Hans Fallada – Kleiner Mann – was nun?

Kleiner Mann - was nunBeschreibung
Hans Falladas Meisterwerk erschien in unsicheren Zeiten. Es wurde vor dem Druck 1932 gekürzt und verändert: Textstellen, an denen sich der Autor politisch differenziert äußerte, wurden geglättet oder gar in ihr Gegenteil verkehrt. Jetzt erscheint der Roman erstmals so, wie Fallada ihn gewollt hatte.

Johannes Pinneberg und seine Freundin Emma, genannt Lämmchen, erfahren, dass sie ein Kind erwarten. Kurzentschlossen heiratet das frisch verliebte Paar, auch wenn es mit wenig über die Runden kommen muss. Trotz Weltwirtschaftskrise und erstarkender Nazis glauben der kleine Berliner Verkäufer und seine junge Frau an das Glück. Als sich Pinneberg in das Millionenheer der Arbeitslosen einreihen muss, nimmt Lämmchen beherzt das Leben ihres verzweifelten Mannes in die Hand.

Diese ungekürzte Hörbuch-Fassung wird exklusiv von Audible präsentiert und ist ausschließlich im Download erhältlich.

Sprecher
Frank Arnold

Länge
16 h 21 m

Meine Meinung
Fallada ist ein fantastischer „Menschenmaler“. Er kann die Gefühle und die Emotionen perfekt beschreiben – man kennt die Personen quasi persönlich und kann sich gut vorstellen, wie sie auf was reagieren. Toll, dass dieses Buch nun endlich unverändert zu haben ist.

Pinneberg und Lämmchen sind frisch verliebt und bald stellt Lämmchen fest, dass sie schwanger ist. Die beiden heiraten und ziehen in die Stadt, in der Pinneberg arbeitet. Die sogenannte Wohnung ist mehr als schäbig, von Privatsphäre kann keine Rede sein. Auch verheimlicht Pinneberg seinem Arbeitgeber, dass er verheiratet ist, denn sein Chef möchte, dass Pinneberg seine Tochter – die niemand haben will – heiratet. Doch der Schwindel fliegt auf, als Pinneberg und Lämmchen von der Familie des Chefs entdeckt werden. Es passieren noch viele weitere Dinge, auf die ich gar nicht näher eingehen möchte. Jedenfalls verschlägt es die beiden bald nach Berlin in die Wohnung von Pinnebergs Mutter. Dort haben sie ein Zimmer zur Verfügung, für das die Mutter auch noch eine immense Summe an Miete haben möchte. Die beiden können sich allerdings nicht sonderlich gut leiden – auch das ist also nicht das Leben, wie es sich Lämmchen erträumt hatte. In Berlin bekommt Pinneberg aufgrund von Vitamin B jedoch wieder eine Arbeitsstelle in einem Bekleidungsgeschäft. Währenddessen schreitet die Wirtschaftskrise immer weiter voran.

Lämmchen ist ein einfaches Mädchen, die aber für Pinneberg immer der Fels in der Brandung ist. Und Pinneberg ist ein wenig hilflos ohne sein Lämmchen. Sie baut ihn immer wieder auf. Pinneberg gerät oft in schwierige Situationen – und will doch immer nur das Richtige tun. Aber aus seiner Haut kann er halt auch nicht.

„Kleiner Mann – was nun“ ist eine sehr gefühlvolle und anschaulich beschriebene Geschichte über einfache Leute, die einfach nur leben wollen, denen aber die Wirtschaftskrise das Leben mehr als nur schwer macht.

Frank Arnold, egal ob Sachbuch oder Roman – er ist klasse. Hier hat er ein weiteres Mal bewiesen, dass er nicht nur Sachbücher hervorragend sprechen kann. Er beherrscht seinen Job in allen Genres und ich mag seine Stimme sehr.

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Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Hans Fallada – Kleiner Mann – was nun?

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M. C. Poets – Mordswald

MordswaldBeschreibung
Im Wald wird die Leiche des 34-jährigen Informatikers Philip Birkner aufgefunden. Die Spuren am Tatort weisen auf mehrere Täter hin. Lina Svenson und Max Berg von der Hamburger Mordkommission ermitteln und stoßen bald auf mehr als nur ein dunkles Geheimnis in der Vergangenheit des Toten.

Sprecher
Vanida Karun

Länge
11 h 25 m

Meine Meinung
Ich muss gestehen, sehr hoch waren meine Erwartungen nicht, als ich gestern mit diesem Hörbuch anfing. Den Titel finde ich ziemlich plump, die kurze Beschreibung oben kann alles oder nichts bedeuten. Doch mir war nach einem Krimi von einem mir noch unbekannten Autor. Und da mir M. C. Poets bis dato noch nicht über den Weg gelaufen war, bot sich dieser Titel natürlich an. Vor gut 2 Stunden habe ich das Hörbuch nun fertig gehört. Was soll ich sagen: Ich bin begeistert! Solch einen tollen Krimi hatte ich nun wirklich nicht erwartet.

Die Story
Lina Svenson und Max Berg müssen sich in dieser Geschichte nicht nur mit den aktuellen Beweisen vor Ort beschäftigen, sondern viele Fakten liegen auch in der Vergangenheit des Ermordeten verborgen. Denkt man zunächst noch, dass das Opfer Philip Birkner ein äußerst sympathischer Zeitgenosse war, dem alle wohlgesinnt waren, häufen sich nach und nach die Hinweise, dass nicht alles Gold ist, was glänzt.

Den Aufbau der Story fand ich äußerst clever und spannend gemacht. Nicht nur einmal wird mal total in die Irre geführt, nur um dann viel später festzustellen, dass man sich hier ja wohl komplett vertan hat. Stück für Stück wird hier der Charakter nicht nur von einer Person völlig enthäutet um am Ende ein gänzlich anderes Bild zu präsentieren, als man zunächst vermutete. Durch diesen steten Aufbau nahm die Spannung immer weiter zu, bis sie in einem wirklich tollen Ende alles offenbart, was zunächst unvorstellbar schien.

Menschen wie du und ich
Auch bei der Personenbeschreibung bin ich voll des Lobes. Abgesehen von den beiden Ermittlern Lina und Max werden alle Personen in diesem Krimi äußerst lebensecht beschrieben. Bei keinem hat man den Eindruck, dass er nur kurz eingeschoben wurde, und deshalb keiner genaueren Beschreibung bedarf. Im Gegenteil, hier wurde jede Person derart präzise beschrieben, dass es schwer vorstellbar ist, er sei nur eine Erfindung der Autorin. Das hat mich sehr fasziniert. Und besonders gut gefallen hat mir natürlich die Beschreibung von Lina und Max, die mir während der Story sehr ans Herz gewachsen sind.

Die Sprecherin
Vanida Karun war eine sehr gute Wahl für dieses Hörbuch. Sie hat eine sehr angenehme Stimme und hat die Story ebenso natürlich und menschlich vorgetragen, wie es dieser tolle Krimi auch brauchte.

Fazit
Kurzum, mit „Mordswald“ wurde ich für elfeinhalb Stunden in eine spannende Kriminalwelt entführt, in der ich viele neue sympathische und natürlich auch unsympathische Menschen kennenlernen durfte. Ein Krimi der alles andere als bluttriefend ist, der aber durch seine besondere sprachliche und inhaltliche Intensität von der ersten bis zur letzten Minute fesselt. So gefällt mir das.

Ich würde mich sehr freuen, wenn M. C. Poets noch weitere Bücher mit den beiden Ermittlern Lina und Max schreiben würde. Ich würde sie mir garantiert alle zulegen!

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Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: M. C. Poets – Mordswald

Simon Lelic – Das Kind, das tötet

Beschreibung Das Kind das tötet
Leo Curtice scheint das große Los gezogen zu haben. Der bisher wenig erfolgreiche Anwalt wird Pflichtverteidiger in einem spektakulären Fall: Ein erst zwölfjähriger Junge hat auf brutale Weise eine Elfjährige ermordet. Wider Erwarten packt Leo der Ehrgeiz, dem Jungen wirklich helfen zu wollen. Doch er rechnet nicht mit der Hexenjagd, die nun beginnt. Und dann kommt es zur Katastrophe, die sein Leben auf immer verändern wird.

Simon Lelics aufwühlendes Meisterstück über Schuld und Vergebung, Liebe und Pflicht.

Sprecher
Jan Uplegger

Länge
9 h 07 m

Meine Meinung
Wenn man gerne „bequeme“ Literatur hört, die genau und klar einzustufen ist, dann sollte man von Simon Lelic tunlichst die Finger. Denn seine Bücher sind alles andere bequem. Nachdem ich zunächst „Ein toter Lehrer“ von Lelic gehört hatte und ich dieses sehr unbequem aber verdammt gut fand, wurde ich neugierig auf weitere Bücher von Simon Lelic.

In „Das Kind, das tötet“ geht es um einen Anwalt, den der Ehrgeiz packt, einen eigentlich aussichtslosen Fall doch noch zu gewinnen. Doch nicht unbedingt um des Ruhmes willen, sondern um dem Kind, das getötet hat – und das steht von Anfang an außer Frage – bestmöglich zu helfen.

Wieder macht Lelic keine Statements, was denn moralisch richtig oder falsch ist. Wieder überlässt er die Denkarbeit dem Leser/Hörer. Er wirft viele  Fragen auf, die der Leser/Hörer dann selbst mit sich ausmachen muss, wie er denn selbst zu der Fragestellung steht. Das ist natürlich nicht leicht, es nagt an einem, am eigenen Gewissen und gerade das macht das Besondere aus. Denn man bekommt nichts auf dem Silbertablett präsentiert. Man muss es sich schon selbst mühsam erarbeiten. Toll. Eine mir wirklich willkommene Abwechslung zu all den anderen Thrillern, die hauptsächlich durch Spannung, Action, vielen Grausamkeiten und Zufällen bei der Ermittlungsarbeit brillieren oder zumindest unterhalten. Bei Simon Lelic muss man selbst mitarbeiten.

Das Ende hat mich nicht ganz überzeugt zurückgelassen, da hätte man etwas mehr herausholen können. Deshalb und auch weil es mich im Großen und Ganzen nicht ganz so begeistert hat, wie „Ein toter Lehrer“ gibt es für dieses Hörbuch nicht die ganze Punktzahl – ein Pingu-Punkt muss ich abziehen. Aber da bleiben immer noch sehr gute 4 Pingu-Punkte für die Story übrig. Und Simon Lelic zählt für mich zu einem der Ausnahmeschriftsteller, bei dem ich schon gebannt auf sein nächstes Buch warte.

Jan Uplegger fand ich auch bei dieser Geschichte wieder äußerst überzeugend und genial. Er passt sehr gut zu Lelics Schreibstil.

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Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Simon Lelic – Das Kind, das tötet 

Siehe auch: 

Jussi Adler-Olsen – Verachtung (Carl Mørck 4)

VerachtungBeschreibung
Carl Mørck vom Sonderdezernat Q ermittelt in einem neuen Fall: eine Reihe vermisster Personen aus dem Jahr 1987. Die Spur führt ihn zu Nete Hermansen, die als junges Mädchen ihre Mutter verlor und ein entsetzliches Schicksal erlitt. Von ihren Vormündern grausam misshandelt, durch einen fanatischen Arzt zwangssterilisiert, wurde sie schließlich nach Sprogø verbannt, der Insel für ausgestoßene Frauen. Als sie entlassen wird, lernt Nete zu vergessen. Sie heiratet und führt ein glückliches Leben – bis sie Jahre später erneut auf ihre Peiniger trifft und beschließt, grausame Rache zu nehmen.

„Verachtung“ („Journal 64“, 2010) ist der vierte Fall für Carl Mørck und seinen Assistenten Assad, packend gelesen von Wolfram Koch.

Sprecher
Wolfram Koch

Länge
17 h 26 m

Meine Meinung
Dieses Hörbuch ging mir tief unter die Haut. Es wird hier die Geschichte von Nete Hermansen die erzählt, die eine Kindheit und Jugend durchleben musste, wie es schlimmer wohl kaum noch geht. Doch sie ist eine starke Frau und schafft es, trotz aller Widrigkeiten glücklich zu werden.

Als sie dann wieder auf ihre früheren Peiniger trifft, wird ihr Leben abermals aus der Bahn geworfen. Und jetzt – nach so vielen Jahren – beschließt sie endlich, Rache zu üben. Völlig verständlicherweise wie ich finde.

Die Geschichte wird in verschiedenen Zeiten erzählt. Zum Einen, aus der Kindheit von Nete, wenn sie sich erinnert, dann 1987, als einige Menschen spurlos verschwanden und natürlich aus dem Jahre 2010 als Carl Mørck und sein Assistent Assad in diesem ungeklärten Fall ermitteln. Dadurch baut sich die Geschichte Stück für Stück auf, immer mehr furchtbare Details kommen ans Tageslicht. Ich als Hörerin war immer entsetzter, als ich hörte, wozu Menschen in der Lage sind – was sie anderen antun können. Und das Schlimme dabei: es ist ja nicht an den Haaren herbeigezogen. Die Geschichte könnte durchaus passiert sein!

Dies ist kein Krimi, der blutig daher kommt. Nein, hier geht es vielmehr um die seelische Vernichtung von Menschen durch pure Verachtung. Machtspiele, Intrigen und Lügen die sich gegen Nete richteten, gaben ihr in ihrem Leben kaum eine Chance.

Doch trotz aller Ernsthaftigkeit der Thematik und der ganzen Grausamkeiten, kam auch hier der Charme in den Dialogen zwischen Carl und Assad nicht zu kurz. Und das war gut so. Denn dieses Hörbuch ist so schockierend, dass man es ohne kurz mal auflachen zu können, kaum aushalten könnte.

Wolfram Koch hat seine ganz eigene Art. Manchmal spricht er etwas abgehackt, aber das auf eine so interessante Art, dass es mir sehr gut gefällt. Und seine Stimme mag ich sowieso.

Insgesamt ist „Verachtung“ eine sehr vielschichtige Geschichte mit Tiefgang, die man ganz sicher so schnell nicht wieder vergisst.

Fazitstars_5 absolut empfehlenswert

Weitere Informationen
Eine Hörprobe sowie weitere Informationen gibt es bei Audible.de
Und hier geht es direkt zum Hörbuch: Jussi Adler-Olsen – Verachtung

Siehe auch: