John Williams – Butcher’s Crossing

Butchers CrossingBeschreibung
Kansas, 1870: Der Student Will Andrews kehrt Harvard den Rücken, um im Wilden Westen sein Glück zu finden. Er landet in Butcher’s Crossing, einem Ort mitten im Nirgendwo. Dort wimmelt es von rastlosen Männern, Huren und zwielichtigen Gestalten. Auf der Suche nach Geld und Abenteuern schließt sich Andrews einer Gruppe von Büffeljägern an. Nach einer strapaziösen Reise gelangen sie ans Ziel und geraten, besessen vom Töten der Büffel, in einen Blutrausch.

Bald holt der Winter sie ein. Erst im Frühjahr, halb wahnsinnig durch Hunger und Kälte, können sie heimkehren. Doch was sie erwartet, ist eine Welt, die sich genauso endgültig verändert hat wie sie selbst.

Sprecher
Johann von Bülow

Länge
8 h 57 m

Meine Meinung
Ein Western. Ich habe mir freiwillig einen Western angehört. Doch auch nur, weil er von John Williams verfasst wurde, dem Schriftsteller von „Stoner“, durch den ich ihn kennen und lieben gelernt habe. Natürlich war ich sehr neugierig, was für eine Geschichte er um Will Andrews erzählt. Meine Erwartungen waren entsprechend hoch.

Will ist auf der Suche nach sich selbst. Er kommt aus der Stadt, war Student an der Harvard University und hat begriffen, dass ihm dieses Leben nicht gefällt. Doch was ist das Richtige für ihn? Er sucht sein Glück in der Prärie. In Butcher’s Crossing angekommen, geht er zu einem Büffelfellhändler, den sein Vater kennt. Dieser möchte ihn gerne als Angestellten einstellen, um seine Papiere zu ordnen. Doch das ist nicht das, was Will sich vorgestellt hat. Er sucht das Abenteuer, die Gefahr, das Geld. So wird er zu Miller geschickt, der ein Büffeljäger ist. Letzterer träumt immer noch von der großen Büffeljagd, denn vor ca. 10 Jahren hat er auf einem einsamen Stück Land eine riesige Büffelherde gesehen. Und er ist davon überzeugt, dass es diese Herde dort immer noch gibt, auch wenn die meisten Büffelherden längst ausgerottet wurden. Miller trommelt also ein paar Leute zusammen und gemeinsam mit Will Andrews begeben sie sich auf die Suche nach dieser Büffelherde, nicht ohne dabei mehrmals ihr Leben zu riskieren.

Sehr toll beschreibt John Williams den Anblick und die Weite der Prärie. Ich hatte sozusagen, die wogenden Grasbüschel bildlich vor Augen, die farblichen Veränderungen, die sie je nach Sonneneinstrahlung annehmen, konnte ich ebenfalls klar sehen. Auch die unendliche Weite der Prärie beschreibt er ausgiebig und sehr detailliert. Nach vielen Hindernissen stoßen sie tatsächlich auf die Büffelherde, von der Miller immer geredet und keiner ihm geglaubt hatte. Und kaum haben sie sie erreicht, verfällt Miller in einen wahren Blutrausch. Selbst als sie schon so viele Felle haben, dass sie sie schon gar nicht mehr transportieren können, können die Männer ihn nicht davon abbringen, Tag für Tag weiter auf die Jagd die gehen und einen Büffel nach dem anderen zu erschießen. Bald liegen im ganzen Tal soweit das Auge reicht tote Büffel und verrotten unter der Sonne. Dadurch verzögert sich auch ihre Heimreise um einige Wochen, so dass sie plötzlich vom hereinbrechenden Winter überrascht werden und in den Bergen bei Eiseskälte gefangen sind. Sie haben keine Chance, die Rückkehr vor dem Frühjahr anzutreten. Fortan beginnt ein harter Überlebenskampf. Doch als sie im Frühjahr endlich nach Butcher’s Crossing zurückkehren können, erkennen sie die Welt nicht mehr wieder. Nichts ist mehr, wie es war.

Mit „Butchter’s Crossing“ hat mich John Williams zwar nicht so sehr begeistert, wie mit „Stoner“, doch trotzdem hatte er mich schnell wieder „am Wickel“, so dass ich das Hörbuch in zwei Schüben durchgehört habe. Unfassbar fand ich diese Gier nach Blut und dem Töten an sich, die Miller erfasste. Und doch wurde dies so glaubhaft geschildert, dass ich dem Ganzen durchaus meinen Glauben schenken konnte. Ich kann mir leider gut vorstellen, dass die Menschen damals in solch eine Raserei verfielen – hat sich bis heute ja schließlich nichts geändert. Die Landschaftsbeschreibungen fand ich ebenso faszinierend wie damals die Gefühlsbeschreibungen bei „Stoner“. Williams versteht es, Gefühle und Visuelles sehr detailliert zu beschreiben, so dass hunderprozentig klar ist, was genau er meint. Da bleiben keine Zweifel.

Ich kann „Butcher’s Crossing“ keine 5 Pingu-Punkte geben, da das Abschlachten der Büffel für mich doch viel zu schrecklich war und sicherlich auch nichts für zarte Gemüter ist. Sehr gut beschrieben war es aber allemal.

Johann von Bülow kannte ich bisher noch nicht und er kam mir zunächst etwas zu steif für den Text vor. Doch er besserte sich im Laufe des Hörbuchs. Ich weiß nun nicht, ob er schon viele andere Hörbücher gesprochen hat. Ich fand ihn gut jedoch nicht sehr gut.

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Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: John Williams – Butcher’s Crossing

Siehe auch:

Zoran Drvenkar – Still

StillBeschreibung
Ein Mann, der seine Tochter sucht und dabei seine Identität verliert. Ein Mädchen, das seit sechs Jahren reglos aus dem Fenster schaut und darauf wartet, dass ihr jemand den Schlüssel zu ihrer Erinnerung bringt. Vier Männer und eine Mission, die aus Hunger und Disziplin besteht und keine Opfer scheut. Ein Winter in Deutschland, ein See im Wald und Schatten, die sich unter dem Eis bewegen.

Wenn es Winter wird und Schnee und Eis alle Spuren verwischen, erwacht in den einsamen Wäldern Brandenburgs das Böse. Über Nacht verschwinden Mädchen und Jungen auf mysteriöse Weise. Kein Kind wird je wiedergesehen. Nur ein Mädchen taucht unerwartet und verstört wieder auf, seine Lippen sind seitdem verschlossen. Erst als ein verzweifelter Vater auf eigene Faust zu ermitteln beginnt, bricht es sein Schweigen. Doch damit dreht sich die Spirale des Bösen nur noch schneller.

Ein brillanter und verstörender neuer Thriller des Bestsellerautors Zoran Drvenkar.

Sprecher
Christoph Maria Herbst

Länge
7 h 36 m

Meine Meinung
Eines vorneweg: Dieses Hörbuch ist nichts für zart Besaitete! Zu unvorstellbar grausam ist das Thema, das hier behandelt wird. Nicht selten musste ich schlucken ob des Gesprochenen. Die Story ist düster und beklemmend und sie wird immer düsterer und beklemmender, je weiter die Geschichte voranschreitet. Unterbrechen konnte ich das Hörbuch nicht, wurde ich doch immer fassungsloser, was da passierte. Ich hörte also immer weiter und hoffte auf eine positive Wende, doch ob diese auch kam, werde ich hier natürlich nicht verraten. Finde es selbst heraus.

Dass Zoran Drvenkar einem keine leichte Kost vorsetzt, wusste ich bereits aus „Sorry“ und „Du“. Doch was er mit „Still“ präsentiert, topt die beiden Geschichten noch.

Christoph Maria Herbst als Sprecher fand ich zunächst – nun, sagen wir – seltsam. Doch wie sich sehr schnell herausstellte, passte er einfach hervorragend zur Story und zum Stil von Drvenkar. Im Nachhinein denke ich, war C. M. Herbst wirklich die beste Wahl für diese Story.

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Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei D>A<V. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Zoran Drvenkar – Still

Danke!
Mein herzliches Dankeschön geht an den Verlag „Eder & Bach“ und an „D>A<V – Der Audio-Verlag“ für das Rezensionsexemplar.

Siehe auch:

Stephen King – Shining

ShiningBeschreibung
Ein Hotel in den Bergen von Colorado. Jack Torrance, ein verkrachter Intellektueller mit Psycho-Problemen, bekommt den Job als Hausmeister, um den er sich beworben hat. Zusammen mit seiner Frau Wendy und seinem Sohn Danny reist er in den letzten Tagen des Herbstes an. Das Hotel „Overlook“ ist ein verrufener Ort. Wer sich ihm ausliefert, verfällt ihm, wird zum ausführenden Organ aller bösen Träume und Wünsche, die sich in ihm manifestieren..

Sprecher
Dietmar Wunder

Länge
17 h 31 m

Meine Meinung
Es war einmal …
vor zig Jahren, dass ich Shining als Film gesehen habe. Das Buch habe ich damals nicht gelesen, obwohl ich früher viele Kings gelesen habe. Warum nicht? Keine Ahnung. Jetzt, da Teil 2 „Doctor Sleep“ veröffentlicht wurde, ich es gehört und für gut befunden habe, packte mich doch die Neugier, wie Shining denn als Buch ist. Außerdem fand ich es spannend, dass dieses Hörbuch einmal ein anderer Sprecher als David Nathan liest.

Eigentlich sagt die obige Beschreibung schon fast alles über die Handlung. ABER was King daraus macht, ist Psycho-Horror par excellence. Ok, ich ging nun nicht ganz unwissend an dieses Hörbuch heran – ich kenne ja den Film, der mir trotz der vielen Jahre dazwischen noch recht gut in Erinnerung ist. Doch trotzdem lauschte ich gebannt, wie sich der Wahnsinn langsam aber sicher immer weiter entwickelt, immer irrer wird und in einem Showdown endet, der seines Gleichen sucht. Doch wer nun glaubt, er hat ja den Film gesehen, er brauche das Buch nicht mehr, na der irrt sich gewaltig.

Ganz hervorragend finde ich bei diesem Hörbuch, dass King in dieser Story mit der Anzahl der Menschen ziemlich geizt. Es sind wirklich nur ganz wenige Menschen, die hier in Erscheinung treten. Diese sind dafür aber umso genauer charakterisiert. Hier hat King einmal mehr bewiesen, dass er die menschliche Seele und ihre Abgründe kennt wie kein anderer. Ich bin immer wieder fasziniert.

So und nun zum besonderen Schmankerl dieses Hörbuchs: Dietmar Wunder. Ich kenne ihn bereits von einigen anderen Hörbüchern. Ich fand ihn schon immer gut. Aber was er hier präsentiert hat – na, das fand ich spitzenmäßig! Das hätte ich ihm wirklich nicht zugetraut! Mühelos hat er in einem Satz ganz viele verschiedene Stimmen an den Tag gelegt. Wie macht man so etwas? Das fand ich wirklich sensationell gut und eine willkommene Abwechslung zu David Nathan, der ja eher nüchtern bleibt, dafür aber jeder Person eine ganz eigene Sprache und Stimme gibt. Sprich, beide sind grundverschieden – und beide sind verdammt gut. Und hier war der Einsatz von Dietmar Wunder wirklich die bessere Entscheidung. Denn wie er den aufkommenden Wahnsinn, die vielen Stimmen des Hotels bzw. der Gäste vertont hat, puh, da bekomme ich gleich wieder eine Gänsehaut. Und erst das donnernde DROM! Das wird mir noch sehr lange in Ohren dröhnen. Bei seiner Inszenierung hat man wirklich gemerkt, dass er einen „Mordsspaß“ beim Vorlesen hatte, dass er sich mächtig lange auf dieses Hörbuch vorbereitet haben muss und dass er komplett in die Story eintauchte. Und damit zog er mich als Hörer so richtig tief mit ins Geschehen. Wirklich erste Sahne fand ich das!

Somit bleibe ich als höchstzufriedener Hörer zurück und kann es guten Gewissens weiterempfehlen. Ich fühlte mich über die siebzehneinhalb Stunden bestens unterhalten und kann es gar nicht glauben, dass es über siebzehn Stunden dauerte! Wo ist die Zeit nur hin?

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Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Stephen King – Shining

Siehe auch:

 

Orhan Pamuk – Schnee

Beschreibung
Ein Fremder kommt nach Kars, eine türkische Provinzstadt, um eine merkwürdige Serie von Selbstmorden zu untersuchen: Junge Mädchen haben sich umgebracht, weil man sie zwang, das Kopftuch abzulegen. Plötzlich kommt es zu einem Putsch, inszeniert von einem Schauspieler. Ein Theatercoup? Doch es fließt echtes Blut, es intervenieren echte Soldaten, keiner kann die Stadt verlassen, weil es unaufhörlich schneit … Bearbeiter und Regisseur Norbert Schaeffer setzte diesen irritierenden Roman in ein atmosphärisch dichtes Hörspiel um, das Bilder erschafft, die den Kopf des Hörers nicht mehr verlassen werden. Wer Pamuk bisher noch nicht für sich entdeckt hat, der kann es jetzt nachholen.

Sprecher
Norbert Schäfer, Peter Fricke, Wolfgang Ruter (-> Hörspiel)

Länge
150 Minuten

Meine Meinung
Ich habe Pamuk nicht für mich entdeckt. Das war nun mein dritter Versuch, dieses Hörbuch zu hören. Aber ich kann damit rein gar nichts anfangen. Ok, Kopftuchdiskussion mal anders – vielleicht kommt ja später auch noch etwas, dass alles andere aufklären könnte. Aber wenn ich selbst im dritten Anlauf keine 150 Minuten durchhalte, dann entspricht das nun einmal nicht meinem Geschmack. Ich habe für mich dieses Hörbuch jetzt abgeschlossen. Es wird kein weiterer Hörversuch folgen. Denn mittlerweile habe ich ja schon mehr als 150 Minuten Hörzeit investiert – aber habe es nicht bis zum Ziel geschafft. Schade.

Fazit: stars_2 naja