Pierre Lemaitre – Die Farben des Feuers

Beschreibung
Als der berühmte Bankier Marcel Péricourt im Jahr 1927 verstirbt, steht seine Tochter Madeleine plötzlich völlig allein an der Spitze eines mächtigen Bankimperiums – in einer Epoche, in der Frauen selbst keine Geschäfte führen dürfen. Im Schatten von Börsenskandalen und politischen Wirrnissen bahnt sich ein Komplott an, der die traditionsreiche Bank Péricourt und ihre Besitzerin zu Fall bringt. Doch Madeleine weiß die unruhigen Verhältnisse in Europa für sich zu nutzen und beginnt ihren ganz persönlichen Rachefeldzug. Ein beeindruckendes Zeitpanorama, eindringlich gelesen von Torben Kessler.

Sprecher
Torben Kessler

Länge
14 h 40

Meine Meinung
Auf das neueste Buch von Pierre Lemaitre habe ich mich sehr gefreut, haben mir doch seine bisherigen Werke alle sehr gut gefallen.

Um was es in der Geschichte geht, will ich hier gar nicht groß erzählen, das wird bereits im Klappentext recht gut beschrieben.

Doch von „Die Farben des Feuers“ war ich zugegebenermaßen ein wenig enttäuscht. Die erste Hälfte fand ich recht langatmig, wenn auch mit den typischen Lemaitre-Skurril-Elementen gespickt. Doch Madeleine war mir hier einfach ein wenig zu gutgläubig, zu farblos, zu sehr Mutterglucke. Und so verwundert es wohl auch nicht sonderlich, dass ich den plötzlichen Wandel zur eiskalten und sehr cleveren Rachegöttin nicht ganz realistisch fand. Ok, dass man äußerst verärgert ist, wenn man plötzlich feststellt, dass man von allen denen man vertraut hatte, übelst hintergangen wurde, kann ich absolut nachvollziehen. Aber ich halte es für ein wenig unrealistisch, dass man sich dann plötzlich einen derart perfiden Racheplan ausdenken kann.

Doch davon einmal abgesehen, haben mir die wirklich wieder sehr außergewöhnlichen Szenenbeschreibungen sehr gut gefallen. Das ist etwas, was ich an Lemaitres Romanen sehr liebe. Auch gab es wieder sehr wunderliche Personen, die mit der eigentlichen Geschichte nicht wirklich etwas zu tun hatten. Man denke nur an die Opernsängerin, die ihren Narren an Madeleines Sohn gefressen hat. Dies ist solch ein typisch skurriles Element in der Story.

Torben Kessler als Sprecher hat mir wieder sehr gut gefallen. Ich höre seine Stimme sehr gerne in Hörbüchern.

Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei „Der Audio-Verlag“ Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Pierre Lemaitre – Die Farben des Feuers

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Herzlichen Dank an den Audio-Verlag für das Rezensionsexemplar

Joel Dicker – Das Verschwinden der Stephanie Mailer

Beschreibung
Joël Dicker ist zurück – so intensiv, stimmungsvoll und packend wie „Harry Quebert“.

Es ist der 30. Juli 1994 in Orphea, ein warmer Sommerabend an der amerikanischen Ostküste: An diesem Tag wird der Badeort durch ein schreckliches Verbrechen erschüttert, denn in einem Mehrfachmord sterben der Bürgermeister und seine Familie sowie eine zufällige Passantin. Zwei jungen Polizisten, Jesse Rosenberg und Derek Scott, werden die Ermittlungen übertragen, und sie gehen ihrer Arbeit mit größter Sorgfalt nach, bis ein Schuldiger gefunden ist. Doch zwanzig Jahre später behauptet die Journalistin Stephanie Mailer, dass Rosenberg und Scott sich geirrt haben. Kurz darauf verschwindet die junge Frau…

Die idyllischen Hamptons sind Schauplatz einer fatalen Intrige, die Joël Dicker mit einzigartigem Gespür für Tempo und erzählerische Raffinesse entfaltet.

Sprecher
Torben Kessler

Länge
19 h 53 m

Meine Meinung
Grandios! Dass Joel Dicker verdammt gut erzählen kann, hat er schon in „Die Geschichte der Baltimores“ und „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ unter Beweis gestellt. Und hier hat er dieses Statement erneut untermauert. Allerdings sind hier wieder sehr viele Personen am Start, so dass ich mir beim ersten Durchlauf wirklich etwas schwer tat, die vielen Personen immer richtig zuzuordnen. Aus diesem Grund habe ich dieses Hörbuch nach dem ersten Hören gleich nochmals gestartet. Und dieser zweite Durchgang hat dann so richtig Spaß gemacht. Ich kannte die Leute bereits, konnte sie problemlos zuordnen und war nicht mehr darauf fixiert, die vielen Zusammenhänge sofort verstehen zu müssen. Es war einfach ein wahrer Genuss, vieles wurde deutlicher, Kleinigkeiten, die ich vorher gar nicht registriert hatte, erfasste ich nun komplett und konnte diese wirklich toll aufgebaute Story einfach nur genießen.

Sehr hilfreich fand ich auch, dass die Geschichte bei Kapitel 7 beginnt und somit der Countdown und schließlich der Showdown besser einzuschätzen ist.

Doch man muss wirklich gut aufpassen! Denn hier wird sehr oft zwischen Vergangenheit und Gegenwart gewechselt, und das ist nicht immer sofort deutlich erkennbar.

Torben Kessler als Sprecher war wieder klasse. Ich mag seine Stimme und seine Art zu lesen/sprechen mittlerweile sehr gerne.

Und das ist nun das erste Hörbuch von Joel Dicker, das es verdient auf meine Bestenliste geschafft hat.

Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Joel Dicker – Das Verschwinden der Stephanie Mailer

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Ulrich Alexander Boschwitz – Der Reisende

Beschreibung
Berlin, 1938: Der Kaufmann Otto Silbermann findet sich nach den Novemberpogromen und seiner Flucht aus Berlin als rastloser Reisender in den Zügen der Deutschen Reichsbahn wieder. Verwandte und Freunde sind verhaftet oder verschwunden. Was ihm noch bleibt, ist eine Aktentasche voller Geld.

In den Waggons, auf Bahnsteigen und in Bahnhofsrestaurants, auf seinen Fahrten quer durchs Land trifft er auf andere Reisende, Flüchtlinge und Nazis, auf gute wie schlechte Menschen. Noch nie hat man mit so unmittelbarer Wucht nachempfinden können, wie lebensverändernd die Novemberpogrome für jeden einzelnen Menschen in Deutschland waren.

Sprecher
Torben Kessler

Länge
7 h 26 m

Meine Meinung
Otto Silbermann steckt mitten in Verhandlungen, um sein Haus zu verkaufen, als die Nazis seine Wohnung stürmen. Hals über Kopf verlässt er seine arische Frau und sein Heim, um seiner Verhaftung zu entkommen. Doch wo soll er hin? Sein Geschäftspartner sollte doch schon längst von den Verkaufsverhandlungen aus Hamburg zurück sein. Will er ihn etwa um sein Geld bringen? Becker, ein Arier, man weiß ja nicht mehr, wem man noch vertrauen soll. Kurzentschlossen reist er mit der Bahn nach Hamburg. Dort sieht er auch seinen Geschäftspartner zusammen mit Nazis an einem Tisch ausgiebig feiernd. Die Zweifel steigen, denn Becker ignoriert ihn komplett, so als würde er Silbermann überhaupt nicht kennen. Zuhause in Berlin treffen die beiden wieder aufeinander. Becker löst in einem höchst unerfreulichen Disput die Geschäftsbeziehung auf und zahlt Silbermann aus. Mit einem Koffer voller Geld steigt er in den nächsten Zug, denn er weiß nicht recht, wo er denn hin soll. Freunde und Verwandte wurden entweder verhaftet oder sind in der Partei. Fortan ist er auf Reisen, diverse Versuche, Deutschland zu verlassen, scheitern, so dass er immer weiter auf Reisen ist.

Hierbei lernt er verschiedene Menschen kennen, die Gespräche sind immer höchst interessant anzuhören. Auch Silbermanns Gedanken, wenn er alleine im Abteil sitzt sind zutiefst menschlich und nachvollziehbar und stellen sehr deutlich die innere Zerrissenheit der Juden dar. Denn was unterscheidet sie denn von den Goys? Und plötzlich wird er kurzzeitig gedanklich selbst zum jüdischen Antisemit und meint, all die anderen Juden seien an seinem Elend schuld.

Es ist wirklich unglaublich gut geschildert, welche Verzweiflung in Silbermanns Kopf Form annimmt. Ich fand diese Geschichte äußerst beklemmend und zutiefst menschlich erzählt. Er steht hier für viele Tausend anderer Juden, die im Nazideutschland gnadenlos verfolgt, verhaftet und ermordet wurden.

Wie man sich denken kann, ist diese Geschichte keine seichte oder leichte  Unterhaltung. Doch trotzdem oder gerade deshalb möchte ich dieses Hörbuch sehr empfehlen! Nicht zuletzt, da Torben Kessler als Sprecher wirklich eine grandiose Leistung hingelegt hat.

Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Ulrich Alexander Boschwitz – Der Reisende

Pierre Lemaitre – Drei Tage und ein Leben

Beschreibung
Ein beschaulicher Ort in Frankreich im Jahr 1999: Der zwölfjährige Antoine verbringt seine Tage zusammen mit dem Hund Odysseus im nahgelegenen Wald.

Als wenige Tage vor Weihnachten sein Nachbar, der kleine Rémi, innerhalb weniger Stunden spurlos verschwindet, stehen die Anwohner Beauvals unter Schock. Eine groß angelegte Suchaktion wird gestartet. Dabei wird vor allem der angrenzende Wald durchsucht, in dem Antoine und Rémi viel Zeit miteinander verbracht haben. Am dritten Tag muss die Suche nach dem verschwundenen Kind abgebrochen werden. Ein Jahrhundertsturm zieht auf. Rémi bleibt verschwunden, die Bewohner Beauvals verdächtigen sich gegenseitig und Antoine schweigt, obwohl er der einzige ist, der weiß, was in jenen verhängnisvollen Stunden mit seinem Freund Rémi geschah.

Das Hörbuch erscheint als ungekürzte Lesung bei DAV

Kann ein Kind schuldig sein?

Behutsam und verständnisvoll widmet sich der Prix-Goncourt-Preisträger Pierre Lemaitre in seinem Roman »Drei Tage und ein Leben« dem Schicksal des Protagonisten, schreibt über Schuld, Verantwortung und Adoleszenz. Glaubhaft erzählt er Antoines Geschichte, der als Heranwachsender seinen Heimatort verlässt, versucht, mit der Schuld umzugehen, die er als Junge auf sich geladen hat und schließlich doch wieder nach Beauval zurückkehrt.

»Drei Tage und ein Leben«, produziert von NDR Kultur, wird packend interpretiert von Torben Kessler

Der aus Fernsehen, Kino und Theater bekannte Schauspieler Torben Kessler zählt zu den bekanntesten Hörbuch-Sprechern Deutschlands und hat bereits zahlreiche Hörbücher eingesprochen, darunter auch Hanya Yanagiharas »Ein wenig Leben«.

Auch mit seiner Lesung von Pierre Lemaitres Roman weiß er zu überzeugen. Mit seiner gefühlvollen und unaufgeregten Darbietung erweist er sich als der ideale Erzähler der Geschichte rund um den jungen Antoine und die Geschehnisse während der drei Tage im Dezember.

Sprecher
Torben Kessler

Länge
6 h 28 m

Meine Meinung
Als ich vor zwei Jahren „Wir sehen uns dort oben“ von Pierre Lemaitre gehört hatte und völlig fasziniert war, war ich äußerst begeistert als ich sah, dass es ein neues Hörbuch von Lemaitre gibt. Selbstverständlich wollte ich das sofort hören. Meine hohen Erwartungen und Hoffnungen wurden in keinster Weise enttäuscht. Ich war wieder äußerst begeistert! „Drei Tage und ein Leben“ ist zwar leider recht kurz, dafür aber umso intensiver.

Es ist wirklich erstaunlich, wie sich der Autor in den jungen Antoine versetzen  und seine Gefühle erzählen kann. Ist der Junge doch völlig verzweifelt, entsetzt von seiner Tat, hin- und hergerissen, wie er sich nun verhalten soll. Soll er seine Schuld eingestehen? Oder doch lieber fliehen? Aber nein, das geht nicht. Selbstmord? Ja, das ist gut, denn mit dieser Schuld zu leben ist für ihn unvorstellbar.

Ich habe nur sehr selten eine solch gute Darstellung der inneren Zerrissenheit eines Menschen gehört. Lemaitre hat das wirklich bis zum i-Tüpfelchen perfektioniert.

Und das Endprodukt ist eine wirklich mitreißende Story, bei der ich den Mörder gar lieben lernte und mit ihm bangte und hoffte. Und klar stellt sich hier dann wieder die Frage: Kann man ein Kind wirklich als Mörder bezeichnen? Wenn ich mir die Situation nochmals vorstelle, wie sie geschildert wurde, dann war ich natürlich schockiert und entsetzt! Doch wenn ich mir dann überlege, in welcher Gefühlslage er sich gerade befand, nun… Aber – lieber Leser/Hörer – bilde dir bitte eine eigene Meinung über den jungen Antoine und seine Tat.

Auch das Ende fand ich perfekt ausgearbeitet. Es waren wirklich einige Szenarien möglich, wie die Story zu einem Ende geführt hätte werden können. Die von Lemaitre gewählte hat mir sehr gut gefallen. Warum kann ich hier nicht beschreiben, da würde ich wohl etwas die Spannung nehmen. Und das will ich auf keinen Fall riskieren. Denn „Drei Tage und ein Leben“ ist eine Geschichte, in die man unbedingt selbst eintauchen und mitfiebern sollte, ohne den geringsten Schimmer zu haben, wie es enden wird.

Torben Kessler als Sprecher hat mir auch sehr gut gefallen. Er hat diese eindringliche Story wirklich ganz hervorragend gesprochen, niemals aufdringlich, aber immer äußerst gefühlsbetont. Toll.

Ich wünsche spannende sechseinhalb Stunden beim Lauschen dieser wirklich außergewöhnlich guten Story.

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Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei „Der Audio-Verlag“ Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Pierre Lemaitre – Drei Tage und ein Leben

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Herzlichen Dank an den Audio-Verlag für das Rezensionsexemplar, das sich als wahrer Schatz entpuppte.

Persönliche Anmerkung:
Innerhalb von 2 Wochen 3 Hörbücher, die es auf meine Bestenliste geschafft haben, und das noch aus völlig verschiedenen Genres, das gab es noch nie!

Die anderen beiden sind:

Joel Dicker – Die Geschichte der Baltimores

Die Geschichte der BaltimoresBeschreibung
Bis zum Tag der Katastrophe gab es zwei Goldman-Familien. Die Baltimore-Goldmans und die Montclair-Goldmans. Die „Montclairs“ sind eine typische Mittelstandsfamilie, kleines Haus im unschicken New Jersey, staatliche Schule für Marcus, den einzigen Sohn. Ganz anders die Goldmans aus Baltimore, man ist wohlhabend und erfolgreich.
Als Kind ist Marcus hin- und hergerissen zwischen Bewunderung und Eifersucht auf ihr perfektes Leben. Doch seine Cousins Hillel und Woody sind seine besten Freunde, zu dritt schwärmen sie für das Nachbarsmädchen Alexandra – bis ihre heile Welt zerbricht. Acht Jahre danach beschließt Marcus, inzwischen berühmter Schriftsteller, die Geschichte der Baltimores aufzuschreiben. Aber die „Wahrheit“ über seine Familie scheint viele Gesichter zu haben.

Sprecher
Torben Kessler

Länge
14 h 12 m

Meine Meinung
Nach „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ war ich sehr gespannt, auf das neueste Buch aus Dickers Feder. Ich glaube, es wäre besser gewesen, wenn ich das erste Buch noch nicht gekannt hätte, wenn ich beide Bücher in der Hörreihenfolge vertauscht hätte. Denn dann hätte ich über „Die Geschichte der Baltimores“ gedacht: Gute Story mit ein wenig Luft nach oben und hätte dann das Sahnehäubchen in Form von „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ bekommen. Doch in dieser Reihenfolge habe ich die Bücher leider nicht gehört. Und so ist „Die Geschichte der Baltimores“ für mich ein kleines Stück weit enttäuschend, da es an die Genialität des ersten Buches einfach nicht heranreicht. Naja, wie auch.

Hier haben wir es mit einer Familiengeschichte zu tun. Es geht – natürlich – um die Goldmans. Doch es gibt die Montclair-Goldmans und die Baltimore-Goldmans. Die einen sind Mittelstand, die anderen stinkreich. Das reicht schon, um genug Vergleiche zu ziehen und um zu sehen, dass man als Montclair-Goldman eigentlich immer den kürzeren zieht. Die Story wird aus der Perspektive des Montclair-Goldmans Marcus geschrieben.

Viel geht es hier um die Liebe zu Onkel und Tante und die beiden Cousins, wobei einer davon adoptiert ist. Viel wird hier auch immer wieder angekündigt. Die Zeiten springen scheinbar willkürlich hin und her und doch ergeben sie am Ende eine gelungene Story. Die Zeitsprünge werden immer mit den Worten: „Das war 2 Jahre vor der Katastrophe“ oder „Das war 3 Jahre nach der Katastrophe“ eingeleitet oder beendet. Doch so wartet man geduldig bis fast zum Schluss, dass diese Katastrophe nun auch wirklich Bestandteil der Geschichte wird und man hoffentlich mal erfährt, warum dieses ganze Buch überhaupt geschrieben wurde, was denn die große Katastrophe eigentlich war. Zugegeben, ich fand die Katastrophe dann letztendlich etwas mau ob der dramatischen, pompösen und zigfachen Erwähnung im Vorfeld. Ich will jetzt nicht genauer darauf eingehen, denn ich will ja keinem die Spannung nehmen. Doch ich für meinen Teil hatte mir eine weitaus größere Katastrophe vorgestellt – nicht erhofft, aber einfach vorgestellt. Vielleicht bin ich auch schon zu abgebrüht, aber das glaube ich eigentlich nicht.

Ich habe interessiert und gespannt den Geschehnissen gelauscht, die da vor und nach der Katastrophe passierten. Dicker kann interessant erzählen und die gewählten Cuts in den Zeitsprüngen waren durchaus auch sehr gut gewählt, so dass man natürlich immer weiter lauschte. Auch waren immer wieder kleinere Highlights eingebaut, die überraschten und die die einzelnen Charaktere etwas genauer ins Rampenlicht setzten, wenn auch nicht immer detaillierter erklärten, warum sie so handelten (letzteres bezieht sich auf das Ende der Geschichte).

Insgesamt möchte ich sagen, dass dieses Hörbuch eine schöne Geschichte ist. Sie lässt sich sehr gut hören, hat kaum Längen und wenn man nicht allzu pingelig ist (wie ich hier in diesem Falle), dann garantiert es gute Unterhaltung. Ich denke, meine Bewertung wäre wirklich etwas euphorischer ausgefallen, wenn ich nicht das erste Buch… aber ich wiederhole mich. Und ja, man soll eigentlich keine Vergleiche ziehen. Aber sorry, ich bin auch nur ein Mensch. Und 4 Pingu-Punkte sind ja immerhin auch noch eine verdammt gute Bewertung.

Torben Kessler hat mir – wie auch schon im ersten Buch von Dicker – wieder sehr gut gefallen. Er hat den Charakter des Ich-Erzählers und auch der anderen Mitwirkenden perfekt vertont. Seiner Stimme kann ich problemlos stundenlang zuhören.

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Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Joel Dicker – Die Geschichte der Baltimores

Siehe auch:

Dave Eggers – Der Circle

Der CircleBeschreibung
Mae Holland wird von dem Internetkonzern „The Circle“ angeheuert. Ziel des Unternehmens ist, durch vollkommene Transparenz ein neues Zeitalter einzuläuten. E-Mails, Social Media, Bankdaten, Einkaufsverhalten werden vernetzt und zu einer Online-Identität verdichtet. Mae kann es kaum fassen: Sie darf für den einflussreichsten Konzern der Welt arbeiten! Doch was genau ist ihre Rolle?

Dieses Hörbuch beginnt als faszinierende Geschichte einer ehrgeizigen jungen Frau, wird jedoch bald zu einem atemlosen Thriller, der Fragen nach Privatsphäre, Demokratie und den Grenzen menschlichen Wissens aufwirft.

Sprecher
Torben Kessler

Länge
10 h 02 m

Meine Meinung
Dieses Buch/Hörbuch sollte zur Pflichtlektüre für alle Internet-User werden. Und natürlich auch für die, die es nicht so schlimm finden, wenn diverse Firmen die Mails und persönliche Nachrichten mit lesen, da sie ja nichts Verbotenes schreiben…

Mae Holland ist glücklich. Sie wird von „The Circle“ angeheuert. Das ist DAS Unternehmen, das sie einfach nur bewundert. Gleich am ersten Arbeitstag, bekommt sie ein Firmenhandy, auf das alle Daten ihres privaten Handys geladen werden. Auch ihr Laptop wird gegen ein Firmenlaptop eingetauscht – inkl. kompletter Datenübernahme. Schon alleine bei dieser Vorstellung wurde mir übel. Doch es kommt noch viel krasser. Mae findet das völlig in Ordnung. Sie arbeitet in einer Abteilung, die Reklamationen bearbeitet. Die Antworten, die sie den Kunden gibt, werden von den Kunden bewertet. Wenn sie nicht mind. 95 % Zufriedenheit erreicht, muss sie bei den Kunden nochmals nachhaken, was sie denn besser hätte machen können. Wenn es über einen gewissen Zeitraum nicht besser wird, wird sie zum Chef zitiert. Alles ganz freundschaftlich versteht sich.

Zusätzlich zu all den Reklamationen, wird sie bombardiert mit Umfragen, die sie zwischendurch beantworten muss. Keine Minute bleibt zum Nachdenken, zum Gedanken schweifen lassen, zum kurzen Relaxen. Für mich: Stress pur. Mae findet das in Ordnung, hat sie sich doch eh immer viel zu viele Gedanken gemacht.

Und es kommt noch viel krasser. Aber das will ich hier gar nicht alles verraten.

Doch, sind wir nicht längst soweit? Ich hätte hier so einige Beispiele parat…

Klingt nach Paranoia? Naja, spätestens seit den Enthüllungen von Edward Snowden ist es wohl durchaus im Bereich des Realistischen.

Die Geschichte fand ich spannend aufgebaut. Sie wurde zunehmend beklemmender und für mich immer schrecklicher. Denn der Mensch als Individuum wurde in dieser Story nicht mehr gewünscht und Stück für Stück zum Einheitsbrei verformt. So kamen später Überlegungen, ob man nicht auch die Wahlen über „Der Circle“ abhalten könnte. So könnten sie sicher stellen, dass alle ihre Stimme abgeben würden, denn sie würden sie so lange am Tag der Wahl dazu auffordern, bis sie es endlich taten. Und den ganz Resoluten könnten sie einfach den Computer so lange lahm legen, bis sie endlich wählen würden…

Mae Holland fand ich etwas sehr naiv. Aber sie sollte ja eben auch die Person darstellen, die alles ungefragt hinnimmt. Und davon haben wir ja wahrlich genug auf unserem Planeten.

Ich fand dieses Hörbuch sehr gut. Es ist nicht weit von der Realität entfernt und tut doch so, als wäre es „Science-Fiction“. Klar sind manche Szenen überspitzt dargestellt. Doch moment, sind sie das wirklich?

Den Sprecher Torben Kessler fand ich mit seiner ruhigen Erzählweise sehr passend. Er hat die Geschichte für sich reden lassen. Das hat mir gefallen.

Dieses Hörbuch kommt auf meine Bestenliste.

s5g5h

Weitere Informationen
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Joel Dicker – Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert

HarryBeschreibung
Ein Skandal erschüttert das friedliche Städtchen Aurora an der amerikanischen Ostküste: 33 Jahre nachdem die zauberhafte Nola dort spurlos verschwand, taucht sie wieder auf. Als Skelett im Garten ihres einstigen Geliebten, des hochangesehenen Schriftstellers Harry Quebert. Als er verhaftet wird, ist der Einzige, der noch zu ihm hält, sein ehemaliger Schüler und Freund Marcus Goldman, inzwischen selbst ein erfolgreicher Autor. Überzeugt von der Unschuld seines Mentors – und auf der Suche nach einer Inspiration für seinen nächsten Roman – beginnt Goldman auf eigene Faust im Fall Nola zu ermitteln…

Sprecher
Torben Kessler

Länge
20 h 21 m

Meine Meinung
Viele Geschichten in einer Geschichte. Toll, ich liebe es. Ich fand dieses Hörbuch äußerst kurzweilig und abwechslungsreich. Denn hier werden sehr viele Geschichten erzählt, wie die Sache hätte sein können, dann denkt man, genau – so muss es gewesen sein. Und kaum hat man diesen Gedanken gefasst, muss man ihn auch schon wieder durch eine Kleinigkeit – oder auch eine große Wendung – über Bord werfen und die neuen Fakten miteinbeziehen. Mein Gott, ich hatte viele, sehr viele Verdächtige in diesem Buch. Irgendwie war fast jeder mal in meinem Visier. Ich fand es sehr schön, dass man bei dieser „Story in der Story“ wunderbar miträtseln konnte.

Doch was ist „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ eigentlich für ein Buch? Zum Einen ist es ein Krimi, es ist aber auch eine Liebesgeschichte, ein Roman. Dann könnte man es noch als ein Lehrgang über „Wie schreibe ich eine verdammt gute Story“ bezeichnen und es ist auch ein Buch über Selbstbetrug, über Lüge und Scheinheiligkeit. Das Ende und somit die Auflösung der ganzen Story fand ich phänomenal gut. Solch eine verzwickte Story muss man sich erstmal ausdenken und dann auch noch derart gut zu Papier bringen. Hut ab, meine größte Hochachtung an den Schriftsteller.

Die Personen in diesem Buch wurden durch die Bank weg sehr gut beschrieben. Ich hatte von allen eine glasklare Vorstellung und sie waren auch alle sehr unterschiedlich dargestellt. Bis auf die beiden Mütter, sie ähnelten sich doch sehr…

Dieses Hörbuch hätte es auf meine Bestenliste geschafft, wenn da nicht die furchtbar nervige Darstellung einiger Frauen in diesem Buch gewesen wäre. Insbesondere die beiden Mütter nagten gehörig an meinen Nerven. Da diese Szenen aber im Vergleich zum Rest der genialen Story, relativ kurz waren, gibt es dafür keinen Sterneabzug. Lediglich auf die Bestenliste kommt es deshalb nicht.

Torben Kessler kannte ich bisher als Sprecher noch nicht. Aber er hat diese Story und die Personen hervorragend gesprochen, so dass ich sagen möchte: gerne mehr Hörbücher mit ihm als Sprecher. Für mich ist er eine echte Neuentdeckung.

Fazit:

Geschichte: stars_5
Sprecher: stars_5
Gesamt: stars_5

Weitere Informationen
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