschland dafür ausgelacht, aber ich habe stets die These vertreten: Auch die Deutschen hören zu, wenn man ihnen spannende Geschichten erzählt! Heute lacht man nicht mehr, wir erleben schließlich einen Hörbuch-Boom. Durch die Tatsache, dass ich seit 30 Jahren meine Geschichten mündlich vortrage, ermuntere ich auch andere AutorInnen. Ich höre immer wieder, dass auch andere diesen Schritt gehen, um Menschen den Genuss des Zuhörens zu bieten. Ich versuche, meinen Sohn zum Erzählen zu ermuntern, er ist bereits ein wunderbarer Erzähler, ich versuche, ihm zu zeigen, wo eine Geschichte beginnt, aus dem Rahmen zu fallen, oder langweilig zu werden, mehr kann ich nicht tun, das muss aus ihm herauskommen.

Wie und wann ist die Idee zu „Die dunkle Seite der Liebe“ entstanden?

R.S: Nach diesem tragischen Fall 1962, wo eine muslimische Frau umgebracht worden ist, weil sie sich in einen Christen verliebt hat. Allerdings war damals mein technisches Können noch nicht so weit, ich brauchte fast 30 Jahre, um diese Idee zu einem Roman zu machen. Ich musste viele Recherchen unternehmen, viel lernen und vor allem brauchte ich sehr viel Geduld, denn manchmal braucht ein Kapitel Zeit. An einigen saß ich drei Jahre und am Ende waren sie vielleicht 20 Seiten lang! Aber mit diesen 20 Seiten war ich dann zufrieden.

Wie viel Autobiographisches steckt in dem Titel?

R.S: Viel, aber das ist keine Geschichte über Rafik Schami! Vieles, was in Farid steckt, finde ich auch in mir. Er hat mit anderen Widrigkeiten zu kämpfen, genießt dafür aber auch Vorteile, die ich nie kannte. Ich saß nie im Gefängnis, dafür hat er etwas reichere Eltern, die ihm erlauben, ohne viel zu arbeiten, ins Ausland zu gehen. Das hatte ich nicht, ich musste alles selber verdienen. Wie Farid habe ich im Untergrund gearbeitet. Außerdem kenne ich wie er die verbotene Liebe. Er hat das Glück, dass seine Geliebte viel mutiger ist. Meine Jugendliebe hat am Ende doch ihrer Familie gehorcht und einen reichen Mann geheiratet.

Was für eine traurige Geschichte!

R.S: Es ist schon eine traurige Geschichte, aber immerhin haben sich die Helden meiner Geschichte, Farid und Rana, ein Happy End, ein Leben im Ausland, erkämpft.

Kann man ihre Beziehung zu Ihrer Mutter, von der Sie einmal sagten, sie habe Sie stets unterstützt, mit der zwischen Farid und seiner Mutter Claire vergleichen?

R.S: Das kann man! Meine Mutter ist das Vorbild für Claire. Absolut. Das ist hier noch deutlicher, als der Vergleich zwischen Farid und mir. Claire und meine Mutter sind fast identisch. Das gilt aber nicht für Elias (Farids Vater) und meinen Vater!

Welche Rolle spielt Ihre syrische Herkunft heute für Sie?

R.S: Komischerweise wird sie mit den Jahren immer wichtiger für mich. Vor einigen Jahrzehnten war mir Syrien noch vollkommen egal. Genau so gut hätte ich eine Beziehung zum Senegal aufbauen können. Aber je älter man wird, desto mehr meldet sich der Ursprung, der Ort der Kindheit. Heute merke ich, wie sehr mir daran liegt, dass die Demokratie in Syrien sich durchsetzt und dass die Vorgänge im Libanon wie ein Dominoeffekt benachbarte Länder anstecken. So merke ich, wie Syrien immer wichtiger für mich wird.

Wie bewerten Sie die aktuelle Situation in Syrien?

R.S: Bei uns herrscht eine Diktatur, die nur verbrannte Erde hinterlässt. Eine Versöhnung wird nicht möglich sein. Das glaube ich nie im Leben! Als Assads Sohn kam, hat man gehofft, es würde sich etwas ändern. Aber alles, was kam, waren leere Parolen von Demokratisierung. Es war die Rede von der Öffnung von Internetmärkten und anderen oberflächlichen Dingen. Aber dann griff der Geheimdienst durch und schon war es wieder so düster im ganzen Land wie zu Zeiten seines Vaters. Ich glaube, eine Versöhnung ist unmöglich. Dieses Regime muss weg. Auf diesem Boden kann vorerst keine Demokratie gedeihen. Dafür ist die Opposition zu schwach. Sie benötigt die Unterstützung des Auslands, allein kommt sie nicht aus der Misere. Aber mir graut vor einem möglichen Einmarsch der Amerikaner. Wenn sie diesen Schritt gehen, werden sie Vieles zerstören. Es würde, genau wie im Irak, einen Bürgerkrieg entzünden, wo es bis heute nicht gelungen ist, einen Alltag aufzubauen. Ich glaube, wir müssen auf einen langsameren Weg vertrauen. Wir sehen das auch im Libanon, wo das Regime auch mit einem demokratischen Aufstand vertrieben wurde. Heute haben die Geheimdienste ihre Büros geräumt. Das hätte vor 10 Jahren doch niemand für möglich gehalten! Heute sind sie raus.

Also haben Sie Hoffnung?

R.S: Ja. Ich habe große Hoffnung für die Demokratie. Und für die Opposition. Im Moment ist sie sehr schwach, da sie blutig niedergeschlagen wurde.

Wahrscheinlich eine schwierige Frage, aber was sind Ihrer Meinung nach die größten Unterschiede zwischen Syrien und Deutschland?

R.S: Das ist keine schwierige, das ist eine wunderbare Frage. Es gibt verschiedene Wertmaßstäbe, Skalen. In Deutschland steht beispielsweise die Arbeit an erster Stelle. Hier fragt man: Was arbeitest du? In Syrien nicht. In Syrien zählt die Familie, die Sippe. Die Gastfreundschaft steht bei uns ganz oben, zusammen mit Freundschaft und Verwandtschaft. Hier in Deutschland sind diese familiären Werte etwas weiter unten zu finden. Dennoch sind die Deutschen natürlich auf ihre Art auch unglaublich großzügig. So viel zu den verschiedenen Maßstäben. Und deshalb sind die Kulturen nicht gleich. Ich bin gegen diese ewigen Versuche der Gleichmacherei. Dieses Multikulti-Gehabe nervt mich langsam! Wir sind verschieden und wir sollten auch verschieden bleiben. Das ist doch weitaus interessanter, als dieses undefinierbare Wischi-Waschi. Ich liebe die deutsche Demokratie, so sehr sie auch belächelt wurde. Man kann sogar den Kanzler kritisieren ohne eine Entführung fürchten zu müssen. In Syrien haben wir es mit einem Militärregime zu tun. Drittens: Das Wetter in Syrien ist besser als hier. Der Himmel ist blauer. Der Wein schmeckt etwas besser! (lacht), die Gewürze sind etwas deftiger, wie die syrische Küche allgemein. Dafür sind die Deutschen zuverlässiger. Hier weiß man, wann der Bus kommt. In Syrien nicht! Es kann sein, dass den Busfahrer unterwegs der Durst überfällt und er hält auf der Strecke an, um einen Kaffee zu trinken. Das alles klingt lustig, aber wenn Sie einen Termin haben, da stirbt man vor Wut! Dann ist die Familie viel stärker bei uns. Das hat positive aber auch lähmende Einflüsse. Junge Frauen in Syrien haben weniger Freiheiten. In Deutschland lösen sich die jungen Menschen schon mit 18 von ihren Familien. Das hat aber auch eine gewisse Kälte zur Folge – einen Preis, den die Deutschen bezahlen. Schon früh müssen die Kinder alleine auskommen. Bei uns werden die jungen Leute viel länger von der Familie unterstützt, daher sind sie auch nicht so selbstständig. Das alles hat Vor- und Nachteile. Nach so vielen Jahren in Deutschland erkenne ich auch die Nachteile. Sehen Sie sich zum Beispiel die Schulen an! Sie sind doch im Moment in einer Misere sondergleichen. Ein Grund dafür ist, dass Freiheit und Respekt missverstanden wurden. Inzwischen sorgen sich die deutschen Lehrer, dass sie bei den Kindern nicht „ankommen“! Ich meine, in Syrien zittern die Schüler, ob der Lehrer mit ihnen zufrieden ist. Das ist natürlich auch übertrieben. Aber dass deutsche Lehrer heute so opportunistisch sind, dass sie nicht einmal ein längst fälliges Wort sprechen, dass die Klassen sich in ein Chaos verwandeln, in dem auch Gewalttaten nicht auszuschließen sind, ohne dass die Lehrer reagieren, macht mir schon Sorgen. Freiheit und Demokratie sind wunderbare Werte. Aber man muss dafür sorgen, dass sie wehrhaft bleiben! Wozu 300 Prozesse, um den Nazis zu verbieten, am Brandenburger Tor zu marschieren? Was soll das? Ihre Vorgänger haben in der Geschichte Völker vernichtet. Hier heißt es: Nein, das kann das Gericht nicht so einfach verbieten. Warum nicht? Worauf warten wir? Soll es noch einmal zu 6 Millionen Morden kommen? Sollen wieder unzählige Städte zerstört werden? Das ist zu feige.

Aber Sie fühlen sich dennoch wohl in Deutschland?

R.S: Sehr! Sehr. Deutschland hat mir eine Sprache geschenkt. Es hat mir den Zugang zu 23 weiteren Sprachen geschenkt. Ohne dieses Land wäre das nicht möglich gewesen. Deutschland hat mir eine neue Heimat gegeben und mir meine Zunge befreit. Ohne dieses Exil hätte ich den Roman nicht geschrieben. Das hätte ich nie gekonnt. In Syrien hätte das für mich Gefängnis oder den Tod bedeutet. Deutschland hat mir das erlaubt. Ich verdanke das diesem Land. Und vergessen Sie nicht: Mein deutsches Publikum trägt mich seit 25 Jahren. Auf meinen Lesereisen sind alle Veranstaltungen ausverkauft. Alle! Und schon Wochen vorher! Das alles passiert in diesem Land!

Am Ende des Romans stellen Sie fest, dass kein Tag vergeht, an dem Sie nicht an Damaskus denken. Würden Sie gerne wieder in Syrien leben?

R.S: Nein. In einem Lied sagt der Dichter: Wenn du gehst, nimmst du deine Schlafstatt mit. Kehre nicht zurück, denn dein Platz wird besetzt sein. Da ist schon etwas Wahres dran. Ich habe alles mitgenommen. Jetzt, nach dem Tod meiner Eltern, habe ich noch weniger Beziehungen zu dem Land. Ich würde aber gerne einmal meiner Frau und meinem Sohn die Orte meiner Kindheit zeigen. Dort einige Urlaubswochen verbringen. Aber Deutschland ist ohne Frage meine neue Heimat. Hier ist meine deutsche Frau, hier ist mein Sohn, der sich selbst als „Pfälzer Bub“ betrachtet. Das ist seine Entscheidung und ich akzeptiere und liebe das! Er kann arabisch, er kann Deutsch, er lernt Englisch Latein und Griechisch und ist ein deutscher Junge mit arabischem Vater.

Engagiert sich Deutschland Ihrer Ansicht nach genügend für Ihr Land oder auch für den Konflikt im Nahen Osten?

R.S: Nein. Mein Urteil dazu ist negativ. Der Westen ist sehr opportunistisch. So lange das Erdöl fließt, machen sich nur wenige sensible Menschen Gedanken darüber, wer wen entführt, wer durch wen unterdrückt wird. So hätte Europa auch im Irak-Konflikt eingreifen müssen. Der Einmarsch der Amerikaner hat praktisch vor unserer Haustür stattgefunden. Europa hätte reagieren müssen. So wurde das irakische Volk Saddam Hussein, seinen Folterknechten und seinem Giftgas überlassen. Frankreich hat sich dort am Atomalptraum dumm und dämlich verdient. Und das für einen Mörder, einen Massenmörder, der in Halabscha die Kurden vergiftet hat! Mit europäischem Gift. Und das ist das, was ich den Europäern immer wieder sage: Sie müssen aufwachen! Die Araber müssen ihr Erdöl verkaufen. Da brauchen wir nicht opportunistisch zu sein. Sie können ihr Erdöl nicht trinken. So viel Opportunismus ist einfach nicht gut. Schröder besucht die arabischen Länder und liefert wieder Waffen und dann veranstaltet er in Berlin irgendwelche Seminare und Kongresse für den Frieden. Das ist nicht in Ordnung. Erinnern wir uns, wie wunderbar der Westen Osteuropa gegenüber gehandelt hat. Ohne Westeuropa wären die osteuropäischen Staaten bis heute unter dem Joch der Diktatur. Mit Frankreich, Italien, Spanien und Griechenland haben die Europäer direkte Übergänge nach Arabien. Das bedeutet, alles, was in Damaskus, Beirut oder Bagdad passiert, wird langfristig auch hier Konsequenzen haben.

Die Amerikaner und mit ihnen Großbritannien setzen auf Gewalt und sie rechnen mit langem zermürbenden Krieg an dessen Ende sie als Sieger da stehen. Europa muss friedlich handeln, das ist die Stärke dieses Kontinents. Frankreich hat großen Einfluss, Deutschland ist mit Frankreich befreundet und so können beide Staaten gemeinsam einen Kern für die erste Einflussnahme bilden.

Dennoch moralisieren Sie nicht. Wie schwer fällt Ihnen das angesichts der Tatsache, dass viele Deutsche sich über viele Probleme Ihres Heimatlandes gar nicht bewusst sind?

R.S: Das ist die schönste Frage, die mir je jemand gestellt hat! Denn das war der allerschwierigste Punkt. 900 Seiten auf Moral zu verzichten, wo jede Zeile danach schreit. Jede Zeile! Aber der Romancier ist nicht gut beraten, wenn er moralisiert. Das kann ich im Interview machen: „Bitte, liebes Europa, mischt euch doch ein! Hört auf mit der Heuchelei, ihr Herrscher in Europa. Liefert nicht Waffen, sondern investiert in die Demokratie, in die Rundfunkanstalten, damit die Opposition kämpfen kann. Wir brauchen eine Menge dieser freien Sender. Darum bitte ich. Aber das kann ich in Interviews, in Essays, in Versammlungen, aber in einem Roman darf ich das nicht. Das war die allerschlimmste Gefahr: zu predigen. Für mich galt: Lass Farid Mensch bleiben, mit all seinen Schwächen. So zum Beispiel, dass er eine Nebenbeziehung zu seiner Cousine aufbaut. Das war doch eindeutig ein Augenblick der Schwäche, mit Champagner und allem drum und dran. Und Laila ist so eine attraktive Frau, die immer eine körperliche Beziehung zu ihm suchte. Und Rana ist mit ihrem Mann weit weg… Das kann passieren! Wenn ich solche Aspekte ausgelassen hätte, hätte ich moralisiert. Farid hätte dann einen heiligen Schein.

Herr Schami, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Das Interview wurde im Rahmen der audiobooks cologne im März 2005 aufgenommen

Hanns-Josef Ortheil – Das Verlangen nach Liebe

Beschreibung
Über achtzehn Jahre lang haben sich die Kunsthistorikerin Judith und der Konzertpianist Johannes nicht mehr gesehen, als sie sich eher zufällig in Zürich treffen. Die unerwartete Begegnung versetzt sie zurück in die Zeit ihrer großen Liebe, in der sie noch ein junges und unzertrennliches Paar waren. Von diesem Tag an sehen sie sich beinahe täglich, erzählen sich von ihrem Leben und fragen sich, was früher war und jetzt vielleicht von neuem möglich ist. Ihre Treffen werden zu immer gezielter angelegten, oft festlichen Arrangements, bei denen der Ort, die Umgebung sowie die Getränke und Speisen eine große Rolle spielen. Unmerklich geraten sie dabei immer tiefer hinein in die erneut aufbrechende Magie einer starken Anziehung. Und sehen sich immer dringlicher vor die Frage gestellt, ob ihr Verlangen nach Liebe überhaupt noch eine Chance haben kann.

Sprecher
Markus Hoffmann

Länge
5 CDs

Meine Meinung
Was für eine wunderschöne Geschichte! Ich wurde schon lange nicht mehr von einem Roman so verzaubert wie von diesem. Wer Klaviermusik und Literatur liebt und auch die Kunst zu schätzen weiß, der wird am Ende des Hörbuches sagen: schade – ich hätte gerne noch stundenlang weiter gehört. Mir ging es jedenfalls so.
Das Hamburger Abendblatt hat über dieses Buch geschrieben: „Ein wunderbar gefühlvoll erzähltes poetisches Traumbild“. Dem ist meiner Meinung nach nichts mehr hinzuzufügen.

Außer: auch die Sprecherauswahl war für dieses Hörbuch absolut perfekt. Besser kann man diesen Roman nicht vortragen, wie das Markus Hoffmann hier gemacht hat.

Fazit: stars_5 absolut empfehlenswert

Siehe auch:

Paulo Coelho – Unterwegs

Beschreibung
Geschichten und Gedanken über die Kunst zu lieben und die noch größere Kunst, geliebt zu werden, vom Umgang mit Schwierigkeiten und mit der Einsamkeit sowie vom einfachen Drauflosleben.

Sprecher
Markus Hoffmann
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Länge
1 CD

Meine Meinung
Sehr schöne kurze Geschichten und Gedanken, die es wert sind, darüber nachzudenken und Anlass geben, seine Lebenseinstellung vielleicht ein klein wenig zu verändern.

Fazit: stars_4 empfehlenswert

Siehe auch:

E.T.A Hoffmann – Das öde Haus – Eine Spukgeschichte

Beschreibung
„Das öde Haus“: Zwischen den prächtigen Häusern einer Residenzstadt befand sich ein altes, unbewohntes Haus, in dem nur ein wunderlicher alter Verwalter mit einem riesigen Hund wohnt. Doch eines Tages kommt eine brillantengechmückte, rosafarbene Hand hinter einem der geschlossenen Vorhänge hervor….
„Der unheimliche Gast“: Aus dem Zyklus „Die Serapionsbrüder“: Eine Spuk- und Liebesgeschichte, bei der es E.T.A. Hoffmann um die menschlichen Empfindungen geht. Ein unerklärlicher Laut, ein hohler Ton, ein kalter Luftzug nachts in einem dunklen Keller: All das kann den tiefsten Schauer auslösen.

Sprecher
Markus Hoffmann

Länge
1 CD

Fazit: stars_4 empfehlenswert

Gehört vor dem 31.12.2008

Siehe auch: