Charlotte Roth – Weil sie das Leben liebten

Beschreibung
Berlin Ende der 1920er Jahre: Die junge Franka hat nur einen Wunsch – sie möchte Zoologie studieren. Ihre strengen Eltern und die Weltwirtschaftskrise machen ihren Traum zunichte, doch immerhin gelingt es ihr, eine Stelle als Tierpflegerin im Berliner Zoo zu bekommen. Die Arbeit mit den geliebten Tieren geht ihr über alles, ihnen schenkt sie ihre ganze Liebe – nicht den Menschen. Nur ganz allmählich fasst sie Zutrauen zu dem Tierarzt Carl, der vom Leben ähnlich gebeutelt wurde wie sie.

Dann lernt sie den faszinierenden Adam kennen und lieben. Doch Adam ist Sinti, und inzwischen haben die Nazis die Macht in Deutschland ergriffen. Adams Leben ist in höchster Gefahr, und Franka ist bereit, für ihn zu kämpfen – und für ihre Tiere. Fortan weiß sie nicht mehr, wem sie trauen kann…

Diese ungekürzte Hörbuch-Fassung wird exklusiv von Audible präsentiert und ist ausschließlich im Download erhältlich.

Sprecher
Elisabeth Günther

Länge
15 h 33 m

Meine Meinung
Warum ist mir Charlotte Roth bisher noch nie auf die Ohren gekommen?  Das wird sich ganz schnell ändern. Denn dieses Buch, welches eigentlich ihr 3. ist, hat mich derart begeistert, dass ich gleich mal die anderen drei Hörbücher (insgesamt sind es also vier) auf meine Merkliste gesetzt habe. Doch nun zum Buch „Weil sie das Leben liebten“.

Die Geschichte beginnt in der Weimarer Republik, kurz vor der Weltwirtschaftskrise und geht bis über den kompletten 2. Weltkrieg und dessen Ende hinaus.

Franka, unsere Protagonistin liebt Tiere schon immer über alles und will Zoologie studieren. Doch ihr Studium kann sie aufgrund der Wirtschaftskrise nicht beenden. Sie bekommt einen Job als Tierpflegerin im Berliner Zoo. Hier trifft sie auch ihre frühere Schulfreundin Annie wieder, die dort als Sekretärin arbeitet. Und das, wo sie Tiere doch eigentlich gar nicht leiden kann. Dann gibt es noch den furchtbar menschenscheuen Tierarzt Carl und den liebenswerten Pfleger Winnie, der Blockmalz über alles liebt und den alle Menschen sofort in ihr Herz schließen. Diese und noch weitere Mitarbeiter bilden eine Art „Arche an der Spree“, sie sind eine große Familie, die sich gegenseitig Halt und Liebe in dieser schweren Zeit gibt.

Währenddessen werden die Schreie nach dem reinen deutschen Volk immer lauter, immer schlimmere Gesetze werden von Hitler erlassen. Und diesen Aspekt fand ich äußerst interessant! Denn Charlotte Roth hat hier nicht zum hunderttausendsten Mal das Leid und die Verfolgung der Juden geschildert, sie hat sich der Zigeuner angenommen, die ebenso verfolgt und ermordet wurden wie die Juden. Prozentual gesehen sogar im gleichen Ausmaß wie die Juden.

Durch ihren immer nazihörigeren  Onkel stößt Franka auf Adam, einem Sinti, an dem grausame Versuche vorgenommen wurden und der beinahe an den Versuchen stirbt. Sie kann ihn aus den Klauen des Onkels und der Nazis retten und pflegt ihn mit Hilfe des Tierarztes Carl in ihrer Arche gesund.

Viel Herzschmerz gibt es in dieser Story natürlich auch, manchmal dachte ich kurz: ups, etwas zu viel des Guten, doch schon im nächsten Augenblick hatte ich alles wieder verziehen und weiter gebannt den Ereignissen gelauscht.

Ach, ich könnte hier noch zig Begebenheiten aufführen, die ich allesamt erwähnenswert finde, doch das würde wahrlich zu weit führen.

Charlotte Roth kann wunderbar schreiben, sie zieht einen mit ihren Worten und Sätzen förmlich in das Geschehen hinein und vermag es mit Leichtigkeit, die Personen zu charakterisieren und sehr lebhaft wirken zu lassen. Mir hat das sehr gut gefallen.  Sehr gut fand ich auch, dass die Autorin sehr deutlich macht, was sie von Nazis hält. Hier nimmt sie kein Blatt vor den Mund.

Auch die Sprecherin hat mir sehr gut gefallen. Sie hat eine angenehme Stimme und ich konnte ihr problemlos über Stunden zuhören.

Insgesamt bin ich also wirklich glücklich über meine persönliche Neuentdeckung, die es sogleich auf meine Bestenliste geschafft hat.

Und jetzt werde ich mir ihr erstes Buch „Als wir unsterblich waren“ anhören. Freue mich schon sehr darauf.

Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Charlotte Roth – Weil sie das Leben liebten

Robert Seethaler – Der Trafikant

Der TrafikantBeschreibung
Österreich 1937: Der 17-jährige Franz Huchel verlässt sein Heimatdorf, um in Wien als Lehrling in einer Trafik – einem Tabak- und Zeitungsgeschäft – sein Glück zu suchen. Dort begegnet er dem Stammkunden Sigmund Freud und ist sofort fasziniert von dessen Ausstrahlung. Als sich Franz kurz darauf Hals über Kopf in die Varietétänzerin Anezka verliebt und in eine tiefe Verunsicherung stürzt, sucht er bei Professor Freud Rat.

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Sprecher
Robert Seethaler

Länge
6 h 22 m

Meine Meinung
Dieses Hörbuch gehört für mich in die Kategorie: Du brauchst sechseinhalb Stunden am Stück Zeit, denn du wirst es nicht mehr aus den Ohren nehmen wollen. Nicht weil es so außergewöhnlich ist, sondern vielmehr weil es – trotz der schrecklichen Zeit, in der es spielt – so herzlich, so humorvoll und berührend daherkommt.

Ich will von dieser kurzen Geschichte nicht allzu viel verraten. Nur soviel: Franz ist ein junger Mann, der das Leben noch nicht kennt, den seine erste Erfahrung mit einer Frau in eine völlige Verwirrung versetzt und der die Nazis ganz und gar nicht verstehen kann und auch nicht will.

Die Geschichte wird aus der Sicht des Franz erzählt, der die Welt um sich herum beobachtet und sie immer weniger versteht und der immer wieder das Gespräch mit Prof. Freud sucht. Doch bald scheint es Franz, dass sein ganzes Leben aus Abschied nehmen besteht.

„Der Trafikant“ ist für mich ein kleines Juwel in der Literatur. Es ist wunderbar geschrieben und beschreibt die Anfänge des 2. Weltkrieges durch die Augen des noch sehr jungen Franz, der eine ganz andere Erwartung an sein Leben hatte.

Dass Robert Seethaler die Geschichte selbst liest, hat mir sehr gut gefallen, da es durch die Wiener Aussprache sehr authentisch daherkommt. Zwar sind Autorenlesungen nicht immer die beste Wahl, aber hier hat es mir sehr gut gefallen. Seethaler kann nicht nur schreiben, er kann auch sehr gut vortragen.

Dieses Hörbuch kommt auf meine Bestenliste.

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Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Robert Seethaler – Der Trafikant

Siehe auch