George Orwell – 1984

1984Beschreibung
Orwells Roman über die Zerstörung des Menschen durch eine perfekte Staatsmaschinerie ist längst zu einer scheinbar nicht mehr erklärungsbedürftigen Metapher für totalitäre Verhältnisse geworden. Mit atemberaubender Unerbittlichkeit zeichnet der Autor das erschreckende Bild eines Staates, der seine Bürger ständig überwacht und nicht nur ihr Denken, sondern auch die Vergangenheit manipuliert. Der literarische Erfolg von 1984 verdankt sich einem beklemmenden Wirklichkeitsbezug, dem sich der Hörer nicht entziehen kann.

Sprecher
Sebastian Rudolph

Länge 
12 h 23 m

Meine Meinung
Vor ca. 30 Jahren hatte ich das Buch schon einmal gelesen und ich war entsetzt. Damals war es für mich aber „nur“ eine schreckliche Science-Fiction-Geschichte. Aus aktuellem Anlass habe ich mir jetzt nochmals die ungekürzte Hörbuchversion angehört. Und bin wieder entsetzt. Heute noch mehr als damals – klar.

  • Bücher werden umgeschrieben
    Es gibt keine Originalbücher mehr von vor 1960.
  • Die Sprache wird geändert
    Neusprech – die vielfältigen Wörter, aus der die Sprache besteht, werden verboten, es werden neue Wörterbücher geschrieben mit den Worten, die man noch benutzen darf.
  • Die Vergangenheit wird umgeschrieben
    Alle Zeitungsartikel und Geschichtsbücher werden umgeschrieben und zwar so, dass die Regierung gut da steht.
  • Keine Vergleichsmöglichkeit
    Wie war es vorher? Was passierte tatsächlich? Wer hat mit wem Krieg geführt und wer hat gesiegt?
  • Gedankendelikt
    Zweifeln ist tödlich
  • Motto
    Krieg ist Frieden – Freiheit ist Sklaverei – Unwissenheit ist Stärke
  • Keine Privatsphäre mehr
    Selbst in der eigenen Wohnung wird man überwacht: Big Brother is watching you. Und zwar überall!
  • 2 + 2 gibt nicht immer 4
    manchmal auch 5 oder nur 3 oder alle drei Lösungen sind gleichzeitig richtig, je nach dem, welche Antwort der Regierung gerade passt. 

Und dies sind nur ein paar Beispiele, die ich nun aus dem Buch aufgegriffen habe. Erschreckend genug oder?

Die Geschichte fand ich früher als Teenager recht absurd, heute leider nicht mehr. Und gerade deshalb sollte man dieses Buch lesen oder hören, auch wenn man es vor langer Zeit schon einmal gelesen hat.  Es wird hoffentlich dem ein oder anderen, der nach wie vor die Meinung vertritt: „Ich mache ja nichts Verbotenes, deshalb ist mir Datenschutz nicht so wichtig“, die Augen öffnen.

Die knapp zwölfeinhalb Stunden vergingen für mich wie im Flug, da ständig neue unglaubliche Dinge geschahen. Und ja, einige der beschriebenen Zustände sind mittlerweile bereits zur Realität geworden.

Sebastian Rudolph als Sprecher fand ich stellenweise über die Ohrstöpsel etwas anstrengend, die Stimme ist manchmal etwas aufdringlich/schrill. Über eine Anlage klingt das aber ganz anders. Es wird also an meinen Ohrstöpseln gelegen haben.

Soviel zum Hörbuch.

Liebe Regierungen dieser Welt: Orwell schrieb das Buch „1984“ als Warnung – nicht als Anleitung! 

Ein, zwei Gedanken zum Thema:
Wenn ich mir überlegen muss, ob ich nun zu diesem oder jenen Thema z. B. auf Facebook oder auf meinem Blog meine Meinung äußere oder lieber nicht, oder wenn ich mir überlege, ob ich in Google nach einem bestimmten Thema suche oder lieber nicht, dann fühle ich mich bereits in meinen Gedanken äußerst eingeengt. Und wenn es anderen auch so geht, dann kommt ein wirklichkeitsgetreues Meinungsbild des Volkes nicht mehr zustande. Dann sind wir bereits beim Gedankendelikt, der zwar heute vielleicht noch nicht tödlich enden muss, aber doch ziemliche Unannehmlichkeiten mit sich bringen kann. Genügend Beispiele dafür gibt es ja bereits. Klar, es bleibt jedem selbst überlassen, was er im Internet preisgibt und was nicht. Aber genau das ist der Punkt. Die Gedanken und damit die Äußerung dergleichen sind nicht mehr frei! Und bei den Aufnahmen der Überwachungskameras auf öffentlichen Plätzen habe ich noch nicht mal mehr die Wahl. Und das alles unter dem Deckmäntelchen: Zur eigenen Sicherheit und zum eigenen Wohlergehen.

Das totalitäre Regime aus „1984“ begründete seine Handlungsweise mit dem gleichen Argument.

Fazitstars_5 absolut empfehlenswert

Weitere Informationen
Eine Hörprobe sowie weitere Informationen gibt es bei Audible.de
Und hier geht es direkt zum Hörbuch: George Orwell – 1984

Siehe auch:

Kyung-Sook Shin – Als Mutter verschwand

Als Mutter verschwandBeschreibung
Sie wollte nur ihre erwachsenen Kinder in Seoul besuchen. Aber als sie mit ihrem Mann am Hauptbahnhof in die überfüllte U-Bahn steigen will, passiert es: Mutter geht in der Menschenmenge verloren…

Ein hinreißender, anrührender, ganz und gar ungewöhnlicher Roman über Mütter und Kinder, über die Verwerfungen zwischen den Generationen und über die alles überbrückende Kraft der Liebe.

Sprecher
Hans Kremer, Marlen Diekhoff, Sebastian Rudolph, Julia Nachtmann

Länge
6 h 09 m

Meine Meinung
Dieses Hörbuch wird aus der Sicht von vier Personen erzählt. Mutter, Vater, Tochter und Sohn. Dass hierfür vier verschiedene Sprecher ausgewählt wurden, fand ich eine gute Lösung. Alle vier Sprecher haben ihre Rolle gut gesprochen. Es ist aber kein Hörspiel.

Die Erzählperspektive in diesem Buch (zumindest bei der Tochter, bei den anderen ist es mir dann nicht mehr so aufgefallen) fand ich sehr gewöhnungsbedürftig. Sie erzählt von sich, redet aber von du… z. B. sagt sie: „Du setzt dich mit deinem Bruder an den Tisch“ und meint damit, dass sie sich mit ihrem Bruder an den Tisch gesetzt hat. Hm, das hat mir nicht so gut gefallen.

Das Buch beginnt mit einem Familienrat. Denn die Mutter ist nun seit einer Woche verschwunden. Einfach auf dem Bahnhof verloren gegangen.. Die Familie beschließt, Flugblätter zu erstellen und sie zu verteilen. Hier und da kommen auch Hinweise auf den Verbleib der Mutter, doch meist ist es schon 3 Tage her.

Jede Person erzählt quasi ihre Beziehung zur Mutter. Somit erhält man nach und nach eine klare Vorstellung, was sie wohl für ein Mensch ist.

Ich kann jetzt nicht behaupten, dass mich die Geschichte restlos begeistert hat. Aber auf der anderen Seite wollte ich unbedingt wissen, wie die Geschichte ausgeht. Da das Hörbuch nur sechs Stunden lang ist (gekürzt), lässt das Ende ja auch nicht allzu lange auf sich warten.

Sehr interessant fand ich die Beschreibungen des Landes Koreas. Denn man erfährt sehr viel über das Leben und die Sitten eines Landes, das doch sehr, sehr fremd ist.

Fazitstars_3 ganz nett

Weitere Informationen
Eine Hörprobe sowie weitere Informationen gibt es bei Audible.de
Und hier geht es direkt zum Hörbuch: Kyung-Sook Shin – Als Mutter verschwand

Carol Birch – Der Atem der Welt

Beschreibung
Jaffy Brown wächst in ärmlichen Verhältnissen in den Londoner Docklands Ende des 19. Jahrhunderts auf. Eines Tages begegnet er einem aus einer Menagerie entlaufenen Tiger. Eine Begegnung, die ihn in eine fremde, verheißungsvolle Welt voll exotischer Schönheit und wilder Tiere versetzt und die in Jaffy die Sehnsucht nach der Weite des Meeres weckt. Mit seinem besten Freund Tim heuert er auf einem Walfänger an, der sie auf eine abenteuerliche Reise führt, hinein in die Stürme des Indischen Ozeans. Und schließlich an die Grenzen der Welt und ihres Menschseins.

Sprecher
Sebastian Rudolph

Länge
462 Minuten

Meine Meinung
Dieser historische Roman kommt als klassische Abenteuergeschichte daher. Und die Abenteuer sind wirklich spannend, das kann man nicht anders sagen. Die Begegnung mit dem Tiger, der ihn als kleinen Jungen fast verschluckt, hat Folgen. Der Besitzer des Tigers fühlt sich ab sofort für den armen Jungen verantwortlich und gibt ihm Arbeit. Arbeit in einem Geschäft, das mit exotischen Tieren handelt. Und bald darauf führt ihn sein Leben auf einen Walfänger. Diese Schifffahrt wird auch sehr bunt und lebendig beschrieben, bis das Schiff in einen heftigen Sturm und die Mannschaft in Lebensgefahr gerät. Mehr wird an dieser Stelle aber nicht erzählt. Will ja niemandem den Spaß nehmen.

Diese Geschichte ist durch die vielen skurrilen Schilderungen sehr abwechslungsreich und meist flott erzählt. Der Sprecher, den ich bisher nicht kannte, passte wunderbar zu der Geschichte. Ein Hörgenuss mit ernstem Hintergrund.

Fazit empfehlenswert

Weitere Informationen
Eine Hörprobe sowie weitere Informationen gibt es bei Audible.de
Und hier geht es direkt zum Hörbuch: Carol Birch – Der Atem der Welt