Steffen Jacobsen – Bestrafung (Ein Fall für Lene Jensen und Michael Sander 2)

Beschreibung
Dänemark verliert seine Unschuld, als ein Selbstmordattentäter im Tivoli, dem beliebtesten Vergnügungspark des Landes, eine Bombe zündet. Mehr als Tausend Menschen finden den Tod. Doch niemand bekennt sich zu dem Anschlag, und die Ermittlungen laufen ins Leere. Bis Kommissarin Lene Jensen eine Verbindung zu einem vermeintlichen Selbstmord im U-Bahnhof Nørreport herstellt. Gemeinsam mit Privatdetektiv Michael Sander geht sie der Sache auf den Grund. Sie finden Schreckliches.

Sprecher
Josef Vossenkuhl

Länge
14 h 12 m

Meine Meinung in Kürze
Auch die Fortsetzung von „Trophäe“ ist wieder spannungsreich und spart nicht an  Toten. Aber gut, mit einem Bombenanschlag im Tivoli, dem größten Freizeitpark Dänemarks, hat man natürlich gleich eine Menge Morde begangen.

Zunächst muss hier Lene Jensen alleine in diesem verzwickten Fall von Terror ermitteln, erst ab ca. der Hälfte tritt auch Michael Sander in Erscheinung.

Insgesamt ist die Fortsetzung auch wieder kurzweilig und abwechslungsreich. Auch hier hat man irgendwie ständig Angst.

Josef Vossenkuhl hat mir auch hier wieder gut gefallen.

Weitere Informationen
Eine Hörprobe sowie weitere Informationen gibt es bei Audible.de
Und hier geht es direkt zum Hörbuch: Steffen Jacobsen – Bestrafung (Ein Fall für Lene Jensen und Michael Sander 2)

Siehe auch:

Ulrich Alexander Boschwitz – Der Reisende

Beschreibung
Berlin, 1938: Der Kaufmann Otto Silbermann findet sich nach den Novemberpogromen und seiner Flucht aus Berlin als rastloser Reisender in den Zügen der Deutschen Reichsbahn wieder. Verwandte und Freunde sind verhaftet oder verschwunden. Was ihm noch bleibt, ist eine Aktentasche voller Geld.

In den Waggons, auf Bahnsteigen und in Bahnhofsrestaurants, auf seinen Fahrten quer durchs Land trifft er auf andere Reisende, Flüchtlinge und Nazis, auf gute wie schlechte Menschen. Noch nie hat man mit so unmittelbarer Wucht nachempfinden können, wie lebensverändernd die Novemberpogrome für jeden einzelnen Menschen in Deutschland waren.

Sprecher
Torben Kessler

Länge
7 h 26 m

Meine Meinung
Otto Silbermann steckt mitten in Verhandlungen, um sein Haus zu verkaufen, als die Nazis seine Wohnung stürmen. Hals über Kopf verlässt er seine arische Frau und sein Heim, um seiner Verhaftung zu entkommen. Doch wo soll er hin? Sein Geschäftspartner sollte doch schon längst von den Verkaufsverhandlungen aus Hamburg zurück sein. Will er ihn etwa um sein Geld bringen? Becker, ein Arier, man weiß ja nicht mehr, wem man noch vertrauen soll. Kurzentschlossen reist er mit der Bahn nach Hamburg. Dort sieht er auch seinen Geschäftspartner zusammen mit Nazis an einem Tisch ausgiebig feiernd. Die Zweifel steigen, denn Becker ignoriert ihn komplett, so als würde er Silbermann überhaupt nicht kennen. Zuhause in Berlin treffen die beiden wieder aufeinander. Becker löst in einem höchst unerfreulichen Disput die Geschäftsbeziehung auf und zahlt Silbermann aus. Mit einem Koffer voller Geld steigt er in den nächsten Zug, denn er weiß nicht recht, wo er denn hin soll. Freunde und Verwandte wurden entweder verhaftet oder sind in der Partei. Fortan ist er auf Reisen, diverse Versuche, Deutschland zu verlassen, scheitern, so dass er immer weiter auf Reisen ist.

Hierbei lernt er verschiedene Menschen kennen, die Gespräche sind immer höchst interessant anzuhören. Auch Silbermanns Gedanken, wenn er alleine im Abteil sitzt sind zutiefst menschlich und nachvollziehbar und stellen sehr deutlich die innere Zerrissenheit der Juden dar. Denn was unterscheidet sie denn von den Goys? Und plötzlich wird er kurzzeitig gedanklich selbst zum jüdischen Antisemit und meint, all die anderen Juden seien an seinem Elend schuld.

Es ist wirklich unglaublich gut geschildert, welche Verzweiflung in Silbermanns Kopf Form annimmt. Ich fand diese Geschichte äußerst beklemmend und zutiefst menschlich erzählt. Er steht hier für viele Tausend anderer Juden, die im Nazideutschland gnadenlos verfolgt, verhaftet und ermordet wurden.

Wie man sich denken kann, ist diese Geschichte keine seichte oder leichte  Unterhaltung. Doch trotzdem oder gerade deshalb möchte ich dieses Hörbuch sehr empfehlen! Nicht zuletzt, da Torben Kessler als Sprecher wirklich eine grandiose Leistung hingelegt hat.

Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Ulrich Alexander Boschwitz – Der Reisende

Gusel Jachina – Suleika öffnet die Augen

Beschreibung
Suleika ist eine tatarische Bäuerin. Eingeschüchtert und rechtlos lebt die Mutter von vier im Säuglingsalter gestorbenen Kindern auf dem Hof ihres viel älteren Mannes. Ihr Weg zu sich selbst führt durch die Hölle, das Sibirien der von Stalin Ausgesiedelten.

Ein anrührendes und meisterhaftes Debüt, das in 21 Sprachen übersetzt ist. Vielfach preisgekrönt, u.a. als Großes Buch 2015 und mit dem Jasnaja Poljana-Preis 2015.

Diese ungekürzte Hörbuch-Fassung wird exklusiv von Audible präsentiert und ist ausschließlich im Download erhältlich.

Sprecher
Frank Arnold

Länge
17 h 49 m

Meine Meinung
Suleika ist die Frau eines wesentlich älteren Kulaken, ihre vier Töchter sterben jeweils recht schnell nach ihrer Geburt, ihre Schwiegermutter ist die Ausgeburt der Hölle. Auch der Mann ist recht grob und roh, Suleika erträgt ihr Leben in Demut. Dann kommen die „Roten Horden“, ermorden ihren Mann, lassen die bereits 100-jährige erblindete Schwiegermutter auf dem Gut zurück und rauben Suleika. Sie wird daraufhin mit 1000 anderen „Umsiedlern“ in einen Zug gepfercht und wochenlang durch die Gegend gefahren. Scheinbar ziellos leiden sie an bitterer Kälte und Hunger, nicht wenige sterben auf der Fahrt.

Ein weiterer Protagonist ist Igantow. Er ist der Mörder von Suleikas Mann und eben dieser wird dazu verpflichtet, den Transport der Sklaven – aber nein, es sind ja „Umsiedler“ – zu überwachen. Somit trennt sich der Weg von Suleika und Igantow nicht, im Gegenteil, sie sind ständig gemeinsam auf dem Weg. Er als unfreiwilliger Bewacher und sie als Gefangene von ihm. Als letztendlich nur noch 29 Überlebende dieser Tortur an ihrem Zielort in Sibirien ankommen, ist dort nichts. Überhaupt nichts. 29 Gefangene und ein Bewacher mit einer Pistole. Die versprochene Hilfe kommt nicht. Kann man das in dieser unmenschlichen Landschaft überleben?

Dieses Hörbuch geht ganz tief unter die Haut. Gusel Jachina hat einen sehr eindringlichen und gefühlvollen Stil, der den Hörer mitten hinein in die Geschehnisse versetzt. Ob es nun die wunderschönen Landschaftsbeschreibungen sind oder die Charakterisierung der Menschen, alles und alle vermag sie derart bildlich zu beschrieben, dass man keine Minute an der Echtheit und Glaubwürdigkeit zweifelt. Nicht selten entsteht dadurch ein dicker Kloß im Hals des Zuhörers.

Sehr interessant fand ich auch die Metapher, als der Professor immer mehr von einem Ei eingehüllt wurde, um sich dem herrschenden Wahnsinn zu entziehen. Nur so konnte er diese Welt noch ertragen.

Suleika öffnet die Augen ist eine Geschichte, die schwer zu ertragen und zugleich grandios erzählt ist. Es ist in meinen Augen typische schwere russische Literatur, an der man zu knabbern hat. Viele der geschilderten Situationen werden mir noch lange im Gedächtnis bleiben. Wenn ich mich nachts in meinen Träumen in einem Buch befinde, dann ist das ein eindeutiges Zeichen, dass es sehr großen Eindruck auf mich gemacht hat. Und ich war nächtelang in Sibirien.

Und nun komme ich zum schwierigen Teil dieser Bewertung. Frank Arnold als Sprecher fand ich stellenweise äußerst anstrengend. Ich habe nun schon öfter erwähnt, dass ich ihn als Sprecher von Sachbüchern ganz hervorragend finde. Da kommt ja auch keine direkte Rede vor. Doch hier haben wir natürlich viele Stellen mit Dialogen und auch viele Stellen, in denen geschrien wird. Ich finde es äußerst anstrengend, ihm dabei zuzuhören. Klar, er macht das mit viel Leidenschaft! Keine Frage! Aber ich finde seine Interpretation immer äußerst anstrengend. Fast schon schrill. Anfangs sind stimmlich viele anstrengende Stellen, das legt sich im Laufe der Geschichte ein Glück. Mit der restlichen Darbietung war ich dann sehr zufrieden.

Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Gusel Jachina – Suleika öffnet die Augen

Jean-Philippe Blondel – 6 Uhr 41

6 Uhr 41Beschreibung
Cécile sitzt im Zug, der Platz neben ihr ist frei, ein Mann setzt sich. Cécile erkennt ihn sofort: Philippe Leduc – vor fast dreißig Jahren war sie mit ihm zusammen. Und auch Philippe hat Cécile sofort erkannt. Doch sie schweigen – beide. Soll er sie ansprechen? Was könnte sie – nach all den Jahren – zu ihm sagen? Was wäre gewesen, wenn… Wer hat sich diese Frage nicht schon gestellt?

Jean-Philippe Blondel hat daraus eine wunderbare Komödie gemacht, in der wir uns alle wiederfinden.

Sprecher
Andrea Sawatzki, Christian Berkel

Länge
3 h 49 m

Meine Meinung
Cécile und Philippe sitzen im Zug zufällig nebeneinander. Sie kennen sich von früher, hatten einmal eine Beziehung, die übel zu Ende ging. Erzählt werden hier die Erinnerungen der beiden – jede für sich. Jeder aus seiner Sicht der Dinge. Stück für Stück setzt sich so also zusammen, was damals passiert ist. Und auch die Gegenwart, sprich, in welches Leben es sie verschlagen hat, wird erzählt.

Man sitzt nun also mit den Stöpseln im Ohr da, lauscht der Story und stellt sich die Situation vor. Schon skurril. Die unterschiedlichen Wahrnehmungen fand ich auch sehr interessant. Hier und da gab es auch durchaus witzige Szenen und Formulierungen, ich musste öfters schmunzeln. Nicht zuletzt wegen der genialen Leistung des Paares Andrea Sawatzki und Christian Berkel.

Mich hat diese kurze Reise in die Vergangenheit von Cécile und Philippe ziemlich gut unterhalten. Und auch den Schluss fand ich stimmig und passend.

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Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es bei Audible.de. Und hier geht es direkt zur Hörprobe und zum Hörbuch: Jean-Philippe Blondel – 6 Uhr 41