Min Jin Lee – Ein einfaches Leben

Beschreibung
Ein Epos über Liebe, Opfer, Ambition und Loyalität, umwerfend erzählt und zutiefst ergreifend.

Anfang des 20. Jahrhunderts erliegt die jugendliche Sunja, geliebte Tochter eines koreanischen Fischers, dem Charme eines reichen Fremden. Er verspricht ihr die Welt, aber sie lässt sich nicht kaufen; als sie schwanger wird, erfährt sie, dass er verheiratet ist. Wenn das Herz bricht, muss der Kopf die Entscheidungen treffen, und so weist sie den Vater ihres Sohnes zurück und nimmt das Heiratsangebot eines sanften, kränklichen Pfarrers an, der auf dem Weg nach Japan ist. Sunja weiß nicht, dass sie mit dieser Entscheidung eine dramatische Geschichte lostritt, die Folgen hat für alle weiteren Generationen…

Sprecher
Gabriele Blum

Länge
17 h 13 m

Meine Meinung
Dieses Familienepos erstreckt sich über 4 Generationen. Klar, dass somit sehr viele Personen in dieser Geschichte, die voller Leid und Kampfgeist ist, vorkommen. Etwas erschwerend fand ich manchmal, dass diese vielen Personen nicht nur einen Namen, sondern gleich zwei hatten – einen koreanischen und einen japanischen. Manchmal kam es mir so vor, als wären es noch mehr. Das fand ich etwas verwirrend.

Doch von vorne. Sunja ist die Tochter eines armen koreanischen Fischers. Sie wird von einem fremden wesentlich älteren Mann umgarnt und erliegt seinem Charme. Als sie schwanger ist, gesteht er ihr, dass er bereits eine Frau und drei Töchter in Japan hat. Doch sie könne seine Frau hier in Korea sein, er würde für sie sorgen, es würde ihr an nichts mangeln. Doch die stolze Sunja lehnt sein Angebot ab. Als zur gleichen Zeit ein ärmlicher aber herzensguter Pfarrer ihren Weg kreuzt, und er ihr anbietet, sie zu heiraten, nimmt sie den Antrag an und reist mit ihm weiter nach Japan. Denn dorthin – zu seinem Bruder – war der junge Geistliche unterwegs. Doch in Japan angekommen muss Sunja schnell feststellen, dass sie als Koreaner in Japan kein Ansehen genießen. Sie werden als Menschen zweiter Klasse behandelt und so geht ihr hartes Leben weiter.

Sehr interessant fand ich die beschriebenen Schwierigkeiten, die die Koreaner in Japan hatten. Selbst in zweiter und dritter Generation in Japan wurden alle Koreaner abgelehnt und grundsätzlich als Verbrecher abgestempelt. Als Koreaner hatte man in Japan kaum die Möglichkeit, Fuß zu fassen. Zumindest nicht in seriösen Geschäften. Somit ist es kaum verwunderlich, dass viele Koreaner ihr Glück im Glücksspiel mit dem beliebten japanischen Spiel Pachinko versuchten. Hier konnte man mächtig viel Geld verdienen und war somit natürlich als Verbrecher abgestempelt. Egal, ob man das Geschäft ehrlich betrieb oder nicht.

Hochdramatisch geht es in dieser Geschichte zu. Es gibt sehr viele Schicksalsschläge. Doch auch immer wieder hoffnungsvolle Ereignisse füllen dieses Familienepos mit Leben. Da es über mehrere Generationen erzählt wird, gibt es natürlich mehrere Protagonisten im Wandel der Zeit. Diese wurden immer sehr genau beleuchtet und als Personen dargestellt. Das hat mir sehr gut gefallen.

Einzig die manchmal kläglichen Beschreibungen von Dingen, um die es sich lange Zeit drehte, fand ich sehr schade. So gibt es z. B. eine Episode, in der die Speise Kimchi eine Hauptrolle spielt. Doch was das ist, wird kaum beschrieben. Einzig, dass es mit Kohl ist und lange in der Zubereitung braucht, erfährt man hier. Für weitere Informationen muss man sich des Internets bedienen. So auch mit dem Glücksspiel Pachinko. Mehr als dass es mit Bällen zu tun hat, wird nicht erklärt. Diese fehlenden beschreibenden Sätze fand ich sehr schade. Denn auf die paar Minuten wäre es nun wirklich nicht angekommen bei der Gesamtlänge. Aber gut, das Internet hilft auch hier weiter.

Insgesamt fand ich „Ein einfaches Leben“ alles andere als ein einfaches Leben. Es war eine berührende Familiengeschichte mit vielen anregenden Passagen aber auch einigen Längen.

Gabriele Blum als Sprecherin liebe ich! Ob sie die vielen koreanischen und japanischen Wörter richtig ausgesprochen hat – ich weiß es nicht. Ich bezweifle es jedoch, da sie doch sehr „europäisch“ ausgesprochen klangen. Aber das vermag ich nicht zu beurteilen. Mir hat ihre Stimme jedenfalls wieder sehr gut gefallen.

Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Min Jin Lee – Ein einfaches Leben

Frank Goldammer – Tausend Teufel

Beschreibung
Dresden, 1947: Im zweiten Jahr nach Kriegsende gehört die Stadt zur sowjetischen Besatzungszone und ist nach wie vor eine Trümmerwüste. Im klirrend kalten Winter wird das Leben beherrscht von Wohnungsnot, Hunger und Krankheiten. Kriminalinspektor Max Heller wird von der neu gegründeten Volkspolizei an einen Tatort in der Dresdner Neustadt gerufen. Doch bevor er mit den Ermittlungen beginnen kann, wird der tot aufgefundene Rotarmist vom Militär weggeschafft. Zurück bleiben eine gefrorene Blutlache und ein herrenloser Rucksack, in dem Heller eine grauenhafte Entdeckung macht: den abgetrennten Kopf eines Mannes.

Sprecher
Heikko Deutschmann

Länge
10 h 29 m

Meine Meinung
Nachdem mir der erste Teil des Autors „Der Angstmann“ sehr gut gefallen hatte, freute ich mich wahnsinnig auf die Fortsetzung mit Kommissar Heller. In diesem Buch entführt uns Frank Goldammer in die Zeit kurz nach dem zweiten Weltkrieg. Dresden ist zerbombt, liegt in Schutt und Asche, der Winter ist bitterkalt, die Hungersnot ist übergroß. Überall Leid und Notstand. Und Kommissar Heller bleibt sich auch weiterhin treu. Er versucht sein Bestes zu geben und bleibt hartnäckig, bis er die Hintergründe versteht und helfend eingreifen kann.

Der Kriminalfall an sich ist wieder sehr spannend. Doch viel interessanter finde ich persönlich Goldammers Schilderungen aus dieser harten Zeit. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen: Er muss das damals alles persönlich erlebt haben, sonst kann man die Geschehnisse nicht so echt und glaubhaft beschreiben. Doch Frank Goldammer kann es. Das finde ich wirklich eine grandiose Leistung.

Die mitwirkenden Personen hat er wieder mit großer Sorgfalt und Glaubwürdigkeit präsentiert und in eine spannende Geschichte gepackt. Ich bin nach wie vor ein großer Fan von Goldammer und seinen wirklich meisterlich geschriebenen Krimis aus dem Dresden von damals. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung.

Heikko Deutschmann hat auch den zweiten Teil hervorragend gesprochen.

Kurz, ich bin rundum begeistert von „Tausend Teufel“. Ich kann diesen Krimi allen empfehlen, die gerne einen spannenden Kriminalfall eingewoben in ein Stück deutscher Geschichte hören möchten.

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Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei D>A<V oder auch bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Frank Goldammer – Tausend Teufel

Herzlichen Dank an D>A<V für das Rezensionsexemplar.

Siehe auch:

 

Anna Grue – Die guten Frauen von Christianssund (Sommerdahls erster Fall)

Die guten Frauen von ChristianssundBeschreibung
„Mord am Fjord“ – der erste Fall für Dan Sommerdahl.

In der beschaulichen Kleinstadt Christianssund, malerisch an einem Fjord gelegen, wird die Putzfrau einer Werbeagentur ermordet. Bei den Ermittlungen stößt Kommissar Flemming Torp auf Schwierigkeiten: Keiner kennt den Nachnamen der Frau. Torp zieht seinen Jugendfreund, den Werbefachmann Dan Sommerdahl hinzu, der nach einem Burn-out seiner Branche eigentlich den Rücken kehren wollte. Doch daraus wird nun nichts. Und während er gemeinsam mit Torp den Mörder jagt, muss Sommerdahl feststellen, dass seine Frau und der Kommissar sich viel zu erzählen haben…

Sprecher
Dietmar Wunder

Länge
6 h 31 m

Meine Meinung
Ein Krimi mit einem Ermittler und einem Werbefachmann als Kollegen. Eigentlich sind der Kommissar Flemming Torp und der Werbefachmann Dan Sommerdahl Freunde. Doch in diesem ersten Fall tritt Sommerdahl als Werbefachmann in den Hintergrund und fungiert vielmehr ebenfalls als Ermittler. Nicht ganz freiwillig. Aber die Tote wird in seiner Agentur gefunden und somit ist er natürlich direkt betroffen.

Der Krimi besticht durch sein flottes Tempo, was aber natürlich auch daran liegen kann, dass es gekürzt ist. Manch seltsame Sprünge ergeben sich dadurch, die man aber durchaus verkraften kann und der Story an sich nicht schaden. Es gibt in diesem Krimi sehr viele Personen, so dass man aufpassen muss wie ein Luchs. Und irgendwie haben alle mehr oder weniger mit dem Fall zu tun. Doch nur einer ist der Mörder. Und diesen zu finden, ist gar nicht so einfach. „Die guten Frauen von Christianssund“ sind schweigsam und arbeiten im Verborgenen. Sie haben nur Gutes im Sinn, alle wollen nur helfen. Und alle tun das mehr oder weniger selbstlos, um die Frauen vor Schlimmerem zu bewahren.

Mir hat dieser Krimi gut gefallen. Er war klug aufgebaut, ließ viel Raum zum Miträtseln und hielt auch mit Gesellschaftskritik nicht hinterm Berg.

Der Sprecher Dietmar Wunder war wie immer wunderbar.

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Weitere Informationen

Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Anne Grue – Die guten Frauen von Christianssund (Sommerdahls erster Fall)

Siehe auch:

Martin Krist – Drecksspiel

DrecksspielBeschreibung
Schlüssel rasseln an der Tür. „Ich hab mich hübsch gemacht“, wispert Hannah, während ihr Mann Philip hinter ihr den Raum durchquert. Seine Hand streift ihren Nacken. Sie neigt den Kopf und sieht Handschuhe voller Blut. Finger schließen sich um ihre Kehle. Als sie zu sich kommt, ist sie an einen Stuhl gefesselt. Vor ihr ein fremder Mann. Nur ein Gedanke peinigt sie in diesem Moment: „Er darf Millie nicht finden!“

Hannahs Tochter schläft im ersten Stock. Seit der Expolizist David Gross vor Jahren untertauchen musste, arbeitet er als diskreter Problemlöser. Diesmal ist es ein grauenvoller Entführungsfall…

Sprecher
Tobias Kluckert

Länge 
6 h 08 m (gekürzt)

Meine Meinung
Tja, was haben wir hier. Wir haben ganz viele Personen, wir haben sehr viele Handlungsstränge und wir haben super kurze Kapitel und somit einen ständigen Wechsel zwischen den einzelnen Handlungssträngen mit den verschiedenen Personen.

Ich hatte meine liebe Müh in dieses Hörbuch einzusteigen und einigermaßen zu verstehen, wer denn nun wie mit wem und warum… Verwirrung pur. Aber trotzdem recht spannend, auch wenn ich bis ungefähr zur Hälfte keinen Plan hatte, um was es eigentlich geht.

Die Beschreibung oben umfasst jedenfalls nur einen ganz kurzen Ausschnitt eines Handlungsstrangs.

Für meinen Geschmack war die ganze Story etwas zur wirr. Gerade die immer nur sehr kurzen Einblicke in die einzelnen Handlungsstränge brachten zwar viel Geschwindigkeit in die Story, brachten sie aber eben auch grenzwertig nah an Hektik und nicht an Spannung.

Tobias Kluckert hat durch seine langsame Erzählweise wieder etwas Tempo herausgenommen, was ich manchmal wiederum etwas zu lahm fand. Die verschiedenen Personen hat er aber sehr gut gesprochen.

Insgesamt möchte ich die gekürzte Version nur bedingt weiterempfehlen. Ich denke, oder hoffe, dass die ungekürzte Version bei diesem Hörbuch sicherlich die bessere Wahl sein wird. Das kann ich aber nicht beurteilen, da ich sie nicht kenne.

Kurz: Den Plot an sich fand ich gut. Der Erzählstil war mir zu hektisch mit gefühlten
50 % zu vielen Sprüngen zwischen den Handlungssträngen.

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Diese Bewertung gilt nur für die gekürzte Version. Es gibt auch eine ungekürzte Version!

Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Martin Krist – Drecksspiel

Ferdinand von Schirach – Tabu

TabuBeschreibung
Sebastian von Eschburg verliert als Kind durch den Selbstmord seines Vaters den Halt. Er versucht sich durch die Kunst zu retten. Er zeigt mit seinen Fotografien und Videoinstallationen, dass Wirklichkeit und Wahrheit verschiedene Dinge sind. Es geht um Schönheit, Sex und die Einsamkeit des Menschen. Als Eschburg vorgeworfen wird, eine junge Frau getötet zu haben, übernimmt Konrad Biegler die Verteidigung. Der alte Anwalt versucht dem Künstler zu helfen – und damit sich selbst.

Schirach schreibt über ein aktuelles gesellschaftliches Thema, das den Leser zwingt, grundsätzliche Entscheidungen zu treffen. Aber dieses Hörbuch ist viel mehr: Schirach hat den Roman eines Lebens geschrieben, lakonisch, poetisch, berührend.

Sprecher
Matthias Brandt

Länge
4 h 48 m

Meine Meinung
„Tabu“ finde ich ein seltsames Buch. Es fängt damit an, dass die Kindheit von Sebastian von Eschburg erzählt wird. Eine schöne Kindheit war das wohl nicht. Trotzdem fand ich es interessant erzählt und war gespannt, wohin diese Geschichte wohl führen mochte. Dann plötzlich sitzt Sebastian in Untersuchungshaft. Hm. Seltsam. Ok, eine Wendung um 180°, so kam es mir vor. Ich hatte fast den Eindruck, als würde ich jetzt ein anderes Buch hören. Ich konnte das zunächst gar nicht richtig zu- und einordnen. Ich dachte ständig, ich müsste etwas wichtiges überhört haben. Aber nein. Hatte ich nicht. Ok, ich hörte also weiter zu. Jetzt ging es plötzlich um Folter und darum, ob man einen Verdächtigen foltern darf, um jemand anderes zu retten. Prinzipiell ja durchaus sehr interessant. Aber es hatte meiner Meinung nach keinen richtigen Platz in der Geschichte. Mir kam das furchtbar konstruiert vor. Mir war nicht wirklich verständlich, wie die Geschichte da hin kam, wo sie plötzlich war.

Somit ist für mich die Geschichte in zwei Teile aufgeteilt. Der erste Teil für sich gut, der zweite Teil für sich auch gut – doch insgesamt einfach nicht rund. Auf den Übergang hätte von Schirach meiner Meinung nach viel mehr Augenmerk legen müssen.

Warum heißt dieses Buch eigentlich „Tabu“? Das ist mir irgendwie auch ein Rätsel. Weder Prostitution/Pornografie noch Folter sind heute noch ein Tabu-Thema. Hm, nee, von diesem Buch bin ich dann doch eher enttäuscht. Ferdinand von Schirach kann das eindeutig besser, wie er z. B. in „Der Fall Collini“ bewiesen hat.

Matthias Brandt als Sprecher fand ich toll. Er hat mir sehr geholfen, durch diese seltsame Geschichte durchzukommen.

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Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Ferdinand von Schirach – Tabu

Siehe auch: