Hans Bemmann – Stein und Flöte – und das ist noch nicht alles

stein-und-flote-lesungBeschreibung
Lauscher, Sohn des Großen Brüllers, ähnelt eher seinem Großvater, dem Sanften Flöter. Er erbt einen Stein, der in allen Farben schimmert, und eine silberne Zauberflöte, deren Melodie das Handeln der Menschen beeinflusst. Dazu schenkt ihm ein alter Steinsucher ein Stück Wurzelwerk, genannt Zirbel, das seinem Besitzer in schwierigen Situationen stets neuen Mut schenkt. Fortan setzt er alles daran, die Welt seinen Wünschen anzupassen. Doch außer phantastischen Abenteuern erleidet er nur Niederlagen und trägt so manche Blessur davon – bis er schließlich seinem Ziel entgegenstolpert.

Sprecher
Oliver Rohrbeck

Länge
42 h 10 m

Meine Meinung
Vor einigen Jahren hatte ich das gekürzte Hörspiel „Stein und Flöte“ gehört. Das hatte mich nicht sonderlich begeistert, da einfach nicht viel von der Story übrig blieb und viel zu viel Musik eingespielt wurde.

Jetzt habe ich mich endlich an die ungekürzte Version herangetraut, die ja immerhin 42 Stunden lang geht. Diese ungekürzte Version hat mir viel besser gefallen. Denn hier wird der Lebensweg des kleinen Lauscher sehr detailliert beschrieben und mit vielen anderen Geschichten ausgeschmückt. Lauscher braucht sehr lange, bis er das Leben wirklich begreift und auf was es im Leben wirklich ankommt. Es gibt eine Stelle in dem Buch, in dem ich wirklich viel Geduld brauchte, Lauscher bei immer wieder fast den gleichen Fehlern zuzuhören. Doch nicht nur Lauscher bekommt hier eine Lektion in Sachen Geduld beigebracht, auch der Hörer. Doch es geht hier nicht nur um Geduld. Vielmehr ist dieses Buch ein Spiegel für uns alle, was man so tut um anderen zu gefallen und sich selbst dabei völlig aus den Augen verliert. Die Konsequenz folgt meist auf den Fuß. Ein kleines „Lebenshilfe-Buch“, so könnte man diese komplexe Geschichte wohl beschreiben, doch das ist noch nicht alles.

Mit all den Geschichten in den Geschichten bietet „Stein und Flöte“ eine Menge Abwechslung, auch wenn man auf Spannung vergeblich wartet. Und trotzdem passiert eine ganze Menge in dem gesamten Werk. Manches wurde mir erst im Nachhinein richtig bewusst.

Als ich die Geschichte fertig gehört hatte, fing ich direkt wieder von vorne damit an. Und da diese Story sich auch perfekt dazu eignet, stückchenweise gehört zu werden, habe ich „Stein und Flöte“ immer noch auf meinem Player und höre zwischen den anderen Hörbüchern immer mal wieder ein Stück davon weiter.

Wer braucht schon mehrere Sprecher, wenn Oliver Rohrbeck liest? Er gibt all den Wesen ihre eigene Stimme und ihre eigene Betonung. Ich hatte zu keiner Zeit Probleme zu erkennen, wer denn nun gerade spricht. Und es sind hier einige Wesen in den diversen Geschichten. Seine Leistung finde ich wirklich grandios.

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Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Hans Bemmann – Stein und Flöte

Siehe auch:

Ayelet Gundar-Goshen – Löwen wecken

Löwen weckenBeschreibung
Ein Neurochirurg überfährt einen illegalen Einwanderer. Es gibt keine Zeugen, und der Mann wird ohnehin sterben – warum also die Karriere gefährden und den Unfall melden? Doch tags darauf steht die Frau des Opfers vor der Haustür des Arztes und macht ihm einen Vorschlag, der sein geordnetes Leben komplett aus der Bahn wirft. Wie hätte man selbst in einer solchen Situation gehandelt? Diese Frage schwebt über dem Roman, der die Grenzen zwischen Liebe und Hass, Schuld und Vergebung und Gut und Böse meisterhaft auslotet.

Diese ungekürzte Hörbuch-Fassung wird exklusiv von Audible präsentiert und ist ausschließlich im Download erhältlich.

Sprecher
Uve Teschner

Länge
11 h 25 m

Meine Meinung
Dieses Hörbuch empfand ich in zweierlei Hinsicht als ziemlich überraschend. Erstens hatte ich es aufgrund des Klappentextes wie selbstverständlich nach Deutschland verortet. Der Name der Autorin sagte mir nichts. Denn wenn ich sie bereits gekannt hätte, wäre mir klar gewesen, dass diese Geschichte vermutlich eher in Israel und eben nicht in Deutschland spielt. Zweitens fand ich den Sprachstil außergewöhnlich bildhaft, mit Metaphern, die meinen europäischen Ohren ziemlich fremd und doch zugleich sehr faszinierend vorkamen.

Der Inhalt ist oben schon kurz angerissen. Ein klein wenig weiter ausholen möchte ich hier dann doch. Denn die Entscheidung, die Etan in dieser verhängnisvollen Nacht trifft, nämlich den von ihm „überrollten“ Mann – der ein illegal eingewanderter Eritreer ist und dem man aufgrund der schweren Verletzungen sowieso nicht mehr helfen kann – seinem Schicksal zu überlassen und ihn einfach sterbend liegenzulassen, verändert sein Leben vermutlich mehr, als es eine Unfallmeldung je getan hätte. Doch die Folgen treten erst nach und nach immer deutlicher ins Rampenlicht, lassen Etan immer mehr mit seinem Gewissen hadern und letztendlich rudert er mit jeder weiteren Entscheidung, die er im Nachhinein trifft, immer tiefer hinein in einen Morast aus Lügen und Betrug. Doch nicht nur seiner Familie gegenüber, auch sich selbst betrachtet er im Verlauf der Geschichte mit immer größeren Zweifeln, was für ein Mensch er wirklich ist und was für ein Mensch er eigentlich immer sein wollte – und auch jahrelang tatsächlich zu sein glaubte.

Diese innere Zerrissenheit und die Ohnmacht, mit der jetzigen Situation klar zu kommen, treibt ihn schier ans Ende seiner Kraft.

Die zweite sehr wichtige Person in diesem Roman ist Sirkit. Sie ist die Frau des Opfers, die unbemerkt Zeugin des Unglücks wird und ihr der Zufall zu Hilfe kommt, als Etan seine Geldbörse am Unfallort verliert. Sie steht am nächsten Tag mit dem Geldbeutel vor Etans Tür und sagt ihm, dass er diesen wohl verloren habe. Sofort wird Etan klar, dass sie ihn erpressen will. Er soll sich am Abend in einer Autowerkstatt einfinden. Etan überreicht ihr viel Geld, obwohl sie gar nicht nach Geld verlangt hatte. Sirkit nimmt das Geld, doch eigentlich hat sie ganz andere Pläne mit ihm. Denn er ist Arzt, wie sie dank seiner Papiere weiß, und einen Arzt benötigen die illegalen Einwanderer noch dringender als Geld.

Sehr gut hat mir hier die Entwicklung der Geschichte an sich und der beiden Protagonisten gefallen. Z. B. kämpfte jeder seinen eigenen Kampf, gegen das System, gegen sich selbst, doch auch gegen den fremdartigen, gar abstoßenden Anderen, die doch eh alle gleich aussehen. Sowohl Sirkit als auch Etan hatten Probleme, den jeweils Anderen zu erkennen und auch wiederzuerkennen. Denn die gewohnten Erkennungsmerkmale fielen aufgrund der Andersartigkeit in ein dunkles, verschwommenes Loch, in dem alle Eritreer und alle Israelis für den jeweils Anderen gleich aussahen. Dachte ich anfangs noch, dass Sirkit einzig Hilfe für ihr eigenes geschundenes Volk will, so verändert sich diese Sichtweise im Laufe der Geschichte. Auch Etan macht eine glaubhafte Entwicklung durch, immer darauf bedacht, möglichst heil wieder aus dieser vertrackten Situation herauszukommen. Beide winden sich, sträuben sich. Ein turbulentes Magnetspiel, bei dem sich die Pole mal kraftvoll anziehen und sich dann wieder mit voller Wucht abstoßen. Wer hier meint, auf klare Gefühle und  Meinungen zu treffen, der irrt. Und gerade das macht diese Geschichte so glaubhaft und zutiefst menschlich.

Doch auch die Rolle der Ehefrau von Etan hat mir gut gefallen. Denn sie ist Polizistin. Und ausgerechnet sie soll den Unfall mit der Fahrerflucht aufklären. Dass es hier zu Spannungen kommt, kann man sich nur unschwer vorstellen. Doch seine Frau Lait ist auf einer völlig falschen Spur, die aber menschlich und auch von der Handlung her wiederum sehr gut zu verstehen ist. Auch wenn man als Hörer natürlich weiß, wie sich das mit dem Unfall verhielt, so konnte man ihre Schlußfolgerungen letztendlich doch auch verstehen.

Und nun komme ich zum Highlight der Geschichte. Keine Angst, es folgt kein Spoiler. Denn ich will hier einzig von dem grandiosen Sprachstil reden. Ich lauschte hier wirklich gebannt jedem einzelnen Wort. Die Metaphern und Beschreibungen – und davon gab es sehr viele – waren mal blumig, fast schwülstig, dann wieder staubtrocken wie die Wüste, die unseren Schauplatz Be’er Schewa umgibt, dann plötzlich vulgär bis wirklich abstoßend. Hier wurde die ganze Bandbreite der Gefühle und Stimmungen bildlich und sprachlich nuanciert herausgearbeitet. Auch der Satzbau war stellenweise völlig anders, als in den meisten Romanen. Da stockte einem schon aufgrund der einzigartigen Aneinanderreihung der Worte der Atem.

Uve Teschner als Sprecher hat diese sprachlichen Feinheiten mit einem exzellenten  Gespür für Betonung, Dramatik und Satzmelodie gesprochen, dass sich manches Mal bei mir eine leichte Gänsehaut bildete. Einfach genial. Ich möchte fast so weit gehen zu sagen, dass dies bisher die beste Leistung Teschners war – und ich habe schon viele Hörbücher mit ihm als Sprecher gehört.

Wem könnte diese Geschichte gefallen? Nun, da kommt mir doch direkt „I saw a man“ von Owen Sheers in den Sinn. Ähnliche Thematik: Entscheidung ist getroffen, wie lebt man nun damit.

Dieses Hörbuch gehört jedenfalls auf meine Bestenliste.

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Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Ayelet Gundar-Goshen – Löwen wecken

Friedemann Schulz von Thun – Miteinander reden 2

Stile, Werte und Persönlichkeitsentwicklung

Miteinander reden 2Beschreibung
Beruf, Beziehung, Alltag: Ständig kommunizieren wir mit unserer Umwelt. Und immer wieder entstehen dabei Probleme. Friedemann Schulz von Thun zeigt, welche Erkenntnisse die Kommunikationspsychologie bietet, damit wir auf persönlicher und auf sachlicher Ebene besser kommunizieren.

„Miteinander reden 2“ stellt die verschiedenen Kommunikationsstile vor, die Menschen haben. Wie gehen wir am besten mit ihnen um? Und wie können wir das Wissen um unseren eigenen Kommunikationsstil für unsere Persönlichkeits-entwicklung nutzen?

Zu diesem Titel erhalten Sie eine PDF-Datei, die nach dem Kauf automatisch Ihrer Bibliothek hinzugefügt wird.

Sprecher
Christian Baumann, Ursula Berlinghof, Gabriele Gerlach, Philipp Kreisselmeier, Andreas Neumann

Länge
4 h 31 m

Meine Meinung
Dies ist die Fortsetzung von Miteinander reden 1 – Störungen und Klärungen: Die Psychologie der Kommunikation. Während in Teil 1 die „vier Ohren“ (also die vier Seiten einer Nachricht) genauer unter die Lupe genommen wurden und mir damit schon sehr die Augen (und Ohren) geöffnet wurden, geht es hier um die 8 verschiedenen Kommunikationsstile. Diese sind wie folgt:

  1. Der bedürftig-abhängige Stil
  2. Der helfende Stil
  3. Der selbst-lose Stil
  4. Der aggressiv-entwertende Stil
  5. Der sich beweisende Stil
  6. Der bestimmende-kontrollierende Stil
  7. Der sich distanzierende Stil
  8. Der mitteilungsfreudig-dramatisierende Stil

Auch wenn man die Menschen und uns selbst natürlich nie gänzlich nur einem Stil zuordnen können, so gelangt man trotz allem auch hier zur tieferen Einsicht der menschlichen Kommunikation,  den Chancen die darin liegen aber auch den Tücken, die sich dahinter verbergen.

Für alle, die Teil 1 gehört haben und fasziniert von Schulz von Thuns Ausführungen waren, wird auch dieses weiterführende Buch in Sachen Kommunikation sehr gut gefallen. Denn hier werden nicht nur die verschiedenen Stile erläutert und erklärt, es werden auch Anreize geboten, wie man das ein oder andere eigene Verhalten positiv verändern könnte.

Zu dem Hörbuch erhält man von Audible gratis eine Ergänzungs-PDF-Datei dazu.

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Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Friedemann Schulz von Thun – Miteinander reden 2: Stile, Werte und Persönlichkeitsentwicklung

Siehe auch:

 

Michael Bordt – Was in Krisen zählt

Was in Krisen zähltBeschreibung
„Ich bin davon überzeugt, dass es zu Krisen kommt, weil Menschen vergessen, auf was es im Leben eigentlich ankommt. Anders gesagt: weil sie in falschen Bildern vom glücklichen Leben gefangen sind. Weil Menschen sich von Dingen ihr Glück versprechen, die nicht glücklich machen“. (Michael Bordt)

Der Jesuit und Philosophieprofessor Michael Bordt macht Mut, sich auf die Suche nach einem gelungenen Leben zu begeben. Er gibt auf verständliche und eindringliche Weise einen Lebenswegweiser. Nicht nur zur Bewältigung individueller und globaler Krisen, sondern er ermuntert vor allem zur Wahrnehmung der eigenen Werte und Tugenden.

„Vielleicht ist es ja falsch, Antworten bei Wirtschaftswissenschaftlern zu suchen. Vielleicht ist es an der Zeit, bei den Philosophen nachzufragen“ (stern)

„Mutmacher. Der Jesuit und Philosoph Michael Bordt erörtert in seinem brandaktuellen Buch „Was in Krisen zählt“, wie das Lebensglück jedes Einzelnen globalen Miseren entgegenwirken kann.“ (Madame)

Sprecher
Michael Bordt

Länge
2 CDs

Meine Meinung
In diesem Lebenshilfebuch von Michael Bordt geht es um Werte. Um Werte, die uns auch in Krisen stark sein lassen. Denn meistens jagen wir den falschen Werten hinterher. Noch mehr Klamotten, ein noch dickeres Auto, Hauptsache immer trendy und möglichst teuer. Doch was helfen uns all diese Gegenstände, wenn es ums blanke Überleben geht?

Der Philosoph und Jesuit zeigt uns auf, welche verschiedenen Anschauungen von Werten es gibt und welche Werte uns vermutlich in Krisen am besten helfen.

Wer nun schon einige Bücher zum Thema Philosophie gelesen oder gehört hat, dem wird hier vieles sehr bekannt vorkommen. Und wieder einmal wurde ich in meiner Ansicht bestätigt, dass eine philosophische Weltanschauung unserer Welt viel besser täte, als die Anschauung, die momentan in unserer Gesellschaft gelebt wird.

Wer sich mit Philosophie noch nicht beschäftigt hat, der wird hier schnell merken, dass dies ein bemerkenswert interessantes Gebiet ist, welches es unbedingt wert ist, genauer betrachtet zu werden. Michael Bordt gibt hierfür in diesem Hörbuch einen ersten tieferen Einblick in die Welt der „weißen Kaninchen“.

Auch dies ist wieder eine Autorenlesung. Und auch hier erzählt Michael Bordt wieder sehr überzeugend seinen eigenen Text.

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Mein herzlicher Dank für das Rezensionsexemplar geht an den BONNEVOICE Hörbuchverlag.

Siehe auch: